avaay Medical
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Januar 09
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6 min

Cannabis verdampfen: Temperatur-Guide für Einsteiger

Cannabis zu verdampfen gilt als schonend und gut kontrollierbar – vorausgesetzt, die Temperatur stimmt. Für Einsteiger:innen ist genau das oft der größte Unsicherheitsfaktor. Dieser Guide erklärt verständlich, welche Bereiche sich bewährt haben, warum sie so unterschiedlich wirken können und wie man Schritt für Schritt die passende Einstellung findet.


  • Es gibt keine perfekte Vaporizer-Temperatur für alle. Bewährt hat sich ein Bereich zwischen etwa 160 °C und 200 °C. Die optimale Einstellung hängt jedoch von Cannabis-Sorte, Material und persönlichem Empfinden ab.
  • Niedrig starten, langsam steigern. Gerade für Einsteiger:innen ist es sinnvoll, bei niedrigen Temperaturen zu beginnen und sich schrittweise heranzutasten, um Überforderung zu vermeiden.
  • Zugtechnik ist ähnlich wichtig wie die Temperaturwahl. Langsame, gleichmäßige Züge sorgen für volleren Dampf, mehr Aroma und eine kontrolliertere Wirkung als hastiges Inhalieren.

Cannabis mit einem Vaporizer zu verdampfen gilt als eine der schonenden Cannabis-Konsumformen.[1] Kein Rauch, keine Verbrennung – dafür ein präziserer Umgang mit Wirkstoffen. Der entscheidende Hebel dabei: die Temperatur. Sie bestimmt, wie das Cannabis wirken kann.

Gerade Einsteiger:innen unterschätzen diesen Punkt oft. Viele stellen den Vaporizer „nach Gefühl“ ein – und verschenken entweder Wirkung oder überfordern sich unnötig. Dieser Guide erklärt verständlich, welche Temperaturen was bewirken können und wie man seinen persönlichen Sweet Spot findet.

Welche Temperatur ist die richtige beim Verdampfen von Cannabis?

Die eine „richtige“ Vaporizer-Temperatur gibt es beim Verdampfen von Cannabis nicht. Bewährt hat sich jedoch ein Bereich zwischen etwa 160 °C und 200 °C. Welche Einstellung sinnvoll ist, hängt unter anderem von der verwendeten Sorte, dem Zustand des Pflanzenmaterials und der gewünschten Wirkung ab.

Warum die Temperatur beim Verdampfen eine entscheidende Rolle spielt

Die eingestellte Temperatur am Vaporizer beeinflusst maßgeblich, wie stark die Wirkung ausfallen kann, wie intensiv das Aroma ist und wie schonend der Konsum verläuft. Ist die Temperatur zu niedrig, werden viele Wirkstoffe nur unzureichend freigesetzt. Ist sie zu hoch, kann das Pflanzenmaterial teilweise verbrennen und es können unerwünschte Reizstoffe entstehen.

Konkret heißt das: Unter etwa 160 °C bildet sich meist nur wenig wirksamer Dampf, oberhalb von rund 210 °C steigt das Risiko von Verbrennungsprozessen deutlich.

Cannabis besteht aus verschiedenen Inhaltsstoffen – vor allem THC, CBD und Terpenen –, die jeweils bei unterschiedlichen Temperaturen verdampfen. Genau hier liegt der Vorteil des Vaporizers: Im Gegensatz zum Rauchen lässt sich gezielt steuern, welche Stoffe freigesetzt werden und in welcher Intensität.

Unser Tipp: Mehr zum Thema findest du in unserem Artikel "Medizinisches Cannabis vaporisieren".

Infografik mit dem Titel „Welche Temperatur ist die richtige zum Verdampfen von Cannabis?“. Sie zeigt drei Temperaturbereiche beim Vaporisieren: niedrige Temperatur (ca. 160–180 °C) mit milder Wirkstofffreisetzung, mittlere Temperatur (ca. 180–195 °C) als ausgewogenes Verhältnis von Wirkstoffen und Aroma sowie hohe Temperatur (ca. 200–210 °C) mit stärkerer Wirkstofffreisetzung und erhöhtem Verbrennungsrisiko.

Unser Vaporizer-Temperatur-Guide

Im Folgenden geht es um Temperaturbereiche, die von praktischen Erfahrung vieler Nutzer:innen stammen. Dabei handelt es sich nicht um feste, wissenschaftlich definierte Grenzwerte, sondern um Orientierungen aus dem Alltag. Gerade bei einer medizinischen Anwendung ist eine präzise Temperatureinstellung besonders wichtig. Entscheidend sind dabei stets die Hinweise des Vaporizer-Herstellers sowie die ärztliche Empfehlung.

Ziel beim VerdampfenEmpfohlener TemperaturbereichEinordnung
Eine kaum spürbare Wirkung.etwa 160 °CSehr mild, dezenter Dampf – gut zum Kennenlernen des Geräts.
Eine leichte, klare Wirkung.etwa 170–180 °CSanft, geschmacksintensiv und meist gut geeignet für Einsteiger:innen.
Ein guter Mittelweg für Alltag und Therapie.etwa 185–195 °CPotenziell spürbare Wirkung, ohne zu stark zu sein.
Eine kräftigere Wirkung zur Symptomlinderung.etwa 200–210 °CDeutlich intensiver, mehr Dampf. Hier langsam herantasten.

Adele Hollmann, Senior Scientific Affairs Manager und Ganjier bei avaay Medical, gibt Vaporizer-Einsteiger:innen folgende Tipps mit auf den Weg:

„Grundsätzlich ist es sinnvoll, mit niedrigen Temperaturen zu beginnen und sich schrittweise an die individuell passende Einstellung heranzutasten. Besonders bei einer neuen Sorte sollte man immer niedrig starten und die Temperatur langsam erhöhen. Wird der Dampf als kratzig oder bitter empfunden oder fühlt sich die Wirkung zu intensiv an, ist es ratsam, die Temperatur wieder zu senken.“

Schritt für Schritt: Wie nutzt man einen Cannabis-Vaporizer?

Diese Anleitung bezieht sich ausschließlich auf Vaporizer, die für Cannabisblüten (getrocknete Blüten) ausgelegt sind. Sie gilt nicht für Vaporizer, die mit Cannabiskonzentraten arbeiten. Bitte immer die Angaben des Geräteherstellers beachten.

1. Kurzer Blick auf die Cannabisblüten

Bevor man den Vaporizer einschaltet, lohnt sich ein kurzer Check. Sind die Blüten sehr trocken und bröselig, kann der Dampf schnell kratzig werden und an Geschmack verlieren. In dem Fall kann es helfen, sie vor dem Gebrauch ein paar Stunden mit einem Boveda-Beutel in ein verschlossenes Glasgefäß zu geben.

Fühlen sich die Blüten dagegen noch feucht oder sehr kompakt an, ist ein sanftes Vorwärmen sinnvoll. (Alternativ können die Blüten einige Stunden luftgetrocknet werden.) Lass den Vaporizer ein paar Minuten auf niedriger Temperatur laufen (etwa 135–150 °C), ohne direkt zu ziehen. So verdunstet die überschüssige Feuchtigkeit und der Dampf wird später angenehmer.

2. Blüten richtig zerkleinern und befüllen

Für volleren Dampf sollten die Blüten gleichmäßig zerkleinert werden – nicht zu fein, aber auch nicht grob. Die Kräuterkammer füllt man am besten locker, ohne das Material festzudrücken. Luft sollte gut durchziehen können.

Ein Tipp: Lieber kleinere Mengen verdampfen und bei Bedarf nachlegen, statt die Kammer komplett vollzustopfen.

3. Den Vaporizer kennen

Nicht jeder Vaporizer funktioniert gleich. Manche Geräte erhitzen die Blüten direkt (Konduktion), andere arbeiten mit heißer Luft (Konvektion). Das merkt man auch bei der Temperatur.

Bei Vaporizern mit direkter Hitze reicht oft eine etwas niedrigere Einstellung. Geräte mit Heißluft dürfen meist ein paar Grad wärmer eingestellt werden, ohne dass der Dampf unangenehm wird.

Stationäre Vaporizer sind oft besonders genau und werden gern zu Hause genutzt. Mobile Vaporizer sind praktisch für unterwegs.

Unser Tipp: Mehr zum Thema Konduktion und Konvektion erfährst du in unserem Artikel “Welche Cannabis-Vaporizer gibt es?”.

4. Langsam starten und rantasten

Die wichtigste Regel: Es gibt keine perfekte Einstellung für alle. Am besten startet man bei etwa 160 °C und beobachtet, wie sich Geschmack und Wirkung anfühlen.

Wenn einem der Effekt zu schwach ist, kann man die Temperatur langsam erhöhen – zum Beispiel in 5-Grad-Schritten. Dabei sollte man darauf achten, ob der Dampf noch angenehm schmeckt und sich gut anfühlt. Wird er kratzig oder zu intensiv? Einfach wieder ein paar Grad runtergehen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Blüten locker vorbereiten, mit niedriger Temperatur starten und sich Schritt für Schritt hocharbeiten. Geschmack und Gefühl sind die besten Anhaltspunkte. Wird es unangenehm, einfach ein paar Grad zurückgehen.

Und wie vaporisiert man richtig?

  • Langsam statt kräftig ziehen: Beim Verdampfen wird nicht tief und hastig inhaliert, sondern ruhig, gleichmäßig und langsam. Der Zug ähnelt eher dem vorsichtigen Einatmen des Dampfes über einer heißen Tasse Tee – also sanftes Atmen bei leicht geöffnetem Mund. Als Orientierung gelten 5-10 Sekunden pro sanftem Zug, statt kurzer, kräftiger Inhalationen.
  • Gleichmäßiger Luftstrom: Ein Vaporizer benötigt Zeit, damit warme Luft gleichmäßig durch die Blüten strömen kann. Wird zu stark gezogen, kühlt das System ab, der Dampf wird dünner und verliert an Wirksamkeit. Ein konstanter, entspannter Luftstrom sorgt für ein besseres Ergebnis.
  • Dampf kurz im Mund sammeln (optional): Viele empfinden es als angenehmer, den Dampf zunächst im Mundraum zu sammeln und anschließend einzuatmen. Das kann den Dampf milder wirken lassen und Reizungen reduzieren – insbesondere bei höheren Temperaturen.
  • Kurz anhalten, dann ausatmen: Ein langes Anhalten des Dampfes ist nicht notwendig. Bereits 1–2 Sekunden reichen aus, um die Wirkstoffe aufzunehmen. Längeres Anhalten bringt in der Regel keinen zusätzlichen Effekt.
  • Pausen machen: Zu Beginn reichen meist 1 bis 3 langsame Züge vollkommen aus. Danach sollte eine Pause von 5-10 Minuten eingelegt werden, um die Wirkung realistisch einschätzen zu können. Besonders bei medizinischer Anwendung oder geringer Erfahrung mit Vaporizern.

Woran man merken kann, dass man richtig zieht

  • Der Dampf ist warm, aber nicht heiß.
  • Er schmeckt aromatisch, nicht verbrannt.
  • Er kratzt nicht im Hals.
  • Die Wirkung baut sich gleichmäßig auf.

Weitere Tipps:

  • Wenn kaum Dampf kommt: etwas langsamer ziehen.
  • Wenn es kratzt oder heiß wirkt: sanfter ziehen oder Temperatur senken.

Beim Vaporisieren gilt also: ruhig, langsam, gleichmäßig. Weniger Kraft, mehr Gefühl.

Fazit: Die richtige Temperatur macht den Unterschied

Beim Verdampfen von Cannabis entscheidet die Temperatur über weit mehr als nur die Dampfmenge. Sie kann Wirkung, Geschmack und Verträglichkeit beeinflussen – und damit, ob das Vaporisieren als angenehm, effektiv und kontrollierbar empfunden wird.

Eine „richtige“ Einstellung gibt es nicht. Vielmehr geht es darum, sich langsam an den eigenen optimalen Bereich heranzutasten. Wer mit niedrigen Temperaturen beginnt, aufmerksam inhaliert und kleine Anpassungen vornimmt, lernt seinen Vaporizer und das jeweilige Cannabis deutlich besser kennen. Gerade für Einsteiger:innen zahlt sich diese Herangehensweise aus: Sie reduziert Überforderung, schont die Atemwege und ermöglicht einen bewussteren Umgang mit der Wirkung.

Unterm Strich gilt: Geduld, eine saubere Vorbereitung und ein Gefühl für Temperatur und Zugverhalten sind wichtiger als hohe Zahlen auf dem Display. Wer diese Grundlagen beachtet, nutzt das Potenzial des Vaporizers so, wie er gedacht ist.


FAQ

Cannabis wird durch Wärme aktiviert, sobald sich die inaktiven Wirkstoffe in ihre wirksame Form umwandeln. Das beginnt in der Regel ab etwa 105–115 °C. Für eine spürbare Wirkung beim Verdampfen werden jedoch meist Temperaturen ab rund 160 °C genutzt, da sich erst dann ausreichend THC und andere Wirkstoffe freisetzen.
Cannabinoide beginnen bei zu hohen Temperaturen abzubauen. Als grobe Orientierung gilt: Ab ca. 210–220 °C können THC und Terpene zunehmend zerstört werden. Ab etwa 230 °C steigt das Risiko, dass das Pflanzenmaterial teilweise verbrennt – dabei gehen Wirkstoffe verloren und es entstehen Reizstoffe. Kurz gesagt: Über 210 °C wird es für Cannabis zu heiß, wenn man potenzielle Wirkung und
Das hängt vom Gerät ab, aber die meisten Cannabis-Vaporizer lassen sich meist auf bis zu 220 °C einstellen. Tragbare Vaporizer: oft bis ca. 210–220 °C Stationäre Vaporizer: teils etwas höher, oft bis rund 230 °C Konzentrate-Vaporizer (nicht für Blüten): können deutlich heißer werden

Quellen

[1] Rojas, D.E., McCartney, M.M., Borras, E. et al. Impacts of vaping and marijuana use on airway health as determined by exhaled breath condensate (EBC). Respir Res 26, 63 (2025).

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