avaay Medical
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August 29
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9 min

Woher kommt Cannabis ursprünglich?

Lange vor Coffeeshops, Legal-Debatten und medizinischen Studien war Cannabis vor allem eins: eine uralte Kulturpflanze mit erstaunlich vielseitiger Verwendung. Ihre Geschichte reicht über 12.000 Jahre zurück – von den Hochebenen Zentralasiens bis in die Werkstätten europäischer Buchdrucker. Heute polarisiert Cannabis wie kaum eine andere Pflanze: Heilmittel oder Droge, Nutzpflanze oder Tabu? Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Cannabis mehr ist als ein modernes Reizthema – nämlich Teil einer Jahrtausende alten Kulturgeschichte.

  • Ursprung in Zentralasien: Cannabis wurde vor rund 12.000 Jahren erstmals in Zentralasien kultiviert – als Faser-, Nahrungs- und Heilpflanze.
  • Frühe medizinische Nutzung: Schon in Indien und China wurde Cannabis zur Schmerzlinderung und Beruhigung eingesetzt – etwa im Ayurveda.
  • Nutzpflanze in Europa: Nach Europa kam Hanf über Griechenland – genutzt wurde er vor allem für Papier, Seile und Segel.
  • Verbot durch Propaganda: Ab 1912 wurde Cannabis international kriminalisiert – stark beeinflusst durch die USA und wirtschaftliche Interessen.
  • Legalisierung und Neubewertung: Heute wird Cannabis weltweit neu bewertet – zum Beispiel auch in Deutschland. Hier gab es 2024 eine Teillegalisierung.

Die Geschichte des Cannabis beginnt nicht in Berlin, nicht in Amsterdam und auch nicht in Kalifornien. Sie beginnt in Asien – genauer gesagt in Zentralasien. Dort wurde Hanf bereits vor mehr als 12.000 Jahren kultiviert, zunächst vermutlich zur Nutzung als Faser- und Nahrungspflanze. Was heute vielerorts als Droge oder Medikament diskutiert wird, war einst ein elementarer Bestandteil frühzeitlicher Agrarkulturen und beeinflusste damit die Menschheitsgeschichte.

Auch in Indien spielte Hanf seit jeher eine Rolle, nicht nur als Nutzpflanze, sondern auch in der traditionellen Heilkunst. Ayurvedische Schriften beschreiben Anwendungen von Cannabis zur Linderung von Schmerzen, zur Beruhigung des Geistes oder zur spirituellen Vertiefung bei Meditation. Und bereits Krieger der vedischen Zeit sollen ihre Wunden mit Hanfblättern behandelt haben – ein pragmatischer Zugang zu einer Pflanze, deren Potenzial offenbar früh erkannt wurde.

Von der Seefahrt bis zur Schreibkunst: Hanf in Europa

Nach Europa kam Hanf über Handelsrouten, vermutlich über Griechenland. Nicht etwa wegen seiner psychoaktiven Eigenschaften, sondern als Rohstoff. Die zähen Fasern der Pflanze eigneten sich ideal zur Herstellung von Segeltuch, Seilen und Kleidung. Später wurde Hanf auch in der Papierherstellung verwendet – so soll sogar die erste Gutenberg-Bibel auf Hanfpapier gedruckt worden sein. Der Rausch war Nebensache. Hanf war vor allem eins: nützlich.

In Deutschland prägte diese Sichtweise über Jahrhunderte das Verhältnis zur Pflanze. Cannabis war Kulturhanf – ein Werkstoff, kein Wagnis. Erst mit dem 20. Jahrhundert wandelte sich die Perspektive, beeinflusst von internationalen Entwicklungen und einem zunehmend repressiven Drogenregime.

Herkunft und Klassifikationen: Cannabis sativa L., Cannabis indica und Cannabis ruderalis

Die Frage "Woher kommt Cannabis ursprünglich?" beschäftigte lange Zeit die Wissenschaft. Standorte wie China, Afghanistan oder gar Amerika standen zur Debatte. Erst jüngere Untersuchungen, etwa die des britischen Forschers John M. McPartland, brachten Klarheit: Mithilfe paläobotanischer und genetischer Analysen konnte sein Team belegen, dass das Ursprungsgebiet von Cannabis Sativa L. mit großer Wahrscheinlichkeit in Zentralasien liegt.[1]

Der Begriff „indischer Hanf“, wie Cannabis früher häufig bezeichnet wurde, ist heute überholt. Stattdessen unterscheidet die moderne Botanik drei Hauptformen:

  • Cannabis sativa L., die hochwachsende und eher stimulierend wirkende Art,
  • Cannabis indica, eine kompaktere, oft sedierender wirkende Variante,
  • sowie Cannabis ruderalis, eine kleinere und robuster wachsende Unterart, die für Züchtungen mit kurzer Blütezeit geschätzt wird.

Ob Cannabis indica tatsächlich eine eigenständige Art ist oder eine Variante von sativa, ist wissenschaftlich bis heute nicht abschließend geklärt. Klar ist jedoch: Die Cannabispflanze ist nicht nur alt, sondern auch komplex – botanisch, kulturell und gesellschaftlich. Und ihre Geschichte ist noch lange nicht zu Ende erzählt.

Die Wurzeln von Cannabis reichen tief – wer die Pflanze heute verstehen will, muss ihre Vergangenheit kennen.“ – **Tim, Cannabis-Sommelier bei Avaay Medical**

Diagramm zu den drei Hauptformen der Cannabispflanze: Cannabis sativa L., Cannabis indica und Cannabis ruderalis – visuelle Darstellung botanischer Klassifikationen.

Die Geschichte von Cannabis in Deutschland

In vielen Ländern nutzte man Cannabis zunächst nur als Kulturpflanze. So auch in Deutschland, wo Kultur-Hanf zur Papierherstellung und für den Buchdruck verwendet wurde. 1455 wurde wahrscheinlich sogar die erste Gutenberg-Bibel auf Papier aus Hanffasern gedruckt. Neben Papier standen auch Textilien hoch im Kurs, denn die zähen Hanffasern eigneten sich besonders gut für Garn und Seil. Das führte dazu, dass der Anbau der vielseitigen Hanfpflanze im 17. Jahrhundert in Deutschland seinen Höhepunkt erreichte.

Doch Anfang des 20. Jahrhunderts erhielt die Beliebtheit der Hanfpflanze für die Landwirtschaft einen starken Dämpfer. Denn der Konsum der Cannabis-Pflanze wurde verboten, was dazu führte, dass auch Landwirte sie nicht mehr anbauen durften. Das Anbau-Verbot als Nutzpflanze hielt bis 1996 an.

Seit den 90er Jahren erlebt Hanf deshalb eine wahre Wiedergeburt in der Landwirtschaft, da immer mehr Bauern die Vorteile der Pflanze entdecken. So zum Beispiel ihr schnelles Wachstum, ihr geringer Wasserbedarf und ihre hohe Resistenz gegen Schädlinge. Zudem braucht sie auch vergleichsweise wenig Platz zum wachsen. All das macht sie besonders für die ökologische Landwirtschaft geeignet.

Übrigens: Cannabis ist lateinisch für Hanf, es gibt also eigentlich keinen Bedeutungsunterschied zwischen den beiden Begriffen. Allerdings werden die Begriffe in Deutschland unterschiedlich benutzt. Hanf wird für die Bezeichnung der Nutzpflanze verwendet, während mit Cannabis alle THC-haltigen, zum Rausch-führenden Produkte gemeint sind.

So kam das Cannabis-Verbot zustande

Aber warum wurde Cannabis in Deutschland eigentlich verboten? Die weltweite Skepsis gegenüber Cannabis hatte wohl ihren Ursprung auf der Internationalen Opiumkonferenz 1912. Die USA waren Teil der Konferenz und hatten sehr viel Einfluss auf die Diskussion dort. In den Vereinigten Staaten fürchteten mächtige Wirtschaftsverbände eine starke Konkurrenz durch die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten der Hanfpflanze und machten öffentlichkeitswirksam den Ruf der Pflanze zu nichte. Dabei bedienten sie sich rassistischer Stereotype und irrationalen, religiösen Ängsten. Durch effektive Propaganda schürten sie die Befürchtung, dass Marihuana friedliche Menschen zu unbarmherzigen Mördern mache.

1913 setzte Kalifornien mit dem Poison Act als erster US-Bundesstaat ein Verbot von Marihuana und weiteren Drogen um. Das beeinflusste auch die Cannabis-Regulierung in anderen Ländern, darunter auch Deutschland, wo Marihuana 1929 verboten wurde. Nachdem in den USA der Mord eines psychisch auffälligen Jugendlichen an seiner Familie fälschlicherweise mit Cannabis-Konsum in Verbindung gebracht wurde, gab es für die gesamten Vereinigten Staaten ein flächendeckendes Verbot von Marihuana.

Rechtliche Lage von Cannabis in Deutschland heute

Seit dem 1. April 2024 gilt in Deutschland ein neues Cannabisgesetz, das den Umgang mit der Pflanze grundlegend neu regelt. Erwachsene ab 18 Jahren dürfen seither bis zu 25 Gramm Cannabis im öffentlichen Raum mit sich führen und bis zu 50 Gramm in den eigenen vier Wänden lagern. Auch der private Anbau ist unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt: Pro Person sind bis zu drei Cannabispflanzen für den Eigenbedarf gestattet.

Der kommerzielle Verkauf bleibt weiterhin untersagt. Doch mit dem 1. Juli 2024 eröffnet sich eine neue Möglichkeit: In sogenannten Anbauvereinigungen können Mitglieder Cannabis gemeinschaftlich anbauen und untereinander weitergeben – unter strengen Auflagen und außerhalb des Marktes.

Für medizinisches Cannabis gelten davon unabhängige Regelungen. Es ist seit April 2024 kein Betäubungsmittel mehr, sondern wird als normales Arzneimittel eingestuft. Das bedeutet: Ärzt:innen können es auf einem regulären Rezept verordnen, Patient:innen erhalten es – wie andere verschreibungspflichtige Medikamente auch – in der Apotheke.

Cannabis-Konsum im Rest Europas

Inzwischen wird Cannabis schon lange auch in Europa mehr oder weniger legal verwendet. Einen richtigen Konsens zur Legalität von Cannabis-Konsum zwischen allen europäischen Ländern gibt es dabei nicht. Jedes Land hat unterschiedliche Gesetze und Regelungen, die mal mehr, mal weniger streng durchgesetzt werden. In den letzten Jahren wird aber vermehrt die Forderung nicht nur in der Bevölkerung, sondern teilweise auch in den regierenden Parteien laut, dass der Konsum von Cannabis legal werden sollte. Hier kannst du dir ein Bild von der Situation in einigen europäischen Ländern machen.

  • Schweiz: Die Schweiz plant eine umfassende Legalisierung von Cannabis. Ein entsprechender Gesetzesentwurf wurde im Februar 2025 von der zuständigen Nationalratskommission angenommen. Erwachsene sollen künftig legal Cannabis anbauen, kaufen, besitzen und konsumieren dürfen. Das Gesetz könnte frühestens in zwei bis drei Jahren in Kraft treten.
  • Niederlande: Obwohl der Besitz und Verkauf von Cannabis offiziell illegal ist, wird der Verkauf in lizenzierten Coffeeshops toleriert. Seit April 2025 dürfen Coffeeshops in zehn Gemeinden Cannabis von lizenzierten Produzenten verkaufen.
  • Luxemburg: Seit Juli 2023 ist der Besitz und Anbau von Cannabis für den Eigenbedarf legal. Erwachsene dürfen bis zu vier Pflanzen pro Haushalt anbauen. Allerdings hat die Regierung beschlossen, ab Januar 2025 keine Verschreibungen für getrocknete Cannabisblüten mit hohem THC-Gehalt mehr zuzulassen.
  • Frankreich: Die Niederlande sind nicht das Land mit den meisten Cannabiskonsumenten in der Bevölkerung. In Frankreich ist der Anteil der Nutzer nämlich größer, obwohl das Land mit am härtesten gegen Cannabis vorgeht. Denn hier sind weder Anbau noch Konsum legal und stehen unter hohen Strafen. Besonders der Anbau von Cannabis wird sehr streng bestraft. Es gibt jedoch Pilotprojekte zur medizinischen Nutzung von Cannabis. Eine umfassende Legalisierung ist derzeit nicht geplant.
  • Italien: Italien ist im Umgang mit Cannabis um einiges lockerer als die französischen Nachbarn. Hier dürfen für den Eigenbedarf wenige Cannabispflanzen mit bis zu 0,6 % THC angebaut werden.
  • Schweden: Dagegen ist Schweden sehr viel strenger in der Sache: Hier sind sowohl Besitz als auch Konsum illegal. Auch medizinisches Cannabis wird nur sehr selten verschrieben.
  • England: Cannabis ist als Klasse-B-Droge eingestuft und somit illegal. Medizinisches Cannabis ist seit 2018 unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Es gibt Diskussionen über eine mögliche Legalisierung bis 2030.
  • Spanien: Cannabis in Spanien wird je nach Region unterschiedlich gehandhabt. In Katalonien und auf den kanarischen Inseln wird der Konsum von Cannabis in sogenannten “Cannabis Social Clubs” geduldet, während im Rest Spaniens Konsum und Verkauf von Cannabis nach wie vor verboten ist.
  • Portugal: Spaniens Nachbar Portugal war schon sehr früh dran mit der Liberalisierung gegenüber Cannabis und hat bereits um die Jahrtausendwende den Besitz geringer Mengen entkriminalisiert. Seitdem werden Konsumenten, die mit über 25 Gramm Cannabis erwischt werden, nicht mehr verhaftet, sondern müssen nur zu einem Arzt oder Psychologen.

FAQ

Wer war der erste Mensch, der Cannabis konsumiert hat?

Wer genau der erste Mensch war, der Cannabis geraucht hat, lässt sich historisch nicht mit Sicherheit sagen – dafür ist die Geschichte der Pflanze zu alt und die Überlieferung zu vage. Was wir aber wissen: Der Konsum von Cannabis zu rituellen, medizinischen oder berauschenden Zwecken hat eine jahrtausendealte Tradition – und der älteste belegte Inhalationsgebrauch stammt aus dem Hochland Zentralasiens.

Im Jahr 2019 entdeckten Forscher:innen im heutigen Westen Chinas – im Pamir-Gebirge – Hinweise auf die bislang älteste bekannte Verwendung von Cannabis durch Inhalation: In einer rund 2.500 Jahre alten Grabstätte (Jirzankal-Friedhof) fanden sie Holzgefäße mit verbrannten Cannabisresten. Die Analysen zeigten: Die Pflanzen enthielten einen besonders hohen THC-Gehalt, was darauf hindeutet, dass gezielt psychoaktive Sorten verwendet wurden. Vermutlich wurden sie in einem rituellen Kontext verbrannt – eine frühe Form des "Rauchens" im spirituellen Sinne. Dass Cannabis schon deutlich früher kultiviert und auch zur Wirkung genutzt wurde, gilt aber als wahrscheinlich.

Wer hat Cannabis entdeckt?

Wer Cannabis ursprünglich entdeckt hat, lässt sich historisch nicht genau bestimmen – denn die Pflanze begleitet die Menschheit bereits seit Jahrtausenden. Sie wurde nicht entdeckt wie ein neues Element, sondern in vielen Kulturen unabhängig voneinander genutzt, kultiviert und geschätzt – als Heilpflanze, Rohstoff, Ritualpflanze und Genussmittel.

Wo liegt der Ursprung von Cannabis?

Der Ursprung von Cannabis liegt in Zentralasien, insbesondere in Regionen des heutigen Chinas und der Mongolei. Dort wurde die Pflanze bereits vor rund 12.000 Jahren als Nutz- und Heilpflanze kultiviert.

Wo kommen Hanfgewächse in der Natur vor?

Hanfgewächse (Cannabaceae) kommen in der Natur vor allem in den gemäßigten bis tropischen Regionen der Nordhalbkugel vor – besonders in Asien, Europa und Nordamerika. Wildformen der Cannabispflanze wachsen bevorzugt in sonnigen, offenen Landschaften mit nährstoffreichen Böden – zum Beispiel an Flussufern, Waldrändern oder in Steppengebieten Zentralasiens.

Seit wann wird Cannabis als Medizin genutzt?

Cannabis wird seit Jahrtausenden medizinisch verwendet – erste Hinweise stammen aus China und Indien, wo die Pflanze bereits vor rund 5.000 Jahren gegen Schmerzen, Entzündungen und andere Beschwerden eingesetzt wurde. In diesen frühen Anwendungen spielten bereits die in der Pflanze enthaltenen Cannabinoide eine Rolle, auch wenn ihre chemische Struktur damals noch unbekannt war. Heute weiß man: Cannabinoide wie THC und CBD interagieren mit dem körpereigenen Endocannabinoid-System und könnten so therapeutische Effekte entfalten.[2] In Deutschland ist medizinisches Cannabis seit 2017 offiziell als Arzneimittel zugelassen.

Warum war Cannabis illegal?

Im Laufe der Geschichte wurde Hanf als Medizin und Rauschmittel benutzt, bis es 1913 in Kalifornien, USA und daraufhin in weiteren US-Staaten und auch in zahlreichen europäischen Ländern verboten wurde. Das Verbot ging nicht nur Hand in Hand mit der Prohibition, also dem amerikanischen Alkoholverbot, mit dem man glaubte, Korruption und Kriminalität einzudämmen, sondern auch mit den Befürchtungen amerikanischer Wirtschaftsmächte, die die wirtschaftliche Konkurrenz durch Cannabis fürchteten. 1929 wurde Cannabis in Deutschland aus ähnlichen Gründen illegal.

Quellen

[1] McPartland, J. M., Hegman, W., & Long, T. (2019). Cannabis in Asia: Its center of origin and early cultivation, based on a synthesis of subfossil pollen and archaeobotanical studies. Vegetation History and Archaeobotany, 28, 691–702.

[2] Lu, H. C., & Mackie, K. (2021). Review of the endocannabinoid system. Biological Psychiatry: Cognitive Neuroscience and Neuroimaging, 6(6), 607–615.

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