Cannabis zu verdampfen gilt als schonend und gut kontrollierbar – vorausgesetzt, die Temperatur stimmt. Für Einsteiger:innen ist genau das oft der größte Unsicherheitsfaktor. Dieser Guide erklärt verständlich, welche Bereiche sich bewährt haben, warum sie so unterschiedlich wirken können und wie man Schritt für Schritt die passende Einstellung findet.
Cannabis mit einem Vaporizer zu verdampfen gilt als eine der schonenden Cannabis-Konsumformen.[1] Kein Rauch, keine Verbrennung – dafür ein präziserer Umgang mit Wirkstoffen. Der entscheidende Hebel dabei: die Temperatur. Sie bestimmt, wie das Cannabis wirken kann.
Gerade Einsteiger:innen unterschätzen diesen Punkt oft. Viele stellen den Vaporizer „nach Gefühl“ ein – und verschenken entweder Wirkung oder überfordern sich unnötig. Dieser Guide erklärt verständlich, welche Temperaturen was bewirken können und wie man seinen persönlichen Sweet Spot findet.
Die eine „richtige“ Vaporizer-Temperatur gibt es beim Verdampfen von Cannabis nicht. Bewährt hat sich jedoch ein Bereich zwischen etwa 160 °C und 200 °C. Welche Einstellung sinnvoll ist, hängt unter anderem von der verwendeten Sorte, dem Zustand des Pflanzenmaterials und der gewünschten Wirkung ab.
Die eingestellte Temperatur am Vaporizer beeinflusst maßgeblich, wie stark die Wirkung ausfallen kann, wie intensiv das Aroma ist und wie schonend der Konsum verläuft. Ist die Temperatur zu niedrig, werden viele Wirkstoffe nur unzureichend freigesetzt. Ist sie zu hoch, kann das Pflanzenmaterial teilweise verbrennen und es können unerwünschte Reizstoffe entstehen.
Konkret heißt das: Unter etwa 160 °C bildet sich meist nur wenig wirksamer Dampf, oberhalb von rund 210 °C steigt das Risiko von Verbrennungsprozessen deutlich.
Cannabis besteht aus verschiedenen Inhaltsstoffen – vor allem THC, CBD und Terpenen –, die jeweils bei unterschiedlichen Temperaturen verdampfen. Genau hier liegt der Vorteil des Vaporizers: Im Gegensatz zum Rauchen lässt sich gezielt steuern, welche Stoffe freigesetzt werden und in welcher Intensität.
Unser Tipp: Mehr zum Thema findest du in unserem Artikel "Medizinisches Cannabis vaporisieren".

Im Folgenden geht es um Temperaturbereiche, die von praktischen Erfahrung vieler Nutzer:innen stammen. Dabei handelt es sich nicht um feste, wissenschaftlich definierte Grenzwerte, sondern um Orientierungen aus dem Alltag. Gerade bei einer medizinischen Anwendung ist eine präzise Temperatureinstellung besonders wichtig. Entscheidend sind dabei stets die Hinweise des Vaporizer-Herstellers sowie die ärztliche Empfehlung.
| Ziel beim Verdampfen | Empfohlener Temperaturbereich | Einordnung |
| Eine kaum spürbare Wirkung. | etwa 160 °C | Sehr mild, dezenter Dampf – gut zum Kennenlernen des Geräts. |
| Eine leichte, klare Wirkung. | etwa 170–180 °C | Sanft, geschmacksintensiv und meist gut geeignet für Einsteiger:innen. |
| Ein guter Mittelweg für Alltag und Therapie. | etwa 185–195 °C | Potenziell spürbare Wirkung, ohne zu stark zu sein. |
| Eine kräftigere Wirkung zur Symptomlinderung. | etwa 200–210 °C | Deutlich intensiver, mehr Dampf. Hier langsam herantasten. |
Adele Hollmann, Senior Scientific Affairs Manager und Ganjier bei avaay Medical, gibt Vaporizer-Einsteiger:innen folgende Tipps mit auf den Weg:
„Grundsätzlich ist es sinnvoll, mit niedrigen Temperaturen zu beginnen und sich schrittweise an die individuell passende Einstellung heranzutasten. Besonders bei einer neuen Sorte sollte man immer niedrig starten und die Temperatur langsam erhöhen. Wird der Dampf als kratzig oder bitter empfunden oder fühlt sich die Wirkung zu intensiv an, ist es ratsam, die Temperatur wieder zu senken.“
Diese Anleitung bezieht sich ausschließlich auf Vaporizer, die für Cannabisblüten (getrocknete Blüten) ausgelegt sind. Sie gilt nicht für Vaporizer, die mit Cannabiskonzentraten arbeiten. Bitte immer die Angaben des Geräteherstellers beachten.
Bevor man den Vaporizer einschaltet, lohnt sich ein kurzer Check. Sind die Blüten sehr trocken und bröselig, kann der Dampf schnell kratzig werden und an Geschmack verlieren. In dem Fall kann es helfen, sie vor dem Gebrauch ein paar Stunden mit einem Boveda-Beutel in ein verschlossenes Glasgefäß zu geben.
Fühlen sich die Blüten dagegen noch feucht oder sehr kompakt an, ist ein sanftes Vorwärmen sinnvoll. (Alternativ können die Blüten einige Stunden luftgetrocknet werden.) Lass den Vaporizer ein paar Minuten auf niedriger Temperatur laufen (etwa 135–150 °C), ohne direkt zu ziehen. So verdunstet die überschüssige Feuchtigkeit und der Dampf wird später angenehmer.
Für volleren Dampf sollten die Blüten gleichmäßig zerkleinert werden – nicht zu fein, aber auch nicht grob. Die Kräuterkammer füllt man am besten locker, ohne das Material festzudrücken. Luft sollte gut durchziehen können.
Ein Tipp: Lieber kleinere Mengen verdampfen und bei Bedarf nachlegen, statt die Kammer komplett vollzustopfen.
Nicht jeder Vaporizer funktioniert gleich. Manche Geräte erhitzen die Blüten direkt (Konduktion), andere arbeiten mit heißer Luft (Konvektion). Das merkt man auch bei der Temperatur.
Bei Vaporizern mit direkter Hitze reicht oft eine etwas niedrigere Einstellung. Geräte mit Heißluft dürfen meist ein paar Grad wärmer eingestellt werden, ohne dass der Dampf unangenehm wird.
Stationäre Vaporizer sind oft besonders genau und werden gern zu Hause genutzt. Mobile Vaporizer sind praktisch für unterwegs.
Unser Tipp: Mehr zum Thema Konduktion und Konvektion erfährst du in unserem Artikel “Welche Cannabis-Vaporizer gibt es?”.
Die wichtigste Regel: Es gibt keine perfekte Einstellung für alle. Am besten startet man bei etwa 160 °C und beobachtet, wie sich Geschmack und Wirkung anfühlen.
Wenn einem der Effekt zu schwach ist, kann man die Temperatur langsam erhöhen – zum Beispiel in 5-Grad-Schritten. Dabei sollte man darauf achten, ob der Dampf noch angenehm schmeckt und sich gut anfühlt. Wird er kratzig oder zu intensiv? Einfach wieder ein paar Grad runtergehen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Blüten locker vorbereiten, mit niedriger Temperatur starten und sich Schritt für Schritt hocharbeiten. Geschmack und Gefühl sind die besten Anhaltspunkte. Wird es unangenehm, einfach ein paar Grad zurückgehen.
Weitere Tipps:
Beim Vaporisieren gilt also: ruhig, langsam, gleichmäßig. Weniger Kraft, mehr Gefühl.
Beim Verdampfen von Cannabis entscheidet die Temperatur über weit mehr als nur die Dampfmenge. Sie kann Wirkung, Geschmack und Verträglichkeit beeinflussen – und damit, ob das Vaporisieren als angenehm, effektiv und kontrollierbar empfunden wird.
Eine „richtige“ Einstellung gibt es nicht. Vielmehr geht es darum, sich langsam an den eigenen optimalen Bereich heranzutasten. Wer mit niedrigen Temperaturen beginnt, aufmerksam inhaliert und kleine Anpassungen vornimmt, lernt seinen Vaporizer und das jeweilige Cannabis deutlich besser kennen. Gerade für Einsteiger:innen zahlt sich diese Herangehensweise aus: Sie reduziert Überforderung, schont die Atemwege und ermöglicht einen bewussteren Umgang mit der Wirkung.
Unterm Strich gilt: Geduld, eine saubere Vorbereitung und ein Gefühl für Temperatur und Zugverhalten sind wichtiger als hohe Zahlen auf dem Display. Wer diese Grundlagen beachtet, nutzt das Potenzial des Vaporizers so, wie er gedacht ist.
[1] Rojas, D.E., McCartney, M.M., Borras, E. et al. Impacts of vaping and marijuana use on airway health as determined by exhaled breath condensate (EBC). Respir Res 26, 63 (2025).