Kaum eine Cannabissorte ist so stark von Erzählungen, Zuschreibungen und kultureller Bedeutung geprägt wie Haze. Ihr Name steht bis heute für eine bestimmte Ära, für experimentelle Züchtung und für einen Stil, der sich nicht eindeutig festlegen lässt. Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff Haze tatsächlich – jenseits von Legenden und Szenemythen?
Haze ist eine traditionsreiche Cannabissorte: Sie ist wahrscheinlich in den 1960er/1970er-Jahren in Kalifornien entstanden und prägte die frühe Cannabiskultur maßgeblich.
Der Ursprung gilt als experimentell: Eine eindeutig belegte genetische Zusammensetzung existiert bis heute nicht. Die ursprüngliche, originale Haze-Sorte könnte eine Kreuzung aus verschiedenen Landrassen, darunter thailändische und kolumbianische Sativas, sein.
Typische Wirkung von Haze-Sorten: Haze-Sorten haben oft einen hohen THC-Gehalt mit niedrigen oder nicht signifikanten CBD-Gehalten. Die Wirkung wird von Nutzenden häufig als klar und anregend ("belebendes High") beschrieben.
Aromaprofil: Wird häufig als komplex beschrieben, mit würzigen, erdigen und süßlichen Nuancen.
Haze ist eine traditionsreiche Cannabissorte, die ihren Ursprung in der kalifornischen Gegenkultur der 1960er- und 1970er-Jahre hat. Sie steht für Sativa-dominierte Genetik, eine als klar und anregend beschriebene Wirkung und eine Entstehungsgeschichte, die bis heute nicht eindeutig rekonstruierbar ist. Ursprünglich als reiner Sativa-Hybrid bekannt, existiert Haze heute vor allem als Sammelbegriff für zahlreiche Varianten, in denen Sativa weiterhin überwiegt, häufig jedoch mit Indica-Anteilen kombiniert wird.
Geschichte: Wie genau ist Haze entstanden?
Entstanden sein soll Haze in Kalifornien, genauer gesagt in der Region um Santa Cruz. Überliefert ist vor allem eine Erzählung: R. Haze und J. Haze, die als „Haze-Brüder“ bekannt wurden, experimentierten in den 1970er-Jahren mit unterschiedlichen Cannabissamen, ohne ein klares Zuchtziel zu verfolgen. Statt systematischer Planung stand das Ausprobieren im Vordergrund. Aus diesen Kreuzungen ging eine Sorte hervor, die sich deutlich von den damals verbreiteten Cannabissorten abhob.
Wirkung und Aroma von Haze: Cannabis in neuer Qualität
Haze unterschied sich nicht nur in ihrer Herkunft, sondern auch in ihrer Wirkung und ihrem Geschmack. Beschrieben wird die Wirkung häufig als langanhaltend, energetisch und stark zerebral. Der Begriff "belebendes High" fällt unter Nutzenden besonders oft.
Hinzu kam ein ungewöhnlich komplexes Aromaprofil, in dem würzige, erdige und süßlich-fruchtige Noten miteinander verschmolzen. Haze war damit keine Sorte für unmittelbare Effekte, sondern für einen bewussteren, geduldigen Umgang.
Welche genetischen Linien tatsächlich in Haze zusammenflossen, ist bis heute unklar. Vermutet werden Einflüsse südostasiatischer, lateinamerikanischer und indischer Landrassen, belegen lässt sich jedoch keine dieser Thesen eindeutig. Gerade diese Offenheit trägt zum anhaltenden Mythos der Sorte bei.
Anbau und Verschwinden: Warum Haze fast verloren ging
Im Anbau erwies sich Haze als anspruchsvoll. Lange Blütezeiten und ein sensibler Wuchs machten sie für viele Grower wenig attraktiv. In den 1980er-Jahren, als robustere und schneller blühende Sorten bevorzugt wurden, geriet Haze zunehmend in den Hintergrund und verschwand zeitweise beinahe vollständig.
Heute steht Haze weniger für eine einzelne, klar definierte Pflanze als für eine ganze Familie von Sorten. Gemeinsam ist ihnen der Bezug auf jene experimentellen Ursprünge, aus denen Haze einst hervorging – und der Anspruch, etwas von diesem besonderen Charakter zu bewahren.
Welche Rolle spielen Haze-Sorten in der modernen Cannabis-Therapie?
In der medizinischen Anwendung werden Haze-Sorten heute vor allem als Sativa-dominierte Varietäten mit einem eher aktivierenden Wirkprofil eingeordnet. Sie könnten im therapeutischen Kontext dann relevant sein, wenn eine stark sedierende Wirkung nicht im Vordergrund steht und die geistige Wachheit möglichst erhalten bleiben soll. Ob und in welcher Form solche Sorten für Cannabis-Patient:innen infrage kommen, hängt jedoch stets von der individuellen Situation ab und wird ausschließlich durch eine Ärztin oder einen Arzt entschieden.
„Haze-Sorten werden in der Therapie sehr differenziert betrachtet“, sagt Senior Scientific Affairs Manager und Ganjier bei avaay Medical. „Sie sind kein Standard und keine pauschale Empfehlung, sondern eine von vielen Optionen, die je nach Krankheitsbild, Verträglichkeit und Therapieziel erwogen werden können – immer mit Blick auf den Alltag der Patientinnen und Patienten.“
Heute existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Haze-Varianten. Die meisten davon sind Hybride, in denen Sativa- und Indica-Genetik miteinander kombiniert wurden. Dadurch hat sich ein breites Spektrum an Sorten entwickelt, die sich in Herkunft, Profil und Ausprägung unterscheiden. Einige dieser Haze-Hybriden sind über Jahre hinweg besonders bekannt geworden und werden in der Cannabis-Szene regelmäßig erwähnt.
Amnesia Haze
Genetik: Hybrid, Sativa dominant
THC: 13-25 %
CBD: ≤ 1 %
Terpene: Limonen, Humulen, Beta-Ocimem
Amnesia Haze zählt zu den bekanntesten sativageprägten Hybriden der modernen Cannabisszene und und hat bereits mehrere Cannabis Cups (Wettbewerbe, bei denen die besten Cannabis-Produkte geehrt werden.) gewonnen. Seine Entstehung ist das Ergebnis eines längeren züchterischen Prozesses. Ausgangspunkt waren in den frühen 1990er-Jahren verschiedene Sativa-Landrassen aus unterschiedlichen Weltregionen, darunter Südostasien, die Karibik und Zentralasien, die für ihre lange Reifezeit bekannt sind. Auf dieser Basis entwickelte sich zunächst eine eigenständige Linie, die erst in einem späteren Schritt mit klassischer Haze-Genetik zusammengeführt wurde. Durch diese Kombination entstand jene Variante, die heute unter dem Namen Amnesia Haze bekannt ist.
Amnesia Haze Cake
Genetik: Hybrid, Indica dominant
Eltern: Ice Cream Cake × Cherry Cheesecake
THC: 24-32 %
CBD: ≤ 1 %
Terpene: Trans-Caryophyllen, Linalool, Limonen
Amnesia Haze Cake, gelegentlich auch als Flawless Victory geführt, gehört zu den indica-dominierten Hybriden und geht auf eine Kreuzung zweier süß geprägter Linien zurück: Ice Cream Cake und Cherry Cheesecake. Die Cannabisblüten zeichnen sich durch dunkle Grüntöne aus, die von kräftigen violetten Akzenten durchbrochen werden und der Sorte ein auffälliges Erscheinungsbild verleihen. Ihr Aromabild wird vor allem durch Terpene wie Limonen, trans-Caryophyllen und Linalool geprägt, die cremige und würzige Eindrücke miteinander verbinden und von einer markanten, leicht schweren Note im Nachklang begleitet werden.
Colombian Haze
Genetik: Hybrid, Sativa dominant
THC: 18-22 %
CBD: ≤ 1 %
Terpene: Pinen, Limonen, Beta-Caryophyllen
Colombian Haze ist eine reine oder stark sativadominierte Sorte, deren genetische Wurzeln auf die klassische Landrasse Colombian Gold zurückgeführt werden. Entsprechend zeigt sich auch ihr aromatisches Profil: Terpene wie Pinen, Limonen und Beta-Caryophyllen prägen den Gesamteindruck. Pinen bringt frische, leicht harzige und an Nadelholz erinnernde Nuancen ein, während Limonen für eine klare, zitrische Note sorgt. Ergänzt wird dieses Bild durch Beta-Caryophyllen, das dem Aroma eine dezente Würze und erdige Tiefe verleiht. In der Summe ergibt sich ein Duft- und Geschmacksprofil, das frisch und würzig wirkt.
Super Lemon Haze
Genetik: Hybrid, Sativa dominant
Eltern: Super Silver Haze × Lemon Skunk
THC: 24-32 %
CBD: ≤ 1 %
Terpene: Limonen, Pinen, Nerolidol
Super Lemon Haze ist ein sativadominierter Hybrid, der vor allem für sein ausgeprägt frisches Zitrusprofil bekannt ist. Entstanden aus der Kreuzung von Super Silver Haze und Lemon Skunk, verbindet die Sorte zwei Klassiker, die jeweils für klare, aromatisch starke Linien stehen. Die stark harzigen Blüten verströmen bereits beim Öffnen ein intensives Zitronen- und Limettenaroma. Verantwortlich dafür sind vor allem die Terpene Limonen, Pinen und Nerolidol: Limonen bringt die typische zitronige Frische, Pinen steuert grüne, leicht harzige Noten bei, während Nerolidol dem Ganzen eine weiche, fast blumige Tiefe verleiht.
Haze zwischen Herkunft und Gegenwart
Haze ist weniger eine klar definierte Cannabissorte als ein historisch gewachsener Begriff. Entstanden aus experimenteller Züchtung und geprägt von kulturellem Kontext, steht Haze bis heute für Offenheit, Vielfalt und Wandel innerhalb der Cannabiskultur. Ihre zahlreichen Varianten spiegeln nicht nur unterschiedliche genetische Ansätze wider, sondern auch den Versuch, ursprüngliche Eigenschaften an veränderte Anforderungen anzupassen. Ob als kulturelles Symbol, züchterische Grundlage oder medizinisch eingeordnete Sorte – Haze bleibt vor allem eines: ein Beispiel dafür, wie eng Pflanzen, Geschichte und gesellschaftliche Entwicklungen miteinander verflochten sein können.
FAQ
Die Beliebtheit von Haze lässt sich vor allem durch ihre besondere Stellung innerhalb der Cannabisgeschichte erklären. Haze steht für eine Phase experimenteller Züchtung, in der Neugier und kultureller Ausdruck wichtiger waren als Standardisierung oder Effizienz. Viele verbinden mit dem Namen Haze nicht nur bestimmte sensorische Eigenschaften, sondern auch ein Lebensgefühl, das eng mit der kalifornischen Kultur der 1960er- und 1970er-Jahre verknüpft ist. Hinzu kommt, dass sich Haze im Laufe der Zeit zu einer ganzen Sortenfamilie entwickelt hat, die immer wieder neu interpretiert wurde. Diese Kombination aus historischer Bedeutung, Vielfalt und Wiedererkennbarkeit hat dazu beigetragen, dass Haze bis heute einen festen Platz in der Cannabis-Szene einnimmt.
Haze wird ursprünglich der Sativa-Genetik zugeordnet. Die ersten Haze-Varianten galten als reine oder nahezu reine Sativa-Sorten. Im Laufe der Zeit hat sich der Begriff jedoch gewandelt: Heute bezeichnet Haze meist eine Gruppe von Hybriden, bei denen Sativa zwar weiterhin dominiert, häufig aber mit Indica-Anteilen kombiniert wird. Ob eine konkrete Haze-Sorte eher Sativa oder Indica ist, lässt sich daher nicht pauschal beantworten, sondern hängt von der jeweiligen Züchtung ab.
Haze, Kush und Skunk stehen jeweils für unterschiedliche genetische Linien und Zuchttraditionen innerhalb der Cannabiskultur. Zur besseren Einordnung hilft ein kurzer Überblick:
Haze: Ursprünglich sativageprägt und eng mit der kalifornischen Gegenkultur verbunden. Heute bezeichnet Haze eine ganze Sortenfamilie, die durch vielfältige Kreuzungen entstanden ist. Der Begriff steht vor allem für experimentelle Züchtung und eine breite genetische Spannweite.
Kush: Geht auf Landrassen aus dem Hindu-Kush-Gebirge zurück und ist traditionell indica-dominiert. Kush-Sorten werden häufig mit kompaktem Wuchs, dichten Blüten und eher erdigen, schweren Aromaprofilen in Verbindung gebracht.
Skunk: Entstand aus gezielten Kreuzungen mit dem Ziel, robuste und gleichmäßige Pflanzen zu schaffen. Typisch ist ein markantes, oft intensiv beschriebenes Aroma sowie eine vergleichsweise stabile genetische Linie.
Zusammengefasst spiegeln die drei Begriffe unterschiedliche Ansätze der Cannabiszucht wider: Haze steht für Vielfalt und Experiment, Kush für regionale Herkunft und Indica-Tradit
Der Unterschied liegt vor allem im Bedeutungsumfang der Begriffe. Weed ist ein umgangssprachlicher Sammelbegriff für Cannabis insgesamt – unabhängig von Sorte, Herkunft oder Genetik. Er beschreibt also das Produkt an sich und wird im Alltag oft synonym für Marihuana verwendet. Haze hingegen bezeichnet eine bestimmte genetische Linie beziehungsweise eine Sortenfamilie innerhalb von Cannabis.
Ja, es gibt Haze-Varianten, die im medizinischen Kontext eingesetzt werden. Dabei handelt es sich jedoch nicht um „medizinische Haze-Sorten“ im allgemeinen Sinn, sondern um konkret zugelassene Cannabisblüten oder -extrakte, deren Genetik aus der Haze-Familie stammt. Ob eine solche Sorte infrage kommt, entscheidet stets eine Ärztin oder ein Arzt auf Grundlage der individuellen Situation, der Diagnose und der bisherigen Therapieerfahrung. Haze dient in der Medizin also nicht als feste Kategorie, sondern als genetischer Hintergrund einzelner Präparate, die ärztlich verordnet und kontrolliert angewendet werden können.
Eine einzelne „stärkste“ Haze-Sorte lässt sich nicht eindeutig benennen. Der THC-Gehalt variiert stark je nach konkreter Züchtung, Charge, Anbaumethode und Analyse. Grundsätzlich gibt es jedoch Haze-Hybriden, bei denen THC-Werte im oberen Bereich liegen können – häufig genannt werden dabei Varianten wie Amnesia Haze oder Super Lemon Haze, bei denen Analysewerte teils deutlich über 20 Prozent liegen.
Wichtig ist dabei die Einordnung: Der THC-Gehalt allein sagt wenig über Wirkung oder Eignung aus. Zudem sind hohe Werte kein Qualitätsmerkmal per se. Im medizinischen Kontext spielt THC nur eine von mehreren Rollen, und die Auswahl einer Sorte erfolgt immer ärztlich, individuell und indikationsbezogen – nicht anhand eines Rankings nach Prozentzahlen.
Kurz gesagt: Es gibt THC-starke Haze-Varianten, aber keine allgemein gültige „THC-stärkste“ Haze-Sorte.
THCV – ein Cannabinoid zwischen Forschung, Hoffnung und Vorsicht
Zwischen wissenschaftlicher Forschung, öffentlichen Erwartungen und rechtlicher Unsicherheit rückt ein Cannabinoid in den Fokus, das lange kaum Beachtung fand: THCV: THCV wird teils als besondere Variante von THC beschrieben, teils als möglicher Ansatz für neue medizinische Anwendungen. Was davon tatsächlich stimmt, zeigt sich im Blick auf die bisherige Studienlage.
THCV ist ein seltenes Cannabinoid mit komplexer Wirkweise. Es kommt natürlicherweise nur in geringen Mengen vor und unterscheidet sich strukturell wie funktional deutlich von THC und CBD.
Die Wirkung von THCV ist stark dosis- und kontextabhängig. Je nach Menge kann es THC-Effekte abschwächen oder ihnen teilweise ähneln. Verlässliche Vorhersagen sind bislang nicht möglich.
Studien zeigen Potenzial, aber keine gesicherte Therapie. Hinweise aus Labor-, Tier- und kleinen Humanstudien betreffen vor allem Stoffwechselprozesse, reichen jedoch nicht für medizinische Empfehlungen aus.
THCV ist derzeit kein Bestandteil der medizinischen Cannabistherapie. Es existieren weder zugelassene Arzneimittel noch standardisierte Dosierungen oder Leitlinien.
Die rechtliche Lage ist unklar, die Marktsituation unsicher. Frei verkäufliche THCV-Produkte bewegen sich in einer Grauzone und bieten keine verlässliche Grundlage für eine langfristige oder medizinische Anwendung.
Was ist Tetrahydrocannabivarin (THCV)?
THCV ist ein natürlich vorkommendes Cannabinoid aus der Cannabispflanze (Cannabis sativa). Chemisch ist es eng mit THC verwandt, unterscheidet sich in seiner Struktur jedoch durch eine kürzere Seitenkette. Diese strukturelle Abweichung mag gering erscheinen, hat aber erhebliche Konsequenzen für seine potenzielle Wirkweisen im Körper.
In Cannabis-Blüten liegt THCV zunächst in einer inaktiven Säureform vor. Erst durch Trocknung, Alterung oder Erhitzen (Stichwort Decarboxylierung) wird es aktiviert. Natürlicherweise kommt THCV nur in geringen Mengen vor, vor allem in bestimmten Landrassen. In modernen Cannabissorten, die gezielt auf hohe THC-Gehalte gezüchtet wurden, ist THCV häufig kaum noch nachweisbar.[1]
Diese geringe Verfügbarkeit ist einer der Gründe, warum THCV lange kaum erforscht wurde und warum belastbare klinische Daten bis heute fehlen.
Wie unterscheidet sich THCV von THC und CBD?
THCV wird häufig als „THC-ähnlich, aber anders“ beschrieben. Diese Einordnung ist hilfreich, greift aber allein zu kurz.
THC wirkt vor allem über den CB1-Rezeptor im Gehirn und ist für die psychoaktive Wirkung von Cannabis verantwortlich. CBD bindet dagegen nicht direkt aktivierend an die klassischen Cannabinoid-Rezeptoren, sondern kann deren Signalverarbeitung eher indirekt beeinflussen.
Wirkung von THCV auf CB1- und CB2-Rezeptoren
THCV lässt sich zwischen diesen beiden Wirkstoffen verorten. Studien zeigen, dass seine Wirkung vom Kontext und von der Dosis abhängt:
In niedrigeren Mengen kann THCV die Aktivität des CB1-Rezeptors abschwächen.
In höheren Mengen kann es am selben Rezeptor auch aktiv wirken.
Zusätzlich interagiert THCV teilweise mit dem CB2-Rezeptor, der vor allem außerhalb des zentralen Nervensystems eine Rolle spielt.[1,2]
Diese dosisabhängige Wirkweise unterscheidet THCV von THC und CBD. Sie trägt dazu bei, dass THCV in der Forschung unterschiedlich eingeordnet wird – etwa im Zusammenhang mit Appetit, Aktivität oder der Wirkung anderer Cannabinoide.
Das Endocannabinoid-System: Warum THCV so schwer einzuordnen ist
Das Endocannabinoid-System ist ein körpereigenes Regulationssystem. Es beeinflusst unter anderem Appetit, Energieverbrauch, Blutzucker, Schmerzempfinden und Entzündungsprozesse. Veränderungen in diesem System haben oft keine eindeutige oder gleichbleibende Wirkung, sondern hängen von vielen Faktoren ab.[1]
THCV greift in dieses System auf eine besondere Weise ein. Untersuchungen deuten darauf hin, dass es die Aktivität des CB1-Rezeptors, der unter anderem mit Appetit und Wahrnehmung zusammenhängt, abschwächen kann. Gleichzeitig scheint THCV auch mit dem CB2-Rezeptor zu interagieren, der vor allem außerhalb des Gehirns eine Rolle spielt und mit Entzündungs- und Stoffwechselprozessen in Verbindung gebracht wird.[1]
Hinzu kommt, dass THCV die Wirkung von THC beeinflussen könnte. Je nach Menge kann es bestimmte THC-Effekte abschwächen oder ihnen teilweise ähneln – ohne dabei zu verändern, wie viel THC tatsächlich im Körper vorhanden ist. Entscheidend ist also weniger die Substanzmenge als die Art, wie das Gehirn die Signale verarbeitet.[2]
Diese Kombination aus unterschiedlichen, teils gegensätzlichen Effekten macht THCV schwer vergleichbar mit anderen Cannabinoiden – und erklärt, warum seine Wirkung bislang nicht eindeutig beschrieben werden kann.[1,2]
Aktuelle Studienlage: Was wir über die Wirkung von THCV wissen und was nicht
Die wissenschaftliche Datenlage zu THCV ist bislang überschaubar. Die meisten Erkenntnisse stammen aus der Grundlagenforschung, ergänzt durch wenige kleinere Studien mit Menschen. Entsprechend vorsichtig müssen Schlussfolgerungen gezogen werden.
Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025, die sich mit Stoffwechselerkrankungen befasst, beschreibt mehrere Effekte, die in präklinischen Modellen beobachtet wurden. Demnach wird THCV unter anderem mit folgenden Veränderungen in Verbindung gebracht:
einer verbesserten Insulinempfindlichkeit
einer erhöhten Aufnahme von Glukose in Zellen
einer geringeren Fettansammlung in Leber- und Fettgewebe
Veränderungen im Energieverbrauch
Diese Befunde beruhen allerdings überwiegend auf Labor- und Tierstudien und lassen sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen.[1]
Eine weitere Studie aus dem Jahr 2025 erweitert dieses Bild um eine neurobiologische Perspektive. In einem Tiermodell wurde gezeigt, dass THCV auch das zentrale Nervensystem beeinflussen kann. Beobachtet wurde, dass THCV:
in bestimmten Dosierungen einzelne THC-ähnliche Effekte zeigen kann
in höheren Dosierungen bestimmte Wirkungen von THC abschwächt
je nach Menge das Aktivitäts- und Verhaltensmuster verändert
Dabei veränderte THCV nicht die THC-Menge im Körper, sondern offenbar die Art, wie das Gehirn auf THC reagiert.[2]
Zusammengenommen zeigen die Studien: Die Wirkung von THCV ist dosisabhängig, kontextabhängig und bislang nicht eindeutig vorhersagbar. Entsprechend zurückhaltend fällt die wissenschaftliche Einordnung aus.
THCV, Übergewicht und Diabetes: ein möglicher Ansatz, kein Medikament
Besondere Aufmerksamkeit erhält THCV derzeit im Zusammenhang mit Gewichtsreduktion und Typ-2-Diabetes. Der Hintergrund liegt im Endocannabinoid-System, das an der Regulation von Appetit, Fettverwertung und Blutzucker beteiligt ist.
In Tiermodellen wurde beobachtet, dass THCV Prozesse beeinflussen kann, die für den Stoffwechsel relevant sind, darunter:
eine verbesserte Glukosetoleranz
eine stärkere Wirkung von Insulin
eine Reduktion entzündlicher Prozesse
eine Stabilisierung metabolischer Signalwege
Ergänzend dazu zeigte eine kleine Humanstudie mit Menschen mit Typ-2-Diabetes Hinweise auf:
niedrigere Nüchternblutzuckerwerte
eine mögliche Verbesserung der Funktion insulinproduzierender Zellen
Auch hier gilt jedoch: Die Autor:innen selbst betonen, dass diese Ergebnisse vorläufig sind. Sie reichen nicht aus, um THCV als Therapie zu empfehlen oder bestehende Behandlungsformen zu ersetzen.[1]
Kann THCV den Appetit verringern?
THCV wird häufig als „appetithemmendes Cannabinoid“ beschrieben. Diese Zuschreibung beruht vor allem auf Tierstudien, in denen THCV:
die Nahrungsaufnahme reduzierte
ohne eine spätere Überkompensation auszulösen[1]
In Humanstudien ließ sich dieser Effekt bislang nicht eindeutig bestätigen. Die beobachteten Veränderungen des Hungergefühls waren gering und statistisch nicht signifikant. Die Studienlage bleibt damit offen.
Therapeutische Anwendungen: Spielt THCV in der Cannabis-Therapie zurzeit eine Rolle?
Nein. THCV ist nicht Teil der medizinischen Cannabisversorgung in Deutschland. Es existieren:
keine zugelassenen Arzneimittel
keine standardisierten Dosierungen
keine therapeutischen Leitlinien
Die Studien warnen ausdrücklich davor, THCV außerhalb klinischer Forschung als Therapie zu betrachten.[1]
Rechtliche Lage: Sind THCV-Produkte in Deutschland frei verkäuflich?
Die rechtliche Einordnung von THCV in Deutschland ist nicht eindeutig geregelt. Anders als THC oder medizinisch verwendetes Cannabis existiert für THCV keine eigenständige gesetzliche Definition. Entsprechend wird es nicht ausdrücklich verboten – aber auch nicht ausdrücklich erlaubt.
Grundsätzlich gilt: Sobald ein Cannabinoid aus der Cannabispflanze stammt und psychoaktiv wirken kann, fällt es potenziell unter das Cannabisrecht. Für THCV bedeutet das: Isoliertes, wirksames THCV ist weder als Arzneimittel zugelassen noch regulär als Genussprodukt freigegeben.
Gleichzeitig werden THCV-haltige Produkte derzeit von einigen Online-Shops angeboten. Diese Produkte bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone. Anbieter stützen sich dabei häufig auf Argumente wie:
fehlende explizite Nennung von THCV im Gesetz
niedrige Dosierungen oder unklare Wirkstoffangaben
die Einordnung als Aroma-, Sammler- oder Forschungsprodukt
Ob diese Argumentationen vor Gericht oder gegenüber Behörden Bestand hätten, ist offen. Eine belastbare Rechtssicherheit besteht bislang nicht.
Wichtig ist daher die Unterscheidung zwischen praktischer Verfügbarkeit und rechtlicher Klarheit: Dass THCV-Produkte aktuell verkauft werden, bedeutet nicht, dass ihre rechtliche Zulässigkeit abschließend geklärt ist. Eine medizinische Zulassung existiert nicht, ebenso wenig eine regulierte Abgabe über Apotheken.
Rechtliche Grauzone statt klarer Zulassung
Wer sich aus medizinischen Gründen für THCV interessiert, sollte daher nicht auf frei verkäufliche Produkte setzen, sondern das Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt suchen. In der ärztlichen Beratung können gegebenenfalls andere, zugelassene Wege der Cannabistherapie in Betracht gezogen werden, deren Wirkung, Dosierung und rechtlicher Rahmen besser abgesichert sind.
Bertan Türemis, medizinisch Wissenschaftlicher Berater bei avaay Medical:
"Gerade bei chronischen oder langfristigen Beschwerden spielt auch die Verlässlichkeit der Versorgung eine Rolle. Produkte, die sich in einer rechtlichen Grauzone bewegen, können jederzeit vom Markt verschwinden oder in ihrer Zusammensetzung verändert werden. Für eine kontinuierliche Therapie sind solche Unsicherheiten problematisch.”
Cannabis auf Rezept bietet hier mehr Planungssicherheit – sowohl in rechtlicher als auch in therapeutischer Hinsicht.
Ein Stoff für die Forschung – nicht für Versprechen
Die beiden Studien zeigen THCV als einen Wirkstoff, der biologisch plausibel wirkt, aber wissenschaftlich noch nicht ausreichend verstanden ist. Seine Effekte sind komplex, teils widersprüchlich und stark dosisabhängig.
THCV steht damit exemplarisch für einen nüchternen Umgang mit Cannabisforschung: zwischen Hoffnung und Vorsicht, zwischen Laborergebnis und klinischer Realität. Ob es künftig eine therapeutische Rolle spielen wird, bleibt offen. Sicher ist nur, dass dieser Weg länger sein wird, als viele Schlagzeilen es heute vermuten lassen.
FAQ
Welche Wirkung hat THCV?
Studien deuten darauf hin, dass es bestimmte Stoffwechselprozesse beeinflussen kann und die Wirkung von THC im Gehirn abschwächen oder teilweise nachahmen kann. Seine Effekte sind jedoch nicht eindeutig, nicht verlässlich vorhersehbar und bislang nicht ausreichend erforscht, um klare Aussagen oder therapeutische Anwendungen abzuleiten.
Ist THCV stärker als THC?
Nein, THCV ist nicht stärker als THC. Es wirkt anders. Während THC vor allem über eine ausgeprägte psychoaktive Wirkung definiert ist, zeigt THCV ein dosisabhängiges und uneinheitliches Wirkprofil. In niedrigen Mengen könnte es bestimmte THC-Effekte abschwächen, in höheren Mengen einzelne THC-ähnliche Effekte zeigen – erreicht dabei aber nicht die typische Intensität von THC.
Was ist stärker: THCP oder THCV?
THCP gilt als potenter als THCV, die Wirkungen sind jedoch unterschiedlich einzuordnen.
THCP bindet sehr stark an den CB1-Rezeptor im Gehirn und könnte deshalb stärker psychoaktiv wirken als THC. THCV zeigt dagegen ein dosisabhängiges und uneinheitliches Wirkprofil: In niedrigeren Mengen könnte es bestimmte THC-Effekte abschwächen, in höheren Mengen könnte es einzelne THC-ähnliche Effekte zeigen. Insgesamt wird THCV nicht als stark psychoaktiv eingeordnet. Entscheidend ist weniger eine pauschale „Stärke“ als die unterschiedliche Wirkweise der beiden Cannabinoide.
Ist THCV im Drogentest nachweisbar?
Möglicherweise indirekt. THCV wird in gängigen Drogentests nicht gezielt nachgewiesen. Standardtests sind auf THC bzw. dessen Abbauprodukt THC-COOH ausgelegt. THCV besitzt zwar eine andere chemische Struktur, wird aber oft gemeinsam mit THC konsumiert oder kommt in THC-haltigen Produkten vor.
Das bedeutet: THCV selbst ist kein Standard-Zielstoff im Drogentest. THC-Spuren, die zusammen mit THCV aufgenommen werden, können jedoch zu einem positiven Testergebnis führen.
Ob ein Test anschlägt, hängt von Produktzusammensetzung, Dosierung, Konsumform und individueller Verstoffwechselung ab. Verlässliche Aussagen, dass THCV „nicht nachweisbar“ sei, lassen sich daher nicht treffen. Wer Drogentests unterliegt, sollte entsprechend vorsichtig sein.
THCV-Öle und -Tropfen sind flüssige Produkte, denen das Cannabinoid THCV zugesetzt wurde, meist in einem Trägeröl wie MCT- oder Hanföl. Sie sollen eine einfache, tropfenweise Dosierung ermöglichen. Wissenschaftlich geprüft oder medizinisch zugelassen sind diese Produkte bislang nicht; ihre Wirkung und rechtliche Einordnung gelten als nicht eindeutig geklärt.
Kief gehört zu den Begriffen der Cannabiskultur, die häufig verwendet, aber selten eindeutig erklärt werden. Dabei eröffnet gerade der Blick auf Kief ein grundlegendes Verständnis dafür, wo Wirkung, Aroma und Potenzial der Cannabispflanze entstehen. Dieser Artikel richtet sich an Konsument:innen, Patient:innen und Interessierte, die sich sachlich über Kief, seine Entstehung, Verwendung und die Abgrenzung zu anderen Cannabisprodukten informieren möchten.
Definition: Kief ist ein feines Pulver, das überwiegend aus den Trichomen der Cannabispflanze besteht und je nach Reinheit auch sehr kleine Pflanzenbestandteile enthalten kann. Es entsteht, wenn sich diese beim Zerkleinern oder Sieben von Cannabisblüten von der Blüte lösen, etwa im Grinder.
Wirkung: Kief enthält eine im Vergleich zur Blüte erhöhte Konzentration an Cannabinoiden, insbesondere THC, und wirkt daher in der Regel stärker. Eine verlässliche Angabe zum THC-Gehalt ist jedoch nicht möglich, da Kief kein standardisiertes Produkt ist und es keine einheitlichen Referenzwerte gibt.
Rechtlich und medizinisch: Kief gilt nicht als eigenständiges Produkt: In Deutschland ist es nicht frei erhältlich und auch nicht als medizinische Darreichungsform vorgesehen.
Kief bezeichnet das feine, trockene Pulver aus abgetrennten Trichomen der Cannabispflanze. Trichome sind mikroskopisch kleine Harzdrüsen, die vor allem die Blüten der weiblichen Pflanze überziehen. In ihnen stecken nahezu alle medizinisch relevanten Inhaltsstoffe der Pflanze: THC und CBD, andere Cannabinoide und Terpene sowie Flavonoide.
Kief entsteht, wenn sich diese Trichome mechanisch vom Pflanzenmaterial lösen. Das geschieht ausschließlich durch Bewegung und Reibung – ohne Hitze, ohne Lösungsmittel. Bereits beim Trocknen, Zerkleinern oder Sieben von Cannabisblüten brechen die spröden Trichomköpfe ab und fallen als feines Pulver an.
Wie sammelt man Kief?
Kief entsteht nicht nur zufällig, sondern kann auf unterschiedliche Weise gezielt gesammelt werden. Dabei lassen sich zwei grundsätzliche Vorgehensweisen unterscheiden: eine passive, allmähliche Sammlung im Alltag und eine bewusst gesteuerte Gewinnung größerer Mengen.
Sammlung im Grinder
Die einfachste und verbreitetste Form der Kief-Gewinnung erfolgt beiläufig beim Konsum. Viele Grinder sind mit einem Sieb und einem separaten Sammelfach ausgestattet. Beim Zerkleinern von Cannabisblüten lösen sich durch Reibung einzelne Trichome vom Pflanzenmaterial. Diese fallen durch das Sieb in das untere Fach, während gröbere Bestandteile zurückbleiben.
Auf diese Weise sammelt sich Kief langsam über einen längeren Zeitraum an. Die Methode ist unkompliziert und erfordert keine zusätzliche Vorbereitung. Allerdings ist die Ausbeute begrenzt, und das gesammelte Kief enthält häufig auch sehr feine Pflanzenreste. Es handelt sich eher um eine kontinuierliche Nebenerscheinung des Konsums als um ein gezieltes Herstellungsverfahren.
Gezieltes Sieben von Cannabisblüten
Wer Kief bewusst und in größerer Menge gewinnen möchte, greift zu speziellen Siebmethoden. Dabei werden getrocknete Cannabisblüten über feinmaschige Siebe bewegt oder leicht geschüttelt. Durch die mechanische Belastung lösen sich die spröden Trichome und fallen durch das Sieb, während das Pflanzenmaterial weitgehend zurückgehalten wird.
Diese Methode erlaubt eine stärkere Kontrolle über Reinheit und Menge des Kiefs. Je feiner das Sieb und je vorsichtiger der Vorgang, desto geringer ist der Anteil unerwünschter Pflanzenbestandteile.
Abgrenzung zu wasserbasierten Verfahren
Manche Verfahren zur Trichomgewinnung arbeiten nicht trocken, sondern mit Eiswasser und mehreren Siebstufen. Diese Techniken führen zu wasserbasierten Konzentraten wie Bubble Hash und unterscheiden sich grundlegend von der Kief-Herstellung. Das dabei entstehende Material ist kein Kief im engeren Sinn, sondern bereits ein weiterverarbeitetes Produkt.
Kief bleibt somit das Ergebnis rein mechanischer Trennung – trocken und lösungsmittelfrei.
Kann ich Kief auch einfach kaufen?
In Deutschland ist Kief mit THC derzeit nicht frei im Handel erhältlich und wird auch nicht in Apotheken verkauft. Zwar erlaubt die Gesetzeslage seit der Teillegalisierung den Besitz und Konsum begrenzter Mengen Cannabis für Erwachsene, ein regulärer Verkauf von THC-haltigen Cannabisprodukten an Endverbraucher existiert jedoch nicht. Medizinisches Cannabis kann auf ärztliches Rezept verordnet und in Apotheken abgegeben werden, allerdings sind dort vor allem Blüten und standardisierte Extrakte erhältlich, kein Kief.
Cannabis-Therapie: Kann ich Kief aus medizinischen Cannabisblüten verwenden?
Als Cannabis-Patient:in sollte man Kief nicht ohne ärztliche Rücksprache als Teil seiner Therapie verwenden.
Für eine sichere und regelkonforme Cannabis-Therapie gilt deshalb: Die Verwendung von Kief sollte immer mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgeklärt werden. Andernfalls bewegt man sich außerhalb des vorgesehenen therapeutischen Rahmens.
Eine verlässliche Angabe zum THC-Gehalt von Kief ist nicht möglich. Anders als bei standardisierten Cannabisblüten oder industriell hergestellten medizinischen Cannabis-Extrakten existieren für Kief keine einheitlichen Messreihen, Referenzwerte oder wissenschaftliche Studien.
Der Grund liegt in der Natur des Produkts selbst: Kief ist kein definiertes Erzeugnis, sondern ein Sammelbegriff für Trichommaterial sehr unterschiedlicher Reinheit. Sein THC-Gehalt hängt unter anderem ab von:
der Reinheit des Materials
dem Anteil von Pflanzenresten
der Siebtechnik
dem THC-Gehalt der Ausgangsblüten
Da Kief meist einfachgesammelt oder handwerklich hergestellt wird, variiert seine Zusammensetzung stark. Entsprechend schwanken auch Laboranalysen, sofern sie überhaupt durchgeführt werden.
Was sich lediglich festhalten lässt: Kief enthält mehr THC als die ursprüngliche Cannabisblüte, da es überwiegend aus Trichomen besteht. Wie hoch dieser Gehalt im Einzelfall ist, lässt sich jedoch nicht pauschal angeben.
Zählt Kief zu den Cannabis-Konzentraten?
Ob Kief als Cannabis-Konzentrat gilt, hängt davon ab, wie eng oder weit der Begriff definiert wird.
Im engeren, technischen Sinn: eher nein
Als Cannabiskonzentrate werden meist Produkte bezeichnet, bei denen Wirkstoffe aktiv aus der Pflanze herausgelöst werden – etwa durch:
Lösungsmittel (z. B. Butan, Ethanol)
Druck und Hitze (z. B. Rosin)
Kief entsteht dagegen ausschließlich durch mechanische Trennung. Die Inhaltsstoffe werden nicht extrahiert, sondern lediglich physisch vom Pflanzenmaterial getrennt. In diesem präzisen Sinn ist Kief kein Konzentrat, sondern ein abgetrennter Pflanzenteil.
Im weiteren, alltagssprachlichen Sinn: ja
In vielen regulatorischen, journalistischen und kommerziellen Kontexten gilt bereits jede Form von Cannabis mit deutlich erhöhter Wirkstoffdichte als Konzentrat. Unter dieser weiteren Definition wird Kief häufig mitgezählt, da es im Vergleich zur Cannabisblüte eine klar höhere Konzentration an Cannabinoiden aufweist.
Wofür wird Kief verwendet?
Kief wird auf unterschiedliche Weise genutzt, abhängig von Qualität und Kontext.
Aufgrund seiner Konzentration genügt bereits eine kleine Menge.
Kief vs. Dry Sift – Reinheit als entscheidender Unterschied
Kief bezeichnet grundsätzlich das Pulver aus abgetrennten Trichomen der Cannabispflanze. Wie rein dieses Pulver ist, hängt davon ab, wie es gewonnen wurde.
In der alltäglichen Praxis entsteht Kief oft beiläufig – etwa im Grinder. Dabei lösen sich zwar Trichome, zugleich gelangen jedoch auch feine Pflanzenpartikel in das Sammelfach. Dieses Kief ist wirksam, enthält aber einen messbaren Anteil von Blatt- und Blütenmaterial.
Dry Sift bezeichnet ursprünglich die gezielte Methode des trockenen Siebens. Dabei werden getrocknete Cannabisblüten kontrolliert über fein abgestufte Siebe bewegt. Ziel ist es, möglichst ausschließlich die Trichome zu trennen und Pflanzenmaterial weitgehend auszuschließen. Das Ergebnis ist ein deutlich reineres Kief, das fast nur aus Trichomköpfen besteht.
Im heutigen Sprachgebrauch wird der Begriff Dry Sift jedoch häufig für dieses besonders reine Endprodukt verwendet. Gemeint ist dann nicht mehr das Verfahren, sondern eine Qualitätsstufe von Kief – heller, feiner und wirkstoffreicher als beiläufig gesammeltes Material.
Zusammengefasst lässt sich der Unterschied so beschreiben: Kief ist der Oberbegriff für gesammelte Trichome. Dry Sift steht – fachlich korrekt – für die Methode, im Alltag jedoch für Kief mit besonders geringem Pflanzenanteil. Die Reinheit, nicht die Substanz, ist der entscheidende Unterschied.
Was ist der Unterschied zwischen Kief und Haschisch?
Auch die Abgrenzung zu Haschisch ist eindeutig. Kief ist ungepresst, locker und pulverförmig Haschisch entsteht, wenn Kief durch Druck, Wärme oder beides verdichtet wird.
Haschisch ist also kein anderes Ausgangsmaterial, sondern ein weiterverarbeitetes Produkt. Die chemische Zusammensetzung bleibt ähnlich, die physikalische Form – und damit Handhabung und Konsumerlebnis – verändert sich.
Kurz gesagt: Kief ist die Vorstufe von Haschisch.
Wie lagert man Kief richtig?
Da Kief aus freiliegenden Trichomen besteht, ist es empfindlicher als Blüten. Unsachgemäße Lagerung kann schnell zu Wirkstoff- und Aromaverlust führen.
Grundregeln der Lagerung
luftdicht verschlossen
kühl und dunkel
trocken, aber nicht austrocknend
Feuchtigkeitsregulatoren wie Boveda Packs, die bei Cannabisblüten häufig eingesetzt werden, sind für loses Kief in der Regel nicht geeignet. Sie könnten die Luftfeuchtigkeit im Behälter zu sehr erhöhen und dazu führen, dass das Pulver verklumpt und an Qualität verliert.
Idealerweise wird Kief in kleinen Glasbehältern aufbewahrt, getrennt von Blüten. Licht, Sauerstoff, Wärme und Feuchtigkeit können den Abbau von THC und Terpenen deutlich beschleunigen.
Mit der schrittweisen Neuordnung des Cannabisrechts rücken auch Begriffe wie Kief stärker in den öffentlichen Diskurs. Was lange informell weitergegeben und selten präzise benannt wurde, verlangt zunehmend nach klarer Einordnung – rechtlich, medizinisch und sprachlich. Kief steht dabei exemplarisch für eine Pflanze, deren Nutzung sich zwischen Alltagskonsum, Therapie und Regulierung bewegt.
Ob und wie solche Zwischenprodukte künftig eine definiertere Rolle spielen werden, ist offen. Sicher ist jedoch: Je differenzierter über Cannabis gesprochen wird, desto wichtiger wird das Verständnis seiner Bestandteile. Nicht als Lifestyle-Vokabular, sondern als Voraussetzung für einen sachlichen, verantwortungsvollen Umgang.
FAQ
Ein "Kief-Joint" ist ein "Joint", dem zusätzlich Kief beigemischt wird. Das feine Trichompulver wird meist zusammen mit zerkleinerten Blüten in das Papier gerollt oder als dünne Schicht in den "Joint" gestreut, um potenzielle Wirkung und Aroma zu verstärken. Ein "Kief-Joint" kann deutlich intensiver wirken als ein klassischer "Joint".
Kief wirkt grundsätzlich ähnlich wie Cannabisblüten, jedoch oft intensiver, da es überwiegend aus Trichomen besteht, in denen die wirksamen Inhaltsstoffe konzentriert sind. Die genaue Wirkung lässt sich nicht pauschal festlegen: Sie hängt von der Reinheit des Kiefs, der verwendeten Cannabissorte sowie von individueller Verträglichkeit und Dosierung ab. Typisch ist, dass bereits kleine Mengen spürbare Effekte hervorrufen können, weshalb Kief von Nutzenden oft als stärker wahrgenommen wird als die Blüte selbst.
Kief bezeichnet eine feines Pulver, das überwiegend aus Trichomen der Cannabispflanze besteht. Skuff ist kein klar definierter Fachbegriff, sondern ein umgangssprachlicher Ausdruck, der meist für weniger reines, gröberes Kief verwendet wird – häufig aus dem Grinder, mit höherem Anteil an Pflanzenmaterial.
Kurz gesagt: Kief ist der sachliche Oberbegriff, Skuff eine informelle Bezeichnung für Kief niedrigerer Qualität.
Cannabisblüten kaufen: Alles, was Patienten für 2026 wissen sollten
Seit der Teillegalisierung im Jahr 2024 hat sich vieles verändert – und doch bleibt der Zugang zu Medizinal-Cannabis für viele undurchsichtig. Wer legal Cannabisblüten kaufen möchte, sieht sich mit Diagnosen, Formularen und Fachbegriffen konfrontiert – und mit einem Markt, der streng reguliert, aber noch kaum erklärt ist. Dieser Artikel zeigt, wer theoretisch Cannabisblüten auf Rezept erwerben darf, wie der Weg dorthin aussehen kann, welche Sorten in Apotheken verfügbar sind – und worauf Patient:innen bei der Anwendung achten sollten.
Cannabisblütensind die getrockneten, harzhaltigen Blüten der weiblichen Cannabispflanze – Sie enthalten Cannabinoide wie THC und CBD und werden medizinisch oder auch freizeitlich genutzt.
Medizinisches Cannabis ist legal, aber verschreibungspflichtig – Cannabisblüten mit THC können bei bestimmten Erkrankungen auf Rezept erworben werden.
Telemedizin vereinfacht den Zugang – Spezialisierte Plattformen bieten digitale Sprechstunden und vermitteln Rezepte sowie Apotheken mit Live-Beständen.
Cannabisblüten sind standardisierte Arzneimittel – Die Produkte unterliegen strengen Qualitätskontrollen und werden unter anderem nach THC-/CBD-Gehalt ausgewählt.
Die Wirkung hängt von Sorte, Anwendung und Dosierung ab – Eine individuelle ärztliche Begleitung ist essenziell.
Es beginnt mit einem Rezept. Ein paar Zeilen auf speziellem Papier, unterschrieben von einem Arzt oder einer Ärztin. Was folgt, ist mehr als ein Einkauf: Es ist ein Ausflug in ein medizinisches System, das sich im Umbau befindet – und in eine Kultur, die zwischen Neugier und Unsicherheit schwankt. Cannabisblüten zu kaufen ist heute legal – aber noch lange nicht alltäglich.
Cannabis – ein Stoff, zwei Welten
Die Cannabisblüte ist heute Symbol für zwei gegensätzliche Realitäten: Auf der einen Seite stehen kranke Patient:innen, die das getrocknete Pflanzenmaterial als Schmerzmittel oder Schlafhilfe nutzen. Auf der anderen Seite steht eine Konsumkultur, die lange im Schatten des Strafrechts existierte – und die nun, nach Jahrzehnten der Illegalität, vorsichtig ins Licht tritt.
Seit dem 1. April 2024 ist der Besitz und Anbau bestimmter Mengen Cannabis in Deutschland entkriminalisiert. Doch Cannabisblüten legal kaufen, das geht nach wie vor nur in Apotheken unter Vorlage eines gültigen Rezepts dafür. Denn THC ist in Deutschland nicht frei verkäuflich.
Medizinal-Cannabis auf Rezept: Wie man heute legal Cannabisblüten mit THC erhalten kann
Wer in Deutschland Cannabisblüten mit THC legal erwerben möchte, kann dies seit dem Frühjahr 2017 auch auf Rezept tun – allerdings nicht im Vorbeigehen. Der Zugang zu medizinischem Cannabis auf Rezept ist möglich, aber er folgt einem klar geregelten, mitunter komplexen Verfahren. Es beginnt mit der Diagnose – und endet in einer Apotheke, die weiß, wie man Blüten lagert, prüft und dosiert.
Die medizinische Indikation: Voraussetzung für ein Cannabis-Rezept
Medizinisches Cannabis ist kein Allheilmittel. Und doch könnte es für Patient:innen ein Weg sein, chronisches Leiden zu lindern. Voraussetzung für ein Rezept ist eine sogenannte „schwerwiegende Erkrankung“. Darunter fallen unter anderem:
Chronische Schmerzen (z. B. neuropathischer oder tumorbedingter Art)
Multiple Sklerose mit Spastik
Appetitlosigkeit und Übelkeit im Rahmen einer Chemotherapie
Angststörungen und Schlafstörungen, insbesondere wenn herkömmliche Therapien versagen
Tourette-Syndrom, Epilepsie, Colitis ulcerosa oder Migräne
Ärzt:innen und Telemedizin: Ein wachsendes Netzwerk spezialisierter Anbieter
Lange galt: Wer medizinisches Cannabis wollte, musste erst einmal eine:n Ärzt:in finden, die oder der bereit war, es zu verschreiben. Viele Patient:innen scheiterten – an Vorurteilen, Unwissen oder schlichtem Zeitmangel in der Praxis. Vor allem, weil Cannabis bis zur Teillegalisierung 2024 noch auf einem Betäubungsmittelrezept ausgestellt wurde.
Heute ist das anders. Neben klassischen Haus- oder Fachärzt:innen gibt es inzwischen ein wachsendes Netz an Telemedizin-Plattformen, die sich auf Cannabistherapien spezialisiert haben. Die Telemediziner bieten Online-Fragebögen und digitale Sprechstunden mit ärztlicher Beratung, inklusive Diagnostik, Dokumentation und Rezeptausstellung. Cannabis-Rezepte werden zu den Patient:innen nach hause geschickt oder direkt an spezialisierte Apotheken übermittelt. Die Lieferung der verschriebenen Cannabisprodukte (Blüten, Extrakte, Konzentrate, Destillate etc.) erfolgt bis zur Haustür.
Tim Dresemann, Cannabis-Experte & Sommelier bei avaay Medical, ergänzt:
"Diese neuen Versorgungswege haben insbesondere für chronisch Kranke auf dem Land oder mobilitätseingeschränkte Patient:innen eine enorme Bedeutung. Viele Anbieter arbeiten zudem mit Partner-Apotheken zusammen, die Live-Bestände anzeigen – inklusive Sorten, THC- und CBD-Gehalt, Verfügbarkeit und Lieferzeit."
Cannabisblüten aus der Apotheke
Es gibt eine Vielzahl an Cannabisblüten in Apotheken. Hier tragen sie keine klangvollen Fantasienamen wie im Freizeitbereich, sondern nüchterne Bezeichnungen wie:
Avaay Signature 23/1
Zoiks 22/1 PYB
Avaay 27/1 MIM
Avaay Khalifa 32/1 KK
Die Zahlen geben den Gehalt an THC und CBD in Prozent an – 23/1 bedeutet 23 % THC und 1 % CBD.
Alle medizinischen Cannabisblüten stammen aus kontrolliertem pharmazeutischem Anbau – oft in Kanada, den Niederlanden oder Portugal. Sie werden geprüft auf Reinheit, Schimmel, Pestizide und Gehaltsschwankungen, bevor sie die Apotheke erreichen. Das Arzneimittelgesetz macht hier keinen Unterschied: Cannabisblüten unterliegen denselben Standards wie jedes andere Medikament.
Preise und Kostenerstattung: Ein Graubereich
Die Preise variieren je nach Sorte, Hersteller, Importweg und Apothekenaufschlag – zwischen 6 und 25 Euro pro Gramm sind üblich. Die gute Nachricht: Gesetzlich Versicherte können sich die Behandlung erstatten lassen – allerdings nur nach vorherigem Antrag bei der Krankenkasse. Und der wird nicht immer bewilligt.
Privatversicherte haben in der Regel bessere Chancen, allerdings hängt auch hier viel vom Vertrag und der medizinischen Begründung ab. Wer keine Erstattung erhält, muss die Behandlung selbst finanzieren.
Pflanzenkunde: Alles Wissenswerte über Cannabisblüten
Doch Cannabisblüten sind natürlich mehr als ein medizinisches Produkt. In erster Linie sind sie Teil einer bemerkenswerten Pflanze, die nicht nur wegen ihrer Wirkung, sondern auch aufgrund ihrer biologischen Beschaffenheit spannend ist. Sie bildet sowohl männliche als auch weibliche Blüten aus, die je nach Sorte entweder gemeinsam auf einer Pflanze oder getrennt auf männlichen und weiblichen Pflanzen wachsen.
Für den Anbau mit medizinischer Zielsetzung interessieren sich Züchterinnen und Züchter fast ausschließlich für die weiblichen Pflanzen. Der Grund: Die männlichen Blüten enthalten nur geringe Mengen der wirksamen Cannabinoide – ihre psychoaktive oder therapeutische Wirkung ist entsprechend schwach. Für medizinische Anwendungen sind sie daher von untergeordneter Bedeutung.
Allerdings haben auch sie ihren Platz: Die Fasern der männlichen Pflanzen gelten als robust und eignen sich hervorragend für die Herstellung von Textilien – ein klassisches Beispiel für die vielseitige Nutzbarkeit von Hanf.
Ganz anders die weiblichen Blüten: Sie enthalten eine deutlich höhere Konzentration an Wirkstoffen und bilden damit die Grundlage für viele medizinisch eingesetzte Cannabisprodukte.
Die Inhaltsstoffe
Die Blüten der Cannabispflanze sind ein komplexer Cocktail aus biologischen Substanzen, deren Zusammenspiel im sogenannten Entourage-Effekt besonders wirksam sein soll. Der Entourage-Effekt ist allerdings noch Gegenstand aktueller Forschung.[1] Es sind vor allem zwei Cannabinoide, die bisher im öffentlichen Diskurs und in der medizinischen Anwendung im Mittelpunkt stehen: THC und CBD.
THC
Tetrahydrocannabinol (THC) ist der bekannteste psychoaktive Wirkstoff der Pflanze – jener Stoff, der Cannabis seinen Ruf als Rauschmittel eingebracht hat. THC bindet an den Cannabinoidrezeptor CB1 und entfaltet dort seine Wirkung auf Gehirn und Körper.
CBD
Im Gegensatz dazu ist Cannabidiol (CBD) kein Rauschmittel, sondern legal erhältlich – vorausgesetzt, das Produkt enthält nicht mehr als 0,2 Prozent THC. CBD wird vor allem eine entspannende und entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben.[2,3] Für viele Anwender:innen ist es genau dieser sanfte Effekt, der CBD attraktiv macht – auch ohne Rezept.
Weitere Cannabinoide und Terpene
Neben THC und CBD enthält die Cannabispflanze über hundert weitere Cannabinoide, ergänzt durch Terpene – flüchtige Duftstoffe, die nicht nur das charakteristische Aroma der Pflanze prägen, sondern ebenfalls Einfluss auf die Wirkung nehmen könnten. Auch hier gilt: Die Forschung ist noch nicht abgeschlossen.[4]
Cannabinoide entfalten ihre Wirkung nicht unmittelbar. Vor allem THC liegt in frischen Blüten in seiner Vorstufe THCA vor – eine Verbindung ohne psychoaktive Wirkung. Erst durch Erhitzen, die sogenannte Decarboxylierung, wird das wirksame THC freigesetzt.
Die optimale Temperatur liegt dabei zwischen 100 und 120 Grad Celsius. Überhitzung ist zu vermeiden – denn dabei könnten empfindliche Terpene verloren gehen. In der Praxis erfolgt die Decarboxylierung meist beim Konsum selbst, etwa beim Vaporisieren. In einigen Fällen jedoch wird sie bereits während der Arzneimittelherstellung durchgeführt.
Die Art der Einnahme beeinflusst die Wirkung erheblich: Während die orale Einnahme eine verzögerte, aber langanhaltende Wirkung erzeugen kann, kann inhaliertes THC schneller, aber kürzer wirken.
Dosierung: individuell, nicht intuitiv
Die Dosierung von Cannabisblüten verlangt Sorgfalt – und sollte stets in Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt erfolgen. Denn sowohl die Potenz der Sorte als auch die Art der Einnahme haben Einfluss auf Wirkung und Dauer.
FAQ
HHC-Blüten sind getrocknete Hanfblüten, die mit Hexahydrocannabinol (HHC) – einem halbsynthetischen Cannabinoid – angereichert wurden. Anders als natürliche THC-Blüten enthalten sie kein natürlich vorkommendes HHC, sondern werden nachträglich damit versetzt.
Nein. Seit dem 27. Juni 2024 ist es in Deutschland strafbar, HHC-Blüten zu kaufen, zu verkaufen, zu importieren oder zu exportieren. Auch Onlinehandel und Postversand sind betroffen. Der Besitz und Konsum von HHC-Blüten bleibt weiterhin legal.
💡Unser Tipp:
Mehr zum Thema findest du in unserem Artikel "Hype vorbei: Darum hat Deutschland HHC verboten".
Super Citra G. ist eine Cannabissorte, die durch ihre Hybrid-Genetik und ihr ausgeprägtes Aromaprofil auffällt. Mit ihrem hohen THC-Gehalt richtet sie sich vor allem an erfahrene Nutzende. Ein genauer Blick zeigt, wie Herkunft, Anbau und Terpene diese Sorte prägen.
Auf einen Blick: Super Citra G.
Genetik: Hybrid, Sativa dominant
Eltern: Ultra Sour × Lemon Margy
THC: 27-35 %
CBD: ≤ 1 %
Terpene: Limonen, Pinene, β-Caryophyllen
Super Citra G. ist ein sativa-dominanter Hybrid, dessen genetische Herkunft bereits viel über seinen Charakter verrät. Die Sorte ist eine Kreuzung aus den Eltern "Ultra Sour" und "Lemon Margy" – eine Mischung, die bei einigen Nutzenden Erinnerungen an traditionsreiche Haze-Sorten wachrufen könnte.
Mit einem THC-Gehalt von bis zu 35 Prozent gehört Super Citra G. zu den hochpotenten Sorten. Entsprechend richtet sie sich vor allem an erfahrene Cannabis-Patient:innen, die mit starken Wirkprofilen vertraut sind.
Nahaufnahme einer getrockneten Super Citra G Blüte mit hohem Trichombesatz.
Grower
Super Citra G. wird für den medizinischen Einsatz und für avaay Medical unter anderem von Organigram Inc. produziert. Organigram gehört zu jenen Unternehmen der kanadischen Cannabisbranche, die früh verstanden haben, dass es bei dieser Pflanze um mehr geht als um Wirkstoffzahlen. Gegründet 2013 in Moncton, New Brunswick, begann Organigram als Anbieter von medizinischem Cannabis. Heute positioniert sich das Unternehmen als globaler Akteur, der Cannabis nicht nur produziert, sondern kulturell und industriell mitgestalten will.
Im Mittelpunkt steht der kontrollierte Indoor-Anbau. Die zentrale Produktionsanlage in Moncton erstreckt sich über rund 14 Hektar – ein in sich geschlossenes System aus sortenspezifischen Anbauräumen, fein abgestimmten Mikroklimata und präzise gesteuerten Wachstumsbedingungen.
“Wir sind glücklich, dass wir unser Versprechen von Qualität, Konsistenz und einem sich ständig weiterentwickelnden, verbraucherorientierten Sortiment konsequent einhalten",
so Tim Emberg, President von Organigram Canada. Qualität und Konsistenz sind hier das Ergebnis technischer und agronomischer Detailarbeit. Ergänzt wird die Hauptanlage durch weitere moderne Standorte in mehreren kanadischen Provinzen.
Doch Organigram versteht sich nicht allein als Produzent. Das Unternehmen investiert gezielt in Forschung, Produktentwicklung und nachhaltige Prozesse – mit dem Anspruch, Cannabis neu zu denken: als reguliertes Therapiegut, als Gegenstand wissenschaftlicher Auseinandersetzung und als Teil eines gesellschaftlichen Wandels. Internationale Partnerschaften sollen diese Perspektive über Kanada hinaus tragen.[1]
Qualität
Cannabispflanzen für den medizinischen Gebrauch werden nach GACP-Standards kultiviert und unter GMP-Vorgaben weiterverarbeitet – also nach jenen strengen Kriterien, die auch für Arzneimittel gelten. avaay Medical prüft dabei kontinuierlich, ob die Hersteller diese Anforderungen zuverlässig erfüllen.
Aroma: Geruch & Geschmack von Super Citra G.
Das Aromaprofil von Super Citra G erschließt sich vor allem über seine Terpene. Im Vordergrund stehen Limonen, Pinene und β-Caryophyllen – eine Kombination, die der Sorte ihre prägnante, zugleich vielschichtige Note verleiht.
Limonen sorgt für eine deutlich wahrnehmbare Zitrusfrische, die an Zitrone und Grapefruit erinnert.
Pinene bringt eine kühle, harzige Komponente ins Spiel, mit Anklängen von Kiefernnadeln und frischem Wald.
β-Caryophyllen schließlich verleiht dem Aroma eine würzige Tiefe, leicht pfeffrig, erdend und strukturierend.
Zusammen ergibt sich ein klares, lebendiges Duftbild: frisch und hell im Auftakt, getragen von einer trockenen, würzigen Basis.
Tim Dresemann, Cannabis-Sommelier der Sanity Group, hat Super Citra G direkt im Anbau bei Organigram erlebt. Sein Eindruck: "Ich mag einfach diesen stechenden Zitrusgeruch, der ganz leicht in die Haze-Richtung geht. Sieht gut aus hier im Anbauraum, schön homogener Bestand. Der Geruch ist natürlich ziemlich intensiv, wenn man in so einen Raum kommt. Der ist auch noch mal anders als das fertige Produkt. Die frische Pflanze riecht ja immer noch mal anders. Aber man erkennt schon, in welche Richtung es geht und dass es ziemlich intensiv wird."[2]
Unser Tipp: Weitere Eindrücke vom Besuch bei Organigram teilt Tim Dresemann auf seinem YouTube-Kanal.
Super Citra G.: Mögliche Wirkung
Die potenzielle Wirkung von Super Citra G. lässt sich unter anderem über die in der Sorte dominierenden Terpene einordnen.
Limonen wird in Studien häufig mit stimmungsaufhellenden und antidepressiven Eigenschaften assoziiert.[3]
Pinene werden wissenschaftlich unter anderem im Zusammenhang mit positiven Effekten auf Konzentration, Gedächtnisleistung und auf ihre entzündungshemmenden Prozessen untersucht.[4,5,6,7] Zudem gibt es Hinweise auf eine schützende Wirkung im Magen-Darm-Bereich.[8]
β-Caryophyllen wiederum wird in der Forschung vor allem wegen seiner entzündungshemmenden Eigenschaften untersucht.[9]
Wie stark und in welcher Form sich diese Effekte im Einzelfall zeigen, hängt jedoch von vielen Faktoren ab – darunter Dosierung, individuelle Reaktion und Gesamtkontext der Anwendung.
FAQ
Ist die Cannabissorte Super Citra G. Sativa oder Indica?
Super Citra G. ist ein sativa-dominanter Hybrid. Die Sorte vereint genetische Anteile von Sativa- und Indica-Pflanzen, weist in ihrer Ausprägung jedoch eine klare Sativa-Tendenz auf.
Woran erkenne ich, ob eine Cannabisblüte Super Citra G. ist?
Eine Cannabisblüte lässt sich nicht eindeutig allein am Aussehen als Super Citra G. identifizieren. Zwar können Merkmale wie ein frisches, zitrusbetontes Aroma, dichte Blütenstruktur oder eine starke Harzbildung Hinweise geben, diese Eigenschaften kommen jedoch auch bei vielen anderen Sorten vor.
Verlässliche Sicherheit bietet nur die Herkunft: Bei medizinischem Cannabis ist die Sorte über Etikettierung, Chargenangaben und Analysezertifikate eindeutig ausgewiesen. Ohne diese Informationen – etwa im nicht-medizinischen Kontext – ist eine sichere Zuordnung kaum möglich.
Welche ist die stärkste medizinische Cannabissorte?
Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Eine „stärkste“ medizinische Cannabissorte existiert nicht, da Wirkung nicht allein vom THC-Gehalt abhängt. Zwar werden Sorten mit sehr hohen THC-Werten (teils über 30 %) oft als besonders stark wahrgenommen, entscheidend sind jedoch auch Faktoren wie Terpenprofil, individuelle Verträglichkeit, Dosierung und Anwendungsform.
Was für eine Person als stark empfunden wird, kann für eine andere zu intensiv oder ungeeignet sein. In der medizinischen Therapie geht es daher weniger um maximale Potenz als um eine Sorte, die zum jeweiligen Krankheitsbild und zur Person passt. Welches Cannabis auf Rezept verwendet wird, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
[2] Dresemann, T. (22.01.2026). Warum F1-Hybride die Zukunft sind: High-Tech Anbau bei Organigram – Kanada Pt.2 [Video]. In: Toking Tim. YouTube: https://youtu.be/rkLlxcRZ4fM?si=sh9e4_H17Gtvaxgb
[3] Komori, T et al. “Effects of citrus fragrance on immune function and depressive states.” Neuroimmunomodulation vol. 2,3 (1995): 174-80.
[4] Khan-Mohammadi-Khorrami, Mohammad-Kazem et al. “Neuroprotective effect of alpha-pinene is mediated by suppression of the TNF-α/NF-κB pathway in Alzheimer's disease rat model.” Journal of biochemical and molecular toxicology vol. 36,5 (2022): e23006.
[5] Lee, Gil-Yong et al. “Amelioration of Scopolamine-Induced Learning and Memory Impairment by α-Pinene in C57BL/6 Mice.” Evidence-based complementary and alternative medicine : eCAM vol. 2017 (2017): 4926815.
[6] Khoshnazar, Mahdieh et al. “Alpha-pinene exerts neuroprotective effects via anti-inflammatory and anti-apoptotic mechanisms in a rat model of focal cerebral ischemia-reperfusion.” Journal of stroke and cerebrovascular diseases : the official journal of National Stroke Association vol. 29,8 (2020): 104977.
[7] Santos, Enaide Soares, et al. "Potential anti-inflammatory, hypoglycemic, and hypolipidemic activities of alpha-pinene in diabetic rats." Process Biochemistry 126 (2023): 80-86.
[8] Salehi, Bahare et al. “Therapeutic Potential of α- and β-Pinene: A Miracle Gift of Nature.” Biomolecules vol. 9,11 (2019): 738.
[9] Basile, Aulus Conrado, et al. "Anti-inflammatory activity of oleoresin from Brazilian Copaifera." Journal of Ethnopharmacology 22.1 (1988): 101-109.
Cannabis-Strain: Sour Cherry Punch
Sour Cherry Punch ist eine Cannabissorte, die durch ihre Indica-dominante Genetik, ihren hohen THC-Gehalt und ein fruchtbetontes Aromaprofil auffällt. Ein genauer Blick zeigt, wie Genetik, Anbau und Terpene diese Sorte prägen.
Auf einen Blick: Sour Cherry Punch
Genetik: Hybrid, Indica dominant
Eltern: Sour OG Cheese × Black Cherry Punch
THC: 26-34 %
CBD: ≤ 1 %
Terpene: β-Caryophyllen, Limonen, Linalool
Sour Cherry Punch ist ein indica-dominanter Hybrid, der durch die Kreuzung von "Sour OG Cheese" und "Black Cherry Punch" entstanden ist.
Die Sorte weist einen sehr hohen THC-Gehalt von bis zu 34 % sowie einen CBD-Gehalt von unter 1 % auf, was sie besonders für erfahrene Cannabis-Patient:innen geeignet machen könnte. Die kompakten, harzreichen Blüten zeichnen sich durch eine deutliche Trichomschicht aus, die für die hohe Potenz dieser Sorte mitverantwortlich ist.
Grower
Sour Cherry Punch wird für den medizinischen Einsatz und für avaay Medical unter anderem von Organigram Inc. produziert.
Das kanadische Unternehmen zählt zu den Produzenten, die Cannabis schon früh nicht allein als Wirkstoffträger, sondern als komplexe Pflanze verstanden haben. Organigram wurde 2013 in Moncton, New Brunswick, gegründet und begann seine Tätigkeit im medizinischen Cannabissektor. Heute agiert das Unternehmen international und verfolgt den Anspruch, die Branche sowohl technologisch als auch strukturell weiterzuentwickeln.
Zentral ist dabei der streng kontrollierte Indoor-Anbau. Die Hauptanlage in Moncton umfasst rund 14 Hektar und ist als geschlossenes Produktionssystem konzipiert. Sortenspezifische Anbauräume, individuell gesteuerte Mikroklimata und präzise abgestimmte Wachstumsparameter bilden die Grundlage für gleichbleibende Qualität.
„Wir sind glücklich, dass wir unser Versprechen von Qualität, Konsistenz und einem sich ständig weiterentwickelnden, verbraucherorientierten Sortiment konsequent einhalten“, so Tim Emberg, President von Organigram Canada.
Präzision als Prinzip
Die gleichbleibenden Ergebnisse sind das Resultat detaillierter agronomischer Planung und technischer Steuerung. Neben dem Standort in Moncton betreibt Organigram weitere moderne Produktionsanlagen in mehreren kanadischen Provinzen.
Über den reinen Anbau hinaus investiert das Unternehmen gezielt in Forschung, Produktentwicklung und nachhaltige Produktionsprozesse. Organigram versteht Cannabis dabei als reguliertes Therapiegut und als Forschungsgegenstand. Internationale Kooperationen sollen diese Perspektive auch über den kanadischen Markt hinaus verankern.[1]
Unser Tipp: Tim Dresemann, Cannabis-Sommelier der Sanity Group, hat Organigram in Kanada einen Besuch abgestattet und auch begutachtet, wie dort Sour Cherry Punch für avaay Medical angebaut wird.[2] Seine Eindrücke teilt er auf seinem YouTube-Kanal:
Qualität
Cannabispflanzen für den medizinischen Gebrauch werden nach GACP-Standards kultiviert und unter EU-GMP-Vorgaben weiterverarbeitet – also nach jenen strengen Kriterien, die auch für Arzneimittel gelten. avaay Medical prüft dabei kontinuierlich, ob die Hersteller diese Anforderungen zuverlässig erfüllen.
Aroma: Geruch & Geschmack von Sour Cherry Punch
Die Kirschanklänge und Beerennoten von Sour Cherry Punch lassen sich vor allem durch das Zusammenspiel seiner dominierenden Terpene erklären.
Limonen und Linalool tragen zu fruchtigen, leicht süßlichen und weichen Aromaeindrücken bei, die an reife Beeren und Kirschen erinnern können.
β-Caryophyllen und Humulen ergänzen dieses Profil um würzige, erdige und leicht holzige Noten, die den Fruchtaromen Tiefe und Struktur verleihen.
Myrcen schließlich kann die fruchtigen Eindrücke abrunden und ihnen eine dunklere, vollere Anmutung geben.
Sour Cherry Punch: Mögliche Wirkung
Sour Cherry Punch kann seine potenzielle Wirkung unter anderem durch seinen THC-Gehalt entfalten. THC wird unter anderem mit schmerzlindernden, übelkeitshemmenden, appetitanregenden und schlaffördernden Eigenschaften in Verbindung gebracht.[9,10]
Die mögliche individuelle Wirkung von Sour Cherry Punch wird häufig über das Terpenprofil erklärt. Terpene sind Duftstoffe der Cannabispflanze, die nicht nur das Aroma prägen, sondern auch Einfluss darauf haben könnten, wie eine Sorte wahrgenommen wird.
β-Caryophyllen wird in der Forschung vor allem im Zusammenhang mit entzündungshemmenden Eigenschaften untersucht. [3]
Limonen wird häufig mit einer aufhellenden Wirkung auf die Stimmung in Verbindung gebracht.[4]
Linalool wird unter anderem mit beruhigenden, angstlösenden und schmerzlindernden Eigenschaften assoziiert. In Studien wird es zudem im Zusammenhang mit entspannenden und ausgleichenden Effekten betrachtet.[5,6,7,8]
Wie sich diese Eigenschaften im Einzelfall auswirken, kann jedoch sehr unterschiedlich sein. Entscheidend sind unter anderem Dosierung, individuelle Reaktion und der jeweilige Anwendungskontext.
Tim Dresemanns Urteil zu der Cannabis-Sorte:
"Meiner Meinung nach ein extrem solider Strain mit ordentlichem THC-Gehalt, der – finde ich – gut funktioniert. "[2]
FAQ
Ist Sour Cherry Punch Indica oder Sativa?
Sour Cherry Punch ist ein indica-dominanter Hybrid. Die Sorte vereint genetische Anteile von Indica- und Sativa-Pflanzen, zeigt in ihrer Ausprägung jedoch eine klare Indica-Tendenz.
Woran erkenne ich eine Cannabisblüte der Sorte Sour Cherry Punch?
Eine Cannabisblüte lässt sich nicht allein anhand von Aussehen oder Geruch eindeutig als Sour Cherry Punch identifizieren. Zwar können Merkmale wie kompakte, harzreiche Blüten, ein fruchtig-kirschiges Aroma oder eine ausgeprägte Trichomschicht Hinweise liefern, diese Eigenschaften kommen jedoch auch bei vielen anderen Sorten vor.
Verlässliche Sicherheit bietet nur die Herkunft: Bei medizinischem Cannabis ist die Sorte eindeutig über Etikettierung, Chargenangaben und Analysezertifikate ausgewiesen. Ohne diese Angaben ist eine sichere Zuordnung meist nicht möglich.
Ist Sour Cherry Punch eine Medizinalcannabis-Sorte?
Ja, Sour Cherry Punch ist als medizinische Cannabissorte erhältlich, zum Beispiel über Anbieter wie avaay Medical. In diesem Kontext wird sie unter klaren Qualitätsstandards produziert.
[3] Basile, Aulus Conrado, et al. "Anti-inflammatory activity of oleoresin from Brazilian Copaifera." Journal of Ethnopharmacology 22.1 (1988): 101-109.
[4] Komori, T et al. “Effects of citrus fragrance on immune function and depressive states.” Neuroimmunomodulation vol. 2,3 (1995): 174-80.
[5] Harada, Hiroki, et al. "Linalool odor-induced anxiolytic effects in mice." Frontiers in Behavioral Neuroscience (2018): 241.
[6] Gastón, María Soledad, et al. "Sedative effect of central administration of Coriandrum sativum essential oil and its major component linalool in neonatal chicks." Pharmaceutical biology 54.10 (2016): 1954-1961.
[7] Taşan, Emel, Ozlem Ovayolu, and Nimet Ovayolu. "The effect of diluted lavender oil inhalation on pain development during vascular access among patients undergoing haemodialysis." Complementary Therapies in Clinical Practice 35 (2019): 177-182.
[8] Guzmán-Gutiérrez, Silvia Laura et al. “Linalool and β-pinene exert their antidepressant-like activity through the monoaminergic pathway.” Life sciences vol. 128 (2015): 24-9.
[9] Whiting, P. F. et al. Cannabinoids for medical use: A systematic review and meta-analysis. JAMA - J. Am. Med. Assoc. 313, 2456–2473 (2015).
[10] Abrams, Donald I. "The therapeutic effects of Cannabis and cannabinoids: An update from the National Academies of Sciences, Engineering and Medicine report." European journal of internal medicine 49 (2018): 7-11.
Tabak-Ersatz beim Cannabis-Konsum
Immer mehr Menschen möchten Cannabis ohne klassischen Tabak konsumieren – aus gesundheitlichen Gründen, wegen des Geschmacks oder schlicht, weil sie ohne Nikotin auskommen wollen. Der Markt reagiert mit Kräutermischungen, Aroma-Blends und tabakfreien Alternativen. Doch wie sinnvoll sind diese Produkte? Was sagt die Forschung über ihre Risiken? Und welche Optionen gibt es jenseits des Rauchens überhaupt? Der folgende Überblick ordnet ein, was beim Thema Tabakersatz heute bekannt ist und was nicht.
Tabakersatz ist nicht automatisch gesünder als klassischer Tabak: Auch beim Verbrennen tabakfreier Kräuter entstehen Schadstoffe wie Kohlenmonoxid und aromatische Kohlenwasserstoffe. Aber: Es besteht kein Suchtpotenzial durch Nikotin.[1]
Kräutermischungen wirken harmlos, sind es aber nicht zwingend: Viele halten sie für eine „sanftere“ Option, doch wissenschaftliche Belege für einen gesundheitlichen Vorteil fehlen bislang.[2]
Vaporizer können Risiken senken, aber nicht ausschalten: Durch Verdampfen statt Verbrennen entstehen weniger Schadstoffe. Deshalb greifen auch viele Cannabis-Patient:innen zu dieser Methode. Dennoch ist auch diese Methode nicht vollständig unbedenklich.[3]
Tabakersatz: "Joint" rauchen ohne klassischen Tabak?
Wer beim Cannabiskonsum auf Tabak verzichten möchte, hat mehrere Alternativen. Am verbreitetsten sind tabakfreie Kräutermischungen – etwa aus Himbeerblättern, Mullein (Königskerze), Damiana oder Pfefferminze. Sie enthalten kein Nikotin, brennen in der Regel gleichmäßig und lassen sich ähnlich mischen wie Tabak.
Ebenfalls möglich sind reine Cannabis-Joints, also ganz ohne Beimischungen. Viele Konsument:innen nutzen zudem Vaporizer, die Cannabis nur erhitzen statt verbrennen. Dazu weiter unten im Artikel mehr.
Kurz gesagt: Wer Tabak ersetzen will, findet heute eine breite Auswahl an Kräutern und Geräten, die Konsum oder Einnahme von Cannabis tabakfrei ermöglichen.
Knaster, Real Leaf, Bobby Green: Tabakersatz-Marken
Tabakersatzprodukte klingen häufig, als seien sie geradewegs dem Kräutergarten entsprungen. Einige Marken haben sich bereits im deutschsprachigen Raum etabliert. Jede mit eigener Zusammensetzung und geschmacklicher Ausrichtung.
Knaster: Knaster ist eine der traditionsreicheren Marken und bietet eine ganze Reihe unterschiedlicher Kräuterkombinationen. Die Varianten unterscheiden sich durch ihr Aroma und durch die Kräuter, die jeweils im Vordergrund stehen. Einige Beispiele:
Special Quality: Damiana, Hopfen, Weinblätter, fermentierte Brombeerblätter, Tonkabohne
Red: Mischung aus Rotklee, Yerba Santa, Löwenzahn und fermentierten Brombeerblättern
Cherry: Wie „Red“, ergänzt um ein Kirscharoma
Hemp: Holunderblätter, Rotklee, Löwenzahn, Helmkraut – mit Hanf-Aroma, aber ohne THC
Fresh: Kräuter mit Minze, Brombeerblättern und Menthol
Real Leaf: Real Leaf verzichtet auf Tabak, Nikotin, CBD und THC. Die Marke bietet verschiedene Profile an – von kräuterbetonten Mischungen mit Damiana bis zu Varianten mit Minze oder Kamille. Einige Produkte orientieren sich zudem an bekannten Cannabis-Terpenprofilen wie „Bubba Kush“.
Bobby Green: Eine der schlichteren Mischungen auf dem Markt. Die Kräuter sind fein zerkleinert, der Geschmack bleibt zurückhaltend. Viele nutzen Bobby Green deshalb, wenn sie ihr Cannabis möglichst neutral ergänzen möchten.
Greengo: Greengo setzt auf eine eher frische Note. Die Mischung basiert auf Papaya, Minze und Eukalyptus und gehört zu den Produkten, die schon länger als Tabakersatz kursieren.
Mellow Yellow: Eine tabak- und nikotinfreie Mischung, die komplett ohne psychoaktive Wirkstoffe auskommt. Die Grundlage bilden verschiedene Blätter und Blüten, etwa Holunder, Rotklee und Löwenzahn, ergänzt durch ein Hanfaroma.
Forschung: Ist Tabak-Ersatz ohne Nikotin wirklich die gesunde Alternative zu herkömmlichem Tabak?
"Tabakersatz gilt vielen als die „sanftere“ Wahl: kein Nikotin, ein milderer Geschmack, ein Rauch, der weniger kratzt. Doch dieser Eindruck hält einer wissenschaftlichen Überprüfung bislang kaum stand"
erklärt Jennifer Plankenbühler, Lead Medical PR bei avaay.
Laboranalysen zeigen, dass beim Verbrennen auch rein pflanzlicher Mischungen schädliche Verbrennungsprodukte entstehen – darunter Kohlenmonoxid und verschiedene aromatische Kohlenwasserstoffe, die man ebenfalls aus klassischem Tabakrauch kennt. Nikotin fehlt zwar, doch das macht den Rauch nicht automatisch weniger belastend oder gesundheitlich unbedenklich.[1]
Auffällig ist zudem die Wahrnehmung der Nutzer:innen. Eine US-Studie zeigt, dass viele Menschen Kräuterprodukte spontan als „harmloser“ einstufen – oft ohne sich auf wissenschaftliche Daten stützen zu können. Die Forschung liefert dafür bislang keinen belastbaren Beleg.[2]
"Gleichzeitig muss man festhalten: Die Studienlage ist insgesamt dünn", so Jennifer Plankenbühler. "Es gibt nur wenige Untersuchungen, und vor allem Langzeitdaten fehlen vollständig. Wie stark Kräutermischungen die Atemwege, das Herz-Kreislauf-System oder die Lunge tatsächlich belasten, lässt sich derzeit nur eingeschränkt beurteilen. Sicher ist lediglich: Auch pflanzlicher Rauch ist Rauch – und damit kein gesundheitlich neutrales Produkt."
Vaporizer: Eine mögliche Alternative zu Tabakprodukten
Wer den Rauch ganz hinter sich lassen will, stößt früher oder später auf Vaporizer. Sie funktionieren nach einem Prinzip, das wenig mit dem klassischen Joint gemein hat: Die Kräuter werden nicht verbrannt, sondern nur so weit erhitzt, dass sich ihre Inhaltsstoffe als feiner Dampf lösen. Es entsteht kein Rauch, keine Glut, kein Verbrennungsgeschmack – sondern eine Art „Extrakt aus Hitze“.
Im Inneren des Geräts wird die Temperatur präzise gesteuert, meist im Bereich zwischen 160 und 210 Grad Celsius. In diesem Fenster werden Wirkstoffe freigesetzt, ohne dass Pflanzenmaterial verkohlt. Dadurch fallen deutlich weniger der Stoffe an, die beim Rauchen sonst unvermeidlich entstehen – etwa Rußpartikel oder Kohlenmonoxid. Genau deshalb greifen auch viele Cannabis-Patient:innen zu dieser Methode.
Gleichzeitig gilt: Cannabis zu vaporisieren macht das Inhalieren nicht automatisch ungefährlich. Auch im Dampf können Substanzen enthalten sein, die die Atemwege reizen oder gesundheitlich fragwürdig sind. Die wissenschaftliche Bewertung steht erst am Anfang. Sicher ist bislang nur eines: Verdampfen mindert einige Risiken des Rauchens, beseitigt sie aber nicht vollständig.[3]
FAQ
Welcher ist der beste Tabakersatz?
Der „beste“ Tabakersatz hängt stark davon ab, was man sucht. Milderen Geschmack, möglichst neutrale Mischung oder etwas Aromatisches? Aus gesundheitlicher Sicht gilt jedoch: Die schonendere Alternative ist ein Vaporizer, weil beim Verdampfen weniger Schadstoffe entstehen als beim Verbrennen von Tabak oder Tabakersatz.[3]
Kann man einfach Pflanzen aus dem Garten trocknen und rauchen?
Viele fragen sich, ob sie einfach Lavendel, Himbeerblätter und Co. aus dem Garten nehmen und trocknen können, um sie zu rauchen. Theoretisch ist das möglich – praktisch aber keine gute Idee. Die meisten Gartenpflanzen sind nie darauf geprüft worden, welche Stoffe beim Verbrennen entstehen, können Schimmel, Pestizidrückstände oder Allergene enthalten und beim Inhalieren die Atemwege reizen. Auch eigentlich harmlose Kräuter können im Rauch gesundheitlich bedenkliche Verbindungen bilden. Deshalb gilt: Lieber auf geprüfte, speziell verarbeitete Kräutermischungen oder einen Vaporizer setzen statt auf improvisierte Gartenpflanzen.
Kann man Tabakersatz auch pur rauchen?
Ja, Tabakersatz kann man grundsätzlich auch pur rauchen. Die Kräutermischungen verbrennen meist gleichmäßig und produzieren oft einen milderen Rauch als Tabak. Trotzdem sollte man einen Punkt im Blick behalten: Gesund ist es nicht automatisch. Auch beim Verbrennen tabakfreier Kräuter entstehen Schadstoffe wie Kohlenmonoxid.
Wie schädlich ist Tabak ohne Nikotin?
Nikotinfrei bedeutet, dass kein Suchtpotenzial durch Nikotin besteht. Nicht, dass der Rauch gesund wäre. Beim Rauchen von nikotinfreiem Tabak entstehen weiterhin Schadstoffe.
Cannabis-Edibles: Zwischen Genuss, Rausch und Medizin
Von außen betrachtet ist alles harmlos: ein Brownie, ein Gummibärchen, ein Stück Schokolade. Doch wer Cannabis in essbarer Form konsumiert – also als Edibles – betritt eine andere Welt. Eine, die still beginnt, langsam anschwillt und manchmal mit einer Heftigkeit endet, die niemand einem kleinen Keks zugetraut hätte. Wie entsteht diese starke Wirkung von Edibles – was passiert im Körper? Und können Edibles auch medizinisch sinnvoll eingesetzt werden?
Cannabis-Edibles: Lebensmittel oder Getränke, die mit Cannabis-Wirkstoffen – in der Regel die Cannabinoide THC (Tetrahydrocannabinol) und/oder CBD (Cannabidiol) – versetzt sind.
Verzögerter, starker Rausch: Edibles wirken langsamer, aber intensiver als gerauchtes Cannabis – mit höherem Risiko für Überdosierungen durch Ungeduld („Dose Stacking“).
Unterschätzte Risiken: Trotz harmloser Optik (Keks, Gummibärchen) bergen Edibles ernstzunehmende Risiken – von Panikattacken bis zu Notaufnahmen, besonders bei unerfahrenen Freizeitkonsumierenden.
Edibles in Deutschland verboten: Während der Besitz von Cannabis legal ist, bleibt der Verkauf von THC-haltigen Lebensmitteln verboten. Edibles dürfen nur auf Rezept in der Apotheke bezogen werden.
CBD kann THC-Wirkung verstärken: Entgegen früherer Annahmen kann CBD bei oraler Einnahme die THC-Wirkung potenzieren, nicht abschwächen.
Therapeutisches Potenzial: In der medizinischen Anwendung könnten Edibles eine wertvolle, rauchfreie Alternative sein – insbesondere bei chronischen Beschwerden, wenn eine gleichmäßige und langanhaltende Wirkung gewünscht ist. Voraussetzung ist eine ärztliche Begleitung und eine standardisierte Rezeptur.
Die Geschichte des Rausches kennt viele Gesichter. Mal kam er als Rauch, mal als Trank, mal als Ritual. Doch in jüngerer Zeit begegnet er uns auch verpackt in Cellophan, mit stilvollem Branding und dem Versprechen auf kontrollierbares Wohlbefinden: Cannabis-Edibles – also essbare Produkte mit THC oder CBD – boomen. Besonders dort, wo Cannabis legalisiert wurde, hat sich eine neue Genuss-Kultur etabliert, irgendwo zwischen Lifestyle, Medizin und Freizeitdroge. In Kalifornien, wo einst Hanf-Brownies auf Studentenpartys kursierten, stehen heute THC-haltige Macarons in den Auslagen von Edibles-Boutiquen.
In der Öffentlichkeit wirken Edibles wie die „zivilisierte" Schwester des Joints. Kein Rauch, kein Geruch, kein Stigma. Die Verwendung von Cannabis als Rauschmittel hat sich durch Edibles gesellschaftlich weiter normalisiert – besonders dort, wo der Freizeitkonsum legal ist. In Nordamerika hat sich diese Form des Cannabiskonsums rasant etabliert: Über 40 % der nicht-medizinischen Nutzer:innen konsumieren Edibles.[1,2][1,2]
Sind Edibles in Deutschland legal?
In Deutschland dagegen ist das Bild ein anderes. Zwar dürfen Erwachsene seit der Teillegalisierung Cannabis in begrenzten Mengen besitzen – doch der Verkauf von Edibles bleibt weiterhin verboten. THC-haltige Lebensmittel gelten rechtlich als nicht verkehrsfähig und dürfen ausschließlich in Apotheken auf Rezept an Cannabis-Patient:innen abgegeben werden. Auch für den Eigenbedarf dürfen sie nich zubereitet werden. Eine staatlich regulierte Abgabe, wie sie etwa für Alkohol oder Nikotin existiert, gibt es nicht.
Das Thema Edibles stellt Fragen, die weit über die Wirkung hinausgehen: Wie verändert sich der Cannabis-Konsum, wenn er für mehr Menschen zum Genuss wird? Wo verläuft die Grenze zwischen therapeutischem Einsatz und unbedarftem Missbrauch von Edibles? Und was macht es mit einer Gesellschaft, wenn der Rausch in der Mitte ankommt – verpackt wie ein hübscher Snack?
Cannabis zum Essen – von selbstgemachten Brownies zur Boutique-Ware
Der Einstieg in die Welt der Edibles beginnt meist mit einem Klassiker – dem Brownie. Gebacken mit Cannabutter, von Hand dosiert, geschmacklich oft eher rustikal als raffiniert. Doch inzwischen ist daraus ein Sortiment entstanden, das sich anfühlt wie eine Mischung aus Feinkostladen und Apothekerregal.
Neben den Backwaren finden sich Süßwaren aller Art: Bonbons, Lutscher, Schokolade mit Matcha oder Haselnuss, Gummibärchen mit Waldbeere oder grünem Apfel. Sie sind portioniert, verpackt, sortenrein – und längst kein Geheimtipp mehr. In kalifornischen Boutiquen werden Edibles inzwischen mit derselben Sorgfalt kuratiert wie Naturweine oder Duftkerzen. Auch Getränke gehören zum Sortiment. Tees, Limonaden, Sprudel mit THC – die Formate sind vielfältig, die Zielgruppen ebenso.
Edibles aus der heimischen Küche
Für die DIY-Fraktion sind Öle und Cannabutter (Stichwort Decarboxylierung) nach wie vor zentrale Bestandteile. Sie lassen sich in Kuchen, Pasta oder Dressings verarbeiten – allerdings mit ungewisser Dosis und Wirkung. Wer hingegen Herzhaftes sucht, wird ebenfalls fündig: Snacks mit Cannabis – etwa Chips, Popcorn oder Nüsse – ergänzen das süßlastige Angebot, vor allem dort, wo die Freizeitnutzung legal ist.
So reicht das Spektrum heute von der improvisierten Küche bis zur designverliebten Boutique. Von Haschkeks zu High-End – zumindest im Ausland. Und doch bleibt eine Frage: Wie viel Rausch steckt wirklich in einem Stück Schokolade? Und wie kalkulierbar ist er?
Die Wirkung von Edibles – verzögert, aber heftig
Der Unterschied zwischen einem Joint und einem Schokoladenstück mit THC liegt nicht allein im Format – er liegt im Körper. Genauer gesagt: in der Pharmakokinetik, also dem Weg, den ein Wirkstoff im Organismus nimmt. Während THC beim Rauchen über die Lunge innerhalb von Sekunden ins Blut und ins Gehirn gelangt, schlägt es bei Edibles einen Umweg ein. Erst durchläuft es den Magen-Darm-Trakt, wird dann in der Leber zu 11-Hydroxy-THC umgebaut – einem besonders potenten Metaboliten, der die Blut-Hirn-Schranke leichter überwindet und eine tiefere, anhaltendere Wirkung entfaltet.[1]
Die Folge ist ein zeitverzögerter Rausch. Er setzt nicht sofort ein, sondern oft erst nach 30 bis 120 Minuten, mit einem Wirkmaximum nach zwei bis vier Stunden. Viele unterschätzen diesen Effekt. Wer nach 30 Minuten „nichts merkt“, nimmt sich vielleicht noch ein Edible.. Die Folge kann das sogenannte „Dose Stacking“ sein: Überdosierung durch Ungeduld. Denn der Peak kommt oft erst nach drei Stunden – kann aber bis zu zwölf Stunden anhalten.[2] Ein gefährliches Zeitfenster, besonders für Unerfahrene.
Was dann folgt, ist oft kein angenehmer Höhenflug, sondern eine Überforderung des Systems. Unerfahrene Konsumierende berichten von Herzrasen, Schwindel, innerer Unruhe, Realitätsverzerrung – Symptome, die medizinisch meist harmlos sind, subjektiv jedoch als beängstigend erlebt werden. Hinzu kommt: Die Wirkung von Edibles hält länger an als die eines Joints – mitunter bis zu zwölf Stunden, vereinzelt auch darüber hinaus. [1,2]
Wie stark und lange der Rausch tatsächlich anhält, hängt von mehreren Faktoren ab – z. B. Körpergewicht, Stoffwechsel, Toleranz, Einnahme auf nüchternen oder vollen Magen und natürlich der Dosis. [1]
Medizin: Cannabis-Edibles auf Rezept?
So riskant der unbegleitete Konsum von Edibles auch sein kann, die essbaren Cannabisprodukte könnten dank ihrer Stärke auch eine vielversprechende medizinische Seite haben. Denn viele Cannabis-Patient:innen empfinden THC-haltige Edibles als angenehmer als das Inhalieren von Cannabis. Während gerauchte Produkte schnell wirken, aber oft auch kürzer und intensiver ausfallen, entfaltet sich die Wirkung von Edibles langsamer – dafür aber gleichmäßiger und über viele Stunden hinweg. Besonders Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Krebserkrankungen oder posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) schätzen laut Studien diese Eigenschaften. Hinzu kommt die diskrete Einnahme: Edibles lassen sich unkompliziert in den Alltag integrieren, ohne auffällige Gerüche oder spezielle Hilfsmittel.[1]
Trotz ihres therapeutischen Potenzials etablieren sich Edibles auf Rezept bislang nur langsam. Zwar stehen in Deutschland Cannabis-Kapseln und Cannabis-Extrakte als Arzneimittel zur Verfügung, doch handelt es sich hierbei um klassische orale Präparate – nicht um Lebensmittel wie Kekse oder Tees, die als Medikation genutzt werden könnten. Patient:innen stellten sich Edibles in Deutschland bislang vor allem selbst zu Hause aus medizinischem Cannabis her.
Bertan Türemis, medizinisch Wissenschaftlicher Berater bei avaay Medical, erklärt, warum es gut ist, dass sich diese Lücke langsam schließt:
„Für Patient:innen mit chronischen Schmerzen, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Übelkeit könnten Edibles ein Segen sein. Sie sind nicht nur leicht einzunehmen und geschmacklich angenehmer als viele andere Formen, sondern könnten durch ihre langsame, gleichmäßige Wirkung auch therapeutische Vorteile bieten – etwa dann, wenn eine stabile Linderung über mehrere Stunden hinweg gefragt ist. Als standardisiertes Arzneimittel könnten Edibles die Therapietreue verbessern, besser in den Alltag integrierbar sein und eine verlässliche, individuell anpassbare Dosierung ermöglichen. Vor allem bei pflegebedürftigen Patient:innen wären sie eine medizinisch kontrollierbare Alternative die einfach verabreichbar ist und vielen Patient:innen genau die Sicherheit bieten könnte, die bisher fehlt. Die Nachfrage nach solchen nicht-inhalativen Darreichungsformen ist da – nicht nur aus praktischen, sondern zunehmend auch aus medizinischen Gründen.“
In Deutschland besteht für Patient:innen seit kurzem die Möglichkeit, Edibles in Apotheken aus exakt dosierten Cannabis-Destillaten herstellen zu lassen, die auf einer ärztlichen Verordnung basieren. Im Gegensatz zu selbstgebackenen Brownies aus Cannabutter, bei denen die Wirkstoffmenge schwer einschätzbar ist, enthalten diese Zubereitungen definierte Mengen an THC und CBD. Das bietet einen entscheidenden Vorteil: Die Dosierung ist präzise nachvollziehbar – und damit auch therapeutisch besser steuerbar. Hinzu kommt: Anders als beim Erhitzen von Cannabisblüten in der heimischen Küche, also beim Decarboxylieren, bleiben bei pharmazeutisch hergestellten Cannabis-Destillaten Terpene erhalten, die durch falsche Verarbeitung sonst verloren gehen könnten.
Edibles – die Risiken des Freizeitkonsums
So viel zu den potenziellen Vorteilen von Edibles. Doch wie sieht es mit den Risiken des Freizeitkonsums aus – und was sagt die Forschung dazu? Eine Beobachtungsstudie aus Colorado zeigt: Besonders Edibles führen überproportional oft zu Notaufnahmen-Besuchen mit psychischen Krisen, starker Intoxikation und Herzproblemen.[3] Zwar machen Edibles hier nur einen Bruchteil der verkauften THC-Menge aus – sie sind aber für rund 10 % der cannabisbedingten Notfälle verantwortlich. Besonders häufig: Psychosen, Panikattacken, Herzrasen.
Das liegt nicht nur am Wirkstoff selbst, sondern auch an der schwierigen Dosierung. Wer soll ein Zwanzigstel eines 100-mg-Cookies akkurat abschneiden? Schon 10–30 mg THC gelten als stark berauschend – unregulierte Produkte enthalten oft das Zehnfache. Die Folge: Unbeabsichtigte Überdosierung ist der eher Regelfall, nicht die Ausnahme.[2]
CBD als sanfte Bremse? Nicht ganz.
Lange hielt sich das Gerücht, CBD schwäche den THC-Rausch ab. Eine neue Studie der Johns Hopkins zeigt jedoch das Gegenteil – zumindest bei oraler Einnahme: Wird THC mit einer hohen Dosis CBD kombiniert, steigen sowohl die THC-Konzentration im Blut als auch die Wirkung deutlich an.
Der Grund: CBD verlangsamt den Abbau von THC in der Leber, was zu einer längeren und stärkeren Wirkung führt. Die Studienteilnehmer:innen berichteten von mehr Nebenwirkungen, stärkerem Rausch, mehr Gedächtnisproblemen und einem höheren Puls.[4]
Statt also als „Puffer“ zu wirken, kann CBD – je nach Dosis – den Effekt von THC sogar potenzieren.
Kinder, Unwissen – und das trügerische Format
Edibles sehen aus wie Süßigkeiten – und sind oft genauso verpackt. Das macht sie besonders gefährlich für Kinder: In Kanada gehen drei Viertel aller Cannabis-Vergiftungen bei Kindern auf Edibles zurück.[2] Auch Erwachsene sind nicht gefeit: In Colorado kam es nach der Legalisierung zu einem messbaren Anstieg an Notfällen bei Touristen – viele unterschätzten die Wirkung völlig.[1]
Regulierungen in Kanada und einigen US-Staaten schreiben mittlerweile maximale THC-Dosen pro Portion, Warnhinweise und kindersichere Verpackungen vor. Doch selbst bei legalen Produkten bleibt ein Problem: Viele Nutzer:innen verstehen die Angaben offenbar nicht – oder lesen sie nicht.
Zwischen Genuss und Therapie – was Edibles leisten können
Cannabis-Edibles sind mehr als nur ein weiterer Konsumweg. Sie verkörpern den Wandel des Cannabiskonsums – weg vom schnellen Joint, hin zur diskreteren, kontrollierbaren Einnahmeform. Doch ihre Wirkung kann tückisch sein: Sie kommt spät, wirkt lange und kann – vor allem im Freizeitkontext – leicht überdosiert werden.
In ihrer Stärke liegt aber auch ihr medizinisches Potenzial: In klar definierter Dosis, ärztlich begleitet und pharmazeutisch verarbeitet, könnten Edibles eine wirksame, rauchfreie Alternative für viele Patient:innen darstellen. Zwischen Selbstversuch und Therapie, zwischen Popkultur und Pharmakon braucht es nun vor allem eines: Aufklärung, Regulierung – und den Mut, Cannabisprodukte nicht nur als Droge, sondern als Arzneimittel ernst zu nehmen.
Edibles für Patient:innen: Welche Formen gibt es – und was ist erlaubt?
Für Patient:innen, die Cannabis oral einnehmen möchten, stehen verschiedene Zubereitungsformen zur Verfügung. Während einige seit Jahrhunderten bekannt sind, bleiben andere rechtlich umstritten oder schwer zu dosieren. Ein Überblick über die wichtigsten Edible-Formen – mit ihren Chancen und Grenzen.
1. Cannabis-Tee: Milde Alternative mit therapeutischem Potenzial
Cannabistee gehört zu den ältesten Zubereitungsformen von Cannabis – und für viele Patient:innen ist er eine sanfte, gut verträgliche Alternative zu Inhalation oder hochdosierten Edibles. Anders als beim Rauchen oder Verdampfen wirkt Tee langsamer und weniger intensiv, dafür aber gleichmäßiger über mehrere Stunden. Das macht ihn besonders interessant für Menschen mit chronischen Schmerzen, Schlafstörungen oder Appetitlosigkeit, die eine langanhaltende Linderung bevorzugen.
Allerdings ist die Zubereitung nicht trivial: THC und CBD sind fettlöslich, nicht wasserlöslich – ohne Zugabe von Fett (etwa Milch, Butter oder Öl) bleibt die Wirkung gering. Zudem muss das Cannabis vor der Zubereitung decarboxyliert werden, damit die Cannabinoide aktiviert werden. Für Patient:innen, die Cannabistee nutzen möchten, empfiehlt sich daher eine ärztliche Beratung – und idealerweise eine standardisierte Rezeptur aus der Apotheke, um Dosierung und Wirkung besser kalkulieren zu können.
Cannabisbutter: Basis vieler Edibles – aber schwer zu dosieren
Cannabisbutter ist die klassische Grundlage für selbstgemachte Edibles wie Brownies, Kekse oder herzhafte Gerichte. Sie entsteht durch das langsame Erhitzen von Cannabis in Butter, wobei die Cannabinoide in das Fett übergehen. Für Patient:innen, die Cannabis oral einnehmen möchten, kann Cannabisbutter eine praktische Lösung sein – vorausgesetzt, die Zubereitung erfolgt korrekt.
Das größte Problem: Die Dosierung ist schwer kontrollierbar. Wie viel THC tatsächlich in einem Teelöffel Butter steckt, hängt von vielen Faktoren ab: Ausgangsmaterial, Erhitzungstemperatur, Dauer der Zubereitung. Wer hier ungenau arbeitet, riskiert entweder Unterdosierung – oder eine unerwartet starke Wirkung. Für medizinische Zwecke empfiehlt sich daher der Einsatz pharmazeutisch hergestellter Cannabis-Destillate, die in Apotheken bezogen werden können. Diese bieten eine exakte Dosierung und lassen sich gezielt in Lebensmittel einarbeiten – ohne die Unsicherheiten selbstgemachter Cannabisbutter.
THC-Gummibärchen: Beliebtes Format mit hohem Risikopotenzial – und rechtlichen Grenzen
THC-Gummibärchen gehören zu den bekanntesten und beliebtesten Cannabis-Edibles – vor allem in Ländern mit legalisiertem Freizeitkonsum wie Kanada oder den USA. Sie sind klein, diskret, portioniert und geschmacklich angenehm. Doch genau das macht sie auch riskant: Ihr harmloses Aussehen verleitet dazu, sie zu unterschätzen. Besonders für Kinder sind THC-Gummibärchen gefährlich, da sie von normalen Süßigkeiten kaum zu unterscheiden sind. In Kanada gehen etwa drei Viertel aller Cannabis-Vergiftungen bei Kindern auf Edibles zurück – viele davon auf Gummibärchen.
Auch für Erwachsene ist die Dosierung tückisch. Während manche Gummibärchen nur 5 mg THC enthalten, weisen andere 25 mg oder mehr auf – eine Dosis, die für Unerfahrene bereits sehr stark wirken kann. Hinzu kommt: Die Wirkung setzt erst nach 30 bis 90 Minuten ein, was zu ungewolltem „Nachlegen" führt.
Sind THC-Gummibärchen in Deutschland legal?
Nein. THC-Gummibärchen sind in Deutschland nicht legal – weder im freien Verkauf noch für den Eigenbedarf. Nach dem Konsumcannabisgesetz (§ 21 Abs. 1 Nr. 3 KCanG) dürfen THC-haltige Lebensmittel nicht verkauft, abgegeben oder hergestellt werden. Das gilt auch für Cannabis Social Clubs und den Eigenanbau zu Hause.
Ausnahme: Medizinische Nutzung auf Rezept Patient:innen mit einer ärztlichen Verordnung können in Apotheken pharmazeutisch hergestellte Cannabis-Zubereitungen beziehen, die auf standardisierten THC- und CBD-Destillaten basieren. Diese können – je nach Rezeptur – auch in Form von Gummibärchen oder anderen Edibles hergestellt werden. Der Vorteil: Die Dosierung ist exakt nachvollziehbar, die Qualität geprüft und die Einnahme ärztlich begleitet.
Illegale THC-Gummibärchen aus dem Ausland oder vom Schwarzmarkt sollten Patient:innen unbedingt meiden: Sie enthalten oft unkontrollierte Wirkstoffmengen, Verunreinigungen oder falsche Angaben – und können gesundheitlich riskant sein.
FAQ
Nein. THC-haltige Edibles wie Haschkekse, Gummibärchen oder Brownies dürfen in Deutschland nicht verkauft oder öffentlich abgegeben werden. Auch Cannabis Social Clubs dürfen keine Cannabis-Zubereitungen herstellen oder verteilen, da THC-haltige Lebensmittel laut Konsumcannabisgesetz (§ 21 Abs. 1 Nr. 3 KCanG) nicht verkehrsfähig sind. Auch für den Eigenbedarf zu Hause dürfen Edibles nicht zubereitet werden. Darüber hinaus können Patient:innen mit entsprechender ärztlicher Verordnung in Apotheken Cannabis-Zubereitungen auf Basis standardisierter THC- und CBD-Destillate erhalten, aus denen sich Edibles gezielt und kontrolliert herstellen lassen.
Die Wirkung von Cannabis-Edibles ist deutlich stärker und länger anhaltend als beim Rauchen. Das liegt an der Art, wie der Körper das THC verarbeitet: Wird es gegessen, gelangt es zunächst durch Magen und Leber. Dort wird es in eine Substanz namens 11-Hydroxy-THC umgewandelt – ein besonders potenter Wirkstoff, der leichter ins Gehirn gelangt und intensiver wirken kann.
Beginn der Wirkung: meist nach 30 bis 90 Minuten, manchmal auch später
Höhepunkt (Peak): etwa nach 2 bis 4 Stunden
Gesamtdauer der Wirkung: 6 bis 12 Stunden, in Einzelfällen auch länger
Edibles wirken langsamer, dafür intensiver und länger als gerauchtes Cannabis – die Wirkung setzt oft erst nach 30 bis 90 Minuten ein und kann bis zu 12 Stunden anhalten. Deshalb gilt: niedrig dosieren, abwarten, nicht nachlegen. Iss nicht auf nüchternen Magen und vermeide Mischkonsum mit Alkohol. Besonders für Unerfahrene ist ein ruhiges Umfeld ohne Verpflichtungen wichtig.
Cannabis-Edibles gibt es in vielen Formen: Zu den Klassikern zählen Backwaren wie Brownies oder Kekse. Daneben sind Süßwaren wie Gummibärchen, Schokolade und Lutscher weit verbreitet – oft einzeln portioniert. Auch Getränke wie THC-haltige Tees, Limonaden oder Sprudel gehören zum Sortiment. Für die eigene Herstellung werden häufig Cannabisbutter oder Öle verwendet. In Regionen mit legalem Freizeitkonsum gibt es zudem herzhafte Edibles wie Chips, Popcorn oder Gewürzmischungen. Die Auswahl reicht von hausgemacht bis high-end – diskret, vielseitig und in unterschiedlichsten Dosierungen erhältlich.
Ja – Edibles wirken oft stärker als Joints, weil der Körper das THC beim Essen anders verarbeitet: In der Leber entsteht dabei der Wirkstoff 11-Hydroxy-THC, der potenter ist und länger wirkt als inhaliertes THC. Die Wirkung setzt langsamer ein (nach 30–90 Minuten), hält aber deutlich länger an – oft bis zu 12 Stunden. Das kann zu intensiveren Rauscherfahrungen führen, besonders bei hohen Dosen oder Unerfahrenen.[1,2,3]
Cannabis: Alles, was Ihr schon immer über Terpene wissen wolltet
Neben den unterschiedlichen Cannabinoid-Gehalten sind die einzelnen Cannabissorten auch durch ihr ganz eigenes Aroma identifizierbar. Manche erinnern an Käse, Vanilleeis, Benzin oder ein Blumenbouquet. Verantwortlich dafür sind unter anderem die Terpene. In unserem Booklet "Die Top 20-Terpene und ihre Effekte" haben wir alles Wissenswerte zum Thema zusammengestellt und erklären, in welchen Sorten man sie findet, wie sie wirken und warum es sie gibt.
Schon vor hunderten Jahren wurden aus vielen Pflanzen natürliche Terpene gewonnen, um damit natürliche und teilweise heilende Extrakte herzustellen. Terpene sind der Hauptbestandteil von ätherischen Ölen, die bekannterweise auch therapeutisch eingesetzt werden können.
Ätherische Öle können sowohl über den Duft eine therapeutische Wirkung entfalten als auch über die Haut aufgenommen werden und könnten so eine wohltuende Wirkung haben. Sie werden auch als natürliches Konservierungsmittel eingesetzt, um zu verhindern, dass Bakterien sich in Lebensmitteln bilden und vermehren.
Was sind Terpene – und warum riecht der Wald nach Wald?
Der Begriff „Terpen“ geht auf das lateinische Turpentine zurück – ein Harzextrakt aus Kiefern, der schon früh als Duftstoff Verwendung fand. Doch was hinter diesem Begriff steckt, ist weit mehr als bloße Aromatik. Terpene sind jene flüchtigen Moleküle, die Pflanzen ihre charakteristischen Gerüche verleihen: Lavendel duftet dank ihnen intensiv-blumig, Mango süß und tropisch, Hopfen würzig-herb. Auch Cannabis verdankt ihnen sein unverwechselbares Aroma – mal zitrusartig, mal erdig, mal süßlich-scharf.
Terpene sind chemisch gesehen sekundäre Pflanzenstoffe. Sie kommen in Blüten, Früchten und mitunter auch in Insekten vor und gehören zur größten Gruppe flüchtiger organischer Verbindungen, die die Natur hervorbringt. In der Sprache der Botanik sind sie Duftmoleküle – in der Sprache der Evolution sind sie hochspezialisierte Kommunikationsmittel.
Denn Pflanzen duften nicht aus Zufall. Sie setzen Terpene gezielt ein, um mit ihrer Umwelt zu interagieren. Im Ökosystem Wald spielen Terpene zum Beispiel eine stille, aber zentrale Rolle. Sie regulieren das Mikroklima, beeinflussen Luftfeuchtigkeit und tragen zur typischen Waldluft bei – jener Mischung aus Pinen, Myrcen und anderen flüchtigen Substanzen, die wir tief einatmen und intuitiv als wohltuend empfinden. Manche Terpene wirken sogar wie ein unsichtbares Netzwerk: Sie senden Signale aus, um Schädlinge fernzuhalten oder um Fressfeinde der Schädlinge anzulocken – eine stille Allianz zwischen Pflanze und Tier. Das Terpen Limonen etwa wirkt auf bestimmte Insekten abstoßend – ein Prinzip, das sich auch der Mensch zunutze gemacht hat: Das Mückenschutzmittel Autan riecht nicht ohne Grund nach Zitrone.
So zeigen Terpene eindrücklich, wie durchdacht die Strategien der Natur sind. Sie sind Ausdruck einer ökologischen Intelligenz, in der jede Duftnote eine Funktion erfüllt. Wer also das nächste Mal den würzigen Geruch eines Waldes oder den süßen Duft einer Cannabispflanze wahrnimmt, riecht nicht nur ein Aroma – sondern die Sprache der Pflanzen.
Präventive Maßnahme oder stille Notwehr?
Die Produktion von Terpenen folgt keinem starren Plan – sie ist ebenso Strategie wie Reaktion. Pflanzen setzen diese aromatischen Verbindungen nicht nur vorsorglich ein, um Fressfeinde auf Abstand zu halten. Sie reagieren auch auf Stress. Wenn Wasser knapp wird, die Nährstoffversorgung stockt oder extreme Hitze droht, steigt die Terpenkonzentration in vielen Pflanzenarten signifikant an. Ist es ein Hilferuf? Eine biochemische Notwehr? Oder schlicht ein universales Programm, das zwischen Bedrohungen nicht unterscheidet?
Terpene wirken dabei in alle Richtungen. Einige locken auch Insekten an, um die Bestäubung zu sichern. Die Cannabispflanze allerdings geht einen anderen Weg. Sie ist eine Windbestäuberin. Ihre Blüten sind unscheinbar, grün, nicht für das Auge von Insekten gedacht. Doch sie ist keineswegs passiv. Mithilfe lichtsensitiver Pigmente erkennt sie den Tagesverlauf und nutzt gezielt das Licht, um tagsüber Terpene freizusetzen – ein fein austariertes Timing im Kampf gegen Schädlinge.
Die Wirkung bleibt nicht an der Oberfläche. Oberirdisch schützen Terpene vor Mikroben – Pilzen, Bakterien, Krankheitserregern. Unterirdisch zeigen sie ein anderes Gesicht: Dort, wo das Wurzelwerk auf die unsichtbare Welt des Bodens trifft, gehen Pflanzen symbiotische Beziehungen mit Mikroorganismen ein. Mit der Pflanze harmonierende Pilze und Bakterien liefern Mineralien, die die Pflanze allein nicht erreichen könnte. Im Gegenzug fließen zuckerhaltige Ausscheidungen – ein Tauschgeschäft auf molekularer Ebene.
Nach diesem Blick auf die übergreifende Bedeutung von Terpenen richtet sich der Fokus nun auf einen besonderen Mikrokosmos: die Terpene in Cannabis.
Rund 200 bekannte Cannabis-Terpene
Von den über 20.000 Terpenen, die bislang in der Pflanzenwelt identifiziert wurden, entfallen rund 200 auf Cannabis. Diese Vielfalt ist nicht nur biochemisch bemerkenswert – sie hat auch praktische Konsequenzen: In der medizinischen Anwendung gewinnt das Terpenprofil zunehmend an Bedeutung. Was früher grob in „Sativa“ oder „Indica“ unterteilt wurde, wird heute differenzierter betrachtet – über sogenannte Chemovare, die das Zusammenspiel von Cannabinoiden und Terpenen in ihrer Gesamtheit erfassen.
Die Fortschritte in der Analytik ermöglichen es, Blüten gezielter auszuwählen – basierend auf ihrem individuellen, potenziellen Wirkstoffprofil. Für viele Cannabis-Patient:innen ist das Terpenprofil ein entscheidender Hinweisgeber: auf mögliche Wirkungen, Geschmacksnuancen und Verträglichkeiten.
Wirkung von Cannabis auf den menschlichen Körper: Terpene als medizinische Hoffnungsträger?
Tatsächlich berichten viele, die Cannabis auf Rezept verordnet bekommen haben, von beruhigenden, stimmungsaufhellenden oder schmerzlindernden Effekten, die sie bestimmten Terpenprofilen zuschreiben. Doch wissenschaftlich ist das Terrain noch dünn. Während die Wirkmechanismen der Cannabinoide zunehmend verstanden werden, sind die Effekte der Terpene auf den menschlichen Organismus bislang nur in Ansätzen erforscht.
Zahlreiche Studien deuten jedoch an: Terpene wirken nicht isoliert, sondern modulierend – sie beeinflussen, wie Cannabinoide im Körper wirken, wie stark sie das Endocannabinoid-System stimulieren, und möglicherweise auch, wie lange oder intensiv bestimmte Effekte anhalten. Diese Wechselwirkungen werden unter dem Begriff Entourage-Effekt zusammengefasst – einer Theorie zufolge also einer Art synergistischen Zusammenspiels verschiedener pflanzlicher Inhaltsstoffe, das über die Wirkung der Einzelkomponenten hinausgeht.[7]
Was heute noch als Hypothese gilt, könnte morgen therapeutische Relevanz gewinnen: In der Kombination von Terpenen und Cannabinoiden liegt womöglich ein bislang unterschätztes Potenzial – für individualisierte Therapien, fein abgestimmte Rezepturen und ein besseres Verständnis pflanzlicher Synergie.
Ein erster Blick auf die Wirkung – was wir über Cannabis-Terpene bislang wissen
Noch steht die Forschung zu den medizinischen Potenzialen von Terpenen am Anfang. Verlässliche Aussagen über ihre Wirkung am Menschen sind bislang rar – belastbare klinische Studien fehlen weitgehend. Doch erste Hinweise lassen sich aus präklinischen Untersuchungen gewinnen: Tiermodelle und Laborstudien liefern vorsichtige Anhaltspunkte, in welche Richtung bestimmte Terpene wirken könnten.
Im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses stehen dabei derzeit vor allem vier Verbindungen: Beta-Caryophyllen, Limonen, Linalool und Pinen. In der folgenden Übersicht betrachten wir diese Terpene etwas genauer – als Versuch einer ersten Annäherung an ihre möglichen pharmakologischen Eigenschaften.
Beta-Caryophyllen
Das Terpen Beta-Caryophyllen findet sich nicht nur in Cannabis, sondern zum Beispiel auch in Zimt oder Basilikum. Es zeichnet sich durch seinen würzig-pfeffrigen Geruch aus und ist auch unter den Bezeichnungen b-Caryophyllen, β-Caryophyllen oder Caryophyllen bekannt. Besonders spannend: Das Terpen könnte an den CB2-Rezeptor im menschlichen Körper binden und damit parallel als Endocannabinoid wirken.
In einer Studie an Mäusen untersuchten Forschende der Universität Bonn die Terpen-Wirkung von Beta-Caryophyllen unter anderem bei neuropathischen Schmerzen. Sie beobachteten bei den Mäusen eine Abschwächung der Schmerzempfindlichkeit und konnten auch nach längerer Behandlung keine Anzeichen von Toleranz gegenüber dieser Cannabis-Terpen-Wirkung feststellen.
Die Wissenschaftler:innen kamen zum Schluss, dass insbesondere die regelmäßige orale Verabreichung des Terpens Beta-Caryophyllen bei lang anhaltenden, lähmenden Schmerzzuständen hochwirksam sein könnte.[1]
Eine Untersuchung der United Arab Emirates University, die ebenfalls an Mäusen durchgeführt wurde, ließ unter anderem auf eine potenziell angstlindernde Wirkung des Cannabis-Terpens schließen. Entsprechende Studien zu dieser Wirkung auf den Menschen stehen ebenfalls aus.[2]
Limonen
Das Terpen Limonen ist Hauptbestandteil der ätherischen Öle von Zitrusfrüchten und verströmt entsprechend auch als Cannabis-Terpen ein Zitrusaroma. In den 2018 veröffentlichten Ergebnissen einer Laboruntersuchung verzeichneten Forschende durch d-Limonen eine Hemmung des Wachstums von Lungenkrebszellen.[3]
Bereits 2013 waren die Ergebnisse einer offenen klinischen Pilotstudie publiziert worden, an welcher 43 Frauen teilgenommen hatten, bei denen kürzlich operabler Brustkrebs diagnostiziert worden war. Im Rahmen der Untersuchung nahmen sie zwei bis sechs Wochen vor der chirurgischen Entfernung des Tumors täglich zwei Gramm Limonen ein.
Tatsächlich führte die kurzzeitige Einnahme des Terpens Limonen im Tumorgewebe zu einem signifikanten Rückgang der Expression von Cyclin D1 – einem Protein, welches eine entscheidende Rolle beim Zellwachstum spielt. Allerdings konnten bei anderen wichtigen Biomarkern nur minimale Veränderungen festgestellt werden.
Die Forschenden betonten hier besonders die Notwendigkeit weiterer Studien, um einer potenziellen Cannabis-Terpen-Wirkung auf den Menschen auf den Grund gehen zu können und damit zu klären, ob das Terpen Limonen bei der Behandlung und Prävention von Brustkrebs infrage kommen könnte.[4]
Linalool
Das Terpen Linalool ist, abgesehen von seinem Vorkommen in Cannabis, zum Beispiel in Lavendel enthalten und findet wegen seines süßen, blumigen Dufts gerne in Kosmetika Verwendung. Allerdings kann Linalool bei Duftstoffallergiker:innen allergische Reaktionen hervorrufen.
2018 publizierten Forschende der japanischen Universität Kagoshima in „Frontiers in Behavioral Neuroscience“ Ergebnisse einer Untersuchung an Mäusen, nach denen die Terpen-Wirkung vonLinalool angstlindernder Natur sein könnte. Gleichzeitig stellten sie bei den Tieren keine motorischen Beeinträchtigungen fest.
Da jene Mäuse, die über keinen intakten Geruchssinn verfügten, nicht von dem angstlösenden Effekt profitierten, kamen die Wissenschaftler:innen zum Schluss, dass der Geruch von Linalool ursächlich für diese Terpen-Wirkung verantwortlich sein muss.[5]
Pinen
Mit seinem holzigen, erdigen Geruch weckt Pinen Assoziationen an den Duft von Kiefern. Neben seinem Vorkommen in der Cannabispflanze lässt sich das Terpen Pinen in Ölen von Nadelbäumen genauso nachweisen wie in Eukalyptus- oder Orangenschalenöl. Pinen verleiht medizinischen Cannabisblüten ein frisches, klares Aroma, das von Cannabispatient:innen häufig als sehr angenehm empfunden wird.
Unterschieden wird bei diesem Cannabis-Terpen in Alpha-Pinen und Beta-Pinen, wobei Letzteres potenziell über antibakterielle Eigenschaften verfügt. So ergaben Labortests am teilweise antibiotikaresistenten Campylobacter jejuni, einem häufigen Erreger von Durchfallerkrankungen, dass Pinen dessen Antibiotika-Resistenz effektiv regulieren könnte. Aufgrund der vielversprechenden Ergebnisse gaben die beteiligten Wissenschaftler:innen eine Empfehlung für weitere Untersuchungen zu diesem Thema ab.[6]
Cannabis-Terpene: Übersicht über Wirkung, Vorkommen und Eigenschaften
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Cannabis-Terpene zusammen – mit ihren charakteristischen Aromen, möglichen Wirkungen und weiteren natürlichen Vorkommen. Wichtig: Die aufgeführten Wirkungen basieren überwiegend auf präklinischen Studien (Labor- und Tierversuche). Belastbare klinische Daten am Menschen fehlen weitgehend.
Terpen
Aroma
Mögliche Wirkung
Weitere natürliche Vorkommen
Myrcen
Erdig, moschusartig, leicht fruchtig
Möglicherweise beruhigend, muskelentspannend, entzündungshemmend; könnte die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke erhöhen
Hopfen, Lorbeer, Thymian, Mango
Beta-Caryophyllen
Würzig, pfeffrig, holzig
Potenziell schmerzlindernd, entzündungshemmend, angstlösend; bindet an CB2-Rezeptoren
Wissenschaftlicher Stand: Die meisten aufgeführten Wirkungen stammen aus Laborstudien oder Tierversuchen. Klinische Studien am Menschen sind rar. Die Wirkungen sollten daher als Hinweise verstanden werden, nicht als gesicherte medizinische Fakten.
Entourage-Effekt: Terpene wirken in der Cannabispflanze nicht isoliert, sondern in Kombination mit Cannabinoiden (THC, CBD) und anderen Pflanzenstoffen. Diese synergistischen Wechselwirkungen könnten die Gesamtwirkung beeinflussen – ein Phänomen, das als Entourage-Effekt bekannt ist, aber wissenschaftlich noch nicht abschließend belegt wurde.
Individuelle Unterschiede: Wie stark ein Terpen wirkt, hängt von vielen Faktoren ab: Dosierung, individueller Stoffwechsel, Genetik und Kombination mit anderen Substanzen.
Therapeutische Anwendung: Wer Cannabis medizinisch nutzt, sollte bei der Auswahl von Cannabisblüten nicht nur auf den THC- oder CBD-Gehalt achten, sondern auch auf das Terpenprofil. Viele Patient:innen berichten, dass bestimmte Terpenkombinationen besser zu ihren Bedürfnissen passen als andere.
Warum diese Tabelle wichtig ist
Für Cannabis-Patient:innen kann das Terpenprofil ein entscheidender Faktor bei der Auswahl geeigneter Cannabisblüten sein. Während THC und CBD im Vordergrund stehen, könnten Terpene maßgeblich dazu beitragen, wie eine Sorte wirkt – von der Intensität über die Verträglichkeit bis hin zu spezifischen Effekten wie Entspannung oder Fokus.
Gleichzeitig zeigt die Tabelle: Cannabis ist mehr als THC. Die Vielfalt der Terpene macht jede Cannabissorte einzigartig – chemisch, aromatisch und möglicherweise auch therapeutisch.
Jenseits der Terpene – was bestimmt den Duft von Cannabis noch?
Doch wie eindeutig ist der Zusammenhang zwischen Terpenen und Duft tatsächlich? Eine aktuelle Studie von Iain W. H. Oswald und Kolleg:innen bringt Bewegung in ein lange als gesichert geltendes Feld. Unter dem Titel „Minor, Nonterpenoid Volatile Compounds Drive the Aroma Differences of Exotic Cannabis" zeigt die Untersuchung: Auch andere flüchtige Verbindungen – darunter Schwefelverbindungen – prägen das Aroma der Cannabispflanze wesentlich.[8]
Diese Erkenntnis hat weitreichende Konsequenzen. Die Aromatik verschiedener Cannabissorten ist komplexer als bisher angenommen – und schwerer zu konservieren. Denn viele dieser nicht-terpenoiden Substanzen sind besonders flüchtig und damit analytisch schwer zu erfassen.
Die Forschung steht hier noch am Anfang. Doch die Neugier ist groß: Künftig könnten Anbau- und Lagerungsverfahren entwickelt werden, die gezielt bestimmte Duftprofile bewahren – eine Perspektive, die nicht nur für Genusskonsumierende, sondern auch für Patient:innen von Bedeutung sein könnte.
Terpene in Cannabis: Ihre Wirkung ist Gegenstand künftiger Forschung
Bei der Auswahl geeigneter medizinischer Cannabisblüten rückt die Analyse deren individueller chemischer Profile für Cannabispatient:innen zunehmend in den Vordergrund. Während im Zuge dessen auch ein verstärkter Fokus auf die Rolle einzelner Terpene gelegt wird, lassen sich aufgrund fehlender Untersuchungen über die Terpen-Wirkungen auf den Menschen zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine zuverlässigen Aussagen treffen.
Labor- und Tierstudien deuten darauf hin, dass Cannabis-Terpene womöglich über beruhigende, antibakterielle und schmerzlindernde Eigenschaften verfügen und unter Umständen Tumorwachstum hemmen könnten. Es bleibt zu hoffen, dass weitergehende Forschungen diesen ersten Anhaltspunkten auf den Grund gehen.
Ob und inwiefern Terpene mit Cannabinoiden in Wechselwirkung treten und damit zu einem Entourage-Effekt beitragen, kann vom heutigen Stand der Forschung aus nicht abschließend beurteilt werden.
FAQ
Terpene sind eine Gruppe von flüchtigen organischen Verbindungen, die natürlicherweise in Pflanzen vorkommen. Sie sind für die Aromen und Düfte vieler Pflanzen verantwortlich und könnten verschiedene gesundheitsfördernde Eigenschaften haben.
Terpene sind aromatische Verbindungen, die der Cannabispflanze ihren charakteristischen Geruch und Geschmack verleihen – von zitrusartig über erdig bis hin zu süßlich oder würzig. Sie werden in den Trichomen der Pflanze gebildet, also dort, wo auch Cannabinoide wie THC und CBD entstehen. Neben ihrer Duftfunktion übernehmen Terpene auch biologische Aufgaben: Sie schützen die Pflanze vor Schädlingen, Mikroben und Umwelteinflüssen. In der medizinischen Anwendung von Cannabis gewinnen Terpene zunehmend an Bedeutung, da Studien vermuten lassen, dass sie die Wirkung der Cannabinoide modulieren und zum sogenannten Entourage-Effekt beitragen könnten.
Terpene finden sich in nahezu allen Pflanzen – besonders konzentriert in Blüten, Kräutern, Früchten, Harzen und Nadeln. Sie sind Hauptbestandteile ätherischer Öle und prägen den charakteristischen Duft von Lavendel, Rosmarin, Zitrusfrüchten, Tannen, Hopfen oder Cannabis. Neben ihrer Rolle als Duftstoffe übernehmen sie ökologische Funktionen: Sie dienen Pflanzen zur Abwehr von Schädlingen, zur Anlockung von Bestäubern oder zur Kommunikation mit ihrer Umwelt. Auch einige Pilze und Insekten produzieren Terpene – etwa als Lock- oder Abwehrstoffe.
Im Wald dienen Terpene den Pflanzen als Abwehrmechanismus gegen Schädlinge und zur Kommunikation mit anderen Organismen. Sie beeinflussen das Waldaroma, locken Bestäuberinsekten an und tragen zur Vielfalt des Ökosystems bei.
Keines. Terpene selbst machen nicht „high“ – diese psychoaktive Wirkung geht ausschließlich vom Cannabinoid THC (Tetrahydrocannabinol) aus. Terpene wie Myrcen, Limonen oder Linalool haben zwar aromatische und möglicherweise stimmungsbeeinflussende Eigenschaften, wirken jedoch nicht berauschend im engeren Sinne. Allerdings vermuten Wissenschaftler:innen, dass einige Terpene die Wirkung von THC modulieren können – eine Hypothese, die im Zusammenhang mit dem sogenannten Entourage-Effekt diskutiert wird. Gesichert ist diese Wechselwirkung bislang jedoch nicht. Terpene verstärken also womöglich die Wirkung – sie verursachen sie aber nicht.
Eine eindeutige Rangliste gibt es bislang nicht – der Terpengehalt kann je nach Anbaumethode, Genetik, Lagerung und Analyseverfahren variieren. Dennoch haben sich einige Sorten einen Namen gemacht, weil sie besonders ausgeprägte Terpenprofile aufweisen. Hierzu gehören Super Lemon Haze und OG Kush.
[8] Oswald, I. W. H., Paryani, T. R., Sosa, M. E., Ojeda, M. A., Altenbernd, M. R., Grandy, J. J., Shafer, N. S., Ngo, K., Peat, J. R. III, Melshenker, B. G., Skelly, I., Koby, K. A., Page, M. F. Z., & Martin, T. J. (2023). Minor, nonterpenoid volatile compounds drive the aroma differences of exotic cannabis. ACS Omega, 8(42), 39203–39216./blog
Cannabis enthält weit mehr als nur THC und CBD. Immer wieder entdecken Forschende neue Moleküle, die das Verständnis der Pflanze verändern. Eines davon ist THCP. Die Substanz kommt nur in winzigen Mengen vor und blieb deshalb lange unbemerkt. Doch ihre Entdeckung wirft eine grundlegende Frage auf: Wie gut kennen wir die tatsächliche Wirkung von Cannabis?
Was ist es? THCP ist ein seltenes, natürlich vorkommendes Cannabinoid aus der Cannabispflanze, das strukturell THC ähnelt.
Hochpotent: THCP bindet im Labor rund 33-mal stärker an den CB1-Rezeptor als THC.
Extrem selten: Es kommt nur in Spuren in der Pflanze vor, könnte aber dennoch spürbare Effekte haben.
Mögliche Erklärung: THCP könnte helfen zu verstehen, warum manche Cannabissorten stärker wirken, als ihr THC-Wert nahelegt.
Wenig erforscht: Über die tatsächliche Wirkung beim Menschen gibt es bislang keine belastbaren Daten.
THCP – ein kleiner Zufallsfund, der große Fragen aufwirft
Manchmal verändert die Forschung nicht die großen Theorien, sondern die kleinen Details. Als ein italienisches Team 2019 eine medizinische Cannabissorte untersuchte, ging es ursprünglich nur darum, deren Inhaltsstoffe präziser zu bestimmen. Ein Routineprojekt, wie es in der Pflanzenchemie häufig vorkommt.
Doch zwischen THC, CBD und anderen bekannten Molekülen tauchte ein Signal auf, das nicht ins vertraute Muster passte: eine Verbindung, die chemisch erstaunlich ähnlich wirkte wie THC – nur etwas schwerer. Erst durch aufwendige Analysen und den Vergleich mit einer eigens synthetisierten Probe wurde klar, dass hier tatsächlich ein bisher unbekanntes, natürliches Cannabinoid vorlag: THCP[1]
Der Fund wirkte zunächst unscheinbar. Doch er berührt eine der zentralen Fragen der Cannabisforschung: Warum wirken manche Sorten stärker – oder anders – als ihr THC-Gehalt vermuten lässt?
Was ist THCP genau?
Doch bevor man über Wirkung, Potenz oder mögliche Bedeutung spricht, lohnt ein Schritt zurück: Was genau ist dieses Molekül, das in den vergangenen Jahren so viel Aufmerksamkeit bekommen hat?
THCP gehört zur großen Familie der Phytocannabinoide – chemische Verbindungen, die die Cannabispflanze selbst herstellt. Die meisten Menschen kennen nur zwei davon: THC und CBD. Doch die Pflanze ist wesentlich vielfältiger. Rund 150 solcher Moleküle sind inzwischen beschrieben, viele davon treten nur in Spuren auf.
THCP ist eines dieser seltenen Moleküle. Was es so besonders macht? Es ähnelt THC stark, ist aber nicht identisch. Und genau diese kleine strukturelle Abweichung könnte erklären, warum das Molekül im Labor so auffällig potent wirkt.
THCP ist also ein weiteres Teil im chemischen Puzzle „Cannabispflanze“, das lange übersehen wurde.
THC und THCP – warum zwei ähnliche Moleküle unterschiedlich an Cannabinoid-Rezeptoren wirken
Aufgepasst! Jetzt wird es kurz nerdig. Aber ein kurzer wissenschaftlicher Exkurs macht nachvollziehbar, warum die Moleküle unterschiedlich wirken.
Um zu verstehen, warum THCP seit dieser Entdeckung so viel Aufmerksamkeit bekommt, lohnt sich ein Blick auf die Struktur. THC besitzt eine typische Form mit einem Ringgerüst und einer Seitenkette aus fünf Kohlenstoffatomen. Diese Seitenkette entscheidet maßgeblich darüber, wie gut das Molekül an den CB1-Rezeptor bindet – jenen Rezeptor im Gehirn, der für die psychoaktiven Effekte verantwortlich ist. Das „Δ9“ in Δ9-THC beschreibt dabei die Position einer Doppelbindung im Molekül – ein kleiner struktureller Marker, der verrät, dass es sich um die klassische Form des natürlich vorkommenden THC handelt.
THCP (oder auch Δ9-Tetrahydrocannabiphorol) sieht fast genauso aus. Ein vertrautes chemisches Gerüst, aber die Seitenkette trägt sieben Kohlenstoffatome. Klingt nach wenig? In der Molekularbiologie ist das eine kleine Revolution.
Schon frühere synthetische THC-Abwandlungen hatten gezeigt, dass eine längere Seitenkette die Bindung an CB1 verstärken kann. Bis zu einem gewissen Punkt wird der „Schlüssel“ damit passgenauer für das „Schloss“. Dass eine Cannabispflanze selbst ein solches Molekül bildet, war allerdings neu und bestätigte eine Vermutung, die die Forschung lange begleitet hatte.[1]
Die Entdeckung von THCP zeigte: Die Pflanze kann von sich aus Strukturen produzieren, die wir bislang nur aus Laborversuchen kannten – und die möglicherweise mehr Einfluss auf die Wirkung haben, als bisher angenommen.
THCP in der Pflanze: kaum vorhanden, aber dennoch relevant
In der untersuchten Cannabissorte steckte nur sehr wenig THCP. Während THC im Milligramm-Bereich pro Gramm Blüte vorkam, lag THCP in diesem Fall bei nur 29 Mikrogramm pro Gramm. Damit war es rund tausendfach geringer konzentriert.[1]
Warum sorgt das trotzdem für Interesse?
Weil THCP im Labor extrem wirkstark am CB1-Rezeptor ist. Selbst winzige Mengen könnten – theoretisch – spürbare Effekte haben. Das könnte erklären, warum Menschen oft berichten, dass bestimmte Sorten überraschend intensiv wirken, obwohl die Laboranalyse keine Auffälligkeiten zeigt.
Die Forschenden halten es für möglich, dass hochaktive, aber sehr seltene Cannabinoide wie THCP zu Wirkungen beitragen, die bisher allein dem THC zugeschrieben wurden.[1]
THCP-Wirkung und Nebenwirkungen: Was macht es im Körper?
Die vielleicht spannendste Erkenntnis der 2019er Studie stammt aus den Versuchen mit Mäusen. THCP zeigte ein Wirkprofil, das dem von THC ähnelt – allerdings bei geringeren Dosen. Schon kleine Mengen führten zu Veränderungen, die für Cannabinoide typisch sind:
geringere Aktivität,
verändertes Schmerzempfinden,
Muskelstarre,
und Temperatursenkung.
All diese Effekte traten bei THCP in niedrigeren Dosierungen auf als bei THC, das in vergleichbaren Tests häufig erst bei 10 mg/kg deutliche Wirkungen zeigt.[1]
Für den Menschen heißt das allerdings nicht automatisch: „THCP macht 33-mal so high“. Die Übertragung von Tierdaten auf menschliche Erfahrung ist komplex. Was wir eindeutig sagen können: THCP ist aktiv, wirkstark und definitiv relevant, auch wenn es nur in Spuren vorkommt.
Ist THCP wirklich 33-mal stärker als THC?
Die oft zitierte Aussage, THCP sei 33-mal stärker als THC, ist missverständlich. In der Studie von 2019 wurde gezeigt, dass THCP 33-mal stärker an den CB1-Rezeptor bindet als THC (also: 33-fach höhere Affinität).
Das bedeutet nicht, dass THCP beim Menschen 33-mal so stark wirkt oder 33-mal so „high“ macht.
Die erhöhte Bindungsstärke zeigt lediglich:
THCP dockt effizienter an den Rezeptor an.
Es wirkt in Mäuseexperimenten bei geringeren Dosen als THC.
Wie stark es im Menschen wirkt, weiß man bisher nicht. Dafür fehlen komplett klinische Daten.
Was bedeutet das für Patient:innen und Verbraucher?
Für die medizinische Anwendung könnte THCP ein wichtiger Hinweis sein. Cannabis-Patient:innen berichten immer wieder davon, dass bestimmte Cannabispräparate stärker wirken, andere wiederum kaum, obwohl die THC-Werte identisch sind. Bisher war das schwer zu erklären.
THCP liefert eine mögliche Antwort: Sorten können Moleküle enthalten, die bisher in keiner Standardanalyse auftauchen, aber dennoch deutlich zu den Effekten beitragen.
Die Autor:innen schlagen deshalb vor, THCP künftig bei der Qualitätsanalyse von medizinischem Cannabis mitzuerfassen. Denn wenn selbst Mikromengen starke Wirkungen entfalten, könnte das erklären, warum manche Präparate für Patient:innen besser funktionieren als andere – oder auch unangenehme Nebenwirkungen auslösen.[1]
Für Freizeitkonsumierende heißt der Befund vor allem: Die Wirkstärke einer Sorte hängt nicht allein vom THC-Wert ab. Cannabis ist chemisch vielschichtiger, als wir denken. Ein Laborwert allein sagt nicht alles.
Was THCP nicht ist – und warum Vorsicht geboten bleibt
Trotz allem Interesse ist wichtig, nüchtern zu bleiben. Die Studie zeigt nicht:
wie THCP beim Menschen wirkt,
ob es sicher ist,
ob es Risiken birgt,
oder ob es therapeutische Vorteile hat.
Sie ist ein Anfang, kein Befund mit unmittelbarer Relevanz für Konsum oder Medizin.
Derzeit gibt es keine klinischen Studien, keine Daten zu Nebenwirkungen, keine Forschung zur Kombination mit anderen Cannabinoiden. Wir wissen, dass THCP existiert, wie es aufgebaut ist und wie es in bestimmten Testsystemen wirkt. Viel mehr aber noch nicht.
THCP vs. HHC: Zwei synthetische Cannabinoide im Vergleich
Sowohl THCP als auch HHC sind in den vergangenen Jahren auf dem Markt aufgetaucht – und beide wurden inzwischen durch das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) verboten. Doch worin unterscheiden sie sich eigentlich? Und warum sorgen beide für so viel Verwirrung?
Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
Merkmal
THCP
HHC
Herkunft
Natürlich in der Cannabispflanze vorkommend, aber in Produkten meist synthetisch hergestellt
Natürlich nur in Spuren vorhanden, in Produkten fast immer halbsynthetisch hergestellt
Chemische Struktur
THC-ähnlich, aber mit längerer Seitenkette (7 Kohlenstoffatome)
Hydrierte Form von THC (zusätzliche Wasserstoffatome)
Potenz
Sehr hoch – bindet etwa 33-mal stärker an CB1-Rezeptoren als THC
Schwächer als THC, Wirkung wird als milder beschrieben
Wirkung
Theoretisch deutlich stärker als THC, aber kaum erforscht am Menschen
Ähnlich wie THC, aber weniger intensiv
Forschungsstand
Eine wissenschaftliche Studie (2019), keine klinischen Daten
Sehr begrenzt, kaum unabhängige Forschung
Rechtslage (Deutschland)
Seit 27. Juni 2024 verboten (NpSG) – Verkauf illegal, Besitz nicht strafbar
Seit 27. Juni 2024 verboten (NpSG) – Verkauf illegal, Besitz nicht strafbar
Nachweisbarkeit
Wahrscheinlich positiv bei THC-Drogentests
Wahrscheinlich positiv bei THC-Drogentests
Sicherheit
Unbekannt – keine Studien zu Nebenwirkungen oder Langzeitfolgen
Unbekannt – keine Studien zu Nebenwirkungen oder Langzeitfolgen
Was beide gemeinsam haben: Intransparenz und Risiko
Sowohl THCP als auch HHC wurden vor allem als Lückenfüller vermarktet, als THC rechtlich noch nicht weitreichend verfügbar war. Beide Substanzen wurden kaum erforscht, ihre Langzeitwirkungen sind völlig unklar und die Produktqualität schwankte enorm – von unbekannter Dosierung bis hin zu Verunreinigungen mit Lösungsmitteln oder anderen Chemikalien.
Während THCP zumindest wissenschaftlich dokumentiert ist und tatsächlich in der Cannabispflanze vorkommt, wurde HHC vor allem durch chemische Umwandlung von CBD oder THC hergestellt. Beide Stoffe haben eines gemeinsam: Sie wurden nicht entwickelt, um medizinisch sinnvoll zu sein, sondern um gesetzliche Grauzonen zu nutzen.
Warum der Vergleich wichtig ist
Viele Menschen verwechseln THCP und HHC oder glauben, es handle sich um "natürliche" oder "legale" Alternativen zu THC. Das ist irreführend. Beide Substanzen sind:
kaum erforscht – es gibt praktisch keine Daten zu Sicherheit, Dosierung oder therapeutischem Nutzen
nicht standardisiert – Produkte enthielten oft ungenaue oder falsche Angaben
seit 2024 verboten – der Verkauf ist illegal, auch wenn Besitz nicht strafbar ist
Wer sich für Cannabis interessiert – ob medizinisch oder als Freizeitkonsum – sollte auf geprüfte, regulierte Produkte setzen. Medizinisches Cannabis ist sicher, standardisiert und legal erhältlich. THCP und HHC sind es nicht.
Die eigentliche Bedeutung der Entdeckung
Die wichtigste Erkenntnis der Studie liegt vielleicht gar nicht im Molekül selbst, sondern in dem, was es über die Pflanze verrät. Cannabis ist deutlich komplexer, als es die Debatte um THC und CBD vermuten lässt. Wir kennen heute rund 150 Cannabinoide, aber nur eine Handvoll davon gut.
THCP zeigt: Das Puzzle ist nicht vollständig. Vielleicht verstecken sich in der Pflanze noch weitere seltene Moleküle, die eine wichtige Rolle spielen. Vielleicht erklären sie Unterschiede in Wirkung, Toleranz und Nutzen. Vielleicht verändern sie das Bild, das wir von Cannabis haben.
Und vielleicht zeigt diese Entdeckung vor allem, wie wichtig es ist, die Pflanze nicht nur politisch oder therapeutisch zu betrachten, sondern wissenschaftlich. THCP ist kein Hype. THCP ist ein Hinweis darauf, dass die Cannabispflanze uns noch überraschen kann.
FAQ
Ist THCP synthetisch?
THCP ist vor allem ein natürlich vorkommendes Cannabinoid, das erstmals 2019 in einer medizinischen Cannabissorte entdeckt wurde. Die Pflanze kann es selbst bilden, wenn auch nur in winzigen Mengen.
Die THCP-Produkte, die später im Handel auftauchten, enthielten jedoch nahezu immer synthetisch bzw. halbsynthetisch hergestelltes THCP. Der Grund: Die natürlichen Mengen sind so gering, dass eine direkte Extraktion aus der Pflanze nicht wirtschaftlich wäre.
Ist in jeder Cannabissorte THCP?
Das ist derzeit noch unklar. THCP wurde bisher nicht in jeder Cannabissorte nachgewiesen. Die Studie von 2019 fand THCP nur in einer medizinischen Sorte („FM2“ aus Italien). Ob es in allen, vielen oder nur in sehr wenigen Sorten vorkommt, ist bislang völlig unklar. Vor allem, weil die meisten Labore gar nicht danach suchen.
THC-P vs. THCP – wo liegt hier der Unterschied?
Es gibt keinen inhaltlichen Unterschied zwischen THC-P und THCP. Beides meint dasselbe Molekül: Δ9-Tetrahydrocannabiphorol.
„THCP“ ist die offizielle, wissenschaftlich korrekte Abkürzung, wie sie in der Studie von 2019 verwendet wird.
„THC-P“ ist lediglich eine vereinfachte Schreibweise, die vor allem in Shops, Foren oder Marketingtexten auftaucht. Wahrscheinlich, weil sie leichter zu lesen ist und an „THC“ erinnert.
Chemisch, strukturell und pharmakologisch handelt es sich um denselben Stoff.
Der einzige echte Unterschied liegt also in der Schreibweise, nicht in der Substanz.
Was ist stärker, HHC, THCP oder THCV?
THCP gilt nach aktueller Forschung als das potenteste dieser drei Cannabinoide.
HHC wirkt schwächer als THC.
THCV wirkt bei niedrigen Dosen eher dämpfend (CB1-Antagonist) und ist nicht mit THC vergleichbar.
Ist THCP gefährlich?
Ob THCP gefährlich ist, lässt sich bisher nicht zuverlässig sagen, weil es keine Studien am Menschen gibt. Was bekannt ist: THCP wirkt in Tiermodellen deutlich stärker als THC, was theoretisch auch stärkere oder unerwartete Effekte bedeuten kann. Gleichzeitig fehlen Daten zu Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, Langzeitfolgen oder Risiken bei regelmäßigem Konsum. Aus wissenschaftlicher Sicht gilt daher: THCP ist potent, aber unzureichend erforscht und genau daraus ergibt sich das größte Risiko.
Kann ich Cannabisprodukte mit THCP kaufen?
Seit dem 27. Juni 2024 sind THCP und mehrere andere neuartige Cannabinoide – darunter HHC, seine Derivate, Delta-8-THC, Delta-10-THC, THC-O und THCV – in Deutschland offiziell verboten, zumindest was Herstellung, Verkauf und Handel betrifft. Grundlage ist eine Änderung des Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetzes (NpSG), das diese Stoffgruppen seitdem vollständig erfasst.
Besitz und Konsum gelten dagegen weiterhin als nicht strafrechtlich verfolgt, weil die Regelung sich ausdrücklich auf den Marktverkehr bezieht und nicht auf die private Nutzung. THCP-Produkte können aber sichergestellt und vernichtet werden. Zivil- und verwaltungsrechtliche Folgen bzw. polizeiliche Maßnahmen sind möglich.
Praktisch heißt das: Kaufen oder verkaufen ist illegal, der bloße Besitz jedoch nicht – auch wenn es aufgrund des Verkaufsverbots keine legalen Quellen für THCP-Produkte gibt.
Ist THCP bei einem Drogentest nachweisbar?
Ja. Die Nachweisbarkeit von THCP in Drogentests gilt als sehr wahrscheinlich, weil gängige Urin- und Schnelltests nicht zwischen einzelnen Cannabinoiden unterscheiden. Sie reagieren auf allgemeine THC-Metabolite – und THCP wird voraussichtlich ähnliche Abbauprodukte bilden. In der Praxis würde THCP deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit als THC-positiv erscheinen. Spezifische Tests, die THCP gesondert erfassen, kommen derzeit nicht zum Einsatz.