avaay Medical
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Januar 12
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7 min

Cannabisbutter: Wirkung, Herstellung und was man wissen sollte

Cannabisbutter gilt für viele als „sanfte“ Alternative zum Rauchen oder Verdampfen. Doch genau dieser Eindruck täuscht häufig. Essbare Cannabisprodukte können stärker und deutlich länger wirken als inhaliertes Cannabis. Wer sich mit Cannabisbutter beschäftigt, sollte deshalb wissen, welche Wirkung sie entfalten kann und welche Risiken dabei bestehen.


  • Cannabisbutter wirkt anders und oft stärker als inhaliertes Cannabis. Durch die orale Aufnahme und die Umwandlung von THC in der Leber setzt die potenzielle Wirkung später ein, hält länger an und kann intensiver und schwerer steuerbar sein.
  • Das größte Risiko liegt in der Dosierung. Verzögerter Wirkungseintritt führt häufig zum Nachdosieren. Genau das macht Edibles anfällig für Überdosierungen und unangenehme psychische Effekte.
  • Cannabisbutter wird medizinisch nicht eingesetzt, Edibles an sich haben aber Potenzial. Selbstgemachte Cannabisbutter ist für die Cannabis-Therapie ungeeignet, weil Dosierung und Wirkstoffverteilung nicht kontrollierbar sind. Gleichzeitig zeigen Studien, dass standardisierte orale Cannabisformen therapeutische Vorteile haben können.
  • Die Zukunft liegt in medizinisch kontrollierten Edibles – nicht in DIY-Produkten. Exakt dosierte, pharmazeutisch hergestellte orale Zubereitungen könnten langfristig eine sinnvolle Ergänzung der Cannabis-Therapie sein.

Cannabisbutter (auch "Cannabutter" genannt) gehört zu den bekanntesten Formen, Cannabis nicht zu rauchen oder zu verdampfen, sondern zu essen. Sie ist die Grundlage vieler sogenannter Edibles – also THC-haltiger Lebensmittel.

Gleichzeitig gehört sie zu den Konsumformen, deren Wirkung besonders häufig unterschätzt wird. Denn Cannabisbutter wirkt anders als Cannabis, das in einem "Joint" oder einem Vaporizer konsumiert wurde. Während inhaliertes Cannabis schnell seine Wirkung entfalten kann, folgt der Verzehr über Lebensmittel eigenen Regeln. Die Wirkung kann später einsetzen, länger anhalten und intensiver ausfallen. Wer Cannabisbutter konsumiert, sollte deshalb wissen, was im Körper passiert und warum Geduld hier wichtiger ist als bei anderen Konsumformen.

Hinzu kommt die aktuelle rechtliche Lage in Deutschland. Denn obwohl die Teillegaliserung von Cannabis in 2024 Lockerungen mit sich gebracht hat und auch wenn viele es anders vermuten: Edibles wie Cannabisbutter sind in Deutschland nach wie vor verboten.[1]

Doch bevor wir tiefer einsteigen, starten wir mit den Basic:

Was ist Cannabisbutter?

Cannabisbutter ist im Kern nichts anderes als normale Butter, in der die fettlöslichen Wirkstoffe der Cannabispflanze gebunden wurden. Dazu zählen vor allem THC und CBD, aber auch weitere Cannabinoide und Terpene, die das Gesamtprofil beeinflussen könnten. Cannabisbutter dient als Grundlage für die Herstellung vieler Edibles, etwa für Backwaren oder herzhafte Gerichte. Typisch sind zum Beispiel Hasch-Brownies – also Brownies, die mit Cannabisbutter gebacken werden.

Butter eignet sich besonders gut als Trägermedium, weil Cannabinoide Fett benötigen, um vom Körper aufgenommen zu werden. Deshalb funktionieren auch Öle oder Sahne nach demselben Prinzip.

Wichtig ist: Cannabisbutter ist kein „harmloses Lebensmittel“, sondern ein Wirkstoffträger. Ihre Stärke lässt sich ohne Laboranalyse nur grob abschätzen.

Unser Tipp: Mehr zum Thema erfährst du in unserem Artikel "Cannabis-Edibles: Zwischen Genuss, Rausch und Medizin".

Cannabisbutter herstellen: Was ist Decarboxylierung?

Decarboxylierung ist der Schritt, der Cannabis überhaupt wirksam macht. In rohen oder getrockneten Cannabisblüten liegt der Wirkstoff THC zunächst in einer inaktiven Form vor. Erst durch Wärme wird daraus das psychoaktive THC, das später im Körper wirken kann.

Beim Rauchen oder Verdampfen passiert dieser Prozess automatisch durch die Hitze. Bei Cannabisbutter muss er jedoch vorab erfolgen. Dafür wird das Cannabis typischerweise zerkleinert und für eine gewisse Zeit gleichmäßig erhitzt, zum Beispiel im Ofen. Ziel ist es, die Wirkstoffe zu aktivieren, ohne das Pflanzenmaterial zu verbrennen. Nach diesem Schritt werden die aktivierten Blüten weiterverarbeitet, indem ihre Wirkstoffe in Fett – etwa Butter oder Öl – gelöst werden, das später als Grundlage für Speisen dient. Am Ende sollte unbedingt darauf geachtet werden, alle Pflanzenreste zu entfernen, bevor die Butter weiter verwendet wird.

Einfach gesagt: Decarboxylierung bedeutet, Cannabis kontrolliert zu erhitzen, damit es später in der Butter überhaupt wirken kann.

Unser Tipp: Mehr zum Thema erfährst du in unserem Artikel "Cannabis-Decarboxylierung: So funktioniert es".

Wie wird Cannabis-Butter verwendet?

In der Küche wird Cannabisbutter meist weiterverarbeitet. Dabei ist wichtig zu wissen, dass THC hitzeempfindlich ist. Sehr hohe Temperaturen können Wirkstoffe abbauen und das Ergebnis verfälschen.

Geeignet sind vor allem Zubereitungen mit moderater Hitze oder solche, bei denen die Butter erst am Ende hinzugefügt wird. Backwaren sind deshalb so beliebt, weil sie eine relativ gleichmäßige Verteilung ermöglichen – auch wenn sie das Dosierungsproblem nicht lösen.

Grafik zum Vergleich von inhaliertem Cannabis und Cannabisbutter: Inhalation mit schnellem Wirkungseintritt und kürzerer Wirkungsdauer gegenüber Cannabisbutter mit verzögertem Wirkungseintritt und längerer Wirkungsdauer.

Warum wirkt Cannabisbutter anders als inhaliertes Cannabis?

Der entscheidende Unterschied liegt im Aufnahmeweg von THC im Körper. Beim Rauchen oder Verdampfen gelangt THC über die Lunge direkt ins Blut und sehr schnell ins Gehirn. Die potenzielle Wirkung setzt innerhalb weniger Minuten ein und klingt meist nach zwei bis drei Stunden wieder ab.[2]

Bei Cannabisbutter ist der Weg ein anderer: Das THC wird über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen und anschließend in der Leber verstoffwechselt. Dort entsteht unter anderem 11-Hydroxy-THC, ein Abbauprodukt, das stärker psychoaktiv ist als THC selbst und die Blut-Hirn-Schranke besonders gut überwinden kann.[2,3]

Das erklärt, warum viele Menschen Edibles als intensiver, körperlicher und schwerer kontrollierbar erleben – selbst bei Mengen, die beim Inhalieren kaum Wirkung zeigen würden.[2]

Wirkungseintritt und Wirkungsdauer

Ein zentrales Problem bei Cannabisbutter ist die falsche Erwartungshaltung. Während inhaliertes Cannabis meist innerhalb weniger Minuten wirken kann, setzt die potenzielle Wirkung von Edibles deutlich verzögert ein. Der Höhepunkt wird im Durchschnitt erst nach etwa 2–4 Stunden erreicht.[3]

Genau daraus entsteht ein häufiger Fehler: „Ich merke noch nichts, ich nehme noch etwas.“ Dieses sogenannte „Dose Stacking“ gilt als Hauptursache für unbeabsichtigte Überdosierungen bei Edibles.[2,3]

Ist die Wirkung einmal da, hält sie lange an. Effekte können 6 bis 12 Stunden, in Einzelfällen sogar noch länger spürbar sein.[3]

Welche Wirkung kann Cannabisbutter haben?

Grundsätzlich unterscheidet sich die Wirkung nicht völlig von inhalativem Cannabis, sie wird jedoch häufig als stärker, länger und ganzheitlicher erlebt.[2] Typische Effekte sind:

  • ausgeprägte körperliche Entspannung
  • Schweregefühl oder „Couch-Lock“
  • veränderte Zeitwahrnehmung
  • gesteigerter Appetit
  • starke Müdigkeit oder Einschläferung

Bei höheren Dosen oder fehlender Erfahrung treten jedoch häufiger unangenehme Effekte auf: Angst, innere Unruhe, Übelkeit, Kreislaufprobleme oder Kontrollverlust.[3]

Studien zeigen zudem, dass Edibles überproportional oft mit akuten psychischen Beschwerden und Notaufnahmen in Verbindung stehen, obwohl sie insgesamt seltener konsumiert werden als inhaliertes Cannabis.[3]

Dosierung: Die größte Herausforderung bei Cannabisbutter ist der THC-Gehalt

Die Dosierung ist der kritischste Punkt bei Cannabisbutter. Ohne Laboranalyse lässt sich kaum bestimmen, wie viel THC tatsächlich in einer Portion steckt. Hinzu kommt, dass Wirkstoffe in selbst hergestellten Cannabisprodukten oft ungleichmäßig verteilt sind.[2]

Deshalb empfehlen Fachautor:innen und Regulierungsbehörden ein klares Vorgehen:

  • sehr niedrig beginnen
  • mehrere Stunden warten
  • die Wirkung ernst nehmen

Hat Cannabisbutter einen Platz in der Cannabis-Therapie?

So problematisch der unkontrollierte Konsum von Edibles auch sein kann, steckt in essbaren Cannabisprodukten durchaus medizinisches Potenzial. Viele Patient:innen empfinden THC-haltige orale Darreichungsformen als angenehmer als das Inhalieren.[2]

Trotzdem spielen klassische Edibles bislang kaum eine Rolle in der regulären Cannabis-Therapie. In Deutschland stehen zwar orale Cannabis-Arzneimittel wie Kapseln oder Extrakte zur Verfügung, doch dabei handelt es sich um pharmazeutische Präparate, nicht um Lebensmittel wie Kekse.

Warum eine medizinische Weiterentwicklung sinnvoll sein kann, erklärt Bertan Türemis, medizinisch-wissenschaftlicher Berater bei avaay Medical:

„Für Patient:innen mit chronischen Schmerzen, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und Übelkeit könnten Edibles ein Segen sein. Sie sind nicht nur leicht einzunehmen und geschmacklich angenehmer als viele andere Formen, sondern könnten durch ihre langsame, gleichmäßige Wirkung auch therapeutische Vorteile bieten – etwa dann, wenn eine stabile Linderung über mehrere Stunden hinweg gefragt ist. Als standardisiertes Arzneimittel könnten Edibles die Therapietreue verbessern, besser in den Alltag integrierbar sein und eine verlässliche, individuell anpassbare Dosierung ermöglichen. Vor allem bei pflegebedürftigen Patient:innen wären sie eine medizinisch kontrollierbare Alternative, die einfach verabreichbar ist und vielen Patient:innen genau die Sicherheit bieten könnte, die bisher fehlt. Die Nachfrage nach solchen nicht-inhalativen Darreichungsformen ist da – nicht nur aus praktischen, sondern zunehmend auch aus medizinischen Gründen.“

Tatsächlich gibt es inzwischen erste Schritte in diese Richtung: In Apotheken können auf ärztliche Verordnung orale Zubereitungen aus exakt dosierten Cannabis-Destillaten hergestellt werden. Der entscheidende Unterschied zu selbstgemachter Cannabisbutter liegt in der Präzision. THC- und CBD-Gehalt sind genau definiert und nachvollziehbar. Ein zentraler Faktor für eine sichere und steuerbare Therapie.

Seit dem Inkrafttreten des Konsumcannabisgesetzes (KCanG) im April 2024 hat sich der rechtliche Umgang mit Cannabis in Deutschland zwar verändert, doch für essbare Cannabisprodukte gilt weiterhin eine klare Grenze.

Edibles sind nach dem Gesetz ausdrücklich verboten – dazu zählt auch Cannabisbutter. Das betrifft sowohl den Verkauf als auch die Weitergabe solcher Produkte.

Der Gesetzgeber begründet diese Regelung vor allem mit dem Jugendschutz.[4] Lebensmittel mit Cannabis lassen sich äußerlich oft nicht von gewöhnlichen Speisen unterscheiden und könnten dadurch besonders für Kinder und Jugendliche attraktiv oder leicht zugänglich sein. Zudem gilt die Wirkung von Edibles als schwerer kalkulierbar, was das Risiko unbeabsichtigter Überdosierungen erhöht.

Unterm Strich bedeutet das: Trotz Teillegalisierung bleibt Cannabisbutter in Deutschland illegal.

Fazit: Cannabisbutter ist kein "leichter Einstieg"

Cannabisbutter ist mehr als nur eine andere Darreichungsform von Cannabis. Durch die verzögerte, aber oft intensive und langanhaltende Wirkung unterscheidet sie sich grundlegend vom Rauchen oder Verdampfen. Genau das macht sie für manche interessant, für andere jedoch schwer kontrollierbar.

Die wissenschaftliche Forschung zeigt deutlich: Edibles bergen ein erhöhtes Risiko für Überdosierungen, insbesondere wenn Wirkungseintritt und Dosierung unterschätzt werden.

Unterm Strich gilt: Cannabisbutter verlangt Wissen, Geduld und einen bewussten Umgang. Wer sich mit ihr beschäftigt, sollte ihre Besonderheiten ernst nehmen – medizinisch, rechtlich und in Bezug auf die eigene Gesundheit.


FAQ

Ja. Cannabisbutter kannhigh machen – oft sogar stärker und länger als gerauchtes oder verdampftes Cannabis. Da das THC über die Verdauung aufgenommen und in der Leber zu einem besonders wirksamen Stoff umgewandelt wird, setzt die Wirkung in der Regel verzögert ein, hält aber mehrere Stunden an.[2,3]
Der THC- und CBD-Gehalt von Cannabisbutter kann extrem unterschiedlich ausfallen. Wie viel THC oder CBD enthalten ist, hängt von der verwendeten Cannabissorte, ihrer Potenz, der eingesetzten Menge, der Zubereitung und der Extraktion ab. Ohne Laboranalyse gibt es nur grobe Schätzungen. Deshalb ist Cannabisbutter auch schwer dosierbar.
Edibles sind Lebensmittel oder Getränke, die Cannabis enthalten. Die Wirkstoffe – vor allem THC oder CBD – werden dabei nicht geraucht oder verdampft, sondern über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen. Typische Edibles sind zum Beispiel Kekse, Brownies, Gummibärchen oder auch Speisen mit Cannabisbutter oder -öl. Edibles sind schwerer zu dosieren, weil die Wirkung erst nach 30 Minuten bis zu zwei Stunden spürbar werden kann. Bei selbstgemachten Edibles kann zusätzlich die Wirkstoffmenge stark schwanken.

Quellen

[1] Konsumcannabisgesetzes (KCanG). § 21 Abs. 1 Nr. 3 KCanG https://www.gesetze-im-internet.de/kcang/__21.html

[2] Barrus, D. G. et al. (2016). Tasty THC: Promises and Challenges of Cannabis Edibles. RTI Press Research Report, 2016: RTI Press OP-0035-1611

[3] Zipursky, J. S., Bogler, O. D. & Stall, N. M. (2020). Edible cannabis. CMAJ – Canadian Medical Association Journal, 192(7), E162.

[4] FAQ: Welche Schutzmaßnahmen gibt es über den Gesundheitsschutz hinaus im Speziellen für Kinder und Jugendliche https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/cannabis/faq-cannabisgesetz.html

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