Tabak-Ersatz beim Cannabis-Konsum

Immer mehr Menschen möchten Cannabis ohne klassischen Tabak konsumieren – aus gesundheitlichen Gründen, wegen des Geschmacks oder schlicht, weil sie ohne Nikotin auskommen wollen. Der Markt reagiert mit Kräutermischungen, Aroma-Blends und tabakfreien Alternativen. Doch wie sinnvoll sind diese Produkte? Was sagt die Forschung über ihre Risiken? Und welche Optionen gibt es jenseits des Rauchens überhaupt? Der folgende Überblick ordnet ein, was beim Thema Tabakersatz heute bekannt ist und was nicht.



Tabakersatz: "Joint" rauchen ohne klassischen Tabak?

Wer beim Cannabiskonsum auf Tabak verzichten möchte, hat mehrere Alternativen. Am verbreitetsten sind tabakfreie Kräutermischungen – etwa aus Himbeerblättern, Mullein (Königskerze), Damiana oder Pfefferminze. Sie enthalten kein Nikotin, brennen in der Regel gleichmäßig und lassen sich ähnlich mischen wie Tabak.

Ebenfalls möglich sind reine Cannabis-Joints, also ganz ohne Beimischungen. Viele Konsument:innen nutzen zudem Vaporizer, die Cannabis nur erhitzen statt verbrennen. Dazu weiter unten im Artikel mehr.

Kurz gesagt: Wer Tabak ersetzen will, findet heute eine breite Auswahl an Kräutern und Geräten, die Konsum oder Einnahme von Cannabis tabakfrei ermöglichen.

Knaster, Real Leaf, Bobby Green: Tabakersatz-Marken

Tabakersatzprodukte klingen häufig, als seien sie geradewegs dem Kräutergarten entsprungen. Einige Marken haben sich bereits im deutschsprachigen Raum etabliert. Jede mit eigener Zusammensetzung und geschmacklicher Ausrichtung.

Knaster: Knaster ist eine der traditionsreicheren Marken und bietet eine ganze Reihe unterschiedlicher Kräuterkombinationen. Die Varianten unterscheiden sich durch ihr Aroma und durch die Kräuter, die jeweils im Vordergrund stehen. Einige Beispiele:

Real Leaf: Real Leaf verzichtet auf Tabak, Nikotin, CBD und THC. Die Marke bietet verschiedene Profile an – von kräuterbetonten Mischungen mit Damiana bis zu Varianten mit Minze oder Kamille. Einige Produkte orientieren sich zudem an bekannten Cannabis-Terpenprofilen wie „Bubba Kush“.

Bobby Green: Eine der schlichteren Mischungen auf dem Markt. Die Kräuter sind fein zerkleinert, der Geschmack bleibt zurückhaltend. Viele nutzen Bobby Green deshalb, wenn sie ihr Cannabis möglichst neutral ergänzen möchten.

Greengo: Greengo setzt auf eine eher frische Note. Die Mischung basiert auf Papaya, Minze und Eukalyptus und gehört zu den Produkten, die schon länger als Tabakersatz kursieren.

Mellow Yellow: Eine tabak- und nikotinfreie Mischung, die komplett ohne psychoaktive Wirkstoffe auskommt. Die Grundlage bilden verschiedene Blätter und Blüten, etwa Holunder, Rotklee und Löwenzahn, ergänzt durch ein Hanfaroma.

Forschung: Ist Tabak-Ersatz ohne Nikotin wirklich die gesunde Alternative zu herkömmlichem Tabak?

"Tabakersatz gilt vielen als die „sanftere“ Wahl: kein Nikotin, ein milderer Geschmack, ein Rauch, der weniger kratzt. Doch dieser Eindruck hält einer wissenschaftlichen Überprüfung bislang kaum stand"

erklärt Jennifer Plankenbühler, Lead Medical PR bei avaay.

Laboranalysen zeigen, dass beim Verbrennen auch rein pflanzlicher Mischungen schädliche Verbrennungsprodukte entstehen – darunter Kohlenmonoxid und verschiedene aromatische Kohlenwasserstoffe, die man ebenfalls aus klassischem Tabakrauch kennt. Nikotin fehlt zwar, doch das macht den Rauch nicht automatisch weniger belastend oder gesundheitlich unbedenklich.[1]

Auffällig ist zudem die Wahrnehmung der Nutzer:innen. Eine US-Studie zeigt, dass viele Menschen Kräuterprodukte spontan als „harmloser“ einstufen – oft ohne sich auf wissenschaftliche Daten stützen zu können. Die Forschung liefert dafür bislang keinen belastbaren Beleg.[2]

"Gleichzeitig muss man festhalten: Die Studienlage ist insgesamt dünn", so Jennifer Plankenbühler. "Es gibt nur wenige Untersuchungen, und vor allem Langzeitdaten fehlen vollständig. Wie stark Kräutermischungen die Atemwege, das Herz-Kreislauf-System oder die Lunge tatsächlich belasten, lässt sich derzeit nur eingeschränkt beurteilen. Sicher ist lediglich: Auch pflanzlicher Rauch ist Rauch – und damit kein gesundheitlich neutrales Produkt."

Unser Tipp: Wenn dich das Thema weiter interessiert, lohnt sich auch ein Blick in unseren Artikel „Wie gefährlich ist Cannabis-Passivrauchen?“.

Vaporizer: Eine mögliche Alternative zu Tabakprodukten

Wer den Rauch ganz hinter sich lassen will, stößt früher oder später auf Vaporizer. Sie funktionieren nach einem Prinzip, das wenig mit dem klassischen Joint gemein hat: Die Kräuter werden nicht verbrannt, sondern nur so weit erhitzt, dass sich ihre Inhaltsstoffe als feiner Dampf lösen. Es entsteht kein Rauch, keine Glut, kein Verbrennungsgeschmack – sondern eine Art „Extrakt aus Hitze“.

Im Inneren des Geräts wird die Temperatur präzise gesteuert, meist im Bereich zwischen 160 und 210 Grad Celsius. In diesem Fenster werden Wirkstoffe freigesetzt, ohne dass Pflanzenmaterial verkohlt. Dadurch fallen deutlich weniger der Stoffe an, die beim Rauchen sonst unvermeidlich entstehen – etwa Rußpartikel oder Kohlenmonoxid. Genau deshalb greifen auch viele Cannabis-Patient:innen zu dieser Methode.

Gleichzeitig gilt: Cannabis zu vaporisieren macht das Inhalieren nicht automatisch ungefährlich. Auch im Dampf können Substanzen enthalten sein, die die Atemwege reizen oder gesundheitlich fragwürdig sind. Die wissenschaftliche Bewertung steht erst am Anfang. Sicher ist bislang nur eines: Verdampfen mindert einige Risiken des Rauchens, beseitigt sie aber nicht vollständig.[3]


FAQ

Welcher ist der beste Tabakersatz?

Der „beste“ Tabakersatz hängt stark davon ab, was man sucht. Milderen Geschmack, möglichst neutrale Mischung oder etwas Aromatisches? Aus gesundheitlicher Sicht gilt jedoch: Die schonendere Alternative ist ein Vaporizer, weil beim Verdampfen weniger Schadstoffe entstehen als beim Verbrennen von Tabak oder Tabakersatz.[3]

Kann man einfach Pflanzen aus dem Garten trocknen und rauchen?

Viele fragen sich, ob sie einfach Lavendel, Himbeerblätter und Co. aus dem Garten nehmen und trocknen können, um sie zu rauchen. Theoretisch ist das möglich – praktisch aber keine gute Idee. Die meisten Gartenpflanzen sind nie darauf geprüft worden, welche Stoffe beim Verbrennen entstehen, können Schimmel, Pestizidrückstände oder Allergene enthalten und beim Inhalieren die Atemwege reizen. Auch eigentlich harmlose Kräuter können im Rauch gesundheitlich bedenkliche Verbindungen bilden. Deshalb gilt: Lieber auf geprüfte, speziell verarbeitete Kräutermischungen oder einen Vaporizer setzen statt auf improvisierte Gartenpflanzen.

Kann man Tabakersatz auch pur rauchen?

Ja, Tabakersatz kann man grundsätzlich auch pur rauchen. Die Kräutermischungen verbrennen meist gleichmäßig und produzieren oft einen milderen Rauch als Tabak. Trotzdem sollte man einen Punkt im Blick behalten: Gesund ist es nicht automatisch. Auch beim Verbrennen tabakfreier Kräuter entstehen Schadstoffe wie Kohlenmonoxid.

Wie schädlich ist Tabak ohne Nikotin?

Nikotinfrei bedeutet, dass kein Suchtpotenzial durch Nikotin besteht. Nicht, dass der Rauch gesund wäre. Beim Rauchen von nikotinfreiem Tabak entstehen weiterhin Schadstoffe.


Quellen

[1] Abdel Rahman, R. T., Kamal, N., Mediani, A., & Farag, M. A. (2022). How do herbal cigarettes compare to tobacco? A comprehensive review of their sensory characters, phytochemicals, and functional properties. ACS Omega, 7(50), 45797–45809.

[2] O’Connor, R. J., Hyland, A., Giovino, G. A., Fong, G. T., & Cummings, K. M. (2005). Smoker awareness of and beliefs about supposedly less-harmful tobacco products. American Journal of Preventive Medicine, 29(2), 85–90.

[3] Chaiton, M., Kundu, A., Rueda, S., & Di Ciano, P. (2022). Are vaporizers a lower-risk alternative to smoking cannabis? Canadian Journal of Public Health, 113(2), 293–296.

Cannabis-Edibles: Zwischen Genuss, Rausch und Medizin

Von außen betrachtet ist alles harmlos: ein Brownie, ein Gummibärchen, ein Stück Schokolade. Doch wer Cannabis in essbarer Form konsumiert – also als Edibles – betritt eine andere Welt. Eine, die still beginnt, langsam anschwillt und manchmal mit einer Heftigkeit endet, die niemand einem kleinen Keks zugetraut hätte. Wie entsteht diese starke Wirkung von Edibles – was passiert im Körper? Und können Edibles auch medizinisch sinnvoll eingesetzt werden?



Edibles: Rausch in neuer Verpackung

Die Geschichte des Rausches kennt viele Gesichter. Mal kam er als Rauch, mal als Trank, mal als Ritual. Doch in jüngerer Zeit begegnet er uns auch verpackt in Cellophan, mit stilvollem Branding und dem Versprechen auf kontrollierbares Wohlbefinden: Cannabis-Edibles – also essbare Produkte mit THC oder CBD – boomen. Besonders dort, wo Cannabis legalisiert wurde, hat sich eine neue Genuss-Kultur etabliert, irgendwo zwischen Lifestyle, Medizin und Freizeitdroge. In Kalifornien, wo einst Hanf-Brownies auf Studentenpartys kursierten, stehen heute THC-haltige Macarons in den Auslagen von Edibles-Boutiquen.

In der Öffentlichkeit wirken Edibles wie die „zivilisierte" Schwester des Joints. Kein Rauch, kein Geruch, kein Stigma. Die Verwendung von Cannabis als Rauschmittel hat sich durch Edibles gesellschaftlich weiter normalisiert – besonders dort, wo der Freizeitkonsum legal ist. In Nordamerika hat sich diese Form des Cannabiskonsums rasant etabliert: Über 40 % der nicht-medizinischen Nutzer:innen konsumieren Edibles.[1,2][1,2]

In Deutschland dagegen ist das Bild ein anderes. Zwar dürfen Erwachsene seit der Teillegalisierung Cannabis in begrenzten Mengen besitzen – doch der Verkauf von Edibles bleibt weiterhin verboten. THC-haltige Lebensmittel gelten rechtlich als nicht verkehrsfähig und dürfen ausschließlich in Apotheken auf Rezept an Cannabis-Patient:innen abgegeben werden. Auch für den Eigenbedarf dürfen sie nich zubereitet werden. Eine staatlich regulierte Abgabe, wie sie etwa für Alkohol oder Nikotin existiert, gibt es nicht.

Das Thema Edibles stellt Fragen, die weit über die Wirkung hinausgehen: Wie verändert sich der Cannabis-Konsum, wenn er für mehr Menschen zum Genuss wird? Wo verläuft die Grenze zwischen therapeutischem Einsatz und unbedarftem Missbrauch von Edibles? Und was macht es mit einer Gesellschaft, wenn der Rausch in der Mitte ankommt – verpackt wie ein hübscher Snack?

Cannabis zum Essen – von selbstgemachten Brownies zur Boutique-Ware

Der Einstieg in die Welt der Edibles beginnt meist mit einem Klassiker – dem Brownie. Gebacken mit Cannabutter, von Hand dosiert, geschmacklich oft eher rustikal als raffiniert. Doch inzwischen ist daraus ein Sortiment entstanden, das sich anfühlt wie eine Mischung aus Feinkostladen und Apothekerregal.

Neben den Backwaren finden sich Süßwaren aller Art: Bonbons, Lutscher, Schokolade mit Matcha oder Haselnuss, Gummibärchen mit Waldbeere oder grünem Apfel. Sie sind portioniert, verpackt, sortenrein – und längst kein Geheimtipp mehr. In kalifornischen Boutiquen werden Edibles inzwischen mit derselben Sorgfalt kuratiert wie Naturweine oder Duftkerzen. Auch Getränke gehören zum Sortiment. Tees, Limonaden, Sprudel mit THC – die Formate sind vielfältig, die Zielgruppen ebenso.

Edibles aus der heimischen Küche

Für die DIY-Fraktion sind Öle und Cannabutter (Stichwort Decarboxylierung) nach wie vor zentrale Bestandteile. Sie lassen sich in Kuchen, Pasta oder Dressings verarbeiten – allerdings mit ungewisser Dosis und Wirkung. Wer hingegen Herzhaftes sucht, wird ebenfalls fündig: Snacks mit Cannabis – etwa Chips, Popcorn oder Nüsse – ergänzen das süßlastige Angebot, vor allem dort, wo die Freizeitnutzung legal ist.

So reicht das Spektrum heute von der improvisierten Küche bis zur designverliebten Boutique. Von Haschkeks zu High-End – zumindest im Ausland. Und doch bleibt eine Frage: Wie viel Rausch steckt wirklich in einem Stück Schokolade? Und wie kalkulierbar ist er?

Die Wirkung von Edibles – verzögert, aber heftig

Der Unterschied zwischen einem Joint und einem Schokoladenstück mit THC liegt nicht allein im Format – er liegt im Körper. Genauer gesagt: in der Pharmakokinetik, also dem Weg, den ein Wirkstoff im Organismus nimmt. Während THC beim Rauchen über die Lunge innerhalb von Sekunden ins Blut und ins Gehirn gelangt, schlägt es bei Edibles einen Umweg ein. Erst durchläuft es den Magen-Darm-Trakt, wird dann in der Leber zu 11-Hydroxy-THC umgebaut – einem besonders potenten Metaboliten, der die Blut-Hirn-Schranke leichter überwindet und eine tiefere, anhaltendere Wirkung entfaltet.[1]

Die Folge ist ein zeitverzögerter Rausch. Er setzt nicht sofort ein, sondern oft erst nach 30 bis 120 Minuten, mit einem Wirkmaximum nach zwei bis vier Stunden. Viele unterschätzen diesen Effekt. Wer nach 30 Minuten „nichts merkt“, nimmt sich vielleicht noch ein Edible.. Die Folge kann das sogenannte „Dose Stacking“ sein: Überdosierung durch Ungeduld. Denn der Peak kommt oft erst nach drei Stunden – kann aber bis zu zwölf Stunden anhalten.[2] Ein gefährliches Zeitfenster, besonders für Unerfahrene.

Was dann folgt, ist oft kein angenehmer Höhenflug, sondern eine Überforderung des Systems. Unerfahrene Konsumierende berichten von Herzrasen, Schwindel, innerer Unruhe, Realitätsverzerrung – Symptome, die medizinisch meist harmlos sind, subjektiv jedoch als beängstigend erlebt werden. Hinzu kommt: Die Wirkung von Edibles hält länger an als die eines Joints – mitunter bis zu zwölf Stunden, vereinzelt auch darüber hinaus. [1,2]

Wie stark und lange der Rausch tatsächlich anhält, hängt von mehreren Faktoren ab – z. B. Körpergewicht, Stoffwechsel, Toleranz, Einnahme auf nüchternen oder vollen Magen und natürlich der Dosis. [1]

Medizin: Cannabis-Edibles auf Rezept?

So riskant der unbegleitete Konsum von Edibles auch sein kann, die essbaren Cannabisprodukte könnten dank ihrer Stärke auch eine vielversprechende medizinische Seite haben. Denn viele Cannabis-Patient:innen empfinden THC-haltige Edibles als angenehmer als das Inhalieren von Cannabis. Während gerauchte Produkte schnell wirken, aber oft auch kürzer und intensiver ausfallen, entfaltet sich die Wirkung von Edibles langsamer – dafür aber gleichmäßiger und über viele Stunden hinweg. Besonders Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Krebserkrankungen oder posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) schätzen laut Studien diese Eigenschaften. Hinzu kommt die diskrete Einnahme: Edibles lassen sich unkompliziert in den Alltag integrieren, ohne auffällige Gerüche oder spezielle Hilfsmittel.[1]

Trotz ihres therapeutischen Potenzials etablieren sich Edibles auf Rezept bislang nur langsam. Zwar stehen in Deutschland Cannabis-Kapseln und Cannabis-Extrakte als Arzneimittel zur Verfügung, doch handelt es sich hierbei um klassische orale Präparate – nicht um Lebensmittel wie Kekse oder Tees, die als Medikation genutzt werden könnten. Patient:innen stellten sich Edibles in Deutschland bislang vor allem selbst zu Hause aus medizinischem Cannabis her.

Bertan Türemis, medizinisch Wissenschaftlicher Berater bei avaay Medical, erklärt, warum es gut ist, dass sich diese Lücke langsam schließt:

„Für Patient:innen mit chronischen Schmerzen, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Übelkeit könnten Edibles ein Segen sein. Sie sind nicht nur leicht einzunehmen und geschmacklich angenehmer als viele andere Formen, sondern könnten durch ihre langsame, gleichmäßige Wirkung auch therapeutische Vorteile bieten – etwa dann, wenn eine stabile Linderung über mehrere Stunden hinweg gefragt ist. Als standardisiertes Arzneimittel könnten Edibles die Therapietreue verbessern, besser in den Alltag integrierbar sein und eine verlässliche, individuell anpassbare Dosierung ermöglichen. Vor allem bei pflegebedürftigen Patient:innen wären sie eine medizinisch kontrollierbare Alternative die einfach verabreichbar ist und  vielen Patient:innen genau die Sicherheit bieten könnte, die bisher fehlt. Die Nachfrage nach solchen nicht-inhalativen Darreichungsformen ist da – nicht nur aus praktischen, sondern zunehmend auch aus medizinischen Gründen.“

In Deutschland besteht für Patient:innen seit kurzem die Möglichkeit, Edibles in Apotheken aus exakt dosierten Cannabis-Destillaten herstellen zu lassen, die auf einer ärztlichen Verordnung basieren. Im Gegensatz zu selbstgebackenen Brownies aus Cannabutter, bei denen die Wirkstoffmenge schwer einschätzbar ist, enthalten diese Zubereitungen definierte Mengen an THC und CBD. Das bietet einen entscheidenden Vorteil: Die Dosierung ist präzise nachvollziehbar – und damit auch therapeutisch besser steuerbar. Hinzu kommt: Anders als beim Erhitzen von Cannabisblüten in der heimischen Küche, also beim Decarboxylieren, bleiben bei pharmazeutisch hergestellten Cannabis-Destillaten Terpene erhalten, die durch falsche Verarbeitung sonst verloren gehen könnten.

Edibles – die Risiken des Freizeitkonsums

So viel zu den potenziellen Vorteilen von Edibles. Doch wie sieht es mit den Risiken des Freizeitkonsums aus – und was sagt die Forschung dazu? Eine Beobachtungsstudie aus Colorado zeigt: Besonders Edibles führen überproportional oft zu Notaufnahmen-Besuchen mit psychischen Krisen, starker Intoxikation und Herzproblemen.[3] Zwar machen Edibles hier nur einen Bruchteil der verkauften THC-Menge aus – sie sind aber für rund 10 % der cannabisbedingten Notfälle verantwortlich. Besonders häufig: Psychosen, Panikattacken, Herzrasen.

Das liegt nicht nur am Wirkstoff selbst, sondern auch an der schwierigen Dosierung. Wer soll ein Zwanzigstel eines 100-mg-Cookies akkurat abschneiden? Schon 10–30 mg THC gelten als stark berauschend – unregulierte Produkte enthalten oft das Zehnfache. Die Folge: Unbeabsichtigte Überdosierung ist der eher Regelfall, nicht die Ausnahme.[2]

CBD als sanfte Bremse? Nicht ganz.

Lange hielt sich das Gerücht, CBD schwäche den THC-Rausch ab. Eine neue Studie der Johns Hopkins zeigt jedoch das Gegenteil – zumindest bei oraler Einnahme: Wird THC mit einer hohen Dosis CBD kombiniert, steigen sowohl die THC-Konzentration im Blut als auch die Wirkung deutlich an.

Der Grund: CBD verlangsamt den Abbau von THC in der Leber, was zu einer längeren und stärkeren Wirkung führt. Die Studienteilnehmer:innen berichteten von mehr Nebenwirkungen, stärkerem Rausch, mehr Gedächtnisproblemen und einem höheren Puls.[4]

Statt also als „Puffer“ zu wirken, kann CBD – je nach Dosis – den Effekt von THC sogar potenzieren.

Kinder, Unwissen – und das trügerische Format

Edibles sehen aus wie Süßigkeiten – und sind oft genauso verpackt. Das macht sie besonders gefährlich für Kinder: In Kanada gehen drei Viertel aller Cannabis-Vergiftungen bei Kindern auf Edibles zurück.[2] Auch Erwachsene sind nicht gefeit: In Colorado kam es nach der Legalisierung zu einem messbaren Anstieg an Notfällen bei Touristen – viele unterschätzten die Wirkung völlig.[1]

Regulierungen in Kanada und einigen US-Staaten schreiben mittlerweile maximale THC-Dosen pro Portion, Warnhinweise und kindersichere Verpackungen vor. Doch selbst bei legalen Produkten bleibt ein Problem: Viele Nutzer:innen verstehen die Angaben offenbar nicht – oder lesen sie nicht.

Zwischen Genuss und Therapie – was Edibles leisten können

Cannabis-Edibles sind mehr als nur ein weiterer Konsumweg. Sie verkörpern den Wandel des Cannabiskonsums – weg vom schnellen Joint, hin zur diskreteren, kontrollierbaren Einnahmeform. Doch ihre Wirkung kann tückisch sein: Sie kommt spät, wirkt lange und kann – vor allem im Freizeitkontext – leicht überdosiert werden.

In ihrer Stärke liegt aber auch ihr medizinisches Potenzial: In klar definierter Dosis, ärztlich begleitet und pharmazeutisch verarbeitet, könnten Edibles eine wirksame, rauchfreie Alternative für viele Patient:innen darstellen. Zwischen Selbstversuch und Therapie, zwischen Popkultur und Pharmakon braucht es nun vor allem eines: Aufklärung, Regulierung – und den Mut, Cannabis nicht nur als Droge, sondern als Arzneimittel ernst zu nehmen.

Edibles für Patient:innen: Welche Formen gibt es – und was ist erlaubt?

Für Patient:innen, die Cannabis oral einnehmen möchten, stehen verschiedene Zubereitungsformen zur Verfügung. Während einige seit Jahrhunderten bekannt sind, bleiben andere rechtlich umstritten oder schwer zu dosieren. Ein Überblick über die wichtigsten Edible-Formen – mit ihren Chancen und Grenzen.

1. Cannabis-Tee: Milde Alternative mit therapeutischem Potenzial

Cannabistee gehört zu den ältesten Zubereitungsformen von Cannabis – und für viele Patient:innen ist er eine sanfte, gut verträgliche Alternative zu Inhalation oder hochdosierten Edibles. Anders als beim Rauchen oder Verdampfen wirkt Tee langsamer und weniger intensiv, dafür aber gleichmäßiger über mehrere Stunden. Das macht ihn besonders interessant für Menschen mit chronischen Schmerzen, Schlafstörungen oder Appetitlosigkeit, die eine langanhaltende Linderung bevorzugen.

Allerdings ist die Zubereitung nicht trivial: THC und CBD sind fettlöslich, nicht wasserlöslich – ohne Zugabe von Fett (etwa Milch, Butter oder Öl) bleibt die Wirkung gering. Zudem muss das Cannabis vor der Zubereitung decarboxyliert werden, damit die Cannabinoide aktiviert werden. Für Patient:innen, die Cannabistee nutzen möchten, empfiehlt sich daher eine ärztliche Beratung – und idealerweise eine standardisierte Rezeptur aus der Apotheke, um Dosierung und Wirkung besser kalkulieren zu können.

Mehr Infos: Cannabistee zubereiten: So geht's richtig

Cannabisbutter: Basis vieler Edibles – aber schwer zu dosieren

Cannabisbutter ist die klassische Grundlage für selbstgemachte Edibles wie Brownies, Kekse oder herzhafte Gerichte. Sie entsteht durch das langsame Erhitzen von Cannabis in Butter, wobei die Cannabinoide in das Fett übergehen. Für Patient:innen, die Cannabis oral einnehmen möchten, kann Cannabisbutter eine praktische Lösung sein – vorausgesetzt, die Zubereitung erfolgt korrekt.

Das größte Problem: Die Dosierung ist schwer kontrollierbar. Wie viel THC tatsächlich in einem Teelöffel Butter steckt, hängt von vielen Faktoren ab: Ausgangsmaterial, Erhitzungstemperatur, Dauer der Zubereitung. Wer hier ungenau arbeitet, riskiert entweder Unterdosierung – oder eine unerwartet starke Wirkung. Für medizinische Zwecke empfiehlt sich daher der Einsatz pharmazeutisch hergestellter Cannabis-Destillate, die in Apotheken bezogen werden können. Diese bieten eine exakte Dosierung und lassen sich gezielt in Lebensmittel einarbeiten – ohne die Unsicherheiten selbstgemachter Cannabisbutter.

Mehr Infos: Cannabisbutter: Wirkung, Herstellung und was man wissen sollte

THC-Gummibärchen: Beliebtes Format mit hohem Risikopotenzial – und rechtlichen Grenzen

THC-Gummibärchen gehören zu den bekanntesten und beliebtesten Cannabis-Edibles – vor allem in Ländern mit legalisiertem Freizeitkonsum wie Kanada oder den USA. Sie sind klein, diskret, portioniert und geschmacklich angenehm. Doch genau das macht sie auch riskant: Ihr harmloses Aussehen verleitet dazu, sie zu unterschätzen. Besonders für Kinder sind THC-Gummibärchen gefährlich, da sie von normalen Süßigkeiten kaum zu unterscheiden sind. In Kanada gehen etwa drei Viertel aller Cannabis-Vergiftungen bei Kindern auf Edibles zurück – viele davon auf Gummibärchen.

Auch für Erwachsene ist die Dosierung tückisch. Während manche Gummibärchen nur 5 mg THC enthalten, weisen andere 25 mg oder mehr auf – eine Dosis, die für Unerfahrene bereits sehr stark wirken kann. Hinzu kommt: Die Wirkung setzt erst nach 30 bis 90 Minuten ein, was zu ungewolltem „Nachlegen" führt.

Nein. THC-Gummibärchen sind in Deutschland nicht legal – weder im freien Verkauf noch für den Eigenbedarf. Nach dem Konsumcannabisgesetz (§ 21 Abs. 1 Nr. 3 KCanG) dürfen THC-haltige Lebensmittel nicht verkauft, abgegeben oder hergestellt werden. Das gilt auch für Cannabis Social Clubs und den Eigenanbau zu Hause.

Ausnahme: Medizinische Nutzung auf Rezept
Patient:innen mit einer ärztlichen Verordnung können in Apotheken pharmazeutisch hergestellte Cannabis-Zubereitungen beziehen, die auf standardisierten THC- und CBD-Destillaten basieren. Diese können – je nach Rezeptur – auch in Form von Gummibärchen oder anderen Edibles hergestellt werden. Der Vorteil: Die Dosierung ist exakt nachvollziehbar, die Qualität geprüft und die Einnahme ärztlich begleitet.

Illegale THC-Gummibärchen aus dem Ausland oder vom Schwarzmarkt sollten Patient:innen unbedingt meiden: Sie enthalten oft unkontrollierte Wirkstoffmengen, Verunreinigungen oder falsche Angaben – und können gesundheitlich riskant sein.


FAQ

Nein. THC-haltige Edibles wie Haschkekse, Gummibärchen oder Brownies dürfen in Deutschland nicht verkauft oder öffentlich abgegeben werden. Auch Cannabis Social Clubs dürfen keine Cannabis-Zubereitungen herstellen oder verteilen, da THC-haltige Lebensmittel laut Konsumcannabisgesetz (§ 21 Abs. 1 Nr. 3 KCanG) nicht verkehrsfähig sind. Auch für den Eigenbedarf zu Hause dürfen Edibles nicht zubereitet werden. Darüber hinaus können Patient:innen mit entsprechender ärztlicher Verordnung in Apotheken Cannabis-Zubereitungen auf Basis standardisierter THC- und CBD-Destillate erhalten, aus denen sich Edibles gezielt und kontrolliert herstellen lassen.
Die Wirkung von Cannabis-Edibles ist deutlich stärker und länger anhaltend als beim Rauchen. Das liegt an der Art, wie der Körper das THC verarbeitet: Wird es gegessen, gelangt es zunächst durch Magen und Leber. Dort wird es in eine Substanz namens 11-Hydroxy-THC umgewandelt – ein besonders potenter Wirkstoff, der leichter ins Gehirn gelangt und intensiver wirken kann. Beginn der Wirkung: meist nach 30 bis 90 Minuten, manchmal auch später Höhepunkt (Peak): etwa nach 2 bis 4 Stunden Gesamtdauer der Wirkung: 6 bis 12 Stunden, in Einzelfällen auch länger
Edibles wirken langsamer, dafür intensiver und länger als gerauchtes Cannabis – die Wirkung setzt oft erst nach 30 bis 90 Minuten ein und kann bis zu 12 Stunden anhalten. Deshalb gilt: niedrig dosieren, abwarten, nicht nachlegen. Iss nicht auf nüchternen Magen und vermeide Mischkonsum mit Alkohol. Besonders für Unerfahrene ist ein ruhiges Umfeld ohne Verpflichtungen wichtig.
Cannabis-Edibles gibt es in vielen Formen: Zu den Klassikern zählen Backwaren wie Brownies oder Kekse. Daneben sind Süßwaren wie Gummibärchen, Schokolade und Lutscher weit verbreitet – oft einzeln portioniert. Auch Getränke wie THC-haltige Tees, Limonaden oder Sprudel gehören zum Sortiment. Für die eigene Herstellung werden häufig Cannabisbutter oder Öle verwendet. In Regionen mit legalem Freizeitkonsum gibt es zudem herzhafte Edibles wie Chips, Popcorn oder Gewürzmischungen. Die Auswahl reicht von hausgemacht bis high-end – diskret, vielseitig und in unterschiedlichsten Dosierungen erhältlich.
Ja – Edibles wirken oft stärker als Joints, weil der Körper das THC beim Essen anders verarbeitet: In der Leber entsteht dabei der Wirkstoff 11-Hydroxy-THC, der potenter ist und länger wirkt als inhaliertes THC. Die Wirkung setzt langsamer ein (nach 30–90 Minuten), hält aber deutlich länger an – oft bis zu 12 Stunden. Das kann zu intensiveren Rauscherfahrungen führen, besonders bei hohen Dosen oder Unerfahrenen.[1,2,3]

Quellen

[1] Barrus, D. G. et al. (2016). Tasty THC: Promises and Challenges of Cannabis Edibles. RTI Press Research Report, 2016: RTI Press OP-0035-1611

[2] Zipursky, J. S., Bogler, O. D. & Stall, N. M. (2020). Edible cannabis. CMAJ – Canadian Medical Association Journal, 192(7), E162.

[3] Monte, A. A. et al. (2019). Acute illness associated with cannabis use, by route of exposure: An observational study. Annals of Internal Medicine, 170(8), 531–537.

[4] Zamarripa, C. A. et al. (2023). Assessment of orally administered Δ⁹-tetrahydrocannabinol when coadministered with cannabidiol on Δ⁹-tetrahydrocannabinol pharmacokinetics and pharmacodynamics in healthy adults: A randomized clinical trial. JAMA Network Open, 6(2), e2254752.

Cannabis: Alles, was Ihr schon immer über Terpene wissen wolltet

Neben den unterschiedlichen Cannabinoid-Gehalten sind die einzelnen Cannabissorten auch durch ihr ganz eigenes Aroma identifizierbar. Manche erinnern an Käse, Vanilleeis, Benzin oder ein Blumenbouquet. Verantwortlich dafür sind unter anderem die Terpene. In unserem Booklet "Die Top 20-Terpene und ihre Effekte" haben wir alles Wissenswerte zum Thema zusammengestellt und erklären, in welchen Sorten man sie findet, wie sie wirken und warum es sie gibt.

Schon vor hunderten Jahren wurden aus vielen Pflanzen natürliche Terpene gewonnen, um damit natürliche und teilweise heilende Extrakte herzustellen. Terpene sind der Hauptbestandteil von ätherischen Ölen, die bekannterweise auch therapeutisch eingesetzt werden können.

Ätherische Öle können sowohl über den Duft eine therapeutische Wirkung entfalten als auch über die Haut aufgenommen werden und könnten so eine wohltuende Wirkung haben. Sie werden auch als natürliches Konservierungsmittel eingesetzt, um zu verhindern, dass Bakterien sich in Lebensmitteln bilden und vermehren.

Was sind Terpene – und warum riecht der Wald nach Wald?

Der Begriff „Terpen“ geht auf das lateinische Turpentine zurück – ein Harzextrakt aus Kiefern, der schon früh als Duftstoff Verwendung fand. Doch was hinter diesem Begriff steckt, ist weit mehr als bloße Aromatik. Terpene sind jene flüchtigen Moleküle, die Pflanzen ihre charakteristischen Gerüche verleihen: Lavendel duftet dank ihnen intensiv-blumig, Mango süß und tropisch, Hopfen würzig-herb. Auch Cannabis verdankt ihnen sein unverwechselbares Aroma – mal zitrusartig, mal erdig, mal süßlich-scharf.

Terpene sind chemisch gesehen sekundäre Pflanzenstoffe. Sie kommen in Blüten, Früchten und mitunter auch in Insekten vor und gehören zur größten Gruppe flüchtiger organischer Verbindungen, die die Natur hervorbringt. In der Sprache der Botanik sind sie Duftmoleküle – in der Sprache der Evolution sind sie hochspezialisierte Kommunikationsmittel.

Denn Pflanzen duften nicht aus Zufall. Sie setzen Terpene gezielt ein, um mit ihrer Umwelt zu interagieren. Im Ökosystem Wald spielen Terpene zum Beispiel eine stille, aber zentrale Rolle. Sie regulieren das Mikroklima, beeinflussen Luftfeuchtigkeit und tragen zur typischen Waldluft bei – jener Mischung aus Pinen, Myrcen und anderen flüchtigen Substanzen, die wir tief einatmen und intuitiv als wohltuend empfinden. Manche Terpene wirken sogar wie ein unsichtbares Netzwerk: Sie senden Signale aus, um Schädlinge fernzuhalten oder um Fressfeinde der Schädlinge anzulocken – eine stille Allianz zwischen Pflanze und Tier. Das Terpen Limonen etwa wirkt auf bestimmte Insekten abstoßend – ein Prinzip, das sich auch der Mensch zunutze gemacht hat: Das Mückenschutzmittel Autan riecht nicht ohne Grund nach Zitrone.

So zeigen Terpene eindrücklich, wie durchdacht die Strategien der Natur sind. Sie sind Ausdruck einer ökologischen Intelligenz, in der jede Duftnote eine Funktion erfüllt. Wer also das nächste Mal den würzigen Geruch eines Waldes oder den süßen Duft einer Cannabispflanze wahrnimmt, riecht nicht nur ein Aroma – sondern die Sprache der Pflanzen.

Präventive Maßnahme oder stille Notwehr?

Die Produktion von Terpenen folgt keinem starren Plan – sie ist ebenso Strategie wie Reaktion. Pflanzen setzen diese aromatischen Verbindungen nicht nur vorsorglich ein, um Fressfeinde auf Abstand zu halten. Sie reagieren auch auf Stress. Wenn Wasser knapp wird, die Nährstoffversorgung stockt oder extreme Hitze droht, steigt die Terpenkonzentration in vielen Pflanzenarten signifikant an. Ist es ein Hilferuf? Eine biochemische Notwehr? Oder schlicht ein universales Programm, das zwischen Bedrohungen nicht unterscheidet?

Terpene wirken dabei in alle Richtungen. Einige locken auch Insekten an, um die Bestäubung zu sichern. Die Cannabispflanze allerdings geht einen anderen Weg. Sie ist eine Windbestäuberin. Ihre Blüten sind unscheinbar, grün, nicht für das Auge von Insekten gedacht. Doch sie ist keineswegs passiv. Mithilfe lichtsensitiver Pigmente erkennt sie den Tagesverlauf und nutzt gezielt das Licht, um tagsüber Terpene freizusetzen – ein fein austariertes Timing im Kampf gegen Schädlinge.

Die Wirkung bleibt nicht an der Oberfläche. Oberirdisch schützen Terpene vor Mikroben – Pilzen, Bakterien, Krankheitserregern. Unterirdisch zeigen sie ein anderes Gesicht: Dort, wo das Wurzelwerk auf die unsichtbare Welt des Bodens trifft, gehen Pflanzen symbiotische Beziehungen mit Mikroorganismen ein. Mit der Pflanze harmonierende Pilze und Bakterien liefern Mineralien, die die Pflanze allein nicht erreichen könnte. Im Gegenzug fließen zuckerhaltige Ausscheidungen – ein Tauschgeschäft auf molekularer Ebene.

Nach diesem Blick auf die übergreifende Bedeutung von Terpenen richtet sich der Fokus nun auf einen besonderen Mikrokosmos: die Terpene in Cannabis.

Rund 200 bekannte Cannabis-Terpene

Von den über 20.000 Terpenen, die bislang in der Pflanzenwelt identifiziert wurden, entfallen rund 200 auf Cannabis. Diese Vielfalt ist nicht nur biochemisch bemerkenswert – sie hat auch praktische Konsequenzen: In der medizinischen Anwendung gewinnt das Terpenprofil zunehmend an Bedeutung. Was früher grob in „Sativa“ oder „Indica“ unterteilt wurde, wird heute differenzierter betrachtet – über sogenannte Chemovare, die das Zusammenspiel von Cannabinoiden und Terpenen in ihrer Gesamtheit erfassen.

Die Fortschritte in der Analytik ermöglichen es, Blüten gezielter auszuwählen – basierend auf ihrem individuellen, potenziellen Wirkstoffprofil. Für viele Cannabis-Patient:innen ist das Terpenprofil ein entscheidender Hinweisgeber: auf mögliche Wirkungen, Geschmacksnuancen und Verträglichkeiten.

Wirkung von Cannabis auf den menschlichen Körper: Terpene als medizinische Hoffnungsträger?

Tatsächlich berichten viele, die Cannabis auf Rezept verordnet bekommen haben, von beruhigenden, stimmungsaufhellenden oder schmerzlindernden Effekten, die sie bestimmten Terpenprofilen zuschreiben. Doch wissenschaftlich ist das Terrain noch dünn. Während die Wirkmechanismen der Cannabinoide zunehmend verstanden werden, sind die Effekte der Terpene auf den menschlichen Organismus bislang nur in Ansätzen erforscht.

Zahlreiche Studien deuten jedoch an: Terpene wirken nicht isoliert, sondern modulierend – sie beeinflussen, wie Cannabinoide im Körper wirken, wie stark sie das Endocannabinoid-System stimulieren, und möglicherweise auch, wie lange oder intensiv bestimmte Effekte anhalten. Diese Wechselwirkungen werden unter dem Begriff Entourage-Effekt zusammengefasst – einer Theorie zufolge also einer Art synergistischen Zusammenspiels verschiedener pflanzlicher Inhaltsstoffe, das über die Wirkung der Einzelkomponenten hinausgeht.[7]

Was heute noch als Hypothese gilt, könnte morgen therapeutische Relevanz gewinnen: In der Kombination von Terpenen und Cannabinoiden liegt womöglich ein bislang unterschätztes Potenzial – für individualisierte Therapien, fein abgestimmte Rezepturen und ein besseres Verständnis pflanzlicher Synergie.

Ein erster Blick auf die Wirkung – was wir über Cannabis-Terpene bislang wissen

Noch steht die Forschung zu den medizinischen Potenzialen von Terpenen am Anfang. Verlässliche Aussagen über ihre Wirkung am Menschen sind bislang rar – belastbare klinische Studien fehlen weitgehend. Doch erste Hinweise lassen sich aus präklinischen Untersuchungen gewinnen: Tiermodelle und Laborstudien liefern vorsichtige Anhaltspunkte, in welche Richtung bestimmte Terpene wirken könnten.

Im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses stehen dabei derzeit vor allem vier Verbindungen: Beta-Caryophyllen, Limonen, Linalool und Pinen. In der folgenden Übersicht betrachten wir diese Terpene etwas genauer – als Versuch einer ersten Annäherung an ihre möglichen pharmakologischen Eigenschaften.

Beta-Caryophyllen

Das Terpen Beta-Caryophyllen findet sich nicht nur in Cannabis, sondern zum Beispiel auch in Zimt oder Basilikum. Es zeichnet sich durch seinen würzig-pfeffrigen Geruch aus und ist auch unter den Bezeichnungen b-Caryophyllen, β-Caryophyllen oder Caryophyllen bekannt. Besonders spannend: Das Terpen könnte an den CB2-Rezeptor im menschlichen Körper binden und damit parallel als Endocannabinoid wirken.

In einer Studie an Mäusen untersuchten Forschende der Universität Bonn die Terpen-Wirkung von Beta-Caryophyllen unter anderem bei neuropathischen Schmerzen. Sie beobachteten bei den Mäusen eine Abschwächung der Schmerzempfindlichkeit und konnten auch nach längerer Behandlung keine Anzeichen von Toleranz gegenüber dieser Cannabis-Terpen-Wirkung feststellen.

Die Wissenschaftler:innen kamen zum Schluss, dass insbesondere die regelmäßige orale Verabreichung des Terpens Beta-Caryophyllen bei lang anhaltenden, lähmenden Schmerzzuständen hochwirksam sein könnte.[1]

Eine Untersuchung der United Arab Emirates University, die ebenfalls an Mäusen durchgeführt wurde, ließ unter anderem auf eine potenziell angstlindernde Wirkung des Cannabis-Terpens schließen. Entsprechende Studien zu dieser Wirkung auf den Menschen stehen ebenfalls aus.[2]

Limonen

Das Terpen Limonen ist Hauptbestandteil der ätherischen Öle von Zitrusfrüchten und verströmt entsprechend auch als Cannabis-Terpen ein Zitrusaroma. In den 2018 veröffentlichten Ergebnissen einer Laboruntersuchung verzeichneten Forschende durch d-Limonen eine Hemmung des Wachstums von Lungenkrebszellen.[3]

Bereits 2013 waren die Ergebnisse einer offenen klinischen Pilotstudie publiziert worden, an welcher 43 Frauen teilgenommen hatten, bei denen kürzlich operabler Brustkrebs diagnostiziert worden war. Im Rahmen der Untersuchung nahmen sie zwei bis sechs Wochen vor der chirurgischen Entfernung des Tumors täglich zwei Gramm Limonen ein.

Tatsächlich führte die kurzzeitige Einnahme des Terpens Limonen im Tumorgewebe zu einem signifikanten Rückgang der Expression von Cyclin D1 – einem Protein, welches eine entscheidende Rolle beim Zellwachstum spielt. Allerdings konnten bei anderen wichtigen Biomarkern nur minimale Veränderungen festgestellt werden.

Die Forschenden betonten hier besonders die Notwendigkeit weiterer Studien, um einer potenziellen Cannabis-Terpen-Wirkung auf den Menschen auf den Grund gehen zu können und damit zu klären, ob das Terpen Limonen bei der Behandlung und Prävention von Brustkrebs infrage kommen könnte.[4]

Linalool

Das Terpen Linalool ist, abgesehen von seinem Vorkommen in Cannabis, zum Beispiel in Lavendel enthalten und findet wegen seines süßen, blumigen Dufts gerne in Kosmetika Verwendung. Allerdings kann Linalool bei Duftstoffallergiker:innen allergische Reaktionen hervorrufen.

2018 publizierten Forschende der japanischen Universität Kagoshima in „Frontiers in Behavioral Neuroscience“ Ergebnisse einer Untersuchung an Mäusen, nach denen die Terpen-Wirkung von Linalool angstlindernder Natur sein könnte. Gleichzeitig stellten sie bei den Tieren keine motorischen Beeinträchtigungen fest.

Da jene Mäuse, die über keinen intakten Geruchssinn verfügten, nicht von dem angstlösenden Effekt profitierten, kamen die Wissenschaftler:innen zum Schluss, dass der Geruch von Linalool ursächlich für diese Terpen-Wirkung verantwortlich sein muss.[5]

Pinen

Mit seinem holzigen, erdigen Geruch weckt Pinen Assoziationen an den Duft von Kiefern. Neben seinem Vorkommen in der Cannabispflanze lässt sich das Terpen Pinen in Ölen von Nadelbäumen genauso nachweisen wie in Eukalyptus- oder Orangenschalenöl. Pinen verleiht medizinischen Cannabisblüten ein frisches, klares Aroma, das von Cannabispatient:innen häufig als sehr angenehm empfunden wird.

Unterschieden wird bei diesem Cannabis-Terpen in Alpha-Pinen und Beta-Pinen, wobei Letzteres potenziell über antibakterielle Eigenschaften verfügt. So ergaben Labortests am teilweise antibiotikaresistenten Campylobacter jejuni, einem häufigen Erreger von Durchfallerkrankungen, dass Pinen dessen Antibiotika-Resistenz effektiv regulieren könnte. Aufgrund der vielversprechenden Ergebnisse gaben die beteiligten Wissenschaftler:innen eine Empfehlung für weitere Untersuchungen zu diesem Thema ab.[6]

Cannabis-Terpene: Übersicht über Wirkung, Vorkommen und Eigenschaften

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Cannabis-Terpene zusammen – mit ihren charakteristischen Aromen, möglichen Wirkungen und weiteren natürlichen Vorkommen. Wichtig: Die aufgeführten Wirkungen basieren überwiegend auf präklinischen Studien (Labor- und Tierversuche). Belastbare klinische Daten am Menschen fehlen weitgehend.

TerpenAromaMögliche WirkungWeitere natürliche Vorkommen
MyrcenErdig, moschusartig, leicht fruchtigMöglicherweise beruhigend, muskelentspannend, entzündungshemmend; könnte die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke erhöhenHopfen, Lorbeer, Thymian, Mango
Beta-CaryophyllenWürzig, pfeffrig, holzigPotenziell schmerzlindernd, entzündungshemmend, angstlösend; bindet an CB2-RezeptorenSchwarzer Pfeffer, Nelken, Basilikum, Zimt
LimonenZitrusartig, frischMöglicherweise stimmungsaufhellend, angstlösend, antioxidativ; könnte Tumorwachstum hemmenZitronen, Orangen, Grapefruits, Wacholder
LinaloolBlumig, süßlich, lavendelartigPotenziell beruhigend, angstlösend, schlaffördernd, entzündungshemmendLavendel, Koriander, Minze
Pinen (α & β)Frisch, harzig, nach KieferMöglicherweise bronchienerweiternd, entzündungshemmend, gedächtnisfördernd; Beta-Pinen könnte antibakteriell wirkenKiefern, Rosmarin, Eukalyptus, Basilikum
HumulenHolzig, erdig, hopfenartigPotenziell entzündungshemmend, appetitzügelnd, antibakteriellHopfen, Koriander, Salbei, Ingwer
TerpinolenBlumig, kräuterartig, leicht rauchigMöglicherweise beruhigend, antioxidativ, antibakteriellMuskatnuss, Teebaum, Flieder, Äpfel
OcimenSüßlich, krautig, holzigPotenziell entzündungshemmend, antiviral, antifungalBasilikum, Orchideen, Mango, Minze
BisabololSüßlich, blumig, leicht pfeffrigMöglicherweise entzündungshemmend, beruhigend, hautpflegendKamille, Bärlapp
Eucalyptol (Cineol)Frisch, kühl, kampferartigPotenziell entzündungshemmend, schmerzlindernd, schleimlösendEukalyptus, Rosmarin, Lorbeer, Teebaum
NerolidolHolzig, blumig, zitrusartigMöglicherweise beruhigend, antimykotisch, antioxidativIngwer, Jasmin, Lavendel, Teebaum
ValencenFrisch, zitrusartig, süßlichPotenziell entzündungshemmend, insektenabweisendOrangen (insbesondere Valencia-Orangen), Grapefruits
GuajolHolzig, rosenähnlich, leicht süßlichMöglicherweise antimikrobiell, entzündungshemmendGuajak-Holz, Zypresse, Zypressen
PhytolGrasig, blumig, mildPotenziell beruhigend, entzündungshemmend; Abbauprodukt von ChlorophyllGrüner Tee, Cannabis, Algen
GeraniolBlumig, rosenähnlichMöglicherweise neuroprotektiv, antioxidativ, antimikrobiellRosen, Zitronengras, Geranie

Hinweise zur Interpretation der Tabelle

Wissenschaftlicher Stand: Die meisten aufgeführten Wirkungen stammen aus Laborstudien oder Tierversuchen. Klinische Studien am Menschen sind rar. Die Wirkungen sollten daher als Hinweise verstanden werden, nicht als gesicherte medizinische Fakten.

Entourage-Effekt: Terpene wirken in der Cannabispflanze nicht isoliert, sondern in Kombination mit Cannabinoiden (THC, CBD) und anderen Pflanzenstoffen. Diese synergistischen Wechselwirkungen könnten die Gesamtwirkung beeinflussen – ein Phänomen, das als Entourage-Effekt bekannt ist, aber wissenschaftlich noch nicht abschließend belegt wurde.

Individuelle Unterschiede: Wie stark ein Terpen wirkt, hängt von vielen Faktoren ab: Dosierung, individueller Stoffwechsel, Genetik und Kombination mit anderen Substanzen.

Therapeutische Anwendung: Wer Cannabis medizinisch nutzt, sollte bei der Auswahl von Cannabisblüten nicht nur auf den THC- oder CBD-Gehalt achten, sondern auch auf das Terpenprofil. Viele Patient:innen berichten, dass bestimmte Terpenkombinationen besser zu ihren Bedürfnissen passen als andere.

Warum diese Tabelle wichtig ist

Für Cannabis-Patient:innen kann das Terpenprofil ein entscheidender Faktor bei der Auswahl geeigneter Cannabisblüten sein. Während THC und CBD im Vordergrund stehen, könnten Terpene maßgeblich dazu beitragen, wie eine Sorte wirkt – von der Intensität über die Verträglichkeit bis hin zu spezifischen Effekten wie Entspannung oder Fokus.

Gleichzeitig zeigt die Tabelle: Cannabis ist mehr als THC. Die Vielfalt der Terpene macht jede Cannabissorte einzigartig – chemisch, aromatisch und möglicherweise auch therapeutisch.

Jenseits der Terpene – was bestimmt den Duft von Cannabis noch?

Doch wie eindeutig ist der Zusammenhang zwischen Terpenen und Duft tatsächlich? Eine aktuelle Studie von Iain W. H. Oswald und Kolleg:innen bringt Bewegung in ein lange als gesichert geltendes Feld. Unter dem Titel „Minor, Nonterpenoid Volatile Compounds Drive the Aroma Differences of Exotic Cannabis" zeigt die Untersuchung: Auch andere flüchtige Verbindungen – darunter Schwefelverbindungen – prägen das Aroma der Cannabispflanze wesentlich.[8]

Diese Erkenntnis hat weitreichende Konsequenzen. Die Aromatik verschiedener Cannabissorten ist komplexer als bisher angenommen – und schwerer zu konservieren. Denn viele dieser nicht-terpenoiden Substanzen sind besonders flüchtig und damit analytisch schwer zu erfassen.

Die Forschung steht hier noch am Anfang. Doch die Neugier ist groß: Künftig könnten Anbau- und Lagerungsverfahren entwickelt werden, die gezielt bestimmte Duftprofile bewahren – eine Perspektive, die nicht nur für Genusskonsumierende, sondern auch für Patient:innen von Bedeutung sein könnte.

Terpene in Cannabis: Ihre Wirkung ist Gegenstand künftiger Forschung

Bei der Auswahl geeigneter medizinischer Cannabisblüten rückt die Analyse deren individueller chemischer Profile für Cannabispatient:innen zunehmend in den Vordergrund. Während im Zuge dessen auch ein verstärkter Fokus auf die Rolle einzelner Terpene gelegt wird, lassen sich aufgrund fehlender Untersuchungen über die Terpen-Wirkungen auf den Menschen zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine zuverlässigen Aussagen treffen.

Labor- und Tierstudien deuten darauf hin, dass Cannabis-Terpene womöglich über beruhigende, antibakterielle und schmerzlindernde Eigenschaften verfügen und unter Umständen Tumorwachstum hemmen könnten. Es bleibt zu hoffen, dass weitergehende Forschungen diesen ersten Anhaltspunkten auf den Grund gehen.

Ob und inwiefern Terpene mit Cannabinoiden in Wechselwirkung treten und damit zu einem Entourage-Effekt beitragen, kann vom heutigen Stand der Forschung aus nicht abschließend beurteilt werden.


FAQ

Terpene sind eine Gruppe von flüchtigen organischen Verbindungen, die natürlicherweise in Pflanzen vorkommen. Sie sind für die Aromen und Düfte vieler Pflanzen verantwortlich und könnten verschiedene gesundheitsfördernde Eigenschaften haben.
Terpene sind aromatische Verbindungen, die der Cannabispflanze ihren charakteristischen Geruch und Geschmack verleihen – von zitrusartig über erdig bis hin zu süßlich oder würzig. Sie werden in den Trichomen der Pflanze gebildet, also dort, wo auch Cannabinoide wie THC und CBD entstehen. Neben ihrer Duftfunktion übernehmen Terpene auch biologische Aufgaben: Sie schützen die Pflanze vor Schädlingen, Mikroben und Umwelteinflüssen. In der medizinischen Anwendung von Cannabis gewinnen Terpene zunehmend an Bedeutung, da Studien vermuten lassen, dass sie die Wirkung der Cannabinoide modulieren und zum sogenannten Entourage-Effekt beitragen könnten.
Terpene finden sich in nahezu allen Pflanzen – besonders konzentriert in Blüten, Kräutern, Früchten, Harzen und Nadeln. Sie sind Hauptbestandteile ätherischer Öle und prägen den charakteristischen Duft von Lavendel, Rosmarin, Zitrusfrüchten, Tannen, Hopfen oder Cannabis. Neben ihrer Rolle als Duftstoffe übernehmen sie ökologische Funktionen: Sie dienen Pflanzen zur Abwehr von Schädlingen, zur Anlockung von Bestäubern oder zur Kommunikation mit ihrer Umwelt. Auch einige Pilze und Insekten produzieren Terpene – etwa als Lock- oder Abwehrstoffe.
Im Wald dienen Terpene den Pflanzen als Abwehrmechanismus gegen Schädlinge und zur Kommunikation mit anderen Organismen. Sie beeinflussen das Waldaroma, locken Bestäuberinsekten an und tragen zur Vielfalt des Ökosystems bei.
Keines. Terpene selbst machen nicht „high“ – diese psychoaktive Wirkung geht ausschließlich vom Cannabinoid THC (Tetrahydrocannabinol) aus. Terpene wie Myrcen, Limonen oder Linalool haben zwar aromatische und möglicherweise stimmungsbeeinflussende Eigenschaften, wirken jedoch nicht berauschend im engeren Sinne. Allerdings vermuten Wissenschaftler:innen, dass einige Terpene die Wirkung von THC modulieren können – eine Hypothese, die im Zusammenhang mit dem sogenannten Entourage-Effekt diskutiert wird. Gesichert ist diese Wechselwirkung bislang jedoch nicht. Terpene verstärken also womöglich die Wirkung – sie verursachen sie aber nicht.
Eine eindeutige Rangliste gibt es bislang nicht – der Terpengehalt kann je nach Anbaumethode, Genetik, Lagerung und Analyseverfahren variieren. Dennoch haben sich einige Sorten einen Namen gemacht, weil sie besonders ausgeprägte Terpenprofile aufweisen. Hierzu gehören Super Lemon Haze und OG Kush.

Quellen

[1] Klauke, A.-L., Racz, I., Pradier, B., Markert, A., Zimmer, A. M., Gertsch, J., & Zimmer, A. (2014). The cannabinoid CB₂ receptor-selective phytocannabinoid beta-caryophyllene exerts analgesic effects in mouse models of inflammatory and neuropathic pain. European Neuropsychopharmacology, 24(4), 608–620.

[2] Bahi, A., Al Mansouri, S., Al Memari, E., Al Ameri, M., Nurulain, S. M., & Ojha, S. (2014). β-Caryophyllene, a CB₂ receptor agonist, produces multiple behavioral changes relevant to anxiety and depression in mice. Physiology & Behavior, 135, 119–124.

[3] Yu, X., Lin, H., Wang, Y., Lv, W., Zhang, S., Qian, Y., Deng, X., Feng, N., Yu, H., & Qian, B. (2018). d-Limonene exhibits antitumor activity by inducing autophagy and apoptosis in lung cancer. OncoTargets and Therapy, 11, 1833–1847.

[4] Miller, J. A., Lang, J. E., Ley, M., Nagle, R., Hsu, C. H., Thompson, P. A., Cordova, C., Waer, A., & Chow, H. H. (2013). Human breast tissue disposition and bioactivity of limonene in women with early-stage breast cancer. Cancer Prevention Research, 6(6), 577–584.

[5] Harada, H., Kashiwadani, H., Kanmura, Y., & Kuwaki, T. (2018). Linalool odor-induced anxiolytic effects in mice. Frontiers in Behavioral Neuroscience, 12, 241.

[6] Kovač, J., Šimunović, K., Wu, Z., Klančnik, A., Bucar, F., Zhang, Q., & Možina, S. S. (2015). Antibiotic resistance modulation and modes of action of (–)-α-pinene in Campylobacter jejuni. PLoS ONE, 10(4), e0122871.

[7] Ferber, S. G., Namdar, D., Hen-Shoval, D., Eger, G., Koltai, H., Shoval, G., Shbiro, L., & Weller, A. (2020). The "entourage effect": Terpenes coupled with cannabinoids for the treatment of mood disorders and anxiety disorders. Current Neuropharmacology, 18(2), 87–96.

[8] Oswald, I. W. H., Paryani, T. R., Sosa, M. E., Ojeda, M. A., Altenbernd, M. R., Grandy, J. J., Shafer, N. S., Ngo, K., Peat, J. R. III, Melshenker, B. G., Skelly, I., Koby, K. A., Page, M. F. Z., & Martin, T. J. (2023). Minor, nonterpenoid volatile compounds drive the aroma differences of exotic cannabis. ACS Omega, 8(42), 39203–39216./blog

THCP: Ein Cannabinoid stärker als THC

Cannabis enthält weit mehr als nur THC und CBD. Immer wieder entdecken Forschende neue Moleküle, die das Verständnis der Pflanze verändern. Eines davon ist THCP. Die Substanz kommt nur in winzigen Mengen vor und blieb deshalb lange unbemerkt. Doch ihre Entdeckung wirft eine grundlegende Frage auf: Wie gut kennen wir die tatsächliche Wirkung von Cannabis?



THCP – ein kleiner Zufallsfund, der große Fragen aufwirft

Manchmal verändert die Forschung nicht die großen Theorien, sondern die kleinen Details. Als ein italienisches Team 2019 eine medizinische Cannabissorte untersuchte, ging es ursprünglich nur darum, deren Inhaltsstoffe präziser zu bestimmen. Ein Routineprojekt, wie es in der Pflanzenchemie häufig vorkommt.

Doch zwischen THC, CBD und anderen bekannten Molekülen tauchte ein Signal auf, das nicht ins vertraute Muster passte: eine Verbindung, die chemisch erstaunlich ähnlich wirkte wie THC – nur etwas schwerer. Erst durch aufwendige Analysen und den Vergleich mit einer eigens synthetisierten Probe wurde klar, dass hier tatsächlich ein bisher unbekanntes, natürliches Cannabinoid vorlag: THCP[1]

Der Fund wirkte zunächst unscheinbar. Doch er berührt eine der zentralen Fragen der Cannabisforschung: Warum wirken manche Sorten stärker – oder anders – als ihr THC-Gehalt vermuten lässt?

Was ist THCP genau?

Doch bevor man über Wirkung, Potenz oder mögliche Bedeutung spricht, lohnt ein Schritt zurück: Was genau ist dieses Molekül, das in den vergangenen Jahren so viel Aufmerksamkeit bekommen hat?

THCP gehört zur großen Familie der Phytocannabinoide – chemische Verbindungen, die die Cannabispflanze selbst herstellt. Die meisten Menschen kennen nur zwei davon: THC und CBD. Doch die Pflanze ist wesentlich vielfältiger. Rund 150 solcher Moleküle sind inzwischen beschrieben, viele davon treten nur in Spuren auf.

THCP ist eines dieser seltenen Moleküle. Was es so besonders macht? Es ähnelt THC stark, ist aber nicht identisch. Und genau diese kleine strukturelle Abweichung könnte erklären, warum das Molekül im Labor so auffällig potent wirkt.

THCP ist also ein weiteres Teil im chemischen Puzzle „Cannabispflanze“, das lange übersehen wurde.

Eine Infografik mit dem Titel „Was ist THCP und warum ist es bemerkenswert?“. In der Mitte links befindet sich ein Icon eines nachdenklichen Gesichts, aus dem drei gelbe Linien nach rechts führen. Jede Linie endet in einem kleinen grünen Symbol und einem kurzen Text: 1) Ein Molekül-Icon mit der Überschrift „Strukturelle Ähnlichkeit mit THC“ und der Erklärung, dass THCP THC ähnelt, aber kleine Unterschiede seine Potenz erklären könnten. 2) Ein Labor- und Cannabisblatt-Icon mit der Überschrift „Seltenes Cannabinoid“ und der Erklärung, dass THCP eines von rund 150 bekannten Cannabinoiden ist, aber sehr selten vorkommt. 3) Ein Tabletten-Icon mit der Überschrift „Potenzielle Potenz“ und der Erklärung, dass THCP potenter als THC sein könnte und daher wissenschaftlich interessant ist.

THC und THCP – warum zwei ähnliche Moleküle unterschiedlich an Cannabinoid-Rezeptoren wirken

Aufgepasst! Jetzt wird es kurz nerdig. Aber ein kurzer wissenschaftlicher Exkurs macht nachvollziehbar, warum die Moleküle unterschiedlich wirken.

Um zu verstehen, warum THCP seit dieser Entdeckung so viel Aufmerksamkeit bekommt, lohnt sich ein Blick auf die Struktur. THC besitzt eine typische Form mit einem Ringgerüst und einer Seitenkette aus fünf Kohlenstoffatomen. Diese Seitenkette entscheidet maßgeblich darüber, wie gut das Molekül an den CB1-Rezeptor bindet – jenen Rezeptor im Gehirn, der für die psychoaktiven Effekte verantwortlich ist. Das „Δ9“ in Δ9-THC beschreibt dabei die Position einer Doppelbindung im Molekül – ein kleiner struktureller Marker, der verrät, dass es sich um die klassische Form des natürlich vorkommenden THC handelt.

THCP (oder auch Δ9-Tetrahydrocannabiphorol) sieht fast genauso aus. Ein vertrautes chemisches Gerüst, aber die Seitenkette trägt sieben Kohlenstoffatome. Klingt nach wenig? In der Molekularbiologie ist das eine kleine Revolution.

Schon frühere synthetische THC-Abwandlungen hatten gezeigt, dass eine längere Seitenkette die Bindung an CB1 verstärken kann. Bis zu einem gewissen Punkt wird der „Schlüssel“ damit passgenauer für das „Schloss“. Dass eine Cannabispflanze selbst ein solches Molekül bildet, war allerdings neu und bestätigte eine Vermutung, die die Forschung lange begleitet hatte.[1]

Die Entdeckung von THCP zeigte: Die Pflanze kann von sich aus Strukturen produzieren, die wir bislang nur aus Laborversuchen kannten – und die möglicherweise mehr Einfluss auf die Wirkung haben, als bisher angenommen.

THCP in der Pflanze: kaum vorhanden, aber dennoch relevant

In der untersuchten Cannabissorte steckte nur sehr wenig THCP. Während THC im Milligramm-Bereich pro Gramm Blüte vorkam, lag THCP in diesem Fall bei nur 29 Mikrogramm pro Gramm. Damit war es rund tausendfach geringer konzentriert.[1]

Warum sorgt das trotzdem für Interesse?

Weil THCP im Labor extrem wirkstark am CB1-Rezeptor ist. Selbst winzige Mengen könnten – theoretisch – spürbare Effekte haben. Das könnte erklären, warum Menschen oft berichten, dass bestimmte Sorten überraschend intensiv wirken, obwohl die Laboranalyse keine Auffälligkeiten zeigt.

Die Forschenden halten es für möglich, dass hochaktive, aber sehr seltene Cannabinoide wie THCP zu Wirkungen beitragen, die bisher allein dem THC zugeschrieben wurden.[1]

THCP-Wirkung und Nebenwirkungen: Was macht es im Körper?

Die vielleicht spannendste Erkenntnis der 2019er Studie stammt aus den Versuchen mit Mäusen. THCP zeigte ein Wirkprofil, das dem von THC ähnelt – allerdings bei geringeren Dosen. Schon kleine Mengen führten zu Veränderungen, die für Cannabinoide typisch sind:

All diese Effekte traten bei THCP in niedrigeren Dosierungen auf als bei THC, das in vergleichbaren Tests häufig erst bei 10 mg/kg deutliche Wirkungen zeigt.[1]

Für den Menschen heißt das allerdings nicht automatisch: „THCP macht 33-mal so high“. Die Übertragung von Tierdaten auf menschliche Erfahrung ist komplex. Was wir eindeutig sagen können: THCP ist aktiv, wirkstark und definitiv relevant, auch wenn es nur in Spuren vorkommt.

Ist THCP wirklich 33-mal stärker als THC?

Die oft zitierte Aussage, THCP sei 33-mal stärker als THC, ist missverständlich. In der Studie von 2019 wurde gezeigt, dass THCP 33-mal stärker an den CB1-Rezeptor bindet als THC (also: 33-fach höhere Affinität).

Das bedeutet nicht, dass THCP beim Menschen 33-mal so stark wirkt oder 33-mal so „high“ macht.

Die erhöhte Bindungsstärke zeigt lediglich:

Wie stark es im Menschen wirkt, weiß man bisher nicht. Dafür fehlen komplett klinische Daten.

Was bedeutet das für Patient:innen und Verbraucher?

Für die medizinische Anwendung könnte THCP ein wichtiger Hinweis sein. Cannabis-Patient:innen berichten immer wieder davon, dass bestimmte Cannabispräparate stärker wirken, andere wiederum kaum, obwohl die THC-Werte identisch sind. Bisher war das schwer zu erklären.

THCP liefert eine mögliche Antwort: Sorten können Moleküle enthalten, die bisher in keiner Standardanalyse auftauchen, aber dennoch deutlich zu den Effekten beitragen.

Die Autor:innen schlagen deshalb vor, THCP künftig bei der Qualitätsanalyse von medizinischem Cannabis mitzuerfassen. Denn wenn selbst Mikromengen starke Wirkungen entfalten, könnte das erklären, warum manche Präparate für Patient:innen besser funktionieren als andere – oder auch unangenehme Nebenwirkungen auslösen.[1]

Für Freizeitkonsumierende heißt der Befund vor allem: Die Wirkstärke einer Sorte hängt nicht allein vom THC-Wert ab. Cannabis ist chemisch vielschichtiger, als wir denken. Ein Laborwert allein sagt nicht alles.

Was THCP nicht ist – und warum Vorsicht geboten bleibt

Trotz allem Interesse ist wichtig, nüchtern zu bleiben. Die Studie zeigt nicht:

Sie ist ein Anfang, kein Befund mit unmittelbarer Relevanz für Konsum oder Medizin.

Derzeit gibt es keine klinischen Studien, keine Daten zu Nebenwirkungen, keine Forschung zur Kombination mit anderen Cannabinoiden. Wir wissen, dass THCP existiert, wie es aufgebaut ist und wie es in bestimmten Testsystemen wirkt. Viel mehr aber noch nicht.

THCP vs. HHC: Zwei synthetische Cannabinoide im Vergleich

Sowohl THCP als auch HHC sind in den vergangenen Jahren auf dem Markt aufgetaucht – und beide wurden inzwischen durch das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) verboten. Doch worin unterscheiden sie sich eigentlich? Und warum sorgen beide für so viel Verwirrung?

Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick

MerkmalTHCPHHC
HerkunftNatürlich in der Cannabispflanze vorkommend, aber in Produkten meist synthetisch hergestelltNatürlich nur in Spuren vorhanden, in Produkten fast immer halbsynthetisch hergestellt
Chemische StrukturTHC-ähnlich, aber mit längerer Seitenkette (7 Kohlenstoffatome)Hydrierte Form von THC (zusätzliche Wasserstoffatome)
PotenzSehr hoch – bindet etwa 33-mal stärker an CB1-Rezeptoren als THCSchwächer als THC, Wirkung wird als milder beschrieben
WirkungTheoretisch deutlich stärker als THC, aber kaum erforscht am MenschenÄhnlich wie THC, aber weniger intensiv
ForschungsstandEine wissenschaftliche Studie (2019), keine klinischen DatenSehr begrenzt, kaum unabhängige Forschung
Rechtslage (Deutschland)Seit 27. Juni 2024 verboten (NpSG) – Verkauf illegal, Besitz nicht strafbarSeit 27. Juni 2024 verboten (NpSG) – Verkauf illegal, Besitz nicht strafbar
NachweisbarkeitWahrscheinlich positiv bei THC-DrogentestsWahrscheinlich positiv bei THC-Drogentests
SicherheitUnbekannt – keine Studien zu Nebenwirkungen oder LangzeitfolgenUnbekannt – keine Studien zu Nebenwirkungen oder Langzeitfolgen

Was beide gemeinsam haben: Intransparenz und Risiko

Sowohl THCP als auch HHC wurden vor allem als Lückenfüller vermarktet, als THC rechtlich noch nicht weitreichend verfügbar war. Beide Substanzen wurden kaum erforscht, ihre Langzeitwirkungen sind völlig unklar und die Produktqualität schwankte enorm – von unbekannter Dosierung bis hin zu Verunreinigungen mit Lösungsmitteln oder anderen Chemikalien.

Während THCP zumindest wissenschaftlich dokumentiert ist und tatsächlich in der Cannabispflanze vorkommt, wurde HHC vor allem durch chemische Umwandlung von CBD oder THC hergestellt. Beide Stoffe haben eines gemeinsam: Sie wurden nicht entwickelt, um medizinisch sinnvoll zu sein, sondern um gesetzliche Grauzonen zu nutzen.

Warum der Vergleich wichtig ist

Viele Menschen verwechseln THCP und HHC oder glauben, es handle sich um "natürliche" oder "legale" Alternativen zu THC. Das ist irreführend. Beide Substanzen sind:

Wer sich für Cannabis interessiert – ob medizinisch oder als Freizeitkonsum – sollte auf geprüfte, regulierte Produkte setzen. Medizinisches Cannabis ist sicher, standardisiert und legal erhältlich. THCP und HHC sind es nicht.

Die eigentliche Bedeutung der Entdeckung

Die wichtigste Erkenntnis der Studie liegt vielleicht gar nicht im Molekül selbst, sondern in dem, was es über die Pflanze verrät. Cannabis ist deutlich komplexer, als es die Debatte um THC und CBD vermuten lässt. Wir kennen heute rund 150 Cannabinoide, aber nur eine Handvoll davon gut.

THCP zeigt: Das Puzzle ist nicht vollständig. Vielleicht verstecken sich in der Pflanze noch weitere seltene Moleküle, die eine wichtige Rolle spielen. Vielleicht erklären sie Unterschiede in Wirkung, Toleranz und Nutzen. Vielleicht verändern sie das Bild, das wir von Cannabis haben.

Und vielleicht zeigt diese Entdeckung vor allem, wie wichtig es ist, die Pflanze nicht nur politisch oder therapeutisch zu betrachten, sondern wissenschaftlich. THCP ist kein Hype. THCP ist ein Hinweis darauf, dass die Cannabispflanze uns noch überraschen kann.


FAQ

Ist THCP synthetisch?

THCP ist vor allem ein natürlich vorkommendes Cannabinoid, das erstmals 2019 in einer medizinischen Cannabissorte entdeckt wurde. Die Pflanze kann es selbst bilden, wenn auch nur in winzigen Mengen.

Die THCP-Produkte, die später im Handel auftauchten, enthielten jedoch nahezu immer synthetisch bzw. halbsynthetisch hergestelltes THCP. Der Grund: Die natürlichen Mengen sind so gering, dass eine direkte Extraktion aus der Pflanze nicht wirtschaftlich wäre.

Ist in jeder Cannabissorte THCP?

Das ist derzeit noch unklar. THCP wurde bisher nicht in jeder Cannabissorte nachgewiesen. Die Studie von 2019 fand THCP nur in einer medizinischen Sorte („FM2“ aus Italien). Ob es in allen, vielen oder nur in sehr wenigen Sorten vorkommt, ist bislang völlig unklar. Vor allem, weil die meisten Labore gar nicht danach suchen.

THC-P vs. THCP – wo liegt hier der Unterschied?

Es gibt keinen inhaltlichen Unterschied zwischen THC-P und THCP. Beides meint dasselbe Molekül: Δ9-Tetrahydrocannabiphorol.

Chemisch, strukturell und pharmakologisch handelt es sich um denselben Stoff.

Der einzige echte Unterschied liegt also in der Schreibweise, nicht in der Substanz.

Was ist stärker, HHC, THCP oder THCV?

THCP gilt nach aktueller Forschung als das potenteste dieser drei Cannabinoide.

HHC wirkt schwächer als THC.

THCV wirkt bei niedrigen Dosen eher dämpfend (CB1-Antagonist) und ist nicht mit THC vergleichbar.

Ist THCP gefährlich?

Ob THCP gefährlich ist, lässt sich bisher nicht zuverlässig sagen, weil es keine Studien am Menschen gibt. Was bekannt ist: THCP wirkt in Tiermodellen deutlich stärker als THC, was theoretisch auch stärkere oder unerwartete Effekte bedeuten kann. Gleichzeitig fehlen Daten zu Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, Langzeitfolgen oder Risiken bei regelmäßigem Konsum. Aus wissenschaftlicher Sicht gilt daher: THCP ist potent, aber unzureichend erforscht und genau daraus ergibt sich das größte Risiko.

Kann ich Cannabisprodukte mit THCP kaufen?

Seit dem 27. Juni 2024 sind THCP und mehrere andere neuartige Cannabinoide – darunter HHC, seine Derivate, Delta-8-THC, Delta-10-THC, THC-O und THCV – in Deutschland offiziell verboten, zumindest was Herstellung, Verkauf und Handel betrifft. Grundlage ist eine Änderung des Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetzes (NpSG), das diese Stoffgruppen seitdem vollständig erfasst.

Besitz und Konsum gelten dagegen weiterhin als nicht strafrechtlich verfolgt, weil die Regelung sich ausdrücklich auf den Marktverkehr bezieht und nicht auf die private Nutzung. THCP-Produkte können aber sichergestellt und vernichtet werden. Zivil- und verwaltungsrechtliche Folgen bzw. polizeiliche Maßnahmen sind möglich.

Praktisch heißt das: Kaufen oder verkaufen ist illegal, der bloße Besitz jedoch nicht – auch wenn es aufgrund des Verkaufsverbots keine legalen Quellen für THCP-Produkte gibt.

Ist THCP bei einem Drogentest nachweisbar?

Ja. Die Nachweisbarkeit von THCP in Drogentests gilt als sehr wahrscheinlich, weil gängige Urin- und Schnelltests nicht zwischen einzelnen Cannabinoiden unterscheiden. Sie reagieren auf allgemeine THC-Metabolite – und THCP wird voraussichtlich ähnliche Abbauprodukte bilden. In der Praxis würde THCP deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit als THC-positiv erscheinen. Spezifische Tests, die THCP gesondert erfassen, kommen derzeit nicht zum Einsatz.


Quellen

[1] Citti, C., Linciano, P., Russo, F., Luongo, L., Iannotta, M., Maione, S., Laganà, A., Capriotti, A. L., Forni, F., Vandelli, M. A., Gigli, G., & Cannazza, G. (2019). A novel phytocannabinoid isolated from Cannabis sativa L. with an in vivo cannabimimetic activity higher than Δ⁹-tetrahydrocannabinol: Δ⁹-tetrahydrocannabiphorol. Scientific Reports, 9(1), 20335.

Welche Cannabis-Vaporizer gibt es?

Wer Cannabis verdampfen möchte, stößt schnell auf eine große Auswahl an Vaporizern. Sie gelten als Alternative zum klassischen Rauchen und werden besonders im medizinischen Bereich häufig genutzt. Doch Geräte, Funktionsweisen und Einsatzbereiche unterscheiden sich teils deutlich.



Verdampfen von Cannabis mit einem Vaporizer gilt als schonendere Alternative zum Rauchen. Anders als beim Rauchen eines klassischen "Joints" findet keine Verbrennung statt, es entstehen deutlich weniger Schadstoffe. Die Wirkstoffe werden nicht verbrannt, sondern bei kontrollierten Temperaturen freigesetzt. Viele Anwender:innen berichten, dass sich die Wirkung so präziser dosieren lässt und der Dampf als milder für Hals und Atemwege empfunden wird.[1,2] Auch deshalb wird das Verdampfen in der medizinischen Cannabis-Therapie häufig empfohlen.

Unser Tipp: Mehr zum Thema findest du in unserem Artikel "Medizinisches Cannabis vaporisieren".

Welcher Vaporizer ist der beste für medizinisches Cannabis?

Wer anfängt zu recherchieren, merkt schnell: Die Vielfalt an Cannabis-Vaporizern ist groß. Die Überforderung damit, welches Gerät das richtige ist, oft ebenfalls. Welcher Vaporizer der beste ist, lässt sich pauschal nicht sagen. Die Entscheidung hängt weniger von Rankings oder technischen Superlativen ab als von individuellen Bedürfnissen – davon, ob Diskretion oder Komfort wichtiger ist, ob kurze Anwendungen genügen oder bewusst gestaltete Sitzungen bevorzugt werden. Die Unterschiede zwischen den Geräten sind daher mehr als bloße Designfragen. Sie spiegeln unterschiedliche Nutzungsweisen und Erwartungen wider.

Grundsätzlich lassen sich Vaporizer zunächst danach unterscheiden, wo und wie sie verwendet werden. Einige Geräte sind klein, batteriebetrieben und für den mobilen Gebrauch konzipiert. Sie passen in eine Jackentasche, lassen sich diskret nutzen und sind auf kurze, flexible Anwendungen ausgelegt – oft im Alltag, zwischen Terminen, ohne großen Aufwand. Andere Modelle hingegen sind größer, stationär und an die Steckdose gebunden. Sie stehen für einen bewusst gesetzten Moment, für Ruhe und Planung.

Doch nicht nur die Größe trennt die Geräte, sondern vor allem ihre Heiztechnik – und damit die Art, wie die Wirkstoffe freigesetzt werden.

Die wichtigsten Heizmethoden von Cannabis-Vaporizern

Im Kern haben sich zwei Heizprinzipien etabliert, die das Verdampfen technisch unterschiedlich umsetzen.

Welche Heizmethode ist die bessere für mich?

Beide Methoden haben ihre Berechtigung. Während Konvektions-Vaporizer häufig für ihre Aromaqualität geschätzt werden, überzeugen Konduktions-Geräte durch ihre Einfachheit und Schnelligkeit.

Manche modernen Vaporizer kombinieren beide Ansätze. Ihr Ziel: Die Vorteile beider Systeme zu vereinen – etwa durch eine schnelle Grundhitze in Verbindung mit heißer Luft, die für eine gleichmäßigere Verdampfung sorgt. Beispiele hierfür sind der Tisch-Vaporizer Volcano Medic 2 und der mobile Vaporizer Mighty+ Medic – beide von STORZ & BICKEL.

Welche Heiztechnik die bessere ist, hängt letztlich davon ab, was Nutzende suchen: maximale Kontrolle über Geschmack und Wirkung oder einen unkomplizierten Zugang ohne viel Vorbereitung.

Cannabis-Vaporizer-Vergleich: Welche Typen gibt es?

Die Vielfalt der Cannabis-Vaporizer lässt sich grob in drei Typen einteilen. Sie unterscheiden sich weniger durch technische Details als durch den Kontext, in dem sie genutzt werden.

Tragbare Vaporizer

Tragbare Vaporizer sind die wohl bekannteste Gerätekategorie. Sie sind kompakt, akkubetrieben und so konzipiert, dass sie sich problemlos transportieren lassen. Viele passen in eine Jacken- oder Handtasche, lassen sich unauffällig bedienen und sind innerhalb weniger Sekunden einsatzbereit.

Ihr Vorteil liegt in der Flexibilität: Sie erlauben kurze, gezielte Anwendungen und fügen sich vergleichsweise unkompliziert in den Alltag ein. Technisch sind sie oft auf Effizienz und Benutzerfreundlichkeit ausgelegt, was sie besonders für Einsteiger:innen attraktiv macht. Gleichzeitig bringen Größe und Akkuleistung naturgemäß Grenzen mit sich – etwa bei der Dampfentwicklung oder der Dauer längerer Anwendungen.

Beispiel-Produkte:

Tisch-Vaporizer

Tisch-Vaporizer verfolgen ein anderes Prinzip. Sie sind für die Nutzung zu Hause gedacht, werden über das Stromnetz betrieben und verzichten bewusst auf Mobilität zugunsten von Leistung und Präzision. Charakteristisch sind ihre stabile Bauweise, größere Kräuterkammern und eine sehr genaue Temperatursteuerung.

Diese Geräte ermöglichen eine gleichmäßige Verdampfung über längere Zeiträume hinweg und werden häufig von Nutzenden geschätzt, die Cannabis regelmäßig oder in größeren Mengen verwenden – etwa Cannabis-Patient:innen. Die Nutzung ist weniger spontan, dafür kontrollierter und oft ritualisiert: Ein Tisch-Vaporizer setzt Zeit und Aufmerksamkeit voraus und macht den Cannabis-Konsum zu einem bewusst gesetzten Moment.

Beispiel-Produkt: STORZ & BICKEL Volcano Medic 2

Konzentrate-Vaporizer

Eine Sonderform stellen Vaporizer dar, die speziell für Cannabis-Konzentrate entwickelt wurden. Sie sind auf die inhalative Anwendung von Extrakten ausgelegt, die eine deutlich höhere Wirkstoffdichte aufweisen als getrocknete Blüten. Entsprechend unterscheiden sich Aufbau und Heiztechnik von klassischen Kräuter-Vaporizern.

Konzentrate-Vaporizer ermöglichen eine sehr direkte, intensive Wirkung bei vergleichsweise kleinen Mengen. Sie richten sich daher vor allem an erfahrene Anwenderinnen und Anwender oder an Patient:innen, die eine präzise und effiziente Wirkstoffaufnahme benötigen. Aufgrund der höheren Potenz der verwendeten Materialien spielt hier eine kontrollierte Dosierung eine besonders wichtige Rolle.

Beispiel-Produkte:

Sonderform: THC-Vape

Eine besondere Stellung nehmen sogenannte THC-Vapes ein. Gemeint sind meist vorgefüllte Vape-Pens oder Kartuschensysteme, die flüssige Cannabis-Extrakte enthalten. Technisch gehören sie nicht zu den klassischen Vaporizern für getrocknete Blüten, sondern zu den Konzentrate-Systemen – allerdings in einer stark standardisierten, oft geschlossenen Form. Temperatur, Zusammensetzung und Wirkstoffmenge sind vorgegeben, die Anwendung beschränkt sich auf das Inhalieren per Knopfdruck oder Zugautomatik. Der Cannabis-Konsum wird dadurch vereinfacht, aber auch stärker vorstrukturiert.

In Deutschland sind THC-Vapes bislang vor allem im medizinischen Kontext relevant. Dort dienen sie als alternative Darreichungsform für Patient:innen, die Cannabis inhalativ anwenden sollen, aber auf das Verdampfen von Blüten verzichten möchten. Im Mittelpunkt stehen Diskretion und eine möglichst präzise Dosierung. Zugleich verweisen THC-Vapes auf einen grundlegenden Wandel im Umgang mit Cannabis: weg von der Pflanze als Ausgangspunkt, hin zum pharmazeutisch aufbereiteten Wirkstoff.

Wie finde ich den passenden Vaporizer für mich?

Wie bereits erwähnt, hängt die Wahl des richtigen Geräts von den persönlichen Bedürfnissen ab. Der folgende Überblick zeigt, welche Faktoren bei der Auswahl eines Vaporizers für Cannabis eine Rolle spielen.

Cannabis-Vaporizer unterscheiden sich deutlich in Aufbau, Funktionsweise und Einsatzbereich. Ob tragbar, stationär oder für Konzentrate gedacht – welches Gerät sinnvoll ist, hängt vor allem von den eigenen Bedürfnissen und dem Nutzungskontext ab. Wer sich vor der Entscheidung mit Heiztechnik, Handhabung und persönlichen Prioritäten beschäftigt, findet eher einen Vaporizer, der langfristig passt.

Eine kurze Orientierung zum Schluss

Am Ende hängt die Wahl des passenden Vaporizers weniger von technischen Details als vom eigenen Alltag ab. Wer vor allem flexibel bleiben möchte, kurze Anwendungen schätzt und ein Gerät für unterwegs sucht, ist mit einem tragbaren Vaporizer gut beraten.

Wer Wert auf Einfachheit und schnelle Einsatzbereitschaft legt, kann sich Modelle mit Konduktionsheizung anschauen.

Wer zu Hause verdampft, bewusst Zeit einplant und maximale Kontrolle über Temperatur und Dampfqualität wünscht, greift eher zu einem Tisch-Vaporizer oder einem Gerät mit Konvektions- oder Hybridtechnik.

Der „richtige“ Vaporizer ist letztlich derjenige, der sich nahtlos in den eigenen Alltag einfügt – und nicht der mit den meisten Funktionen.


FAQ

Verschiedene Vaporizer verändern nicht den Wirkstoff THC selbst, könnten aber beeinflussen wie schnell, wie gleichmäßig und in welcher Intensität die Wirkung einsetzt. Entscheidend ist vor allem die Art der Erhitzung. Geräte mit präziser Temperaturkontrolle setzen THC kontrollierter frei, während weniger exakt arbeitende Vaporizer stärkere Schwankungen im Wirkungseintritt verursachen können.
Unter bestimmten Bedingungen kann ein Vaporizer Teil der medizinischen Versorgung sein. Voraussetzung ist, dass die Behandlung mit medizinischem Cannabis von der Krankenkasse bewilligt wurde. In diesem Fall kann auch die Anschaffung eines geeigneten medizinischen Verdampfers erstattungsfähig sein. Ob und in welchem Umfang die Kosten übernommen werden, entscheidet jedoch die jeweilige Krankenkasse im Einzelfall.
THC-Vapes sind in Deutschland derzeit nur im medizinischen Kontext zulässig. Sie können ausschließlich mit einem ärztlichen Rezept bezogen und über Apotheken abgegeben werden. Ein legaler Zugang besteht damit nur im Rahmen einer ärztlich begleiteten Cannabistherapie, ein freier Verkauf ist nicht vorgesehen.

Quellen

[1] Rojas, D.E., McCartney, M.M., Borras, E. et al. Impacts of vaping and marijuana use on airway health as determined by exhaled breath condensate (EBC). Respir Res 26, 63 (2025).

[2] Aston ER, Scott B, Farris SG. A qualitative analysis of cannabis vaporization among medical users. Exp Clin Psychopharmacol. 2019 Aug;27(4):301-308. doi: 10.1037/pha0000279. Epub 2019 May 23. PMID: 31120278; PMCID: PMC6737940.

Cannabisbutter: Wirkung, Herstellung und was man wissen sollte

Cannabisbutter gilt für viele als „sanfte“ Alternative zum Rauchen oder Verdampfen. Doch genau dieser Eindruck täuscht häufig. Essbare Cannabisprodukte können stärker und deutlich länger wirken als inhaliertes Cannabis. Wer sich mit Cannabisbutter beschäftigt, sollte deshalb wissen, welche Wirkung sie entfalten kann und welche Risiken dabei bestehen.



Cannabisbutter (auch "Cannabutter" genannt) gehört zu den bekanntesten Formen, Cannabis nicht zu rauchen oder zu verdampfen, sondern zu essen. Sie ist die Grundlage vieler sogenannter Edibles – also THC-haltiger Lebensmittel.

Gleichzeitig gehört sie zu den Konsumformen, deren Wirkung besonders häufig unterschätzt wird. Denn Cannabisbutter wirkt anders als Cannabis, das in einem "Joint" oder einem Vaporizer konsumiert wurde. Während inhaliertes Cannabis schnell seine Wirkung entfalten kann, folgt der Verzehr über Lebensmittel eigenen Regeln. Die Wirkung kann später einsetzen, länger anhalten und intensiver ausfallen. Wer Cannabisbutter konsumiert, sollte deshalb wissen, was im Körper passiert und warum Geduld hier wichtiger ist als bei anderen Konsumformen.

Hinzu kommt die aktuelle rechtliche Lage in Deutschland. Denn obwohl die Teillegaliserung von Cannabis in 2024 Lockerungen mit sich gebracht hat und auch wenn viele es anders vermuten: Edibles wie Cannabisbutter sind in Deutschland nach wie vor verboten.[1]

Doch bevor wir tiefer einsteigen, starten wir mit den Basic:

Was ist Cannabisbutter?

Cannabisbutter ist im Kern nichts anderes als normale Butter, in der die fettlöslichen Wirkstoffe der Cannabispflanze gebunden wurden. Dazu zählen vor allem THC und CBD, aber auch weitere Cannabinoide und Terpene, die das Gesamtprofil beeinflussen könnten. Cannabisbutter dient als Grundlage für die Herstellung vieler Edibles, etwa für Backwaren oder herzhafte Gerichte. Typisch sind zum Beispiel Hasch-Brownies – also Brownies, die mit Cannabisbutter gebacken werden.

Butter eignet sich besonders gut als Trägermedium, weil Cannabinoide Fett benötigen, um vom Körper aufgenommen zu werden. Deshalb funktionieren auch Öle oder Sahne nach demselben Prinzip.

Wichtig ist: Cannabisbutter ist kein „harmloses Lebensmittel“, sondern ein Wirkstoffträger. Ihre Stärke lässt sich ohne Laboranalyse nur grob abschätzen.

Unser Tipp: Mehr zum Thema erfährst du in unserem Artikel "Cannabis-Edibles: Zwischen Genuss, Rausch und Medizin".

Cannabisbutter herstellen: Was ist Decarboxylierung?

Decarboxylierung ist der Schritt, der Cannabis überhaupt wirksam macht. In rohen oder getrockneten Cannabisblüten liegt der Wirkstoff THC zunächst in einer inaktiven Form vor. Erst durch Wärme wird daraus das psychoaktive THC, das später im Körper wirken kann.

Beim Rauchen oder Verdampfen passiert dieser Prozess automatisch durch die Hitze. Bei Cannabisbutter muss er jedoch vorab erfolgen. Dafür wird das Cannabis typischerweise zerkleinert und für eine gewisse Zeit gleichmäßig erhitzt, zum Beispiel im Ofen. Ziel ist es, die Wirkstoffe zu aktivieren, ohne das Pflanzenmaterial zu verbrennen. Nach diesem Schritt werden die aktivierten Blüten weiterverarbeitet, indem ihre Wirkstoffe in Fett – etwa Butter oder Öl – gelöst werden, das später als Grundlage für Speisen dient. Am Ende sollte unbedingt darauf geachtet werden, alle Pflanzenreste zu entfernen, bevor die Butter weiter verwendet wird.

Einfach gesagt: Decarboxylierung bedeutet, Cannabis kontrolliert zu erhitzen, damit es später in der Butter überhaupt wirken kann.

Unser Tipp: Mehr zum Thema erfährst du in unserem Artikel "Cannabis-Decarboxylierung: So funktioniert es".

Wie wird Cannabis-Butter verwendet?

In der Küche wird Cannabisbutter meist weiterverarbeitet. Dabei ist wichtig zu wissen, dass THC hitzeempfindlich ist. Sehr hohe Temperaturen können Wirkstoffe abbauen und das Ergebnis verfälschen.

Geeignet sind vor allem Zubereitungen mit moderater Hitze oder solche, bei denen die Butter erst am Ende hinzugefügt wird. Backwaren sind deshalb so beliebt, weil sie eine relativ gleichmäßige Verteilung ermöglichen – auch wenn sie das Dosierungsproblem nicht lösen.

Grafik zum Vergleich von inhaliertem Cannabis und Cannabisbutter: Inhalation mit schnellem Wirkungseintritt und kürzerer Wirkungsdauer gegenüber Cannabisbutter mit verzögertem Wirkungseintritt und längerer Wirkungsdauer.

Warum wirkt Cannabisbutter anders als inhaliertes Cannabis?

Der entscheidende Unterschied liegt im Aufnahmeweg von THC im Körper. Beim Rauchen oder Verdampfen gelangt THC über die Lunge direkt ins Blut und sehr schnell ins Gehirn. Die potenzielle Wirkung setzt innerhalb weniger Minuten ein und klingt meist nach zwei bis drei Stunden wieder ab.[2]

Bei Cannabisbutter ist der Weg ein anderer: Das THC wird über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen und anschließend in der Leber verstoffwechselt. Dort entsteht unter anderem 11-Hydroxy-THC, ein Abbauprodukt, das stärker psychoaktiv ist als THC selbst und die Blut-Hirn-Schranke besonders gut überwinden kann.[2,3]

Das erklärt, warum viele Menschen Edibles als intensiver, körperlicher und schwerer kontrollierbar erleben – selbst bei Mengen, die beim Inhalieren kaum Wirkung zeigen würden.[2]

Wirkungseintritt und Wirkungsdauer

Ein zentrales Problem bei Cannabisbutter ist die falsche Erwartungshaltung. Während inhaliertes Cannabis meist innerhalb weniger Minuten wirken kann, setzt die potenzielle Wirkung von Edibles deutlich verzögert ein. Der Höhepunkt wird im Durchschnitt erst nach etwa 2–4 Stunden erreicht.[3]

Genau daraus entsteht ein häufiger Fehler: „Ich merke noch nichts, ich nehme noch etwas.“ Dieses sogenannte „Dose Stacking“ gilt als Hauptursache für unbeabsichtigte Überdosierungen bei Edibles.[2,3]

Ist die Wirkung einmal da, hält sie lange an. Effekte können 6 bis 12 Stunden, in Einzelfällen sogar noch länger spürbar sein.[3]

Welche Wirkung kann Cannabisbutter haben?

Grundsätzlich unterscheidet sich die Wirkung nicht völlig von inhalativem Cannabis, sie wird jedoch häufig als stärker, länger und ganzheitlicher erlebt.[2] Typische Effekte sind:

Bei höheren Dosen oder fehlender Erfahrung treten jedoch häufiger unangenehme Effekte auf: Angst, innere Unruhe, Übelkeit, Kreislaufprobleme oder Kontrollverlust.[3]

Studien zeigen zudem, dass Edibles überproportional oft mit akuten psychischen Beschwerden und Notaufnahmen in Verbindung stehen, obwohl sie insgesamt seltener konsumiert werden als inhaliertes Cannabis.[3]

Dosierung: Die größte Herausforderung bei Cannabisbutter ist der THC-Gehalt

Die Dosierung ist der kritischste Punkt bei Cannabisbutter. Ohne Laboranalyse lässt sich kaum bestimmen, wie viel THC tatsächlich in einer Portion steckt. Hinzu kommt, dass Wirkstoffe in selbst hergestellten Cannabisprodukten oft ungleichmäßig verteilt sind.[2]

Deshalb empfehlen Fachautor:innen und Regulierungsbehörden ein klares Vorgehen:

Hat Cannabisbutter einen Platz in der Cannabis-Therapie?

So problematisch der unkontrollierte Konsum von Edibles auch sein kann, steckt in essbaren Cannabisprodukten durchaus medizinisches Potenzial. Viele Patient:innen empfinden THC-haltige orale Darreichungsformen als angenehmer als das Inhalieren.[2]

Trotzdem spielen klassische Edibles bislang kaum eine Rolle in der regulären Cannabis-Therapie. In Deutschland stehen zwar orale Cannabis-Arzneimittel wie Kapseln oder Extrakte zur Verfügung, doch dabei handelt es sich um pharmazeutische Präparate, nicht um Lebensmittel wie Kekse.

Warum eine medizinische Weiterentwicklung sinnvoll sein kann, erklärt Bertan Türemis, medizinisch-wissenschaftlicher Berater bei avaay Medical:

„Für Patient:innen mit chronischen Schmerzen, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und Übelkeit könnten Edibles ein Segen sein. Sie sind nicht nur leicht einzunehmen und geschmacklich angenehmer als viele andere Formen, sondern könnten durch ihre langsame, gleichmäßige Wirkung auch therapeutische Vorteile bieten – etwa dann, wenn eine stabile Linderung über mehrere Stunden hinweg gefragt ist. Als standardisiertes Arzneimittel könnten Edibles die Therapietreue verbessern, besser in den Alltag integrierbar sein und eine verlässliche, individuell anpassbare Dosierung ermöglichen. Vor allem bei pflegebedürftigen Patient:innen wären sie eine medizinisch kontrollierbare Alternative, die einfach verabreichbar ist und vielen Patient:innen genau die Sicherheit bieten könnte, die bisher fehlt. Die Nachfrage nach solchen nicht-inhalativen Darreichungsformen ist da – nicht nur aus praktischen, sondern zunehmend auch aus medizinischen Gründen.“

Tatsächlich gibt es inzwischen erste Schritte in diese Richtung: In Apotheken können auf ärztliche Verordnung orale Zubereitungen aus exakt dosierten Cannabis-Destillaten hergestellt werden. Der entscheidende Unterschied zu selbstgemachter Cannabisbutter liegt in der Präzision. THC- und CBD-Gehalt sind genau definiert und nachvollziehbar. Ein zentraler Faktor für eine sichere und steuerbare Therapie.

Seit dem Inkrafttreten des Konsumcannabisgesetzes (KCanG) im April 2024 hat sich der rechtliche Umgang mit Cannabis in Deutschland zwar verändert, doch für essbare Cannabisprodukte gilt weiterhin eine klare Grenze.

Edibles sind nach dem Gesetz ausdrücklich verboten – dazu zählt auch Cannabisbutter. Das betrifft sowohl den Verkauf als auch die Weitergabe solcher Produkte.

Der Gesetzgeber begründet diese Regelung vor allem mit dem Jugendschutz.[4] Lebensmittel mit Cannabis lassen sich äußerlich oft nicht von gewöhnlichen Speisen unterscheiden und könnten dadurch besonders für Kinder und Jugendliche attraktiv oder leicht zugänglich sein. Zudem gilt die Wirkung von Edibles als schwerer kalkulierbar, was das Risiko unbeabsichtigter Überdosierungen erhöht.

Unterm Strich bedeutet das: Trotz Teillegalisierung bleibt Cannabisbutter in Deutschland illegal.

Fazit: Cannabisbutter ist kein "leichter Einstieg"

Cannabisbutter ist mehr als nur eine andere Darreichungsform von Cannabis. Durch die verzögerte, aber oft intensive und langanhaltende Wirkung unterscheidet sie sich grundlegend vom Rauchen oder Verdampfen. Genau das macht sie für manche interessant, für andere jedoch schwer kontrollierbar.

Die wissenschaftliche Forschung zeigt deutlich: Edibles bergen ein erhöhtes Risiko für Überdosierungen, insbesondere wenn Wirkungseintritt und Dosierung unterschätzt werden.

Unterm Strich gilt: Cannabisbutter verlangt Wissen, Geduld und einen bewussten Umgang. Wer sich mit ihr beschäftigt, sollte ihre Besonderheiten ernst nehmen – medizinisch, rechtlich und in Bezug auf die eigene Gesundheit.


FAQ

Ja. Cannabisbutter kannhigh machen – oft sogar stärker und länger als gerauchtes oder verdampftes Cannabis. Da das THC über die Verdauung aufgenommen und in der Leber zu einem besonders wirksamen Stoff umgewandelt wird, setzt die Wirkung in der Regel verzögert ein, hält aber mehrere Stunden an.[2,3]
Der THC- und CBD-Gehalt von Cannabisbutter kann extrem unterschiedlich ausfallen. Wie viel THC oder CBD enthalten ist, hängt von der verwendeten Cannabissorte, ihrer Potenz, der eingesetzten Menge, der Zubereitung und der Extraktion ab. Ohne Laboranalyse gibt es nur grobe Schätzungen. Deshalb ist Cannabisbutter auch schwer dosierbar.
Edibles sind Lebensmittel oder Getränke, die Cannabis enthalten. Die Wirkstoffe – vor allem THC oder CBD – werden dabei nicht geraucht oder verdampft, sondern über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen. Typische Edibles sind zum Beispiel Kekse, Brownies, Gummibärchen oder auch Speisen mit Cannabisbutter oder -öl. Edibles sind schwerer zu dosieren, weil die Wirkung erst nach 30 Minuten bis zu zwei Stunden spürbar werden kann. Bei selbstgemachten Edibles kann zusätzlich die Wirkstoffmenge stark schwanken.

Quellen

[1] Konsumcannabisgesetzes (KCanG). § 21 Abs. 1 Nr. 3 KCanG https://www.gesetze-im-internet.de/kcang/__21.html

[2] Barrus, D. G. et al. (2016). Tasty THC: Promises and Challenges of Cannabis Edibles. RTI Press Research Report, 2016: RTI Press OP-0035-1611

[3] Zipursky, J. S., Bogler, O. D. & Stall, N. M. (2020). Edible cannabis. CMAJ – Canadian Medical Association Journal, 192(7), E162.

[4] FAQ: Welche Schutzmaßnahmen gibt es über den Gesundheitsschutz hinaus im Speziellen für Kinder und Jugendliche https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/cannabis/faq-cannabisgesetz.html

Cannabis-Patientenausweis und Schengen-Formular – brauche ich das?

Wer medizinisches Cannabis nutzt, stellt sich früher oder später praktische Fragen. Eine davon lautet: Welche Nachweise brauche ich eigentlich? Immer wieder fallen dabei zwei Begriffe: der Cannabis-Patientenausweis und das sogenannte Schengen-Formular. Beide werden oft genannt, aber nicht immer richtig eingeordnet. Was steckt dahinter – und wann sind sie wirklich nötig?



Was ist ein Cannabis-Patientenausweis?

Ein Cannabis-Patientenausweis ist ein freiwilliger Nachweis, der bestätigt, dass eine Person medizinisches Cannabis auf ärztliches Rezept erhält. Er wird nicht von Behörden ausgestellt, sondern meist von Ärztinnen, Ärzten oder von auf Cannabis spezialisierten Telemedizin-Plattformen.

Beispielhafter Cannabis-Patientenausweis mit allen erforderlichen Informationen zu Patient, verordnetem Cannabis und der ausstellenden Apotheke

Wichtig ist die Einordnung: Der Patientenausweis ist kein offizielles Dokument im rechtlichen Sinne. Er ersetzt weder ein Rezept noch einen Personalausweis. Im Alltag kann er jedoch hilfreich sein, etwa bei Rückfragen durch Polizei oder Sicherheitspersonal. Er dient vor allem der schnellen Erklärung, nicht als formale Erlaubnis.

Cannabis-Patient:innen wird dringend empfohlen, eine Kopie des aktuellen Cannabis-Rezepts bei sich zu tragen, um eventuelle Missverständnisse schnell klären zu können. Rechtlich verpflichtet sind Patient:innen dazu allerdings nicht.

Wofür brauche ich einen Cannabis-Patientenausweis seit der Teillegalisierung überhaupt noch?

Seit der Teillegalisierung von Cannabis fragen sich viele Patient:innen, ob ein Cannabis-Patientenausweis überhaupt noch sinnvoll ist. Schließlich ist der Besitz bestimmter Mengen Cannabis heute unter Bedingungen erlaubt.

Die kurze Antwort lautet: Ja, er kann weiterhin sinnvoll sein, aber aus anderen Gründen als früher. Denn die Teillegalisierung unterscheidet nicht automatisch zwischen Freizeitkonsum und medizinischer Nutzung. Genau hier kann es im Alltag zu Missverständnissen kommen.

Ein Patientenausweis kann:

Gerade weil medizinisches Cannabis oft anders dosiert, anders verpackt und anders angewendet wird als Cannabis aus dem Freizeitbereich, kann ein solcher Ausweis helfen, den Kontext klarzumachen.

Unterm Strich: Seit der Teillegalisierung ist der Cannabis-Patientenausweis nicht überflüssig, aber auch nicht zwingend notwendig. Er ist vor allem ein kommunikatives Hilfsmittel und eine Erklärungshilfe.

Verkehrskontrolle: Bringen ein Cannabis-Patientenausweis oder eine Führerscheinbescheinigungen etwas?

Ein Cannabis-Patientenausweis kann bei einer Verkehrskontrolle erklärend wirken, bietet aber keinen rechtlichen Schutz.

Daneben gibt es sogenannte Führerscheinbescheinigungen, die von einigen Cannabis-Patient:innen mitgeführt werden. Auch sie werden nicht von Behörden ausgestellt, sondern meist von Ärztinnen, Ärzten oder von auf Cannabis spezialisierten Telemedizin-Plattformen. Ihr Zweck ist ebenfalls rein erklärend: Sie können bei Verkehrskontrollen helfen, den medizinischen Hintergrund zu verdeutlichen.

Für den Patientenausweis wie auch für die Führerscheinbescheinigung gilt jedoch gleichermaßen: Beide sind keine amtlichen Dokumente. Sie ersetzen weder ein ärztliches Rezept noch medizinische Gutachten und haben keine rechtliche Bindungswirkung.

Auch ein Cannabis-Rezept ist kein Freifahrtschein

Wer Cannabis auf Rezept erhält, darf grundsätzlich am Straßenverkehr teilnehmen. Die Voraussetzung ist jedoch klar: Es darf keine Fahruntüchtigkeit vorliegen. Das gilt unabhängig davon, ob Cannabis medizinisch oder privat konsumiert wird.

Kommt es bei einer Kontrolle zu Auffälligkeiten – etwa unsicherem Fahrverhalten, verlangsamten Reaktionen oder Ausfallerscheinungen –, kann die Polizei Maßnahmen einleiten. In solchen Fällen spielt es keine entscheidende Rolle, ob ein ärztliches Rezept vorliegt.

Das bedeutet: Auch als Cannabis-Patient:in ist ein Führerscheinverlust möglich. Die medizinische Verschreibung schützt nicht automatisch vor verkehrsrechtlichen Konsequenzen. Entscheidend ist nicht, ob Cannabis ärztlich verordnet ist, sondern wie es sich auf die Fahrtüchtigkeit auswirkt.

Unser Tipp: Mehr zum Thema erfährst du in unserem Artikel "Neuer THC-Grenzwert: Auto fahren nach Cannabis-Konsum?".

Infografik mit der Überschrift „Welchen Nachweis benötige ich für medizinisches Cannabis?“. In Form eines großen Fragezeichens werden drei Dokumente dargestellt: links das Schengen-Formular mit dem Hinweis „Erforderlich für Reisen innerhalb des Schengen-Raums“, rechts oben das ärztliche Rezept mit der Empfehlung, eine Kopie mitzuführen, besonders beim Autofahren, und rechts unten der Cannabis-Patientenausweis mit dem Hinweis „Praktisch für den Alltag, aber keine rechtliche Wirkung“.

Cannabis auf Reisen: Was ist das Schengen-Formular?

Das Schengen-Formular ist ein offizielles Dokument für Reisen innerhalb des Schengen-Raums. Es wird benötigt, wenn betäubungsmittelhaltige Medikamente – dazu zählt auch medizinisches Cannabis – über Ländergrenzen hinweg mitgeführt werden.[1]

Das Formular bestätigt:

Es muss von der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt ausgefüllt und anschließend von der zuständigen Behörde (in Deutschland meist das Gesundheitsamt) beglaubigt werden.

Unser Tipp: In den FAQ findet sich eine Liste aller Länder, die zu den Schengen-Staaten zählen.

Wann brauche ich das Schengen-Formular?

Das Schengen-Formular wird benötigt, wenn medizinisches Cannabis:

Für Reisen innerhalb Deutschlands ist das Formular nicht erforderlich.

Wichtig: Das Formular gilt immer nur für eine konkrete Reise und einen begrenzten Zeitraum. Es sollte rechtzeitig beantragt werden, da die Beglaubigung etwas Zeit in Anspruch nehmen kann.

Reicht der Patientenausweis für Reisen?

Nein. Für Auslandsreisen innerhalb des Schengen-Raums ist der Patientenausweis als Bescheinigung nicht ausreichend. Hier ist ausschließlich das Schengen-Formular der relevante Nachweis. Ohne dieses Dokument kann das Mitführen von medizinischem Cannabis im Ausland als Verstoß gegen die jeweiligen nationalen Gesetze gewertet werden.

Wo bekomme ich ein Schengen-Formular?

Ein Schengen-Formular – offiziell „Bescheinigung für die Mitnahme von Betäubungsmitteln“ – ist kein Dokument, das man irgendwo kaufen oder einfach herunterladen kann. Es muss formal beantragt und bestätigt werden.

Hier die Schritte im Überblick:

  1. Formular herunterladen: Das offizielle Schengen-Formular ist auf der Website des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) verfügbar.
  2. Vom Arzt ausfüllen lassen: Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt trägt die notwendigen Angaben ein, darunter persönliche Daten, das verordnete Medikament, die Dosierung sowie den geplanten Reisezeitraum (maximal 30 Tage).
  3. Beglaubigung durch die Behörde: Anschließend muss das ausgefüllte Formular bei der zuständigen Behörde am Wohnort (in der Regel dem Gesundheitsamt) vorgelegt und amtlich beglaubigt werden.

Erst mit dieser Beglaubigung ist die Bescheinigung gültig und kann bei Reisen innerhalb des Schengen-Raums als Nachweis mitgeführt werden. Rechtsgrundlage ist Artikel 75 des Schengener Durchführungsabkommens.

Reisen außerhalb des Schengen-Raums

Bei Reisen in Länder außerhalb des Schengen-Raums gelten individuelle nationale Regelungen. In vielen Fällen ist die Mitnahme von medizinischem Cannabis stark eingeschränkt oder ganz verboten – auch mit Rezept. Hier empfiehlt sich immer eine vorherige Prüfung bei Botschaften oder offiziellen Stellen.

Wann welcher Nachweis sinnvoll ist

Cannabis-Patientenausweis und Schengen-Formular werden oft verwechselt, verfolgen jedoch unterschiedliche Zwecke. Während der Patientenausweis im Alltag eine praktische Erklärungshilfe sein kann, hat er keine rechtliche Wirkung. Maßgeblich bleibt stets das ärztliche Rezept.

Das Schengen-Formular hingegen ist ein offizieller und zwingend erforderlicher Nachweis, sobald medizinisches Cannabis über Landesgrenzen hinweg mitgeführt wird. Wer innerhalb des Schengen-Raums reist und ohne gültiges Schengen-Formular Cannabis bei sich hat, bewegt sich außerhalb des rechtlich zulässigen Rahmens – selbst dann, wenn ein ärztliches Rezept vorliegt. In solchen Fällen drohen strafrechtliche Konsequenzen, da das Mitführen von Betäubungsmitteln ohne die vorgeschriebene Bescheinigung als Verstoß gegen die jeweiligen nationalen Gesetze gewertet werden kann.

Bei Unsicherheiten zur eigenen Situation oder zur Beantragung der notwendigen Unterlagen empfiehlt es sich, frühzeitig Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt zu halten.


FAQ

Nein. Cannabis-Patient:innen werden nicht zentral registriert. Die Behandlung unterliegt dem medizinischen Datenschutz und wird nicht automatisch an Behörden weitergegeben.
Es gibt keine spezielle Bescheinigung, die Cannabis-Patient:innen das Autofahren erlaubt. Entscheidend ist allein die Fahrtüchtigkeit. Ein ärztliches Rezept kann den medizinischen Hintergrund erklären, bietet aber keinen Freifahrtschein.
Der Schengen-Raum umfasst heute 29 Länder, darunter die meisten EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz. Hier eine Liste der Länder: Belgien Bulgarien Dänemark Deutschland Estland Finnland Frankreich Griechenland Island Italien Kroatien Lettland Liechtenstein Litauen Luxemburg Malta Niederlande Norwegen Österreich Polen Portugal Rumänien Schweden Schweiz Slowakei Slowenien Spanien Tschechische Republik Ungarn [1]


Quellen

[1] Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). (o. J.). Reisen mit Betäubungsmitteln. https://www.bfarm.de/DE/Bundesopiumstelle/Betaeubungsmittel/Reisen-mit-Betaeubungsmitteln/_artikel.html

Cannabis verdampfen: Temperatur-Guide für Einsteiger

Cannabis zu verdampfen gilt als schonend und gut kontrollierbar – vorausgesetzt, die Temperatur stimmt. Für Einsteiger:innen ist genau das oft der größte Unsicherheitsfaktor. Dieser Guide erklärt verständlich, welche Bereiche sich bewährt haben, warum sie so unterschiedlich wirken können und wie man Schritt für Schritt die passende Einstellung findet.



Cannabis mit einem Vaporizer zu verdampfen gilt als eine der schonenden Cannabis-Konsumformen.[1] Kein Rauch, keine Verbrennung – dafür ein präziserer Umgang mit Wirkstoffen. Der entscheidende Hebel dabei: die Temperatur. Sie bestimmt, wie das Cannabis wirken kann.

Gerade Einsteiger:innen unterschätzen diesen Punkt oft. Viele stellen den Vaporizer „nach Gefühl“ ein – und verschenken entweder Wirkung oder überfordern sich unnötig. Dieser Guide erklärt verständlich, welche Temperaturen was bewirken können und wie man seinen persönlichen Sweet Spot findet.

Welche Temperatur ist die richtige beim Verdampfen von Cannabis?

Die eine „richtige“ Vaporizer-Temperatur gibt es beim Verdampfen von Cannabis nicht. Bewährt hat sich jedoch ein Bereich zwischen etwa 160 °C und 200 °C. Welche Einstellung sinnvoll ist, hängt unter anderem von der verwendeten Sorte, dem Zustand des Pflanzenmaterials und der gewünschten Wirkung ab.

Warum die Temperatur beim Verdampfen eine entscheidende Rolle spielt

Die eingestellte Temperatur am Vaporizer beeinflusst maßgeblich, wie stark die Wirkung ausfallen kann, wie intensiv das Aroma ist und wie schonend der Konsum verläuft. Ist die Temperatur zu niedrig, werden viele Wirkstoffe nur unzureichend freigesetzt. Ist sie zu hoch, kann das Pflanzenmaterial teilweise verbrennen und es können unerwünschte Reizstoffe entstehen.

Konkret heißt das: Unter etwa 160 °C bildet sich meist nur wenig wirksamer Dampf, oberhalb von rund 210 °C steigt das Risiko von Verbrennungsprozessen deutlich.

Cannabis besteht aus verschiedenen Inhaltsstoffen – vor allem THC, CBD und Terpenen –, die jeweils bei unterschiedlichen Temperaturen verdampfen. Genau hier liegt der Vorteil des Vaporizers: Im Gegensatz zum Rauchen lässt sich gezielt steuern, welche Stoffe freigesetzt werden und in welcher Intensität.

Unser Tipp: Mehr zum Thema findest du in unserem Artikel "Medizinisches Cannabis vaporisieren".

Infografik mit dem Titel „Welche Temperatur ist die richtige zum Verdampfen von Cannabis?“. Sie zeigt drei Temperaturbereiche beim Vaporisieren: niedrige Temperatur (ca. 160–180 °C) mit milder Wirkstofffreisetzung, mittlere Temperatur (ca. 180–195 °C) als ausgewogenes Verhältnis von Wirkstoffen und Aroma sowie hohe Temperatur (ca. 200–210 °C) mit stärkerer Wirkstofffreisetzung und erhöhtem Verbrennungsrisiko.

Unser Vaporizer-Temperatur-Guide

Im Folgenden geht es um Temperaturbereiche, die von praktischen Erfahrung vieler Nutzer:innen stammen. Dabei handelt es sich nicht um feste, wissenschaftlich definierte Grenzwerte, sondern um Orientierungen aus dem Alltag. Gerade bei einer medizinischen Anwendung ist eine präzise Temperatureinstellung besonders wichtig. Entscheidend sind dabei stets die Hinweise des Vaporizer-Herstellers sowie die ärztliche Empfehlung.

Ziel beim VerdampfenEmpfohlener TemperaturbereichEinordnung
Eine kaum spürbare Wirkung.etwa 160 °CSehr mild, dezenter Dampf – gut zum Kennenlernen des Geräts.
Eine leichte, klare Wirkung.etwa 170–180 °CSanft, geschmacksintensiv und meist gut geeignet für Einsteiger:innen.
Ein guter Mittelweg für Alltag und Therapie.etwa 185–195 °CPotenziell spürbare Wirkung, ohne zu stark zu sein.
Eine kräftigere Wirkung zur Symptomlinderung.etwa 200–210 °CDeutlich intensiver, mehr Dampf. Hier langsam herantasten.

Adele Hollmann, Senior Scientific Affairs Manager und Ganjier bei avaay Medical, gibt Vaporizer-Einsteiger:innen folgende Tipps mit auf den Weg:

„Grundsätzlich ist es sinnvoll, mit niedrigen Temperaturen zu beginnen und sich schrittweise an die individuell passende Einstellung heranzutasten. Besonders bei einer neuen Sorte sollte man immer niedrig starten und die Temperatur langsam erhöhen. Wird der Dampf als kratzig oder bitter empfunden oder fühlt sich die Wirkung zu intensiv an, ist es ratsam, die Temperatur wieder zu senken.“

Schritt für Schritt: Wie nutzt man einen Cannabis-Vaporizer?

Diese Anleitung bezieht sich ausschließlich auf Vaporizer, die für Cannabisblüten (getrocknete Blüten) ausgelegt sind. Sie gilt nicht für Vaporizer, die mit Cannabiskonzentraten arbeiten. Bitte immer die Angaben des Geräteherstellers beachten.

1. Kurzer Blick auf die Cannabisblüten

Bevor man den Vaporizer einschaltet, lohnt sich ein kurzer Check. Sind die Blüten sehr trocken und bröselig, kann der Dampf schnell kratzig werden und an Geschmack verlieren. In dem Fall kann es helfen, sie vor dem Gebrauch ein paar Stunden mit einem Boveda-Beutel in ein verschlossenes Glasgefäß zu geben.

Fühlen sich die Blüten dagegen noch feucht oder sehr kompakt an, ist ein sanftes Vorwärmen sinnvoll. (Alternativ können die Blüten einige Stunden luftgetrocknet werden.) Lass den Vaporizer ein paar Minuten auf niedriger Temperatur laufen (etwa 135–150 °C), ohne direkt zu ziehen. So verdunstet die überschüssige Feuchtigkeit und der Dampf wird später angenehmer.

2. Blüten richtig zerkleinern und befüllen

Für volleren Dampf sollten die Blüten gleichmäßig zerkleinert werden – nicht zu fein, aber auch nicht grob. Die Kräuterkammer füllt man am besten locker, ohne das Material festzudrücken. Luft sollte gut durchziehen können.

Ein Tipp: Lieber kleinere Mengen verdampfen und bei Bedarf nachlegen, statt die Kammer komplett vollzustopfen.

3. Den Vaporizer kennen

Nicht jeder Vaporizer funktioniert gleich. Manche Geräte erhitzen die Blüten direkt (Konduktion), andere arbeiten mit heißer Luft (Konvektion). Das merkt man auch bei der Temperatur.

Bei Vaporizern mit direkter Hitze reicht oft eine etwas niedrigere Einstellung. Geräte mit Heißluft dürfen meist ein paar Grad wärmer eingestellt werden, ohne dass der Dampf unangenehm wird.

Stationäre Vaporizer sind oft besonders genau und werden gern zu Hause genutzt. Mobile Vaporizer sind praktisch für unterwegs.

Unser Tipp: Mehr zum Thema Konduktion und Konvektion erfährst du in unserem Artikel “Welche Cannabis-Vaporizer gibt es?”.

4. Langsam starten und rantasten

Die wichtigste Regel: Es gibt keine perfekte Einstellung für alle. Am besten startet man bei etwa 160 °C und beobachtet, wie sich Geschmack und Wirkung anfühlen.

Wenn einem der Effekt zu schwach ist, kann man die Temperatur langsam erhöhen – zum Beispiel in 5-Grad-Schritten. Dabei sollte man darauf achten, ob der Dampf noch angenehm schmeckt und sich gut anfühlt. Wird er kratzig oder zu intensiv? Einfach wieder ein paar Grad runtergehen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Blüten locker vorbereiten, mit niedriger Temperatur starten und sich Schritt für Schritt hocharbeiten. Geschmack und Gefühl sind die besten Anhaltspunkte. Wird es unangenehm, einfach ein paar Grad zurückgehen.

Und wie vaporisiert man richtig?

Woran man merken kann, dass man richtig zieht

Weitere Tipps:

Beim Vaporisieren gilt also: ruhig, langsam, gleichmäßig. Weniger Kraft, mehr Gefühl.

Fazit: Die richtige Temperatur macht den Unterschied

Beim Verdampfen von Cannabis entscheidet die Temperatur über weit mehr als nur die Dampfmenge. Sie kann Wirkung, Geschmack und Verträglichkeit beeinflussen – und damit, ob das Vaporisieren als angenehm, effektiv und kontrollierbar empfunden wird.

Eine „richtige“ Einstellung gibt es nicht. Vielmehr geht es darum, sich langsam an den eigenen optimalen Bereich heranzutasten. Wer mit niedrigen Temperaturen beginnt, aufmerksam inhaliert und kleine Anpassungen vornimmt, lernt seinen Vaporizer und das jeweilige Cannabis deutlich besser kennen. Gerade für Einsteiger:innen zahlt sich diese Herangehensweise aus: Sie reduziert Überforderung, schont die Atemwege und ermöglicht einen bewussteren Umgang mit der Wirkung.

Unterm Strich gilt: Geduld, eine saubere Vorbereitung und ein Gefühl für Temperatur und Zugverhalten sind wichtiger als hohe Zahlen auf dem Display. Wer diese Grundlagen beachtet, nutzt das Potenzial des Vaporizers so, wie er gedacht ist.


FAQ

Cannabis wird durch Wärme aktiviert, sobald sich die inaktiven Wirkstoffe in ihre wirksame Form umwandeln. Das beginnt in der Regel ab etwa 105–115 °C. Für eine spürbare Wirkung beim Verdampfen werden jedoch meist Temperaturen ab rund 160 °C genutzt, da sich erst dann ausreichend THC und andere Wirkstoffe freisetzen.
Cannabinoide beginnen bei zu hohen Temperaturen abzubauen. Als grobe Orientierung gilt: Ab ca. 210–220 °C können THC und Terpene zunehmend zerstört werden. Ab etwa 230 °C steigt das Risiko, dass das Pflanzenmaterial teilweise verbrennt – dabei gehen Wirkstoffe verloren und es entstehen Reizstoffe. Kurz gesagt: Über 210 °C wird es für Cannabis zu heiß, wenn man potenzielle Wirkung und
Das hängt vom Gerät ab, aber die meisten Cannabis-Vaporizer lassen sich meist auf bis zu 220 °C einstellen. Tragbare Vaporizer: oft bis ca. 210–220 °C Stationäre Vaporizer: teils etwas höher, oft bis rund 230 °C Konzentrate-Vaporizer (nicht für Blüten): können deutlich heißer werden

Quellen

[1] Rojas, D.E., McCartney, M.M., Borras, E. et al. Impacts of vaping and marijuana use on airway health as determined by exhaled breath condensate (EBC). Respir Res 26, 63 (2025).

Cannabis-Strain: Ocean Grown Cookies

Ocean Grown Cookies ist ein indica-dominanter Hybrid, der für seine dichten Cannabisblüten, die süß-erdigen Aromen und seinen hohen THC-Gehalt bekannt ist. Die Sorte entfaltet ihr Profil erst beim näheren Hinsehen. Alles über die wichtigsten Eigenschaften von OGC.

Makroaufnahme der Cannabis-Sorte Ocean Grown Cookies. Die Blüte zeigt tiefviolette, fast schwarze Zuckerblätter, die dicht mit frostigen weißen Trichomen überzogen sind. Lange, hellgelbe Pistillen (Blütenfäden) ragen kräuselig aus der kompakten Blüte hervor.

Auf einen Blick: Ocean Grown Cookies 

Genetik: Hybrid, Indica dominant

Eltern: OG Kush × Girl Scout Cookies

THC: 15-34 %

CBD: ≤ 1 %

Terpene: Limonen, β-Caryophyllen, Linalool

Ocean Grown Cookies kann einen hohen THC-Gehalt von bis zu 34 Prozent erreichen; der CBD-Anteil bleibt mit ca. 1 Prozent gering. Die Sorte ist ein indica-dominanter Hybrid, hervorgegangen aus der Kreuzung der bekannten Linien OG Kush und Girl Scout Cookies.

Die Blüten sind dicht aufgebaut und reich mit Trichomen überzogen, was ihnen ein kompaktes, für Indicas typisches Erscheinungsbild verleiht.

Studioaufnahme eines kompakten Buds der Sorte Ocean Grown Cookies. Die hellgrüne Blüte ist von einer dichten, frostigen Schicht weißer Trichome überzogen und weist zahlreiche leuchtend orangefarbene Pistillen auf. Die Struktur ist fest und zeigt vereinzelt dunklere Akzente unter der Harzschicht. Das Bild ist vor einem rein weißen Hintergrund freigestellt.

Grower 

Ocean Grown Cookies wird für den medizinischen Einsatz und für die SIGNATURE Produktlinie von avaay Medical unter anderem von Lyonleaf Cannabis Inc. produziert. Das Unternehmen sitzt in Montreal (Kanada), wo die Sorte kultiviert und verarbeitet wird.

Tim Dresemann, Cannabis-Sommelier der Sanity Group, hat den Standort besucht. Sein Eindruck fällt eindeutig aus: „Das ist eine ziemlich raffinierte Anlage, sehr Hightech.“ Die Kombination aus technischer Kontrolle und handwerklicher Verarbeitung prägt die gesamte Arbeitsweise des Unternehmens.[1]

Lyonleaf beschreibt diesen Anspruch selbst so: „Wir machen keine Kompromisse. Unsere Anlage ist eigens dafür gebaut, ultra-premium Cannabis für Märkte weltweit zu produzieren. Wir verbinden genetische Exzellenz, wissenschaftliche Präzision und handwerkliche Sorgfalt.“[2]

Die Produktionsumgebung ist vollständig auf Indoor-Anbau ausgelegt. Digitale Systeme überwachen Klima, Licht und Nährstoffversorgung. Gleichzeitig setzt Lyonleaf bewusst auf handwerkliche Schritte: Die Blüten werden hängend getrocknet, von Hand getrimmt und behutsam verpackt.[1]

Eine Besonderheit betrifft die Beleuchtung. Ocean Grown Cookies wird bei Lyonleaf nach wie vor unter Natriumdampflampen angebaut und nicht unter LEDs. Eine Entscheidung, die historisch begründet ist. Dresemann fasst es so zusammen: „Viele klassische Old-School-Sorten kennen nichts anderes. Die kommen aus einer Zeit, in der Natriumdampflampen gängige Praxis waren. Die wurden darauf züchterisch optimiert.“[1]

Wenn du mehr über Lyonleaf erfahren möchtest: Tim Dresemann hat den Standort in Montreal besucht. Schau dir sein Video dazu auf YouTube an:

Qualität

Cannabispflanzen für den medizinischen Gebrauch werden nach GACP-Standards kultiviert und unter GMP-Vorgaben weiterverarbeitet – also nach jenen strengen Kriterien, die auch für Arzneimittel gelten. avaay Medical prüft dabei kontinuierlich, ob die Hersteller diese Anforderungen zuverlässig erfüllen.

Zu den Besonderheiten der Produktlinie avaay SIGNATURE sagt Tim Dresemann:

“Für unsere Signature-Linie wählen wir sorgfältig Blüten von erfahrenen Growern aus – und das weltweit. Dabei fokussieren wir uns auf Sorten, die eine moderne Genetik und ein ausgeprägtes, intensives Aromaprofil aufweisen. Darüber hinaus reihen sich in dieser Produktlinie auch Anbauer mit besonders spannenden Anbaumethoden wie Aquaponik ein. Kurz gesagt: Die Sorten von avaay SIGNATURE verkörpern die Leidenschaft für die Cannabispflanze im medizinischen Kontext.”

Extreme Nahaufnahme (Makro) der Sorte Ocean Grown Cookies. Zu sehen ist die komplexe Struktur der Blüte mit tiefvioletten Pflanzenteilen, die dicht mit klaren und milchigen Trichomen überzogen sind. Die Harzkristalle sind als winzige, pilzförmige Strukturen deutlich erkennbar.

Aroma: Geruch & Geschmack von Ocean Grown Cookies

Ocean Grown Cookies besitzt ein Aromaprofil, das sich vor allem über seine Terpenzusammensetzung erklärt. Die vorherrschenden Terpene Limonen, β-Caryophyllen und Linalool bestimmen den Charakter der Sorte.

Limonen kann Zitrusnuancen beisteuern, β-Caryophyllen verleiht eine würzige, pfeffrige Note und Linalool bringt eine florale Komponente ein.

Beim Zerkleinern der Cannabisblüten wird das Profil deutlicher: Holzig-waldige Anklänge treten stärker hervor, während die Zitrus- und Gewürznoten an Intensität gewinnen.

Tim Dresemann beschreibt es so: “Ocean Grown Cookies von Lyonleaf ist für mich auf jeden Fall Signature-würdig. Zunächst kommt die Sorte ein bisschen unscheinbar rüber vom Aroma. Ist jetzt nicht direkt fetzig in der Nase, fruchtig, super Candy-mäßig, wie andere Sorten. Das Aroma geht aber so richtig los, wenn man Ocean Grown Cookies grindet.”

Ocean Grown Cookies: Mögliche Wirkung

Die potenzielle Wirkung von Ocean Grown Cookies lässt sich teilweise durch die in der Sorte dominierenden Terpene einordnen.

Limonen wird in der Forschung mit stimmungsaufhellenden und antidepressiven Effekten in Verbindung gebracht.[3] 

β-Caryophyllen zeigt in Studien entzündungshemmende Eigenschaften[4] und Linalool wird häufig mit beruhigenden, angstlösenden[5] und leicht sedierenden Effekten[6] beschrieben.

Diese Hinweise stammen aus der Terpenforschung. Die tatsächliche Wirkung hängt jedoch – wie bei allen Cannabissorten – vom Zusammenspiel aller Inhaltsstoffe sowie von der individuellen Disposition der Patient:innen ab.

Eine kompakte, getrocknete Ocean Grown Cookies Blüte vor einem rein weißen Hintergrund. Die hellgrüne Knospe ist fast vollständig von einer glitzernden Schicht weißer Harzkristalle (Trichome) bedeckt und wird von zahlreichen leuchtend orangefarbenen Blütenfäden durchzogen.

FAQ

Ist Ocean Grown Cookies eine medizinische Cannabis-Sorte?

Ocean Grown Cookies ist erst einmal einfach eine Cannabissorte. Sie wird nicht automatisch zur „medizinischen Sorte“, nur weil es sie gibt. Entscheidend ist, wie und unter welchen Standards sie produziert wird. Lyonleaf baut Ocean Grown Cookies zum Beispiel nach medizinischen Vorgaben an, sodass der Strain auch für den medizinischen Gebrauch eingesetzt werden kann.

Kurz gesagt: Ocean Grown Cookies ist eine Cannabissorte – und sie wird zusätzlich auch in medizinischer Qualität hergestellt.

Welche Rolle spielen Terpene im Allgemeinen für Geruch und Wirkung von Cannabis?

Terpene prägen zum einen Geruch und Geschmack einer Cannabissorte. Also ob sie eher erdig, fruchtig, würzig oder zitrusartig riecht und schmeckt. Zum anderen deuten Studien darauf hin, dass sie die Wirkung beeinflussen könnten, weil sie mit Cannabinoiden wie THC und CBD zusammenwirken können. Einige Terpene werden zum Beispiel mit entspannenden, andere mit eher aktivierenden Effekten in Verbindung gebracht.[7]

Mehr zum Thema erfährst du in unserem Artikel „Alles, was Ihr schon immer über Terpene wissen wolltet”.

Was bedeutet „von Hand getrimmt“ für die Qualität von Cannabisblüten?

„Von Hand getrimmt“ heißt, dass Mitarbeiter:innen die getrockneten Blüten mit Scheren manuell von kleinen Blattresten befreien und dabei sehr präzise arbeiten. Im Vergleich zu Trimmaschinen, die schnell, aber grob schneiden, können bei der Handarbeit deutlich mehr Trichome erhalten bleiben – also die harzreichen Strukturen, die Aroma und Geschmack tragen. In der Praxis kann das sauber geformte, aromatischere Blüten ermöglichen. Zudem ermöglicht es die Kontrolle jeder einzelnen Blüte.

Quellen

[1] Dresemann, T. (13.11.2025). Auf Cannabis-Suche in Kanada Pt.3 – Drei Facilities die nicht unterschiedlicher sein könnten [Video]. In: Toking Tim. YouTube: https://youtu.be/IBQVy9BG9hI?si=QoGtp005cl9FcKU9

[2] Lyonleaf – Unternehmenswebsite. https://www.lyonleaf.com/

[3] Komori, T et al. “Effects of citrus fragrance on immune function and depressive states.” Neuroimmunomodulation vol. 2,3 (1995): 174-80.

[4] Basile, Aulus Conrado, et al. "Anti-inflammatory activity of oleoresin from Brazilian Copaifera." Journal of Ethnopharmacology 22.1 (1988): 101-109.

[5] Harada, Hiroki, et al. "Linalool odor-induced anxiolytic effects in mice." Frontiers in Behavioral Neuroscience (2018): 241.

[6] Gastón, María Soledad, et al. "Sedative effect of central administration of Coriandrum sativum essential oil and its major component linalool in neonatal chicks." Pharmaceutical biology 54.10 (2016): 1954-1961.

[7] Russo, E. B. (2011). Taming THC: Potential cannabis synergy and phytocannabinoid–terpenoid entourage effects. British Journal of Pharmacology, 163(7), 1344–1364.

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa: Cannabis als mögliche Therapie?

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa gehören zu den belastendsten Diagnosen der Inneren Medizin. Sie verlaufen schubweise, verursachen Schmerzen, Durchfälle, Erschöpfung – und sie lassen sich bis heute nicht heilen. Viele Betroffene suchen deshalb nach Behandlungen, die Symptome lindern. Seit einigen Jahren rückt dabei auch medizinisches Cannabis in den Fokus. Doch was sagt die Wissenschaft dazu?



Das Endocannabinoid-System und Cannabis bei Darmerkrankungen

Das Endocannabinoid-System ist ein körpereigenes Regulationsnetzwerk, das eine wichtige Rolle im Verdauungstrakt spielt. Es besteht aus Cannabinoid-Rezeptoren (CB1 und CB2), Botenstoffen und den Enzymen, die sie auf- und abbauen. Diese Rezeptoren finden sich im Darm unter anderem in Nervenzellen, Immunzellen und der Schleimhaut. Also genau dort, wo bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zentrale Prozesse aus dem Gleichgewicht geraten.[1]

Über dieses System steuert der Körper Funktionen wie Darmbewegung, Sekretion, Schmerzempfinden, Immunreaktionen und die Barrierefunktion der Darmschleimhaut. Cannabinoide wie THC und CBD können an die gleichen Rezeptoren binden wie die körpereigenen Stoffe. Dadurch könnten sie in Abläufe eingreifen, die bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen gestört sind.[1]

Bertan Türemis, Diplom-Neurobiologe und Senior Medical Science Liaison Manager bei der Sanity Group, erklärt:

"Studien zeigen: Das Endocannabinoidsystem im Darm reguliert Schmerz, Entzündungen und Motilität. Aktiviert durch THC und CBD kann es Überreaktionen des Immunsystems bremsen und so Krämpfe, Übelkeit und Schmerzen lindern.“[2]

Doch bevor wir uns genauer ansehen, was die aktuelle Forschung zu Cannabis bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sagt, lohnt ein Schritt zurück.

Was ist Morbus Crohn?

Morbus Crohn ist eine chronische, entzündliche Erkrankung des Magen-Darm-Trakts. Typisch ist, dass sich die Entzündungen in jedem Abschnitt des Verdauungssystems bilden können – vom Mund bis zum After –, am häufigsten jedoch im Übergang zwischen Dünn- und Dickdarm. Die Krankheit verläuft in Schüben: Phasen mit starken Beschwerden wechseln sich mit ruhigeren Zeiten ab.

Zu den typischen Symptomen gehören Bauchschmerzen, Durchfall, Gewichtsverlust, Müdigkeit und häufig auch Appetitlosigkeit. Die Entzündung kann tief in die Darmwand eindringen, wodurch Komplikationen wie Fisteln, Abszesse oder Verengungen entstehen können. Warum die Krankheit entsteht, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Fachleute gehen davon aus, dass ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, einem fehlgeleiteten Immunsystem und Umweltfaktoren eine Rolle spielt.

Morbus Crohn ist nicht heilbar, aber gut behandelbar. Moderne Therapien zielen darauf ab, die Entzündung im Magen-Darm-Trakt zu kontrollieren, Schübe zu verhindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Infografik zur Wirkung von Cannabis bei Morbus Crohn. Links: Symptomlinderung wie weniger Bauchschmerzen, besserer Schlaf und gesteigerter Appetit. Rechts: Entzündungshemmung – Cannabis reduziert die Entzündung im Darm laut Studien nicht. In der Mitte ein „VS“-Symbol, das den Gegensatz zwischen Symptomlinderung und fehlender Entzündungsreduktion verdeutlicht.

Cannabis zur Behandlung von Morbus Crohn: Was sagen aktuelle Studien?

Cannabis könnte Morbus-Crohn-Symptome spürbar lindern

Gleich mehrere Studien kommen zu demselben Ergebnis: Cannabis könnte Menschen mit aktivem Morbus Crohn deutlich entlasten. Cannabis-Patient:innen berichten von weniger Bauchschmerzen, besserem Schlaf, mehr Appetit und einem verbesserten allgemeinen Wohlbefinden.[1,3,4]

Mit anderen Worten: Cannabis könnte Betroffenen helfen, indem es Beschwerden lindert.

Die Entzündung selbst geht jedoch nicht zurück

So deutlich Studien die mögliche Verbesserung von Symptomen zeigen, so klar zeigen sie auch die Grenzen: Keine der Studien zeigt, dass Cannabis die Entzündung im Darm reduziert.[1,3,4]

CRP (ein Entzündungsmarker im Blut), Calprotectin (ein Entzündungsmarker im Stuhl) und endoskopische Befunde (sichtbare Entzündungszeichen im Darm bei einer Spiegelung) blieben unverändert – auch wenn sich die Patient:innen deutlich besser fühlten. Genau das macht die Einschätzung so wichtig: Cannabis kann auf das Wohlbefinden wirken, nicht auf die Krankheitsaktivität im Gewebe.

Diese Trennung betont übrigens auch die medizinische Leitlinie in Deutschland.

Was sagen deutsche Fachgesellschaften dazu?

In Deutschland fassen medizinische Fachgesellschaften den aktuellen Stand der Forschung in sogenannten S3-Leitlinien zusammen. Diese gelten als der „Goldstandard“ für ärztliche Entscheidungen, weil sie auf systematischen Literaturanalysen und dem Konsens vieler Expert:innen beruhen. Kurz gesagt: Hier steht drin, was nach aktuellem Wissen als gute medizinische Praxis gilt.

Die 2024 aktualisierte S3-Leitlinie zu Morbus Crohn bewertet auch den Einsatz von Cannabis.[5] Und ihre Einschätzung fällt differenziert aus.

Bertan Türemis bringt es so auf den Punkt:

„Die deutsche S3-Leitlinie für Morbus Crohn von 2024 erkennt die Evidenzlage an. Wenn herkömmliche Medikamente nicht ausreichend wirksam oder verträglich sind, kann eine Therapie mit Cannabis-basierten Arzneimitteln erwogen werden – vor allem zur Linderung von abdominellen Schmerzen oder bei Appetitverlust. Zugleich warnt sie aber auch: Cannabis soll nicht zur Behandlung von akuten Entzündungen eingesetzt werden. Denn die Studienlage erlaubt bislang keine sichere Aussage über einen entzündungshemmenden Effekt.“[2]

Damit entspricht die Einschätzung der Leitlinie genau dem, was die Studien zeigen: Cannabis könnte dabei helfen, den Alltag mit Morbus Crohn leichter zu bewältigen, ersetzt aber keine entzündungshemmende Therapie.

Doch wie sieht die Studienlage bei Cannabis gegen Colitis ulcerosa aus? Und was ist das überhaupt für eine Erkrankung?

Was ist Colitis ulcerosa?

Colitis ulcerosa gehört wie Morbus Crohn zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Im Unterschied zu Morbus Crohn, der den gesamten Magen-Darm-Trakt betreffen kann, beschränkt sich Colitis ulcerosa ausschließlich auf den Dickdarm, meist beginnend im Enddarm und sich von dort kontinuierlich ausbreitend. Die Entzündung sitzt zudem nur in der obersten Schleimhautschicht, während sie bei Morbus Crohn oft tief in die Darmwand eindringt.

Typische Symptome sind blutiger Durchfall, krampfartige Bauchschmerzen, starker Stuhldrang, Gewichtsverlust und Erschöpfung. Viele Betroffene erleben die Erkrankung in Schüben – mit Phasen starker Beschwerden und Zeiten relativer Ruhe. Warum Colitis ulcerosa entsteht, ist ebenfalls nicht abschließend geklärt. Angenommen wird ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, einer Fehlregulation des Immunsystems und Umweltfaktoren.

Im Vergleich zu Morbus Crohn verläuft Colitis ulcerosa oft flächiger, aber weniger tief. Komplikationen betreffen vor allem die Schleimhaut, während Crohn häufiger Fisteln, Abszesse oder narbige Verengungen verursacht. Beide Erkrankungen sind nicht heilbar.

Infografik zur Frage, ob Cannabis zur Behandlung von Colitis ulcerosa geeignet ist. Vier Punkte werden dargestellt: 1) Symptomlinderung – Cannabis könnte Schmerzen und Stuhlfrequenz verbessern. 2) Keine Entzündungsreduktion – Entzündungsmarker und Schleimhautheilung verbessern sich nicht zuverlässig. 3) Nebenwirkungen – möglich sind Schwindel und Müdigkeit. 4) Unterstützende Therapie – Cannabis kann ergänzen, ersetzt aber keine entzündungshemmenden Medikamente.

Cannabis bei Colitis ulcerosa: Was sagen aktuelle Studien?

Die Forschung zu Cannabis bei Colitis ulcerosa ist deutlich dünner als bei Morbus Crohn – und die bisherigen Ergebnisse fallen gemischt aus. Die Studien zeigen übereinstimmend: Cannabis kann Symptome lindern, aber die Entzündung im Darm verändert sich meist nicht deutlich.

Symptome verbessern sich – besonders Schmerz, Wohlbefinden und Stuhlgang

Mehrere Studien zeigen, dass sich Patient:innen unter Cannabis oft spürbar besser fühlen: weniger Bauchschmerzen, weniger Durchfall, mehr Appetit und insgesamt mehr Wohlbefinden. Diese Verbesserungen lassen sich auch in Messwerten wiederfinden – zum Beispiel sank in einer Studie der sogenannte Disease Activity Index (ein Symptom-Score) nach acht Wochen deutlich.[6,7]

Auch eine Meta-Analyse aus 2023 bestätigt: Unter Cannabinoiden verbesserten sich sowohl die Beschwerden als auch die Lebensqualität der Patient:innen.[7]

Aber: Die Entzündung selbst geht nicht zurück

So deutlich die mögliche Linderung der Beschwerden ausfällt, so klar zeigt sich ein Ergebnis, das dem von Morbus Crohn gleicht: Cannabis senkt weder CRP (Entzündungsmarker im Blut) noch Calprotectin (Entzündungsmarker im Stuhl) zuverlässig – und auch endoskopische Befunde (sichtbare Entzündungen bei einer Darmspiegelung) verbessern sich kaum oder gar nicht.[6,7]

Kurz gesagt: kein signifikanter Effekt auf Entzündungsmarker oder Schleimhautheilung.

Sicherheit: eher milde Nebenwirkungen, aber nicht harmlos

Studien-Teilnehmer:innen berichteten häufiger Nebenwirkungen als die Placebo-Gruppe – vor allem Schwindel, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Übelkeit. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten in keiner Studie im Zusammenhang mit Cannabis auf.[6]

Was bedeutet das für Betroffene?

Die aktuelle Evidenz zeigt ein klares Muster:

Einfach gesagt: Medizinisches Cannabis könnte Colitis-ulcerosa-Patient:innen helfen, sich besser zu fühlen, aber es heilt die Entzündung im Darm nicht.

Fazit: Hilft Cannabis gegen Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa?

Die Studienlage zeigt ein eindeutiges Muster: Cannabis könnte zentrale Symptome chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen lindern, darunter Bauchschmerzen, Appetitverlust, Schlafprobleme und allgemeines Unwohlsein. Patient:innen fühlen sich oft besser, obwohl die Entzündungsmarker im Darm unverändert bleiben. Ein Befund, der sich sowohl in Studien zu Morbus Crohn als auch zu Colitis ulcerosa wiederholt. Cannabis könnte also vor allem symptomatisch wirken, nicht entzündungshemmend.

Für die Zukunft stellt sich eine entscheidende Frage: Lässt sich das Potenzial der Cannabinoide gezielter nutzen? Forschende prüfen derzeit, ob unterschiedliche Wirkstoffverhältnisse, neue Formulierungen oder langfristige Therapieschemata mehr bewirken können – etwa eine Kombination aus Symptomlinderung und Einfluss auf die Entzündung. Bis solche Daten vorliegen, gilt Cannabis als vielversprechende ergänzende Option, nicht als Ersatz für bewährte Therapien.


FAQ

Welches Cannabis bei Darmentzündung?

Es gibt keine Sorte oder spezielle Cannabis-Darreichungsform, die die Entzündung zuverlässig reduziert. Cannabis konnte in Studien zu entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa weder CRP (Entzündungsmarker im Blut) noch Calprotectin (Entzündungsmarker im Stuhl) zuverlässig senken. Endoskopische Befunde (sichtbare Entzündungen bei einer Darmspiegelung) verbesserten sich kaum oder gar nicht. Weitere Forschungsarbeit ist hier dringend notwendig.

Ist Cannabis gut für den Darm – im Hinblick auf Morbus Crohn und Colitis ulcerosa?

Das lässt sich so nicht sagen. Studien zeigen, dass Cannabis Symptome wie Bauchschmerzen, Krämpfe, Übelkeit und Appetitverlust lindern kann. Viele Betroffene fühlen sich dadurch besser. Die Entzündung selbst wird jedoch nicht reduziert – weder bei Morbus Crohn noch bei Colitis ulcerosa. Deshalb könnte Cannabis die Behandlung ergänzen, ersetzt aber keine entzündungshemmende Therapie.


Quellen

[1] Vaid, R., Fareed, A., Qader, R., Hussain, A., Shaikh, W., Zameer, U., & Ochani, S. (2025). Cannabis use in Crohn's disease: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials (RCTs). Irish Journal of Medical Science, 194.

[2] Bertan Türemis. (2025, November). Ein Basketballprofi. 100 Cannabis-Gummibärchen. Und die Aussicht auf die Todesstrafe. (LinkedIn-Beitrag). LinkedIn: https://www.linkedin.com/posts/tueremis_ein-basketballprofi-100-cannabis-gummib%C3%A4rchen-activity-7381342567868833792-CkdE?utm_source=social_share_send&utm_medium=member_desktop_web&rcm=ACoAAC6Nv-kB3haiExlh8YI3GC34SIIQqKRjYVs

[3] Kang, H., Schmoyer, C. J., Weiss, A., & Lewis, J. D. (2025). Meta-analysis of the therapeutic impact of cannabinoids in inflammatory bowel disease. Inflammatory Bowel Diseases, 31(2), 450–460.

[4] Naftali, T., Bar-Lev Schleider, L., Almog, S., Meiri, D., & Konikoff, F. M. (2021). Oral CBD-rich cannabis induces clinical but not endoscopic response in patients with Crohn’s disease: A randomised controlled trial. Journal of Crohn’s and Colitis, 15(11), 1799–1806.

[5] Sturm, A., Atreya, R., Bettenworth, D., Bokemeyer, B., Dignass, A., Ehehalt, R., Germer, C.-T., Grunert, P. C., Helwig, U., Horisberger, K., Herrlinger, K., Kienle, P., Kucharzik, T., Langhorst, J., Maaser, C., Ockenga, J., Ott, C., Siegmund, B., Zeißig, S., & Stallmach, A. (2024). S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn (Version 4.1). AWMF-Register-Nr. 021-004.

[6] Kafil, T. S., Nguyen, T. M., MacDonald, J. K., & Chande, N. (2018). Cannabis for the treatment of ulcerative colitis. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2018(11), CD012954

[7] Kumar, R., Singh, S., & Maharshi, V. (2024). Therapeutic effects of cannabinoids on ulcerative colitis: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Journal of Health Science and Medical Research.

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