Medizinisches Cannabis wird heute längst nicht mehr nur in Blütenform eingenommen. In den vergangenen Jahren sind neue Darreichungsformen entstanden, die Alternativen zu herkömmlichen Einnahmen bieten sollen. Eine davon sind sogenannte THC-Shots. Sie stehen für einen alltagstauglichen Zugang zu Cannabis als Arzneimittel – diskret, dosierbar und ohne Rauch.
Medizinische THC-Shots sind trinkbare Cannabiszubereitungen – also kompakte, medizinische Cannabisrezepturen. Sie enthalten THC in flüssiger Form und werden als klar dosierte Einzeldosis getrunken. Jeder Shot liefert eine festgelegte Wirkstoffmenge und ermöglicht dadurch eine kontrollierte, reproduzierbare Anwendung.
Im Gegensatz zu Cannabisblüten werden THC-Shots nicht geraucht oder verdampft. Sie kommen ohne Zubehör aus und lassen sich unkompliziert in den Alltag integrieren. Für viele Menschen sind sie eine diskrete Alternative zur inhalativen Einnahme von medizinischem Cannabis.
THC-Shots gibt es in zwei grundlegenden Varianten: ölbasiert und wasserbasiert.
Ölbasierte Shots nutzen meist MCT-Öl als Träger. Sie sind sehr kompakt, meist nur wenige Milliliter groß, und haben ein dichtes, öliges Mundgefühl. Diese Form ähnelt klassischen Cannabisölen und könnte sich für Personen vertraut anfühlen, die bereits Erfahrung mit ölhaltigen Cannabispräparaten haben.
Wasserbasierte THC-Shots beruhen auf einer THC-Emulsion, bei der der Wirkstoff wasserlöslich aufbereitet wird. Dadurch entsteht eine klare, leichte Flüssigkeit, die sich schnell im Mund verteilt. Viele empfinden diese Variante als weniger schwer und angenehmer in der Einnahme. Das Volumen ist etwas größer, die Anwendung aber ebenso einfach wie bei den ölbasierten Shots.
Beide Formen dienen demselben Zweck: einer kontrollierten, standardisierten oralen Einnahme von medizinischem Cannabis.

Ein zentrales Merkmal vieler THC-Shots ist der Einsatz von Vollspektrumextrakten. Das bedeutet: Enthalten ist nicht nur THC, sondern auch weitere Cannabinoide wie CBD oder CBG sowie Terpene und Flavonoide aus der Cannabispflanze.
Diese Zusammensetzung soll dazu beitragen, dass die Wirkung als ausgewogener empfunden wird. Häufig ist in diesem Zusammenhang vom sogenannten Entourage-Effekt die Rede – also dem Zusammenspiel verschiedener Pflanzenstoffe. Welche Effekte im Einzelfall auftreten, ist individuell verschieden und kann unter anderem von Dosierung, Zusammensetzung und persönlicher Reaktion abhängen.
Unser Tipp: Mehr zum Thema erfährst du in unserem Artikel "Medizinisches Cannabisextrakt: Vielfalt, Herstellung, Anwendung".
Da THC-Shots oral eingenommen werden, unterscheidet sich ihr potenzieller Wirkdauer deutlich von der Inhalation. Die Wirkung setzt oft verzögert ein – meist nach etwa 30 bis 90 Minuten. Dafür hält sie in der Regel länger an und kann mehrere Stunden (4-8 Stunden) bestehen bleiben. [1]
Oral eingenommene Cannabisprodukte eignen sich grundsätzlich als eine mögliche Option, wenn eine länger anhaltende Wirkung gewünscht ist oder eine inhalative Anwendung vermieden werden soll. Der länger anhaltende Effekt wird unter anderem im Zusammenhang mit chronischen neuropathische Schmerzen oder im Rahmen von Tumorschmerzen diskutiert – belastbare, einheitliche Empfehlungen gibt es jedoch nicht. [1,2,3,]
Gerade im medizinischen Zusammenhang gilt deshalb: Die Anwendung sollte immer in Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt erfolgen, um Dosierung und Eignung individuell abzuklären.
Ein Beispiel von avaay Medical sind die wasserbasierten Varianten Aqua Orange Balance oder Aqua Lemon Calm, die mit Zitrus- und Orangennoten beziehungsweise Zitronenöl kombiniert sind.
Ja, in Deutschland sind THC-Shots als Rezepturarzneimittel einzuordnen und können auf ärztliches Rezept verordnet werden. Sie sind nicht frei verkäuflich, sondern ein Arzneimittel, das individuell für Cannabis-Patient:innen hergestellt und über Apotheken abgegeben wird. Ohne ein gültiges Rezept ist eine Abgabe nicht zulässig.
Die Verordnung erfolgt durch eine Ärztin oder einen Arzt im Rahmen einer medizinischen Therapie. Anschließend wird das Rezept in einer Apotheke eingelöst, die die THC-Shots entsprechend der Verschreibung anfertigt. Dieser Prozess stellt sicher, dass die Einnahme medizinisch begleitet und rechtlich abgesichert ist.
Nein, zumindest nicht im üblichen Sinn. THC-Shots zählen nicht zu den frei erhältlichen Cannabis-Getränken, wie man sie etwa aus dem Lifestyle- oder Genussbereich kennt. Zwar werden sie getrunken, rechtlich und medizinisch gehören sie aber in eine andere Kategorie.
THC-Shots sind medizinische Cannabiszubereitungen. Sie enthalten THC, werden auf Rezept abgegeben und gelten als Arzneimittel. Herstellung, Dosierung und Abgabe unterliegen klaren pharmazeutischen Vorgaben. Sie werden in Apotheken hergestellt oder ausgegeben und sind Teil einer ärztlich begleiteten Therapie.
Cannabis-Drinks im allgemeinen Sprachgebrauch meint dagegen meist frei verkäufliche Getränke, häufig mit CBD oder anderen nicht verschreibungspflichtigen Inhaltsstoffen. Diese Produkte haben keinen Arzneimittelstatus und dürfen kein THC in relevanter Menge enthalten.
Auch wenn THC-Shots äußerlich an kleine Getränke erinnern, unterscheiden sie sich also grundlegend:
Ein THC-Shot ist kein "THC-Drink", kein Genussmittel, sondern eine medizinische Darreichungsform von Cannabis.
Auf den ersten Blick wirken THC-Liquids und THC-Shots ähnlich: Beide enthalten THC in flüssiger Form. Doch THC-Liquids werden inhaliert, THC-Shots werden getrunken. In der Anwendung unterscheiden sie sich also deutlich.
THC-Shots sind eine vergleichsweise junge Darreichungsform von medizinischem Cannabis. Sie stehen für die nächste Generation von Cannabis-Produkten. Für eine Entwicklung, die weniger auf Ritual und mehr auf Funktion setzt: einfache Anwendung, klare Dosierung, möglichst wenig Hürden im Alltag. Für viele Patient:innen ist genau das entscheidend.
Ob sich THC-Shots langfristig etablieren, wird sich zeigen. Schon jetzt aber verdeutlichen sie, wie sehr sich medizinisches Cannabis weiterentwickelt – weg vom Bild des Rauchens, hin zu einer nüchternen, pharmazeutisch geprägten Therapieform.
[1] Müller-Vahl, Kirsten R., and Franjo Grotenhermen, eds. Cannabis und Cannabinoide: in der Medizin. MWV (Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft), 2019.
[2] Horlemann, et al. “DGS-PraxisLeitlinie Cannabis in Der Schmerzmedizin V2.0.” Deutsche Gesellschaft Für Schmerzmedizin (DGS), 2024, https://dgs-praxisleitlinien.de/cannabis/.
[3] Hübner, et al. "Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen." Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), 2024, 032-055OLl__S3_Komplementaermedizin-in-der-Behandlung-von-onkologischen-PatientInnen-2025-06.pdf