Cannabis-Patientenausweis und Schengen-Formular – brauche ich das?

Wer medizinisches Cannabis nutzt, stellt sich früher oder später praktische Fragen. Eine davon lautet: Welche Nachweise brauche ich eigentlich? Immer wieder fallen dabei zwei Begriffe: der Cannabis-Patientenausweis und das sogenannte Schengen-Formular. Beide werden oft genannt, aber nicht immer richtig eingeordnet. Was steckt dahinter – und wann sind sie wirklich nötig?



Was ist ein Cannabis-Patientenausweis?

Ein Cannabis-Patientenausweis ist ein freiwilliger Nachweis, der bestätigt, dass eine Person medizinisches Cannabis auf ärztliches Rezept erhält. Er wird nicht von Behörden ausgestellt, sondern meist von Ärztinnen, Ärzten oder von auf Cannabis spezialisierten Telemedizin-Plattformen.

Beispielhafter Cannabis-Patientenausweis mit allen erforderlichen Informationen zu Patient, verordnetem Cannabis und der ausstellenden Apotheke

Wichtig ist die Einordnung: Der Patientenausweis ist kein offizielles Dokument im rechtlichen Sinne. Er ersetzt weder ein Rezept noch einen Personalausweis. Im Alltag kann er jedoch hilfreich sein, etwa bei Rückfragen durch Polizei oder Sicherheitspersonal. Er dient vor allem der schnellen Erklärung, nicht als formale Erlaubnis.

Cannabis-Patient:innen wird dringend empfohlen, eine Kopie des aktuellen Cannabis-Rezepts bei sich zu tragen, um eventuelle Missverständnisse schnell klären zu können. Rechtlich verpflichtet sind Patient:innen dazu allerdings nicht.

Wofür brauche ich einen Cannabis-Patientenausweis seit der Teillegalisierung überhaupt noch?

Seit der Teillegalisierung von Cannabis fragen sich viele Patient:innen, ob ein Cannabis-Patientenausweis überhaupt noch sinnvoll ist. Schließlich ist der Besitz bestimmter Mengen Cannabis heute unter Bedingungen erlaubt.

Die kurze Antwort lautet: Ja, er kann weiterhin sinnvoll sein, aber aus anderen Gründen als früher. Denn die Teillegalisierung unterscheidet nicht automatisch zwischen Freizeitkonsum und medizinischer Nutzung. Genau hier kann es im Alltag zu Missverständnissen kommen.

Ein Patientenausweis kann:

Gerade weil medizinisches Cannabis oft anders dosiert, anders verpackt und anders angewendet wird als Cannabis aus dem Freizeitbereich, kann ein solcher Ausweis helfen, den Kontext klarzumachen.

Unterm Strich: Seit der Teillegalisierung ist der Cannabis-Patientenausweis nicht überflüssig, aber auch nicht zwingend notwendig. Er ist vor allem ein kommunikatives Hilfsmittel und eine Erklärungshilfe.

Verkehrskontrolle: Bringen ein Cannabis-Patientenausweis oder eine Führerscheinbescheinigungen etwas?

Ein Cannabis-Patientenausweis kann bei einer Verkehrskontrolle erklärend wirken, bietet aber keinen rechtlichen Schutz.

Daneben gibt es sogenannte Führerscheinbescheinigungen, die von einigen Cannabis-Patient:innen mitgeführt werden. Auch sie werden nicht von Behörden ausgestellt, sondern meist von Ärztinnen, Ärzten oder von auf Cannabis spezialisierten Telemedizin-Plattformen. Ihr Zweck ist ebenfalls rein erklärend: Sie können bei Verkehrskontrollen helfen, den medizinischen Hintergrund zu verdeutlichen.

Für den Patientenausweis wie auch für die Führerscheinbescheinigung gilt jedoch gleichermaßen: Beide sind keine amtlichen Dokumente. Sie ersetzen weder ein ärztliches Rezept noch medizinische Gutachten und haben keine rechtliche Bindungswirkung.

Auch ein Cannabis-Rezept ist kein Freifahrtschein

Wer Cannabis auf Rezept erhält, darf grundsätzlich am Straßenverkehr teilnehmen. Die Voraussetzung ist jedoch klar: Es darf keine Fahruntüchtigkeit vorliegen. Das gilt unabhängig davon, ob Cannabis medizinisch oder privat konsumiert wird.

Kommt es bei einer Kontrolle zu Auffälligkeiten – etwa unsicherem Fahrverhalten, verlangsamten Reaktionen oder Ausfallerscheinungen –, kann die Polizei Maßnahmen einleiten. In solchen Fällen spielt es keine entscheidende Rolle, ob ein ärztliches Rezept vorliegt.

Das bedeutet: Auch als Cannabis-Patient:in ist ein Führerscheinverlust möglich. Die medizinische Verschreibung schützt nicht automatisch vor verkehrsrechtlichen Konsequenzen. Entscheidend ist nicht, ob Cannabis ärztlich verordnet ist, sondern wie es sich auf die Fahrtüchtigkeit auswirkt.

Unser Tipp: Mehr zum Thema erfährst du in unserem Artikel "Neuer THC-Grenzwert: Auto fahren nach Cannabis-Konsum?".

Infografik mit der Überschrift „Welchen Nachweis benötige ich für medizinisches Cannabis?“. In Form eines großen Fragezeichens werden drei Dokumente dargestellt: links das Schengen-Formular mit dem Hinweis „Erforderlich für Reisen innerhalb des Schengen-Raums“, rechts oben das ärztliche Rezept mit der Empfehlung, eine Kopie mitzuführen, besonders beim Autofahren, und rechts unten der Cannabis-Patientenausweis mit dem Hinweis „Praktisch für den Alltag, aber keine rechtliche Wirkung“.

Cannabis auf Reisen: Was ist das Schengen-Formular?

Das Schengen-Formular ist ein offizielles Dokument für Reisen innerhalb des Schengen-Raums. Es wird benötigt, wenn betäubungsmittelhaltige Medikamente – dazu zählt auch medizinisches Cannabis – über Ländergrenzen hinweg mitgeführt werden.[1]

Das Formular bestätigt:

Es muss von der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt ausgefüllt und anschließend von der zuständigen Behörde (in Deutschland meist das Gesundheitsamt) beglaubigt werden.

Unser Tipp: In den FAQ findet sich eine Liste aller Länder, die zu den Schengen-Staaten zählen.

Wann brauche ich das Schengen-Formular?

Das Schengen-Formular wird benötigt, wenn medizinisches Cannabis:

Für Reisen innerhalb Deutschlands ist das Formular nicht erforderlich.

Wichtig: Das Formular gilt immer nur für eine konkrete Reise und einen begrenzten Zeitraum. Es sollte rechtzeitig beantragt werden, da die Beglaubigung etwas Zeit in Anspruch nehmen kann.

Reicht der Patientenausweis für Reisen?

Nein. Für Auslandsreisen innerhalb des Schengen-Raums ist der Patientenausweis als Bescheinigung nicht ausreichend. Hier ist ausschließlich das Schengen-Formular der relevante Nachweis. Ohne dieses Dokument kann das Mitführen von medizinischem Cannabis im Ausland als Verstoß gegen die jeweiligen nationalen Gesetze gewertet werden.

Wo bekomme ich ein Schengen-Formular?

Ein Schengen-Formular – offiziell „Bescheinigung für die Mitnahme von Betäubungsmitteln“ – ist kein Dokument, das man irgendwo kaufen oder einfach herunterladen kann. Es muss formal beantragt und bestätigt werden.

Hier die Schritte im Überblick:

  1. Formular herunterladen: Das offizielle Schengen-Formular ist auf der Website des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) verfügbar.
  2. Vom Arzt ausfüllen lassen: Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt trägt die notwendigen Angaben ein, darunter persönliche Daten, das verordnete Medikament, die Dosierung sowie den geplanten Reisezeitraum (maximal 30 Tage).
  3. Beglaubigung durch die Behörde: Anschließend muss das ausgefüllte Formular bei der zuständigen Behörde am Wohnort (in der Regel dem Gesundheitsamt) vorgelegt und amtlich beglaubigt werden.

Erst mit dieser Beglaubigung ist die Bescheinigung gültig und kann bei Reisen innerhalb des Schengen-Raums als Nachweis mitgeführt werden. Rechtsgrundlage ist Artikel 75 des Schengener Durchführungsabkommens.

Reisen außerhalb des Schengen-Raums

Bei Reisen in Länder außerhalb des Schengen-Raums gelten individuelle nationale Regelungen. In vielen Fällen ist die Mitnahme von medizinischem Cannabis stark eingeschränkt oder ganz verboten – auch mit Rezept. Hier empfiehlt sich immer eine vorherige Prüfung bei Botschaften oder offiziellen Stellen.

Wann welcher Nachweis sinnvoll ist

Cannabis-Patientenausweis und Schengen-Formular werden oft verwechselt, verfolgen jedoch unterschiedliche Zwecke. Während der Patientenausweis im Alltag eine praktische Erklärungshilfe sein kann, hat er keine rechtliche Wirkung. Maßgeblich bleibt stets das ärztliche Rezept.

Das Schengen-Formular hingegen ist ein offizieller und zwingend erforderlicher Nachweis, sobald medizinisches Cannabis über Landesgrenzen hinweg mitgeführt wird. Wer innerhalb des Schengen-Raums reist und ohne gültiges Schengen-Formular Cannabis bei sich hat, bewegt sich außerhalb des rechtlich zulässigen Rahmens – selbst dann, wenn ein ärztliches Rezept vorliegt. In solchen Fällen drohen strafrechtliche Konsequenzen, da das Mitführen von Betäubungsmitteln ohne die vorgeschriebene Bescheinigung als Verstoß gegen die jeweiligen nationalen Gesetze gewertet werden kann.

Bei Unsicherheiten zur eigenen Situation oder zur Beantragung der notwendigen Unterlagen empfiehlt es sich, frühzeitig Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt zu halten.


FAQ

Nein. Cannabis-Patient:innen werden nicht zentral registriert. Die Behandlung unterliegt dem medizinischen Datenschutz und wird nicht automatisch an Behörden weitergegeben.
Es gibt keine spezielle Bescheinigung, die Cannabis-Patient:innen das Autofahren erlaubt. Entscheidend ist allein die Fahrtüchtigkeit. Ein ärztliches Rezept kann den medizinischen Hintergrund erklären, bietet aber keinen Freifahrtschein.
Der Schengen-Raum umfasst heute 29 Länder, darunter die meisten EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz. Hier eine Liste der Länder: Belgien Bulgarien Dänemark Deutschland Estland Finnland Frankreich Griechenland Island Italien Kroatien Lettland Liechtenstein Litauen Luxemburg Malta Niederlande Norwegen Österreich Polen Portugal Rumänien Schweden Schweiz Slowakei Slowenien Spanien Tschechische Republik Ungarn [1]


Quellen

[1] Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). (o. J.). Reisen mit Betäubungsmitteln. https://www.bfarm.de/DE/Bundesopiumstelle/Betaeubungsmittel/Reisen-mit-Betaeubungsmitteln/_artikel.html

Cannabis verdampfen: Temperatur-Guide für Einsteiger

Cannabis zu verdampfen gilt als schonend und gut kontrollierbar – vorausgesetzt, die Temperatur stimmt. Für Einsteiger:innen ist genau das oft der größte Unsicherheitsfaktor. Dieser Guide erklärt verständlich, welche Bereiche sich bewährt haben, warum sie so unterschiedlich wirken können und wie man Schritt für Schritt die passende Einstellung findet.



Cannabis mit einem Vaporizer zu verdampfen gilt als eine der schonenden Cannabis-Konsumformen.[1] Kein Rauch, keine Verbrennung – dafür ein präziserer Umgang mit Wirkstoffen. Der entscheidende Hebel dabei: die Temperatur. Sie bestimmt, wie das Cannabis wirken kann.

Gerade Einsteiger:innen unterschätzen diesen Punkt oft. Viele stellen den Vaporizer „nach Gefühl“ ein – und verschenken entweder Wirkung oder überfordern sich unnötig. Dieser Guide erklärt verständlich, welche Temperaturen was bewirken können und wie man seinen persönlichen Sweet Spot findet.

Welche Temperatur ist die richtige beim Verdampfen von Cannabis?

Die eine „richtige“ Vaporizer-Temperatur gibt es beim Verdampfen von Cannabis nicht. Bewährt hat sich jedoch ein Bereich zwischen etwa 160 °C und 200 °C. Welche Einstellung sinnvoll ist, hängt unter anderem von der verwendeten Sorte, dem Zustand des Pflanzenmaterials und der gewünschten Wirkung ab.

Warum die Temperatur beim Verdampfen eine entscheidende Rolle spielt

Die eingestellte Temperatur am Vaporizer beeinflusst maßgeblich, wie stark die Wirkung ausfallen kann, wie intensiv das Aroma ist und wie schonend der Konsum verläuft. Ist die Temperatur zu niedrig, werden viele Wirkstoffe nur unzureichend freigesetzt. Ist sie zu hoch, kann das Pflanzenmaterial teilweise verbrennen und es können unerwünschte Reizstoffe entstehen.

Konkret heißt das: Unter etwa 160 °C bildet sich meist nur wenig wirksamer Dampf, oberhalb von rund 210 °C steigt das Risiko von Verbrennungsprozessen deutlich.

Cannabis besteht aus verschiedenen Inhaltsstoffen – vor allem THC, CBD und Terpenen –, die jeweils bei unterschiedlichen Temperaturen verdampfen. Genau hier liegt der Vorteil des Vaporizers: Im Gegensatz zum Rauchen lässt sich gezielt steuern, welche Stoffe freigesetzt werden und in welcher Intensität.

Unser Tipp: Mehr zum Thema findest du in unserem Artikel "Medizinisches Cannabis vaporisieren".

Infografik mit dem Titel „Welche Temperatur ist die richtige zum Verdampfen von Cannabis?“. Sie zeigt drei Temperaturbereiche beim Vaporisieren: niedrige Temperatur (ca. 160–180 °C) mit milder Wirkstofffreisetzung, mittlere Temperatur (ca. 180–195 °C) als ausgewogenes Verhältnis von Wirkstoffen und Aroma sowie hohe Temperatur (ca. 200–210 °C) mit stärkerer Wirkstofffreisetzung und erhöhtem Verbrennungsrisiko.

Unser Vaporizer-Temperatur-Guide

Im Folgenden geht es um Temperaturbereiche, die von praktischen Erfahrung vieler Nutzer:innen stammen. Dabei handelt es sich nicht um feste, wissenschaftlich definierte Grenzwerte, sondern um Orientierungen aus dem Alltag. Gerade bei einer medizinischen Anwendung ist eine präzise Temperatureinstellung besonders wichtig. Entscheidend sind dabei stets die Hinweise des Vaporizer-Herstellers sowie die ärztliche Empfehlung.

Ziel beim VerdampfenEmpfohlener TemperaturbereichEinordnung
Eine kaum spürbare Wirkung.etwa 160 °CSehr mild, dezenter Dampf – gut zum Kennenlernen des Geräts.
Eine leichte, klare Wirkung.etwa 170–180 °CSanft, geschmacksintensiv und meist gut geeignet für Einsteiger:innen.
Ein guter Mittelweg für Alltag und Therapie.etwa 185–195 °CPotenziell spürbare Wirkung, ohne zu stark zu sein.
Eine kräftigere Wirkung zur Symptomlinderung.etwa 200–210 °CDeutlich intensiver, mehr Dampf. Hier langsam herantasten.

Adele Hollmann, Senior Scientific Affairs Manager und Ganjier bei avaay Medical, gibt Vaporizer-Einsteiger:innen folgende Tipps mit auf den Weg:

„Grundsätzlich ist es sinnvoll, mit niedrigen Temperaturen zu beginnen und sich schrittweise an die individuell passende Einstellung heranzutasten. Besonders bei einer neuen Sorte sollte man immer niedrig starten und die Temperatur langsam erhöhen. Wird der Dampf als kratzig oder bitter empfunden oder fühlt sich die Wirkung zu intensiv an, ist es ratsam, die Temperatur wieder zu senken.“

Schritt für Schritt: Wie nutzt man einen Cannabis-Vaporizer?

Diese Anleitung bezieht sich ausschließlich auf Vaporizer, die für Cannabisblüten (getrocknete Blüten) ausgelegt sind. Sie gilt nicht für Vaporizer, die mit Cannabiskonzentraten arbeiten. Bitte immer die Angaben des Geräteherstellers beachten.

1. Kurzer Blick auf die Cannabisblüten

Bevor man den Vaporizer einschaltet, lohnt sich ein kurzer Check. Sind die Blüten sehr trocken und bröselig, kann der Dampf schnell kratzig werden und an Geschmack verlieren. In dem Fall kann es helfen, sie vor dem Gebrauch ein paar Stunden mit einem Boveda-Beutel in ein verschlossenes Glasgefäß zu geben.

Fühlen sich die Blüten dagegen noch feucht oder sehr kompakt an, ist ein sanftes Vorwärmen sinnvoll. (Alternativ können die Blüten einige Stunden luftgetrocknet werden.) Lass den Vaporizer ein paar Minuten auf niedriger Temperatur laufen (etwa 135–150 °C), ohne direkt zu ziehen. So verdunstet die überschüssige Feuchtigkeit und der Dampf wird später angenehmer.

2. Blüten richtig zerkleinern und befüllen

Für volleren Dampf sollten die Blüten gleichmäßig zerkleinert werden – nicht zu fein, aber auch nicht grob. Die Kräuterkammer füllt man am besten locker, ohne das Material festzudrücken. Luft sollte gut durchziehen können.

Ein Tipp: Lieber kleinere Mengen verdampfen und bei Bedarf nachlegen, statt die Kammer komplett vollzustopfen.

3. Den Vaporizer kennen

Nicht jeder Vaporizer funktioniert gleich. Manche Geräte erhitzen die Blüten direkt (Konduktion), andere arbeiten mit heißer Luft (Konvektion). Das merkt man auch bei der Temperatur.

Bei Vaporizern mit direkter Hitze reicht oft eine etwas niedrigere Einstellung. Geräte mit Heißluft dürfen meist ein paar Grad wärmer eingestellt werden, ohne dass der Dampf unangenehm wird.

Stationäre Vaporizer sind oft besonders genau und werden gern zu Hause genutzt. Mobile Vaporizer sind praktisch für unterwegs.

Unser Tipp: Mehr zum Thema Konduktion und Konvektion erfährst du in unserem Artikel “Welche Cannabis-Vaporizer gibt es?”.

4. Langsam starten und rantasten

Die wichtigste Regel: Es gibt keine perfekte Einstellung für alle. Am besten startet man bei etwa 160 °C und beobachtet, wie sich Geschmack und Wirkung anfühlen.

Wenn einem der Effekt zu schwach ist, kann man die Temperatur langsam erhöhen – zum Beispiel in 5-Grad-Schritten. Dabei sollte man darauf achten, ob der Dampf noch angenehm schmeckt und sich gut anfühlt. Wird er kratzig oder zu intensiv? Einfach wieder ein paar Grad runtergehen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Blüten locker vorbereiten, mit niedriger Temperatur starten und sich Schritt für Schritt hocharbeiten. Geschmack und Gefühl sind die besten Anhaltspunkte. Wird es unangenehm, einfach ein paar Grad zurückgehen.

Und wie vaporisiert man richtig?

Woran man merken kann, dass man richtig zieht

Weitere Tipps:

Beim Vaporisieren gilt also: ruhig, langsam, gleichmäßig. Weniger Kraft, mehr Gefühl.

Fazit: Die richtige Temperatur macht den Unterschied

Beim Verdampfen von Cannabis entscheidet die Temperatur über weit mehr als nur die Dampfmenge. Sie kann Wirkung, Geschmack und Verträglichkeit beeinflussen – und damit, ob das Vaporisieren als angenehm, effektiv und kontrollierbar empfunden wird.

Eine „richtige“ Einstellung gibt es nicht. Vielmehr geht es darum, sich langsam an den eigenen optimalen Bereich heranzutasten. Wer mit niedrigen Temperaturen beginnt, aufmerksam inhaliert und kleine Anpassungen vornimmt, lernt seinen Vaporizer und das jeweilige Cannabis deutlich besser kennen. Gerade für Einsteiger:innen zahlt sich diese Herangehensweise aus: Sie reduziert Überforderung, schont die Atemwege und ermöglicht einen bewussteren Umgang mit der Wirkung.

Unterm Strich gilt: Geduld, eine saubere Vorbereitung und ein Gefühl für Temperatur und Zugverhalten sind wichtiger als hohe Zahlen auf dem Display. Wer diese Grundlagen beachtet, nutzt das Potenzial des Vaporizers so, wie er gedacht ist.


FAQ

Cannabis wird durch Wärme aktiviert, sobald sich die inaktiven Wirkstoffe in ihre wirksame Form umwandeln. Das beginnt in der Regel ab etwa 105–115 °C. Für eine spürbare Wirkung beim Verdampfen werden jedoch meist Temperaturen ab rund 160 °C genutzt, da sich erst dann ausreichend THC und andere Wirkstoffe freisetzen.
Cannabinoide beginnen bei zu hohen Temperaturen abzubauen. Als grobe Orientierung gilt: Ab ca. 210–220 °C können THC und Terpene zunehmend zerstört werden. Ab etwa 230 °C steigt das Risiko, dass das Pflanzenmaterial teilweise verbrennt – dabei gehen Wirkstoffe verloren und es entstehen Reizstoffe. Kurz gesagt: Über 210 °C wird es für Cannabis zu heiß, wenn man potenzielle Wirkung und
Das hängt vom Gerät ab, aber die meisten Cannabis-Vaporizer lassen sich meist auf bis zu 220 °C einstellen. Tragbare Vaporizer: oft bis ca. 210–220 °C Stationäre Vaporizer: teils etwas höher, oft bis rund 230 °C Konzentrate-Vaporizer (nicht für Blüten): können deutlich heißer werden

Quellen

[1] Rojas, D.E., McCartney, M.M., Borras, E. et al. Impacts of vaping and marijuana use on airway health as determined by exhaled breath condensate (EBC). Respir Res 26, 63 (2025).

Cannabis-Strain: Ocean Grown Cookies

Ocean Grown Cookies ist ein indica-dominanter Hybrid, der für seine dichten Cannabisblüten, die süß-erdigen Aromen und seinen hohen THC-Gehalt bekannt ist. Die Sorte entfaltet ihr Profil erst beim näheren Hinsehen. Alles über die wichtigsten Eigenschaften von OGC.

Auf einen Blick: Ocean Grown Cookies 

Genetik: Hybrid, Indica dominant

Eltern: OG Kush × Girl Scout Cookies

THC: 15-34 %

CBD: ≤ 1 %

Terpene: Limonen, β-Caryophyllen, Linalool

Ocean Grown Cookies kann einen hohen THC-Gehalt von bis zu 34 Prozent erreichen; der CBD-Anteil bleibt mit ca. 1 Prozent gering. Die Sorte ist ein indica-dominanter Hybrid, hervorgegangen aus der Kreuzung der bekannten Linien OG Kush und Girl Scout Cookies.

Die Blüten sind dicht aufgebaut und reich mit Trichomen überzogen, was ihnen ein kompaktes, für Indicas typisches Erscheinungsbild verleiht.

Grower 

Ocean Grown Cookies wird für den medizinischen Einsatz und für die SIGNATURE Produktlinie von avaay Medical unter anderem von Lyonleaf Cannabis Inc. produziert. Das Unternehmen sitzt in Montreal (Kanada), wo die Sorte kultiviert und verarbeitet wird.

Tim Dresemann, Cannabis-Sommelier der Sanity Group, hat den Standort besucht. Sein Eindruck fällt eindeutig aus: „Das ist eine ziemlich raffinierte Anlage, sehr Hightech.“ Die Kombination aus technischer Kontrolle und handwerklicher Verarbeitung prägt die gesamte Arbeitsweise des Unternehmens.[1]

Lyonleaf beschreibt diesen Anspruch selbst so: „Wir machen keine Kompromisse. Unsere Anlage ist eigens dafür gebaut, ultra-premium Cannabis für Märkte weltweit zu produzieren. Wir verbinden genetische Exzellenz, wissenschaftliche Präzision und handwerkliche Sorgfalt.“[2]

Die Produktionsumgebung ist vollständig auf Indoor-Anbau ausgelegt. Digitale Systeme überwachen Klima, Licht und Nährstoffversorgung. Gleichzeitig setzt Lyonleaf bewusst auf handwerkliche Schritte: Die Blüten werden hängend getrocknet, von Hand getrimmt und behutsam verpackt.[1]

Eine Besonderheit betrifft die Beleuchtung. Ocean Grown Cookies wird bei Lyonleaf nach wie vor unter Natriumdampflampen angebaut und nicht unter LEDs. Eine Entscheidung, die historisch begründet ist. Dresemann fasst es so zusammen: „Viele klassische Old-School-Sorten kennen nichts anderes. Die kommen aus einer Zeit, in der Natriumdampflampen gängige Praxis waren. Die wurden darauf züchterisch optimiert.“[1]

Wenn du mehr über Lyonleaf erfahren möchtest: Tim Dresemann hat den Standort in Montreal besucht. Schau dir sein Video dazu auf YouTube an:

Qualität

Cannabispflanzen für den medizinischen Gebrauch werden nach GACP-Standards kultiviert und unter GMP-Vorgaben weiterverarbeitet – also nach jenen strengen Kriterien, die auch für Arzneimittel gelten. avaay Medical prüft dabei kontinuierlich, ob die Hersteller diese Anforderungen zuverlässig erfüllen.

Zu den Besonderheiten der Produktlinie avaay SIGNATURE sagt Tim Dresemann:

“Für unsere Signature-Linie wählen wir sorgfältig Blüten von erfahrenen Growern aus – und das weltweit. Dabei fokussieren wir uns auf Sorten, die eine moderne Genetik und ein ausgeprägtes, intensives Aromaprofil aufweisen. Darüber hinaus reihen sich in dieser Produktlinie auch Anbauer mit besonders spannenden Anbaumethoden wie Aquaponik ein. Kurz gesagt: Die Sorten von avaay SIGNATURE verkörpern die Leidenschaft für die Cannabispflanze im medizinischen Kontext.”

Aroma: Geruch & Geschmack von Ocean Grown Cookies

Ocean Grown Cookies besitzt ein Aromaprofil, das sich vor allem über seine Terpenzusammensetzung erklärt. Die vorherrschenden Terpene Limonen, β-Caryophyllen und Linalool bestimmen den Charakter der Sorte.

Limonen kann Zitrusnuancen beisteuern, β-Caryophyllen verleiht eine würzige, pfeffrige Note und Linalool bringt eine florale Komponente ein.

Beim Zerkleinern der Cannabisblüten wird das Profil deutlicher: Holzig-waldige Anklänge treten stärker hervor, während die Zitrus- und Gewürznoten an Intensität gewinnen.

Tim Dresemann beschreibt es so: “Ocean Grown Cookies von Lyonleaf ist für mich auf jeden Fall Signature-würdig. Zunächst kommt die Sorte ein bisschen unscheinbar rüber vom Aroma. Ist jetzt nicht direkt fetzig in der Nase, fruchtig, super Candy-mäßig, wie andere Sorten. Das Aroma geht aber so richtig los, wenn man Ocean Grown Cookies grindet.”

Ocean Grown Cookies: Mögliche Wirkung

Die potenzielle Wirkung von Ocean Grown Cookies lässt sich teilweise durch die in der Sorte dominierenden Terpene einordnen.

Limonen wird in der Forschung mit stimmungsaufhellenden und antidepressiven Effekten in Verbindung gebracht.[3] 

β-Caryophyllen zeigt in Studien entzündungshemmende Eigenschaften[4] und Linalool wird häufig mit beruhigenden, angstlösenden[5] und leicht sedierenden Effekten[6] beschrieben.

Diese Hinweise stammen aus der Terpenforschung. Die tatsächliche Wirkung hängt jedoch – wie bei allen Cannabissorten – vom Zusammenspiel aller Inhaltsstoffe sowie von der individuellen Disposition der Patient:innen ab.

FAQ

Ist Ocean Grown Cookies eine medizinische Cannabis-Sorte?

Ocean Grown Cookies ist erst einmal einfach eine Cannabissorte. Sie wird nicht automatisch zur „medizinischen Sorte“, nur weil es sie gibt. Entscheidend ist, wie und unter welchen Standards sie produziert wird. Lyonleaf baut Ocean Grown Cookies zum Beispiel nach medizinischen Vorgaben an, sodass der Strain auch für den medizinischen Gebrauch eingesetzt werden kann.

Kurz gesagt: Ocean Grown Cookies ist eine Cannabissorte – und sie wird zusätzlich auch in medizinischer Qualität hergestellt.

Welche Rolle spielen Terpene im Allgemeinen für Geruch und Wirkung von Cannabis?

Terpene prägen zum einen Geruch und Geschmack einer Cannabissorte. Also ob sie eher erdig, fruchtig, würzig oder zitrusartig riecht und schmeckt. Zum anderen deuten Studien darauf hin, dass sie die Wirkung beeinflussen könnten, weil sie mit Cannabinoiden wie THC und CBD zusammenwirken können. Einige Terpene werden zum Beispiel mit entspannenden, andere mit eher aktivierenden Effekten in Verbindung gebracht.[7]

Mehr zum Thema erfährst du in unserem Artikel „Alles, was Ihr schon immer über Terpene wissen wolltet”.

Was bedeutet „von Hand getrimmt“ für die Qualität von Cannabisblüten?

„Von Hand getrimmt“ heißt, dass Mitarbeiter:innen die getrockneten Blüten mit Scheren manuell von kleinen Blattresten befreien und dabei sehr präzise arbeiten. Im Vergleich zu Trimmaschinen, die schnell, aber grob schneiden, können bei der Handarbeit deutlich mehr Trichome erhalten bleiben – also die harzreichen Strukturen, die Aroma und Geschmack tragen. In der Praxis kann das sauber geformte, aromatischere Blüten ermöglichen. Zudem ermöglicht es die Kontrolle jeder einzelnen Blüte.

Quellen

[1] Dresemann, T. (13.11.2025). Auf Cannabis-Suche in Kanada Pt.3 – Drei Facilities die nicht unterschiedlicher sein könnten [Video]. In: Toking Tim. YouTube: https://youtu.be/IBQVy9BG9hI?si=QoGtp005cl9FcKU9

[2] Lyonleaf – Unternehmenswebsite. https://www.lyonleaf.com/

[3] Komori, T et al. “Effects of citrus fragrance on immune function and depressive states.” Neuroimmunomodulation vol. 2,3 (1995): 174-80.

[4] Basile, Aulus Conrado, et al. "Anti-inflammatory activity of oleoresin from Brazilian Copaifera." Journal of Ethnopharmacology 22.1 (1988): 101-109.

[5] Harada, Hiroki, et al. "Linalool odor-induced anxiolytic effects in mice." Frontiers in Behavioral Neuroscience (2018): 241.

[6] Gastón, María Soledad, et al. "Sedative effect of central administration of Coriandrum sativum essential oil and its major component linalool in neonatal chicks." Pharmaceutical biology 54.10 (2016): 1954-1961.

[7] Russo, E. B. (2011). Taming THC: Potential cannabis synergy and phytocannabinoid–terpenoid entourage effects. British Journal of Pharmacology, 163(7), 1344–1364.

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa: Cannabis als mögliche Therapie?

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa gehören zu den belastendsten Diagnosen der Inneren Medizin. Sie verlaufen schubweise, verursachen Schmerzen, Durchfälle, Erschöpfung – und sie lassen sich bis heute nicht heilen. Viele Betroffene suchen deshalb nach Behandlungen, die Symptome lindern. Seit einigen Jahren rückt dabei auch medizinisches Cannabis in den Fokus. Doch was sagt die Wissenschaft dazu?



Das Endocannabinoid-System und Cannabis bei Darmerkrankungen

Das Endocannabinoid-System ist ein körpereigenes Regulationsnetzwerk, das eine wichtige Rolle im Verdauungstrakt spielt. Es besteht aus Cannabinoid-Rezeptoren (CB1 und CB2), Botenstoffen und den Enzymen, die sie auf- und abbauen. Diese Rezeptoren finden sich im Darm unter anderem in Nervenzellen, Immunzellen und der Schleimhaut. Also genau dort, wo bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zentrale Prozesse aus dem Gleichgewicht geraten.[1]

Über dieses System steuert der Körper Funktionen wie Darmbewegung, Sekretion, Schmerzempfinden, Immunreaktionen und die Barrierefunktion der Darmschleimhaut. Cannabinoide wie THC und CBD können an die gleichen Rezeptoren binden wie die körpereigenen Stoffe. Dadurch könnten sie in Abläufe eingreifen, die bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen gestört sind.[1]

Bertan Türemis, Diplom-Neurobiologe und Senior Medical Science Liaison Manager bei der Sanity Group, erklärt:

"Studien zeigen: Das Endocannabinoidsystem im Darm reguliert Schmerz, Entzündungen und Motilität. Aktiviert durch THC und CBD kann es Überreaktionen des Immunsystems bremsen und so Krämpfe, Übelkeit und Schmerzen lindern.“[2]

Doch bevor wir uns genauer ansehen, was die aktuelle Forschung zu Cannabis bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sagt, lohnt ein Schritt zurück.

Was ist Morbus Crohn?

Morbus Crohn ist eine chronische, entzündliche Erkrankung des Magen-Darm-Trakts. Typisch ist, dass sich die Entzündungen in jedem Abschnitt des Verdauungssystems bilden können – vom Mund bis zum After –, am häufigsten jedoch im Übergang zwischen Dünn- und Dickdarm. Die Krankheit verläuft in Schüben: Phasen mit starken Beschwerden wechseln sich mit ruhigeren Zeiten ab.

Zu den typischen Symptomen gehören Bauchschmerzen, Durchfall, Gewichtsverlust, Müdigkeit und häufig auch Appetitlosigkeit. Die Entzündung kann tief in die Darmwand eindringen, wodurch Komplikationen wie Fisteln, Abszesse oder Verengungen entstehen können. Warum die Krankheit entsteht, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Fachleute gehen davon aus, dass ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, einem fehlgeleiteten Immunsystem und Umweltfaktoren eine Rolle spielt.

Morbus Crohn ist nicht heilbar, aber gut behandelbar. Moderne Therapien zielen darauf ab, die Entzündung im Magen-Darm-Trakt zu kontrollieren, Schübe zu verhindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Infografik zur Wirkung von Cannabis bei Morbus Crohn. Links: Symptomlinderung wie weniger Bauchschmerzen, besserer Schlaf und gesteigerter Appetit. Rechts: Entzündungshemmung – Cannabis reduziert die Entzündung im Darm laut Studien nicht. In der Mitte ein „VS“-Symbol, das den Gegensatz zwischen Symptomlinderung und fehlender Entzündungsreduktion verdeutlicht.

Cannabis zur Behandlung von Morbus Crohn: Was sagen aktuelle Studien?

Cannabis könnte Morbus-Crohn-Symptome spürbar lindern

Gleich mehrere Studien kommen zu demselben Ergebnis: Cannabis könnte Menschen mit aktivem Morbus Crohn deutlich entlasten. Cannabis-Patient:innen berichten von weniger Bauchschmerzen, besserem Schlaf, mehr Appetit und einem verbesserten allgemeinen Wohlbefinden.[1,3,4]

Mit anderen Worten: Cannabis könnte Betroffenen helfen, indem es Beschwerden lindert.

Die Entzündung selbst geht jedoch nicht zurück

So deutlich Studien die mögliche Verbesserung von Symptomen zeigen, so klar zeigen sie auch die Grenzen: Keine der Studien zeigt, dass Cannabis die Entzündung im Darm reduziert.[1,3,4]

CRP (ein Entzündungsmarker im Blut), Calprotectin (ein Entzündungsmarker im Stuhl) und endoskopische Befunde (sichtbare Entzündungszeichen im Darm bei einer Spiegelung) blieben unverändert – auch wenn sich die Patient:innen deutlich besser fühlten. Genau das macht die Einschätzung so wichtig: Cannabis kann auf das Wohlbefinden wirken, nicht auf die Krankheitsaktivität im Gewebe.

Diese Trennung betont übrigens auch die medizinische Leitlinie in Deutschland.

Was sagen deutsche Fachgesellschaften dazu?

In Deutschland fassen medizinische Fachgesellschaften den aktuellen Stand der Forschung in sogenannten S3-Leitlinien zusammen. Diese gelten als der „Goldstandard“ für ärztliche Entscheidungen, weil sie auf systematischen Literaturanalysen und dem Konsens vieler Expert:innen beruhen. Kurz gesagt: Hier steht drin, was nach aktuellem Wissen als gute medizinische Praxis gilt.

Die 2024 aktualisierte S3-Leitlinie zu Morbus Crohn bewertet auch den Einsatz von Cannabis.[5] Und ihre Einschätzung fällt differenziert aus.

Bertan Türemis bringt es so auf den Punkt:

„Die deutsche S3-Leitlinie für Morbus Crohn von 2024 erkennt die Evidenzlage an. Wenn herkömmliche Medikamente nicht ausreichend wirksam oder verträglich sind, kann eine Therapie mit Cannabis-basierten Arzneimitteln erwogen werden – vor allem zur Linderung von abdominellen Schmerzen oder bei Appetitverlust. Zugleich warnt sie aber auch: Cannabis soll nicht zur Behandlung von akuten Entzündungen eingesetzt werden. Denn die Studienlage erlaubt bislang keine sichere Aussage über einen entzündungshemmenden Effekt.“[2]

Damit entspricht die Einschätzung der Leitlinie genau dem, was die Studien zeigen: Cannabis könnte dabei helfen, den Alltag mit Morbus Crohn leichter zu bewältigen, ersetzt aber keine entzündungshemmende Therapie.

Doch wie sieht die Studienlage bei Cannabis gegen Colitis ulcerosa aus? Und was ist das überhaupt für eine Erkrankung?

Was ist Colitis ulcerosa?

Colitis ulcerosa gehört wie Morbus Crohn zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Im Unterschied zu Morbus Crohn, der den gesamten Magen-Darm-Trakt betreffen kann, beschränkt sich Colitis ulcerosa ausschließlich auf den Dickdarm, meist beginnend im Enddarm und sich von dort kontinuierlich ausbreitend. Die Entzündung sitzt zudem nur in der obersten Schleimhautschicht, während sie bei Morbus Crohn oft tief in die Darmwand eindringt.

Typische Symptome sind blutiger Durchfall, krampfartige Bauchschmerzen, starker Stuhldrang, Gewichtsverlust und Erschöpfung. Viele Betroffene erleben die Erkrankung in Schüben – mit Phasen starker Beschwerden und Zeiten relativer Ruhe. Warum Colitis ulcerosa entsteht, ist ebenfalls nicht abschließend geklärt. Angenommen wird ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, einer Fehlregulation des Immunsystems und Umweltfaktoren.

Im Vergleich zu Morbus Crohn verläuft Colitis ulcerosa oft flächiger, aber weniger tief. Komplikationen betreffen vor allem die Schleimhaut, während Crohn häufiger Fisteln, Abszesse oder narbige Verengungen verursacht. Beide Erkrankungen sind nicht heilbar.

Infografik zur Frage, ob Cannabis zur Behandlung von Colitis ulcerosa geeignet ist. Vier Punkte werden dargestellt: 1) Symptomlinderung – Cannabis könnte Schmerzen und Stuhlfrequenz verbessern. 2) Keine Entzündungsreduktion – Entzündungsmarker und Schleimhautheilung verbessern sich nicht zuverlässig. 3) Nebenwirkungen – möglich sind Schwindel und Müdigkeit. 4) Unterstützende Therapie – Cannabis kann ergänzen, ersetzt aber keine entzündungshemmenden Medikamente.

Cannabis bei Colitis ulcerosa: Was sagen aktuelle Studien?

Die Forschung zu Cannabis bei Colitis ulcerosa ist deutlich dünner als bei Morbus Crohn – und die bisherigen Ergebnisse fallen gemischt aus. Die Studien zeigen übereinstimmend: Cannabis kann Symptome lindern, aber die Entzündung im Darm verändert sich meist nicht deutlich.

Symptome verbessern sich – besonders Schmerz, Wohlbefinden und Stuhlgang

Mehrere Studien zeigen, dass sich Patient:innen unter Cannabis oft spürbar besser fühlen: weniger Bauchschmerzen, weniger Durchfall, mehr Appetit und insgesamt mehr Wohlbefinden. Diese Verbesserungen lassen sich auch in Messwerten wiederfinden – zum Beispiel sank in einer Studie der sogenannte Disease Activity Index (ein Symptom-Score) nach acht Wochen deutlich.[6,7]

Auch eine Meta-Analyse aus 2023 bestätigt: Unter Cannabinoiden verbesserten sich sowohl die Beschwerden als auch die Lebensqualität der Patient:innen.[7]

Aber: Die Entzündung selbst geht nicht zurück

So deutlich die mögliche Linderung der Beschwerden ausfällt, so klar zeigt sich ein Ergebnis, das dem von Morbus Crohn gleicht: Cannabis senkt weder CRP (Entzündungsmarker im Blut) noch Calprotectin (Entzündungsmarker im Stuhl) zuverlässig – und auch endoskopische Befunde (sichtbare Entzündungen bei einer Darmspiegelung) verbessern sich kaum oder gar nicht.[6,7]

Kurz gesagt: kein signifikanter Effekt auf Entzündungsmarker oder Schleimhautheilung.

Sicherheit: eher milde Nebenwirkungen, aber nicht harmlos

Studien-Teilnehmer:innen berichteten häufiger Nebenwirkungen als die Placebo-Gruppe – vor allem Schwindel, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Übelkeit. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten in keiner Studie im Zusammenhang mit Cannabis auf.[6]

Was bedeutet das für Betroffene?

Die aktuelle Evidenz zeigt ein klares Muster:

Einfach gesagt: Medizinisches Cannabis könnte Colitis-ulcerosa-Patient:innen helfen, sich besser zu fühlen, aber es heilt die Entzündung im Darm nicht.

Fazit: Hilft Cannabis gegen Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa?

Die Studienlage zeigt ein eindeutiges Muster: Cannabis könnte zentrale Symptome chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen lindern, darunter Bauchschmerzen, Appetitverlust, Schlafprobleme und allgemeines Unwohlsein. Patient:innen fühlen sich oft besser, obwohl die Entzündungsmarker im Darm unverändert bleiben. Ein Befund, der sich sowohl in Studien zu Morbus Crohn als auch zu Colitis ulcerosa wiederholt. Cannabis könnte also vor allem symptomatisch wirken, nicht entzündungshemmend.

Für die Zukunft stellt sich eine entscheidende Frage: Lässt sich das Potenzial der Cannabinoide gezielter nutzen? Forschende prüfen derzeit, ob unterschiedliche Wirkstoffverhältnisse, neue Formulierungen oder langfristige Therapieschemata mehr bewirken können – etwa eine Kombination aus Symptomlinderung und Einfluss auf die Entzündung. Bis solche Daten vorliegen, gilt Cannabis als vielversprechende ergänzende Option, nicht als Ersatz für bewährte Therapien.


FAQ

Welches Cannabis bei Darmentzündung?

Es gibt keine Sorte oder spezielle Cannabis-Darreichungsform, die die Entzündung zuverlässig reduziert. Cannabis konnte in Studien zu entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa weder CRP (Entzündungsmarker im Blut) noch Calprotectin (Entzündungsmarker im Stuhl) zuverlässig senken. Endoskopische Befunde (sichtbare Entzündungen bei einer Darmspiegelung) verbesserten sich kaum oder gar nicht. Weitere Forschungsarbeit ist hier dringend notwendig.

Ist Cannabis gut für den Darm – im Hinblick auf Morbus Crohn und Colitis ulcerosa?

Das lässt sich so nicht sagen. Studien zeigen, dass Cannabis Symptome wie Bauchschmerzen, Krämpfe, Übelkeit und Appetitverlust lindern kann. Viele Betroffene fühlen sich dadurch besser. Die Entzündung selbst wird jedoch nicht reduziert – weder bei Morbus Crohn noch bei Colitis ulcerosa. Deshalb könnte Cannabis die Behandlung ergänzen, ersetzt aber keine entzündungshemmende Therapie.


Quellen

[1] Vaid, R., Fareed, A., Qader, R., Hussain, A., Shaikh, W., Zameer, U., & Ochani, S. (2025). Cannabis use in Crohn's disease: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials (RCTs). Irish Journal of Medical Science, 194.

[2] Bertan Türemis. (2025, November). Ein Basketballprofi. 100 Cannabis-Gummibärchen. Und die Aussicht auf die Todesstrafe. (LinkedIn-Beitrag). LinkedIn: https://www.linkedin.com/posts/tueremis_ein-basketballprofi-100-cannabis-gummib%C3%A4rchen-activity-7381342567868833792-CkdE?utm_source=social_share_send&utm_medium=member_desktop_web&rcm=ACoAAC6Nv-kB3haiExlh8YI3GC34SIIQqKRjYVs

[3] Kang, H., Schmoyer, C. J., Weiss, A., & Lewis, J. D. (2025). Meta-analysis of the therapeutic impact of cannabinoids in inflammatory bowel disease. Inflammatory Bowel Diseases, 31(2), 450–460.

[4] Naftali, T., Bar-Lev Schleider, L., Almog, S., Meiri, D., & Konikoff, F. M. (2021). Oral CBD-rich cannabis induces clinical but not endoscopic response in patients with Crohn’s disease: A randomised controlled trial. Journal of Crohn’s and Colitis, 15(11), 1799–1806.

[5] Sturm, A., Atreya, R., Bettenworth, D., Bokemeyer, B., Dignass, A., Ehehalt, R., Germer, C.-T., Grunert, P. C., Helwig, U., Horisberger, K., Herrlinger, K., Kienle, P., Kucharzik, T., Langhorst, J., Maaser, C., Ockenga, J., Ott, C., Siegmund, B., Zeißig, S., & Stallmach, A. (2024). S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn (Version 4.1). AWMF-Register-Nr. 021-004.

[6] Kafil, T. S., Nguyen, T. M., MacDonald, J. K., & Chande, N. (2018). Cannabis for the treatment of ulcerative colitis. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2018(11), CD012954

[7] Kumar, R., Singh, S., & Maharshi, V. (2024). Therapeutic effects of cannabinoids on ulcerative colitis: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Journal of Health Science and Medical Research.

Cannabis legal kaufen

Cannabis ist in Deutschland inzwischen legal – aber nicht überall und nicht in jeder Form. Wer Cannabis kaufen möchte, sollte die erlaubten Wege kennen.


Key Facts


Cannabis-Legalisierung: ein politischer Balanceakt

In Kanada oder in Teilen der USA ist der Gang in den Cannabis-Shop längst Alltag. Wer dort konsumieren möchte, zeigt seinen Ausweis, zahlt an der Kasse – fertig. Deutschland hat sich für einen anderen Weg entschieden: Die Teillegalisierung im Frühjahr 2024 war ein politischer Balanceakt. Cannabis ist erlaubt, aber nicht überall, und schon gar nicht frei verkäuflich. Wer sich orientieren will, stößt schnell auf ein Dickicht aus Regeln, Ausnahmen und Grauzonen. Wir sorgen in diesem Artikel für Durchblick im Gesetzes-Dschungel und klären alle wichtigen Fragen zum Thema

 Infografik Cannabis legal kaufen: Drei Wege in Deutschland – medizinisches Cannabis auf Rezept, Cannabis Social Clubs für gemeinschaftlichen Anbau und Eigenanbau mit bis zu drei Pflanzen pro Haushalt.

Darf jetzt jeder einfach Cannabis online kaufen?

Nein, Cannabis kann nicht einfach wie ein Konsumgut von jedem im Internet gekauft werden. Der freie Online-Handel mit Cannabisblüten ist verboten. Online-Shops ohne Apothekenlizenz dürfen keine THC-haltigen Blüten oder Extrakte verkaufen.

Wo und wie kann man Cannabis legal online kaufen?

Cannabis online bestellen darf man nur über Apotheken, nicht über freie Online-Shops. Doch wer medizinisches Cannabis im Internet kaufen und als Arzneimittel nutzen möchte, braucht ein Rezept dafür von einem Arzt oder einer Ärztin. Dies kann auch digital ausgestellt werden – zum Beispiel über spezialisierte Telemedizin-Plattformen.

Im Kern gibt es seit der Legalisierung drei Wege, Cannabis legal zu erwerben – und einen, der nach wie vor verboten bleibt. Hier die Möglichkeiten im Überblick (Stand Dezember 2025):

  1. Für Cannabis-Patient:innen ist der wichtigste Zugang das ärztliche Cannabis-Rezept: Nur mit einem Rezept lassen sich geprüfte Cannabisblüten oder Cannabis-Extrakte in der Apotheke beziehen.
  2. Freizeitnutzer:innen haben seit 2024 zwar mehr Freiheiten in Sachen Konsum, doch legal kaufen können sie es nur in Cannabis Social Clubs.
  3. Freizeitkonsumierende haben zudem die Möglichkeit, Cannabis zu Hause und unter Einhaltung einiger Regeln für sich selbst anzubauen. Beim Eigenanbau kaufen Konsumierende keine Cannabisblüten, sondern Cannabissamen, um diese anzubauen.

Wichtig: Der Cannabis-Verkauf in Online-Shops, Geschäften und auf dem Schwarzmarkt bleibt weiterhin tabu.

Im nächsten Schritt werfen wir einen genaueren Blick auf die einzelnen Kauf-Optionen.

1) Der sichere Weg: Medizinisches Cannabis kaufen

Seit 2017 ist Cannabis in Deutschland als Arzneimittel zugelassen. Für viele Patient:innen mit chronischen Schmerzen, neurologischen Erkrankungen oder therapieresistenten Beschwerden bedeutete das einen Wendepunkt: Endlich durften Ärzt:innen Cannabis verschreiben – als Cannabisblüten oder in Form von standardisierten Cannabis-Extrakten, die in Apotheken erhältlich sind.

Doch so richtig einfach ist der Zugang zur Cannabis-Therapie bis heute nicht. Manche Ärzt:innen zögern mit der Verschreibung, nicht jede Apotheke führt alle Cannabis-Produkte und Krankenkassen verweigern immer wieder die Kostenübernahme. Trotz dieser Hürden bleibt das Cannabis-Rezept der einzig verlässliche und legale Weg, Cannabis zu kaufen. Mit einer gültigen Verordnung dürfen Patient:innen bis zu 100 Gramm pro Monat aus Apotheken beziehen – geprüft, standardisiert und damit sicher in Qualität und Reinheit.

Dabei sei aber noch einmal ganz klar gesagt: Cannabis kaufen in der Apotheke, ohne Rezept – das ist in Deutschland nicht möglich. Ausschließlich mit einer gültigen Verordnung dürfen Patient:innen medizinisches Cannabis aus Apotheken beziehen. Cannabis wird damit zum Arzneimittel – geprüft, standardisiert und damit sicher in Qualität und Reinheit.

Medizinische Cannabisblüten kaufen – mit Rezept und online

Zunehmend nutzen Patient:innen die Möglichkeit, ihr Cannabis-Rezept online über Telemediziner zu erhalten. Nach einer ärztlichen Konsultation – oft unterstützt durch einen Online-Fragebogen – wird das Cannabis-Rezept bei Eignung ausgestellt. Das medizinische Cannabis wird meist über Partner-Versandapotheken an die Patient:innen verschickt. Vorteil: Wartezeiten bei Fachärzt:innen und lange Wege zur Apotheke lassen sich so umgehen.

Live-Bestand in der Telemedizin: Überblick für Cannabispatienten

Ein praktisches Feature vieler Telemedizin-Anbieter ist der Live-Bestand von Cannabisblüten: Patient:innen können in Echtzeit sehen, welche Sorten in Partner-Apotheken aktuell verfügbar sind – mit Angaben zu THC- und CBD-Gehalt. Diese Übersicht dient vor allem dazu, Wünsche zu äußern und die Versorgung besser zu planen. Welche Sorte letztlich verschrieben wird, entscheidet jedoch immer die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Unser Tipp: Mehr zum Thema Cannabis als Medizin und warum wir gesamtgesellschaftlich dringend offener und anders darüber sprechen sollten, liest du in unserem Artikel "Cannabis neu gedacht".

Wofür wird medizinisches Cannabis verschrieben?

Cannabis ist in Deutschland als Medikament zugelassen und kann bei verschiedenen Erkrankungen verordnet werden – vor allem dann, wenn herkömmliche Therapien nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden. Die Studienlage wächst stetig, und für einige Beschwerdebilder gibt es inzwischen vielversprechende Hinweise auf eine mögliche Wirksamkeit.

Zu den häufigsten Anwendungsgebieten gehören:

Ob eine Cannabis-Therapie im Einzelfall sinnvoll ist, entscheidet immer die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Wichtig zu wissen: Cannabis heilt diese Erkrankungen nicht, kann aber dazu beitragen, Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Du möchtest mehr über Cannabis-Therapien erfahren? Auf unserer Seite „Wie werde ich Patient:in?" findest du alle Infos zum Weg in die Cannabis-Behandlung.

2) Der neue Weg: Cannabis kaufen in Cannabis Social Clubs

Mit der Teillegalisierung im April 2024 wurde auch das Modell der Cannabis Social Clubs (Anbauvereinigungen) eingeführt. Seit Juli 2024 dürfen sich Erwachsene in nicht-kommerziellen Vereinen zusammenschließen – das offizielle Angebot für Freizeitnutzer:innen. Bis zu 500 Mitglieder sind erlaubt, pro Person sind bis zu 50 Gramm Cannabis pro Monat möglich.

Wichtig: Es handelt sich im klassischen Sinne nicht um Verkauf. Vielmehr wird das Cannabis gemeinschaftlich angebaut und in festgelegten Mengen abgegeben. Der Begriff „Abgabe“ trifft es besser als „Verkauf“ – denn die Clubs sind nicht auf Gewinn ausgerichtet, sondern arbeiten gemeinnützig und decken ihre Kosten allein durch Mitgliedsbeiträge und Abgaben.

3) Eigenanbau: Cannabis zu Hause pflanzen

Neben den Cannabis Social Clubs ist auch der private Anbau erlaubt. Erwachsene dürfen bis zu drei weibliche Cannabispflanzen pro Haushalt ziehen, allerdings nur für den Eigenbedarf. Eine Weitergabe oder ein Verkauf ist nicht gestattet und die Cannabispflanzen müssen so gesichert werden, dass sie nicht in die Hände Dritter gelangen. Die dafür nötigen Cannabissamen können in Deutschland legal erworben werden.

Für Freizeitnutzer:innen eröffnet das die Möglichkeit, Cannabis selbst anzubauen und dabei Sorten und Anbaumethoden frei zu wählen. Patient:innen hingegen profitieren davon weniger: Für medizinische Behandlungen ist weiterhin ausschließlich standardisierte und geprüfte Apothekenware vorgesehen, da hier Qualität, Wirkstoffgehalt und Reinheit garantiert sein müssen.

Der illegale Weg: Schwarzmarkt

Was bleibt, ist der Weg, den es immer schon gab – und der bleibt illegal. Wer Cannabis auf der Straße kauft, riskiert nicht nur Strafen, sondern auch seine Gesundheit. Die Qualität ist ungewiss, gestrecktes Cannabis keine Seltenheit. In einer legalisierten Gesellschaft wirkt dieser Weg mehr denn je wie ein Relikt vergangener Zeiten.

Worauf es wirklich ankommt: Qualität und Beratung

Egal, ob medizinisch oder als Freizeitkonsument: Entscheidend ist die Qualität. Nur zertifizierte Produkte garantieren, dass keine Streckstoffe enthalten sind und der Gehalt an THC und CBD genau dem entspricht, was auf der Packung steht. Für Patient:innen kommt hinzu: Sie brauchen Beratung, abgestimmte Dosierungen, passende Sorten.

Unser Tipp: Du willst mehr zum Thema erfahren? In unserem Artikel "Cannabis kaufen – aber kontrolliert" sprechen wir über Modellprojekte zum regulierten Verkauf.

Werden Cannabis-Telemedizin-Plattformen und der Online-Kauf von medizinischem Cannabis auf Rezept 2026 verboten?

Das ist aktuell noch nicht klar. Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht vor, die Regeln für die Verschreibung von medizinischem Cannabis in Zukunft deutlich zu verschärfen.

Hier der Gesetzentwurf im Überblick:

Entscheidend ist jedoch: All das ist bislang nur ein Entwurf. Zwar wurde er vom Bundeskabinett beschlossen, er ist aber noch kein geltendes Recht. Erst wenn Bundestag und Bundesrat zustimmen und das Gesetz in Kraft tritt, ändern sich die bestehenden Regeln. Bis dahin bleibt die aktuelle Praxis erlaubt: Ärztliche Verordnungen sind auch nach digitaler Anamnese möglich und Apotheken dürfen medizinisches Cannabis weiterhin abgeben und versenden.

Viele Telemedizinanbieter stellen sich dennoch bereits auf mögliche Änderungen ein. Ihr Ziel ist es, Patient:innen auch künftig einen sicheren, transparenten und medizinisch fundierten Zugang zur Cannabistherapie zu ermöglichen.


FAQ

In Deutschland kannst du Cannabis legal nur an zwei Orten kaufen: in der Apotheke und im Cannabis Social Club. In der Apotheke – nur mit Rezept: Medizinisches Cannabis gibt es ausschließlich auf ärztliche Verordnung, auch nach Online-Anamnese über Telemedizin. Über Anbauvereinigungen (Cannabis-Clubs): Für Erwachsene, die Mitglied sind. Kein freier Verkauf, kein Online-Shop. Wo du Cannabis nicht legal kaufen kannst: Online-Shops ohne Apotheke Geschäfte Straßenverkauf / Schwarzmarkt
Wer im Internet THC bestellen möchte, muss darauf achten, dass es sich um medizinisches Cannabis aus einer zugelassenen Apotheke handelt und ein gültiges ärztliches Rezept verlangt wird. Ohne Rezept THC online zu kaufen ist in Deutschland illegal.
Der Preis für medizinisches Cannabis in deutschen Apotheken liegt in der Regel zwischen rund 5 und 15 Euro pro Gramm. Wie viel genau bezahlt wird, hängt von Sorte, Qualität, Hersteller und Anbaumethode ab.
Nein, medizinisches Cannabis kann man in Deutschland nur mit ärztlichem Rezept kaufen. Apotheken verkaufen medizinisches Cannabis nicht ohne Vorlage eines Rezeptes. 

Für Freizeitnutzer:innen ist Cannabis seit Juli 2024 jedoch in begrenztem Rahmen auch ohne Rezept legal erhältlich – entweder über Cannabis Social Clubs oder durch den Eigenanbau von bis zu drei Pflanzen. Ein freier Verkauf in Geschäften oder Apotheken existiert dagegen nicht. Der Kauf auf dem Schwarzmarkt bleibt verboten und riskant.
Ja – über Telemedizin-Anbieter ist es möglich, ein Cannabis-Rezept online zu erhalten. Nach einer digitalen ärztlichen Konsultation, häufig unterstützt durch einen Online-Fragebogen, kann bei entsprechender Indikation ein Rezept ausgestellt werden. Das medizinische Cannabis wird dann über Partner-Versandapotheken direkt nach Hause geliefert oder kann in einer Apotheke vor Ort abgeholt werden. Wichtig: Die Verschreibung erfolgt immer durch eine Ärztin oder einen Arzt, nicht automatisch.
Ein Cannabis-Rezept kannst du online über Telemedizin-Plattformen bekommen. Dort füllst du zuerst einen Online-Fragebogen aus oder sprichst per Video mit einer Ärztin oder einem Arzt. Danach wird geprüft, ob medizinisches Cannabis für deine Beschwerden sinnvoll sein könnte. Ist das der Fall, wird dir das Online-Rezept ausgestellt. 

Wichtig zu wissen: Nicht jede Person bekommt automatisch ein Cannabis-Rezept. Es muss eine Erkrankung vorliegen, bei der eine Ärztin oder ein Arzt einen möglichen Nutzen von Cannabis sieht. 

Mehr Infos zu den Voraussetzungen und eine Übersicht zu Telemedizin-Plattformen findest du auf unserer Seite „Wie werde ich Patient:in?“.
Grundsätzlich gibt es zwei Wege, um Cannabis-Patient:in zu werden: über eine Ärztin oder einen Arzt vor Ort oder über eine spezialisierte Telemedizin-Plattform. 

Der klassische Weg führt über die Hausärztin bzw. den Hausarzt oder über Fachärzt:innen. Alternativ nutzen viele Patient:innen Telemedizin-Angebote. Dort wird anhand eines Online-Fragebogens oder einer Videosprechstunde geprüft, ob eine Cannabistherapie medizinisch sinnvoll ist. Bei positiver Einschätzung wird ein Rezept für medizinisches Cannabis ausgestellt. Damit ist man automatisch Cannabis-Patient:in. 

Mehr Infos zum Thema findest du auf unserer Seite „Wie werde ich Patient:in?“.
Ja, aktuell kannst du deine Cannabis-Therapie in Deutschland online machen (Stand: Dezember 2025). Online-Anamnesen über Telemedizin-Plattformen sind erlaubt, Ärztinnen und Ärzte dürfen medizinisches Cannabis nach entsprechender Indikation verschreiben und Online-Apotheken können die verordneten Cannabisprodukte weiterhin versenden. 

Zwar gibt es politische Diskussionen und einen Gesetzentwurf zu möglichen Änderungen für Versand von Cannabis und Telemedizin, dieser ist jedoch noch nicht in Kraft. Bis zu einer endgültigen gesetzlichen Neuregelung gelten die bisherigen Regeln weiter. 

Mehr Infos zum Thema findest du auf unserer Seite „Wie werde ich Patient:in? Dein Weg in die Cannabis-Therapie".

THCP: Ein Cannabinoid stärker als THC

Cannabis enthält weit mehr als nur THC und CBD. Immer wieder entdecken Forschende neue Moleküle, die das Verständnis der Pflanze verändern. Eines davon ist THCP. Die Substanz kommt nur in winzigen Mengen vor und blieb deshalb lange unbemerkt. Doch ihre Entdeckung wirft eine grundlegende Frage auf: Wie gut kennen wir die tatsächliche Wirkung von Cannabis?



THCP – ein kleiner Zufallsfund, der große Fragen aufwirft

Manchmal verändert die Forschung nicht die großen Theorien, sondern die kleinen Details. Als ein italienisches Team 2019 eine medizinische Cannabissorte untersuchte, ging es ursprünglich nur darum, deren Inhaltsstoffe präziser zu bestimmen. Ein Routineprojekt, wie es in der Pflanzenchemie häufig vorkommt.

Doch zwischen THC, CBD und anderen bekannten Molekülen tauchte ein Signal auf, das nicht ins vertraute Muster passte: eine Verbindung, die chemisch erstaunlich ähnlich wirkte wie THC – nur etwas schwerer. Erst durch aufwendige Analysen und den Vergleich mit einer eigens synthetisierten Probe wurde klar, dass hier tatsächlich ein bisher unbekanntes, natürliches Cannabinoid vorlag: THCP[1]

Der Fund wirkte zunächst unscheinbar. Doch er berührt eine der zentralen Fragen der Cannabisforschung: Warum wirken manche Sorten stärker – oder anders – als ihr THC-Gehalt vermuten lässt?

Was ist THCP genau?

Doch bevor man über Wirkung, Potenz oder mögliche Bedeutung spricht, lohnt ein Schritt zurück: Was genau ist dieses Molekül, das in den vergangenen Jahren so viel Aufmerksamkeit bekommen hat?

THCP gehört zur großen Familie der Phytocannabinoide – chemische Verbindungen, die die Cannabispflanze selbst herstellt. Die meisten Menschen kennen nur zwei davon: THC und CBD. Doch die Pflanze ist wesentlich vielfältiger. Rund 150 solcher Moleküle sind inzwischen beschrieben, viele davon treten nur in Spuren auf.

THCP ist eines dieser seltenen Moleküle. Was es so besonders macht? Es ähnelt THC stark, ist aber nicht identisch. Und genau diese kleine strukturelle Abweichung könnte erklären, warum das Molekül im Labor so auffällig potent wirkt.

THCP ist also ein weiteres Teil im chemischen Puzzle „Cannabispflanze“, das lange übersehen wurde.

Eine Infografik mit dem Titel „Was ist THCP und warum ist es bemerkenswert?“. In der Mitte links befindet sich ein Icon eines nachdenklichen Gesichts, aus dem drei gelbe Linien nach rechts führen. Jede Linie endet in einem kleinen grünen Symbol und einem kurzen Text: 1) Ein Molekül-Icon mit der Überschrift „Strukturelle Ähnlichkeit mit THC“ und der Erklärung, dass THCP THC ähnelt, aber kleine Unterschiede seine Potenz erklären könnten. 2) Ein Labor- und Cannabisblatt-Icon mit der Überschrift „Seltenes Cannabinoid“ und der Erklärung, dass THCP eines von rund 150 bekannten Cannabinoiden ist, aber sehr selten vorkommt. 3) Ein Tabletten-Icon mit der Überschrift „Potenzielle Potenz“ und der Erklärung, dass THCP potenter als THC sein könnte und daher wissenschaftlich interessant ist.

THC und THCP – warum zwei ähnliche Moleküle unterschiedlich an Cannabinoid-Rezeptoren wirken

Aufgepasst! Jetzt wird es kurz nerdig. Aber ein kurzer wissenschaftlicher Exkurs macht nachvollziehbar, warum die Moleküle unterschiedlich wirken.

Um zu verstehen, warum THCP seit dieser Entdeckung so viel Aufmerksamkeit bekommt, lohnt sich ein Blick auf die Struktur. THC besitzt eine typische Form mit einem Ringgerüst und einer Seitenkette aus fünf Kohlenstoffatomen. Diese Seitenkette entscheidet maßgeblich darüber, wie gut das Molekül an den CB1-Rezeptor bindet – jenen Rezeptor im Gehirn, der für die psychoaktiven Effekte verantwortlich ist. Das „Δ9“ in Δ9-THC beschreibt dabei die Position einer Doppelbindung im Molekül – ein kleiner struktureller Marker, der verrät, dass es sich um die klassische Form des natürlich vorkommenden THC handelt.

THCP (oder auch Δ9-Tetrahydrocannabiphorol) sieht fast genauso aus. Ein vertrautes chemisches Gerüst, aber die Seitenkette trägt sieben Kohlenstoffatome. Klingt nach wenig? In der Molekularbiologie ist das eine kleine Revolution.

Schon frühere synthetische THC-Abwandlungen hatten gezeigt, dass eine längere Seitenkette die Bindung an CB1 verstärken kann. Bis zu einem gewissen Punkt wird der „Schlüssel“ damit passgenauer für das „Schloss“. Dass eine Cannabispflanze selbst ein solches Molekül bildet, war allerdings neu und bestätigte eine Vermutung, die die Forschung lange begleitet hatte.[1]

Die Entdeckung von THCP zeigte: Die Pflanze kann von sich aus Strukturen produzieren, die wir bislang nur aus Laborversuchen kannten – und die möglicherweise mehr Einfluss auf die Wirkung haben, als bisher angenommen.

THCP in der Pflanze: kaum vorhanden, aber dennoch relevant

In der untersuchten Cannabissorte steckte nur sehr wenig THCP. Während THC im Milligramm-Bereich pro Gramm Blüte vorkam, lag THCP in diesem Fall bei nur 29 Mikrogramm pro Gramm. Damit war es rund tausendfach geringer konzentriert.[1]

Warum sorgt das trotzdem für Interesse?

Weil THCP im Labor extrem wirkstark am CB1-Rezeptor ist. Selbst winzige Mengen könnten – theoretisch – spürbare Effekte haben. Das könnte erklären, warum Menschen oft berichten, dass bestimmte Sorten überraschend intensiv wirken, obwohl die Laboranalyse keine Auffälligkeiten zeigt.

Die Forschenden halten es für möglich, dass hochaktive, aber sehr seltene Cannabinoide wie THCP zu Wirkungen beitragen, die bisher allein dem THC zugeschrieben wurden.[1]

THCP-Wirkung und Nebenwirkungen: Was macht es im Körper?

Die vielleicht spannendste Erkenntnis der 2019er Studie stammt aus den Versuchen mit Mäusen. THCP zeigte ein Wirkprofil, das dem von THC ähnelt – allerdings bei geringeren Dosen. Schon kleine Mengen führten zu Veränderungen, die für Cannabinoide typisch sind:

All diese Effekte traten bei THCP in niedrigeren Dosierungen auf als bei THC, das in vergleichbaren Tests häufig erst bei 10 mg/kg deutliche Wirkungen zeigt.[1]

Für den Menschen heißt das allerdings nicht automatisch: „THCP macht 33-mal so high“. Die Übertragung von Tierdaten auf menschliche Erfahrung ist komplex. Was wir eindeutig sagen können: THCP ist aktiv, wirkstark und definitiv relevant, auch wenn es nur in Spuren vorkommt.

Ist THCP wirklich 33-mal stärker als THC?

Die oft zitierte Aussage, THCP sei 33-mal stärker als THC, ist missverständlich. In der Studie von 2019 wurde gezeigt, dass THCP 33-mal stärker an den CB1-Rezeptor bindet als THC (also: 33-fach höhere Affinität).

Das bedeutet nicht, dass THCP beim Menschen 33-mal so stark wirkt oder 33-mal so „high“ macht.

Die erhöhte Bindungsstärke zeigt lediglich:

Wie stark es im Menschen wirkt, weiß man bisher nicht. Dafür fehlen komplett klinische Daten.

Was bedeutet das für Patient:innen und Verbraucher?

Für die medizinische Anwendung könnte THCP ein wichtiger Hinweis sein. Cannabis-Patient:innen berichten immer wieder davon, dass bestimmte Cannabispräparate stärker wirken, andere wiederum kaum, obwohl die THC-Werte identisch sind. Bisher war das schwer zu erklären.

THCP liefert eine mögliche Antwort: Sorten können Moleküle enthalten, die bisher in keiner Standardanalyse auftauchen, aber dennoch deutlich zu den Effekten beitragen.

Die Autor:innen schlagen deshalb vor, THCP künftig bei der Qualitätsanalyse von medizinischem Cannabis mitzuerfassen. Denn wenn selbst Mikromengen starke Wirkungen entfalten, könnte das erklären, warum manche Präparate für Patient:innen besser funktionieren als andere – oder auch unangenehme Nebenwirkungen auslösen.[1]

Für Freizeitkonsumierende heißt der Befund vor allem: Die Wirkstärke einer Sorte hängt nicht allein vom THC-Wert ab. Cannabis ist chemisch vielschichtiger, als wir denken. Ein Laborwert allein sagt nicht alles.

Was THCP nicht ist – und warum Vorsicht geboten bleibt

Trotz allem Interesse ist wichtig, nüchtern zu bleiben. Die Studie zeigt nicht:

Sie ist ein Anfang, kein Befund mit unmittelbarer Relevanz für Konsum oder Medizin.

Derzeit gibt es keine klinischen Studien, keine Daten zu Nebenwirkungen, keine Forschung zur Kombination mit anderen Cannabinoiden. Wir wissen, dass THCP existiert, wie es aufgebaut ist und wie es in bestimmten Testsystemen wirkt. Viel mehr aber noch nicht.

Die eigentliche Bedeutung der Entdeckung

Die wichtigste Erkenntnis der Studie liegt vielleicht gar nicht im Molekül selbst, sondern in dem, was es über die Pflanze verrät. Cannabis ist deutlich komplexer, als es die Debatte um THC und CBD vermuten lässt. Wir kennen heute rund 150 Cannabinoide, aber nur eine Handvoll davon gut.

THCP zeigt: Das Puzzle ist nicht vollständig. Vielleicht verstecken sich in der Pflanze noch weitere seltene Moleküle, die eine wichtige Rolle spielen. Vielleicht erklären sie Unterschiede in Wirkung, Toleranz und Nutzen. Vielleicht verändern sie das Bild, das wir von Cannabis haben.

Und vielleicht zeigt diese Entdeckung vor allem, wie wichtig es ist, die Pflanze nicht nur politisch oder therapeutisch zu betrachten, sondern wissenschaftlich. THCP ist kein Hype. THCP ist ein Hinweis darauf, dass die Cannabispflanze uns noch überraschen kann.


FAQ

Ist THCP synthetisch?

THCP ist vor allem ein natürlich vorkommendes Cannabinoid, das erstmals 2019 in einer medizinischen Cannabissorte entdeckt wurde. Die Pflanze kann es selbst bilden, wenn auch nur in winzigen Mengen.

Die THCP-Produkte, die später im Handel auftauchten, enthielten jedoch nahezu immer synthetisch bzw. halbsynthetisch hergestelltes THCP. Der Grund: Die natürlichen Mengen sind so gering, dass eine direkte Extraktion aus der Pflanze nicht wirtschaftlich wäre.

Ist in jeder Cannabissorte THCP?

Das ist derzeit noch unklar. THCP wurde bisher nicht in jeder Cannabissorte nachgewiesen. Die Studie von 2019 fand THCP nur in einer medizinischen Sorte („FM2“ aus Italien). Ob es in allen, vielen oder nur in sehr wenigen Sorten vorkommt, ist bislang völlig unklar. Vor allem, weil die meisten Labore gar nicht danach suchen.

THC-P vs. THCP – wo liegt hier der Unterschied?

Es gibt keinen inhaltlichen Unterschied zwischen THC-P und THCP. Beides meint dasselbe Molekül: Δ9-Tetrahydrocannabiphorol.

Chemisch, strukturell und pharmakologisch handelt es sich um denselben Stoff.

Der einzige echte Unterschied liegt also in der Schreibweise, nicht in der Substanz.

Was ist stärker, HHC, THCP oder THCV?

THCP gilt nach aktueller Forschung als das potenteste dieser drei Cannabinoide.

HHC wirkt schwächer als THC.

THCV wirkt bei niedrigen Dosen eher dämpfend (CB1-Antagonist) und ist nicht mit THC vergleichbar.

Ist THCP gefährlich?

Ob THCP gefährlich ist, lässt sich bisher nicht zuverlässig sagen, weil es keine Studien am Menschen gibt. Was bekannt ist: THCP wirkt in Tiermodellen deutlich stärker als THC, was theoretisch auch stärkere oder unerwartete Effekte bedeuten kann. Gleichzeitig fehlen Daten zu Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, Langzeitfolgen oder Risiken bei regelmäßigem Konsum. Aus wissenschaftlicher Sicht gilt daher: THCP ist potent, aber unzureichend erforscht und genau daraus ergibt sich das größte Risiko.

Kann ich Cannabisprodukte mit THCP kaufen?

Seit dem 27. Juni 2024 sind THCP und mehrere andere neuartige Cannabinoide – darunter HHC, seine Derivate, Delta-8-THC, Delta-10-THC, THC-O und THCV – in Deutschland offiziell verboten, zumindest was Herstellung, Verkauf und Handel betrifft. Grundlage ist eine Änderung des Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetzes (NpSG), das diese Stoffgruppen seitdem vollständig erfasst.

Besitz und Konsum gelten dagegen weiterhin als nicht strafrechtlich verfolgt, weil die Regelung sich ausdrücklich auf den Marktverkehr bezieht und nicht auf die private Nutzung. THCP-Produkte können aber sichergestellt und vernichtet werden. Zivil- und verwaltungsrechtliche Folgen bzw. polizeiliche Maßnahmen sind möglich.

Praktisch heißt das: Kaufen oder verkaufen ist illegal, der bloße Besitz jedoch nicht – auch wenn es aufgrund des Verkaufsverbots keine legalen Quellen für THCP-Produkte gibt.

Ist THCP bei einem Drogentest nachweisbar?

Ja. Die Nachweisbarkeit von THCP in Drogentests gilt als sehr wahrscheinlich, weil gängige Urin- und Schnelltests nicht zwischen einzelnen Cannabinoiden unterscheiden. Sie reagieren auf allgemeine THC-Metabolite – und THCP wird voraussichtlich ähnliche Abbauprodukte bilden. In der Praxis würde THCP deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit als THC-positiv erscheinen. Spezifische Tests, die THCP gesondert erfassen, kommen derzeit nicht zum Einsatz.


Quellen

[1] Citti, C., Linciano, P., Russo, F., Luongo, L., Iannotta, M., Maione, S., Laganà, A., Capriotti, A. L., Forni, F., Vandelli, M. A., Gigli, G., & Cannazza, G. (2019). A novel phytocannabinoid isolated from Cannabis sativa L. with an in vivo cannabimimetic activity higher than Δ⁹-tetrahydrocannabinol: Δ⁹-tetrahydrocannabiphorol. Scientific Reports, 9(1), 20335.

Cannabis gegen Angst und Panikattacken

Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Viele Betroffene erhalten zwar Psychotherapie oder Antidepressiva – doch nicht alle sprechen darauf an und manche kämpfen mit Nebenwirkungen. Gleichzeitig wächst das Interesse an medizinischem Cannabis als mögliche Alternative oder Ergänzung. Doch wie gut wirkt es wirklich gegen Angst? Aktuelle Studien geben erste Antworten.



Angststörungen: Cannabis-Therapie als Option im Fokus

In einer Welt, in der Stress und Überforderung für viele zum Alltag gehören, scheint die Idee verlockend: Ein pflanzliches Arzneimittel, das beruhigt, den Körper entspannt und das Gedankenkarussell stoppt. Genau das erhoffen sich viele Menschen mit Angststörungen von medizinischem Cannabis.

Die Forschung beginnt, diese Hoffnung wissenschaftlich zu untermauern. Erste Studien zeigen: Für einen Teil der Patient:innen kann medizinisches Cannabis die Angst spürbar lindern. Gleichzeitig arbeiten Forschende daran, besser zu verstehen, wann es besonders hilft und für wen medizinisches Cannabis geeignet ist.

Was genau ist mit Angststörung eigentlich gemeint?

Angst gehört zum Leben. Sie warnt uns vor Gefahr und hilft, Situationen einzuschätzen. Problematisch wird sie erst, wenn sie nicht mehr zur Lage passt, dauerhaft anhält oder den Alltag einschränkt. Dann sprechen Fachleute von einer Angststörung. Dazu zählen verschiedene Erkrankungen, etwa die generalisierte Angststörung, bei der sich Betroffene ständig sorgen und kaum zur Ruhe kommen, oder soziale Angststörungen, bei denen schon alltägliche Begegnungen großen Stress auslösen können. Manche Menschen erleben Panikattacken, also plötzliche körperliche Alarmreaktionen, die sich anfühlen, als würde der Körper aus dem Nichts in höchste Gefahr geraten.

Die Studienlage zu medizinischem Cannabis bezieht sich bisher vor allem auf allgemeine Angstsymptome und auf die generalisierte Angststörung. Ob und in welchem Ausmaß Cannabis auch bei anderen Formen von Angst hilft – etwa bei Panikattacken oder sozialer Phobie – ist derzeit wissenschaftlich noch kaum untersucht.

Illustration einer Waage zum Thema medizinisches Cannabis gegen Angst: Auf der linken Seite stehen Vorteile wie schnelle Symptomlinderung und alternative Behandlungsmöglichkeiten. Auf der rechten Seite Nachteile wie keine Heilung und fehlende Datenlage. Überschrift: „Cannabis bietet Hoffnung, aber Forschung ist begrenzt.“

Cannabis gegen Angststörungen: Was sagt die Forschung?

Medizinisches Cannabis umfasst unterschiedliche Wirkstoffe, vor allem die Cannabinoide THC und CBD. Beide beeinflussen das körpereigene Endocannabinoid-System, das eine Rolle bei Stressregulation und Angst spielt. THC wirkt psychoaktiv und kann beruhigen – in höheren Dosen aber auch Unruhe, Herzrasen oder Angst verstärken. CBD gilt als nicht berauschend und wird häufiger mit angstlösenden Effekten in Verbindung gebracht.

Eine der bisher umfangreichsten Übersichtsarbeiten, die mehrere Studien zu Cannabis-basierten Medikamenten bei psychischen Erkrankungen ausgewertet hat, stammt aus 2019. Der Befund: Es gab Hinweise auf Verbesserungen einzelner Symptome, aber keine Belege dafür, dass medizinisches Cannabis eine psychische Erkrankung heilen kann. Dazu kommt, dass viele Studien eher klein waren, nur wenige Wochen dauerten und unterschiedliche Messmethoden nutzten. Ein wirklicher Vergleich war kaum möglich.[1]

England: Ein Jahr Behandlung – mehr Lebensqualität, weniger Angst

Neue Daten liefern allerdings vorsichtige Hoffnung. Eine britische Beobachtungsstudie aus dem Jahr 2024 untersuchte rund 180 Patient:innen mit generalisierter Angststörung, die medizinisches Cannabis erhielten. Die Teilnehmenden berichteten über klinisch relevante Verbesserungen ihrer Angstsymptome, oft schon nach wenigen Monaten. Viele fühlten sich ausgeglichener und im Alltag leistungsfähiger.[2]

Interessant war der Unterschied zwischen Darreichungsformen: Cannabis-Öle schnitten besser ab als Cannabis-Blüten. Der vermutete Grund: Öle lassen sich konstanter dosieren, rauchbare Produkte wirken dagegen schneller, aber weniger kontrolliert. Trotz überwiegend milder Nebenwirkungen betonten die Forschenden, dass es sich um eine unkontrollierte Beobachtungsstudie handelt – also ohne Placebo-Vergleich. Ein Ursache-Wirkungs-Nachweis ist damit nicht möglich.[2]

USA: Spürbare Entlastung – aber nicht ohne Rausch

Noch näher am Alltag ist eine US-amerikanische Studie von 2025, die erstmals den Alltagseffekt medizinischen Cannabis über Monate hinweg begleitete. 33 Menschen mit klinisch relevanter Angst und Depression begannen eine Behandlung mit medizinischem Cannabis. Sie protokollierten ihre Stimmung mehrmals täglich, vor und nach der Einnahme.[3]

Das Ergebnis: Die Angst sank oft innerhalb von Minuten, die Teilnehmenden fühlten sich ruhiger und emotional stabiler. Dieser Effekt hielt in vielen Fällen über sechs Monate an. Die Mehrheit nutzte THC-dominierte Produkte. Mit höherer Dosis stieg allerdings auch das Gefühl des „High-Seins“, und manche berichteten von eingeschränkter Fahrtüchtigkeit. Die meisten verwendeten Cannabis nicht täglich – möglicherweise ein Grund, warum die Effekte insgesamt stabil blieben und keine deutliche Verschlechterung eintrat.[3]

Doch auch hier gilt: Die Studie arbeitete ohne Kontrollgruppe, und die Teilnehmenden kauften unterschiedliche Produkte. Was genau wirkte – THC, CBD, das Verhältnis oder die Erwartungshaltung – bleibt offen. Die Forschenden selbst fordern dringend kontrollierte Studien.

Eines eint die meisten Studien: Hoffnung, aber zu wenig Beweise

Nimmt man die Studien zusammen, ergibt sich ein vorsichtig optimistisches Bild: Medizinisches Cannabis kann Angstsymptome lindern, zum Teil schnell und spürbar – besonders dort, wo klassische Behandlungen nicht ausreichend helfen oder schlecht vertragen werden.

Gleichzeitig fehlt bislang eine solide wissenschaftliche Basis für breite Empfehlungen. Zentral bleibt das Ergebnis der großen Übersichtsarbeit von 2019: Verbesserungen ja – aber keine Heilung.[1] Und zu vielen Fragen fehlen Daten:

Zwischen Chance und Vorsicht

„Wer heute medizinisches Cannabis gegen Angst erhält, bewegt sich häufig in einem Bereich, in dem die klinische Anwendung schneller voranschreitet als die Forschung und Evidenz“, so Bertan Türemis, Medical Science Liaison Manager bei avaay Medical. „Gerade deshalb braucht dieses Thema mehr wissenschaftliche Sorgfalt und klare Daten, bevor sich daraus eine Routine ableiten lässt.“

Es wäre voreilig, Cannabis-Medikamente als „neue Angstlösung“ zu feiern. Doch ebenso verfrüht wäre es, ihr Potenzial zu unterschätzen. Die bisherigen Daten zeigen: Es gibt einen therapeutischen Effekt – zumindest für einen Teil der Betroffenen. Um zu wissen, wie groß er wirklich ist, braucht es nun robuste, placebokontrollierte Studien mit klaren Kriterien, Dosierungen und Langzeitbeobachtung.

Cannabis-Panikattacke: Kann es auch den gegenteiligen Effekt haben?

So vielversprechend die Hinweise auf eine angstlindernde Wirkung von medizinischem Cannabis sind – der Effekt ist nicht bei allen gleich. Vor allem THC, der psychoaktive Bestandteil der Pflanze, kann unter bestimmten Umständen Angst verstärken oder sogar Panik auslösen. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2020 zeigt, dass THC bei niedrigen Dosen zwar beruhigend wirken kann, bei höheren Mengen jedoch auch eine gegenteilige Reaktion hervorrufen kann – mit Unruhe, Anspannung oder Angstsymptomen. CBD hingegen wirkte in den untersuchten Tier- und Humanstudien überwiegend angstlindernd, und auch in höheren Dosen wurde kein Angst auslösender Effekt beobachtet.[4]

Angstzustände nach Cannabiskonsum: Aktuelle Studie aus Kanada

Wie sich dieser Unterschied im Alltag auswirken kann, lässt sich an einer großen kanadischen Bevölkerungsstudie ablesen. Sie untersuchte, was mit Menschen passiert, die wegen Cannabis in der Notaufnahme behandelt wurden. Das Ergebnis: Wer mit einem cannabisbedingten Notfall in der Klinik landete, hatte in den folgenden drei Jahren ein deutlich erhöhtes Risiko, wegen einer Angststörung erneut medizinische Hilfe zu benötigen – rund viermal so häufig wie die Allgemeinbevölkerung. Besonders stark war der Effekt bei jungen Männern.[5]

Die Studien belegen nicht, dass Cannabis zwangsläufig Angst „verursacht“. Möglich ist auch, dass einige Betroffene bereits unter Angst litten und Cannabis als Selbstmedikation nutzten, bevor es zu einer Überforderung des Körpers kam. Dennoch lässt sich festhalten: Zu viel THC, insbesondere ohne medizinische Begleitung, kann für manche Menschen die Symptome verschlimmern statt lindern – während CBD-reiche Präparate bislang ein deutlich verträglicheres Profil zeigen.[5]

Ausblick: Wie geht es weiter mit Cannabis in der Behandlung von Angststörungen

Mit der wachsenden gesellschaftlichen Akzeptanz von Cannabis verändert sich auch der Blick auf seinen möglichen medizinischen Nutzen. In der öffentlichen Wahrnehmung rückt die Substanz zunehmend von der reinen Rauschmittel-Debatte in Richtung Therapieoption – gerade bei psychischen Belastungen, für die viele Betroffene händeringend nach Alternativen suchen. Diese Entwicklung eröffnet Chancen, birgt aber auch Risiken.

Denn so nachvollziehbar der Wunsch nach schneller Entlastung ist: Selbstmedikation mit Cannabis ist gerade bei Angststörungen keine gute Idee. Ohne ärztliche Begleitung fehlt die Kontrolle über Wirkstoffgehalt, Dosis und mögliche Wechselwirkungen – und damit steigt das Risiko, dass sich Symptome verstärken statt lindern. Wer eine Behandlung mit medizinischem Cannabis in Erwägung zieht, sollte dies daher immer mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen, idealerweise eingebettet in ein therapeutisches Konzept und mit klarer Wirkungskontrolle.

Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Cannabis-Arzneimittel in der Angsttherapie einen festen Platz einnehmen. Entscheidend wird sein, Forschung, Versorgung und Aufklärung miteinander zu verzahnen: belastbare Studien, fachliche Beratung und ein verantwortungsvoller Umgang – sowohl im Gesundheitswesen als auch gesellschaftlich. Gelingt das, könnte medizinisches Cannabis künftig zu einer sinnvollen Ergänzung werden: nicht als Wundermittel, aber als eine ernstzunehmende Option für Menschen, die mit klassischen Behandlungen bisher kaum Erleichterung finden.


FAQ

Kann mir Cannabis verschrieben werden, wenn ich eine Angststörung habe?

Grundsätzlich ja – aber nicht automatisch. In Deutschland kann medizinisches Cannabis bei verschiedenen Erkrankungen verordnet werden, wenn andere anerkannte Behandlungen nicht ausreichend geholfen haben oder nicht vertragen wurden. Eine diagnostizierte Angststörung kann darunter fallen, vor allem wenn klassische Therapien wie Psychotherapie und Antidepressiva nicht den gewünschten Erfolg bringen. Wichtig ist: Cannabis ist keine Standardbehandlung bei Angststörungen. Ärzt:innen entscheiden im Einzelfall, ob eine Therapie sinnvoll erscheint. Dabei spielen unter anderem die Art der Angststörung, bisherige Behandlungen, mögliche Wechselwirkungen, Abhängigkeitsrisiken und die psychische Stabilität der Patient:innen eine Rolle.

Ist Cannabis ein Beruhigungsmittel?

Nicht im eigentlichen Sinne. Cannabis kann beruhigend wirken, ist aber kein klassisches Beruhigungsmittel.

Hilft Cannabis gegen eine Panikattacke?

Cannabiskonsum kann während einer Panikattacke eher nachteilige Wirkungen haben. Ob Cannabis bei Panikattacken auch helfen kann, ist derzeit wissenschaftlich kaum belegt. Dazu fehlen noch aussagekräftige Studien.

Kann Cannabiskonsum Angstzustände auslösen?

Ja, das ist möglich. Vor allem bei THC-haltigem Cannabis und bei Menschen, die dafür anfällig sind. Die Forschung zeigt, dass Cannabis nicht nur beruhigen, sondern in bestimmten Situationen auch Angst, Panik oder paranoide Gedanken verstärken kann. Das gilt insbesondere bei hohen THC-Dosen.

Wie äußert sich eine Psychose durch Cannabis?

Eine cannabisbedingte Psychose zeigt sich meist kurz nach dem Konsum und kann folgende Symptome umfassen:

Bei anhaltenden Symptomen ist sofort medizinische Hilfe nötig.

Wie lange dauert eine Psychose durch Cannabiskonsum?

Die Dauer kann stark variieren. Häufig klingen die akuten Symptome innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen ab – besonders, wenn es sich um eine einmalige Überreaktion auf hohe THC-Mengen handelt. In einigen Fällen können die Beschwerden jedoch länger anhalten, etwa Tage bis Wochen, und eine ärztliche Behandlung nötig machen. Bei Personen mit einer Vulnerabilität für psychische Erkrankungen (z. B. familiäre Vorbelastung) kann ein Cannabiskonsum auch eine länger anhaltende psychotische Episode auslösen. Wichtig: Anhaltende Verwirrtheit, Halluzinationen oder Wahnideen sollten immer medizinisch abgeklärt werden.

Was mach ich bei einer Panikattacke nach Cannabiskonsum?

Bleib nicht allein damit. Panik nach Cannabis ist unangenehm, aber meist vorübergehend. Das kann helfen:

Wann sollte ich Hilfe holen? Wenn starke Verwirrtheit, Kreislaufprobleme, Brustschmerzen, Halluzinationen oder anhaltende Panik über mehrere Stunden auftreten – oder du dich nicht sicher fühlst: ärztliche Hilfe rufen. Lieber einmal zu viel als zu wenig.


Quellen

[1] Hoch, E., Niemann, D., von Keller, R. et al. How effective and safe is medical cannabis as a treatment of mental disorders? A systematic review. Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci 269, 87–105 (2019).

[2] Warner-Levy, J., Erridge, S., Clarke, E., McLachlan, K., Coomber, R., Asghar, M., … Sodergren, M. H. (2024). UK Medical Cannabis Registry: a cohort study of patients prescribed cannabis-based oils and dried flower for generalised anxiety disorder. Expert Review of Neurotherapeutics, 24(12), 1193–1202.

[3] Wolinsky, D., Mayhugh, R. E., Surujnarain, R., Thrul, J., Vandrey, R., & Strickland, J. C. (2025). Acute and chronic effects of medicinal cannabis use on anxiety and depression in a prospective cohort of patients new to cannabis. Journal of Affective Disorders, 390, 119829.

[4] Sharpe, L., Sinclair, J., Kramer, A. et al. Cannabis, a cause for anxiety? A critical appraisal of the anxiogenic and anxiolytic properties. J Transl Med 18, 374 (2020).

[5] Myran, D. T., et al. (2025). Development of an anxiety disorder following an emergency department visit due to cannabis use: A population-based cohort study. eClinicalMedicine, 69, 102455.

THC und CBD kombinieren – macht das den Cannabiskonsum sicherer?

Von außen betrachtet scheint die Sache klar: Tetrahydrocannabinol (THC) ist der Stoff im Cannabis, der „high“ macht, Cannabidiol (CBD) dagegen gilt als beruhigend und soll unangenehme Effekte dämpfen. In der populären Vorstellung ergänzen sich beide Cannabinoide – eine Art internes Gleichgewicht, das den Rausch verträglicher macht. Doch die wissenschaftliche Forschung zeichnet ein differenzierteres, teilweise widersprüchliches Bild. Aktuelle Studien zeigen: Unter bestimmten medizinischen Bedingungen kann CBD sinnvoll sein. Für den Freizeitkonsum gilt das jedoch kaum – und in manchen Fällen kann die Kombination die Wirkung von THC sogar verstärken.



CBD, THC und das Endocannabinoid-System

Um zu verstehen, wie CBD und THC wirken, hilft ein kurzer Blick auf das Endocannabinoid-System (ECS) – ein körpereigenes Regelsystem, das Stimmung, Schlaf, Appetit, Schmerzen, Stress und das Immunsystem mitsteuert. Es besteht aus Rezeptoren (vor allem CB1 im Gehirn und CB2 im Immunsystem), körpereigenen Botenstoffen wie Anandamid sowie Enzymen, die diese Stoffe wieder abbauen.

THC passt wie ein Schlüssel in die CB1-Rezeptoren im Gehirn. Dadurch verändert sich die Signalweitergabe zwischen Nervenzellen. Das kann zu Entspannung, einem „High“ und veränderter Wahrnehmung führen – aber auch zu Nebenwirkungen wie Herzklopfen, Unruhe, Konzentrations- und Gedächtnisproblemen oder vorübergehenden psychoseähnlichen Symptomen.

CBD wirkt ganz anders. Es bindet kaum an diese Rezeptoren, beeinflusst jedoch ihre Aktivität – eher wie ein „Dimmer“. Es kann beeinflussen, wie stark THC wirkt, und unterstützt Prozesse, die Stress, Entzündungen und Schmerzen betreffen. CBD löst selbst keinen Rausch aus. Genau deshalb hoffen viele, dass es THC-Nebenwirkungen abfedern könnte.

Aus dieser Logik stellt sich die zentrale Frage: Kann CBD unerwünschte Effekte von THC abschwächen – und den Konsum sicherer machen?

Wirkung von CBD und THC: Vier Studien, vier Antworten

1. Edibles: CBD kann THC sogar verstärken

Eine kontrollierte Studie der Johns Hopkins University untersuchte, wie THC und CBD gemeinsam wirken, wenn sie als Esswaren konsumiert werden – eine Konsumform, die in Nordamerika zunehmend verbreitet ist. Die Ergebnisse waren überraschend: CBD führte nicht zu einer milderen, sondern zu einer stärkeren Wirkung des THC. Die Teilnehmenden erhielten Brownies, entweder mit THC oder mit einer Kombination aus THC und einer relativ hohen CBD-Dosis. Obwohl die THC-Menge in beiden Brownies identisch war, fanden die Forschenden im Blut der Teilnehmenden nahezu doppelt so hohe THC-Konzentrationen, wenn zusätzlich CBD enthalten war. Auch der Spiegel des THC-Abbauprodukts 11-OH-THC, das selbst psychoaktiv wirkt, war um ein Vielfaches erhöht.[1]

Subjektiv berichteten die Probandinnen und Probanden intensivere Wirkungen – nicht nur die gewünschten, sondern auch unangenehme wie Übelkeit, Unruhe, stärkere Wahrnehmungsveränderungen und kognitive Beeinträchtigungen. Die Kombination führte außerdem zu einem stärkeren Anstieg der Herzfrequenz. Das legt nahe, dass CBD in dieser Konsumform den Abbau von THC verlangsamt und so die Wirkung verlängert und intensiviert. Für die weit verbreitete Annahme, CBD „puffere“ THC, ist das ein deutlicher Gegenbeweis.[1]

2. Beim Inhalieren zeigt CBD kaum Schutzwirkung

Wenn Cannabis nicht gegessen, sondern inhaliert wird, gelangt THC über die Lunge rasch ins Blut und ins Gehirn. Die Effekte treten schneller ein, klingen aber auch schneller ab als bei Esswaren. Eine Studie aus 2022 testete verschiedene CBD-zu-THC-Verhältnisse – auch solche, die in medizinischem Cannabis üblich sind – an Personen, die eher selten Cannabis konsumieren. Dabei zeigte sich: THC beeinträchtigte Gedächtnis, Aufmerksamkeit und erhöhte psychoseähnliche Symptome. Doch keine der getesteten CBD-Dosen milderte diese Effekte zuverlässig.[2]

Die Forschenden wählten CBD:THC-Verhältnisse zwischen 0:1 und 3:1, also sogar solche, die deutlich CBD-lastig sind. Dennoch zeigte sich keine robuste Schutzwirkung. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die oft beworbene Balance aus CBD und THC beim Inhalieren kein verlässlicher Sicherheitsfaktor ist – zumindest nicht in den Dosierungen, die in vielen gängigen Produkten vorkommen.[2]

3. Überblick über 16 Studien: Wirkung möglich, aber inkonsistent

Eine systematische Übersichtsarbeit wertete 16 Humanstudien aus und lieferte ein gemischtes Bild. In einigen Untersuchungen reduzierte CBD akute THC-Effekte, insbesondere Angst oder psychoseähnliche Symptome. In anderen Studien blieb ein Einfluss aus. Teilweise zeigte CBD sogar gegenteilige Effekte. Die Heterogenität der Studien ist dabei groß: unterschiedliche Dosierungen, verschiedene Konsumwege (orale Einnahme, Inhalation), variierende THC:CBD-Verhältnisse. Einen klaren Schwellenwert, ab dem CBD zuverlässig schützt, konnte die Review nicht identifizieren.[3]

Die Autoren kommen zu einem vorsichtigen Fazit: CBD kann unter bestimmten Bedingungen kurzfristige THC-Effekte beeinflussen. Ein stabiler, verlässlicher Schutzmechanismus ist daraus jedoch nicht abzuleiten.[3]

4. Jugendliche vs. Erwachsene: Kein Schutz durch CBD, gleiche Wirkung bei beiden

Eine weitere Studie der University College London untersuchte erstmals unter streng kontrollierten Laborbedingungen sowohl Jugendliche (16–17 Jahre) als auch Erwachsene (26–29 Jahre), die regelmäßig, aber nicht täglich Cannabis konsumierten. Die Forschenden wollten wissen, ob Jugendliche stärker oder schwächer auf die akuten Wirkungen reagieren – und ob CBD diese abschwächen kann. Das Ergebnis war in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Erstens reagierten Jugendliche und Erwachsene sehr ähnlich. Die verbreitete Annahme, Jugendliche seien besonders empfindlich oder besonders tolerant gegenüber der akuten THC-Wirkung, ließ sich hier nicht bestätigen.[4]

Zweitens zeigte CBD auch in diesem Setting keine mildernde Wirkung. Weder die kognitiven Einschränkungen noch die psychoseähnlichen Symptome wurden reduziert. Die Autor:innen raten daher ausdrücklich davon ab, Jugendlichen den Konsum von CBD-haltigem Cannabis als vermeintlich „sichere“ Alternative nahezulegen. Dies könne ein falsches Gefühl von Kontrolle erzeugen.[4]

Grafik mit dem Titel „THC und CBD bewusst kombinieren – sind sie das Wirkungs-Dreamteam?“. Links ein grünes lächelndes Gesicht mit dem Hinweis „Medizinische Nutzung: THC und CBD können zusammen für therapeutische Effekte wirken“. Rechts ein grünes weinendes Gesicht mit dem Hinweis „Freizeitliche Nutzung: CBD bietet keinen Schutz vor negativen THC-Nebenwirkungen“. In der Mitte steht „VS“.

Medizinischer Nutzen – aber anders, als viele glauben

Trotz der ernüchternden Datenlage aus der "Freizeitforschung" hat die Kombination von THC und CBD in der Medizin ihren Platz. Einige medizinische Cannabis-Produkte, die zum Beispiel zur Behandlung chronischer Schmerzen zugelassen sind, enthalten beide Substanzen in festem Verhältnis. Hier wird jedoch ein anderer Mechanismus genutzt: Die Wirkstoffe greifen an verschiedenen Stellen an – THC etwa kann schmerzlindernd über das Nervensystem wirken, CBD kann Entzündungsprozesse modulieren. Der gewünschte Effekt entsteht nicht dadurch, dass CBD THC neutralisiert, sondern durch ein mögliches Zusammenwirken mehrerer therapeutischer Eigenschaften.

Das zeigt, wie wichtig es ist, medizinische und freizeitliche Nutzung klar zu trennen. Erkenntnisse aus dem einen Bereich lassen sich nicht ohne Weiteres auf den anderen übertragen.

Orientierung im Produktdschungel: Was Bezeichnungen wie „20/1“ wirklich bedeuten

Wer heute medizinisches Cannabis in Deutschland erhält begegnet schnell Bezeichnungen wie „20/1“, „10/10“ oder „5/20“. Diese Codes klingen nach „Stärkeklassen" oder Qualitätslabels, sind aber zunächst nüchterne Inhaltsangaben: Sie zeigen den THC- und CBD-Gehalt in einem Produkt – meist in Milligramm pro Gramm.

Die Zahlen sollen medizinische Transparenz schaffen – vor allem für Ärzt:innen und Apotheken, die Dosierungen steuern müssen. Missverständlich werden sie dort, wo Konsumierende sie als Wirkungsversprechen deuten. Ein „20/1“-Produkt ist nicht per se „stärker“ im Sinne von „besser“, sondern schlicht hochpotent in THC – und nahezu ohne CBD.

Und: Ein vermeintlich ausgeglichenes Verhältnis wie „10/10“ klingt harmonisch, doch die Forschung zeigt bislang keinen verlässlichen Schutzeffekt vor den typischen THC-Nebenwirkungen – zumindest nicht bei den Mengen, die in gängigen Produkten vorkommen.[2,4] Die Zahlen helfen also bei der Einordnung, ersetzen aber keine ärztlich betreute Cannabis-Therapie.

Was bedeutet das alles für die Wirkung von THC und CBD?

Nach aktuellem Forschungsstand lassen sich für den Freizeitgebrauch drei robuste Erkenntnisse formulieren:

Warum hält sich der Mythos vom „Schutzschild CBD“?

Die Idee wirkt intuitiv: Ein Wirkstoff, der beruhigt, könnte den anderen „ausgleichen“. Dazu kommt: Viele Konsumierende berichten subjektiv von sanfteren Erfahrungen, wenn das Cannabis mehr CBD enthält. Subjektive Eindrücke sind jedoch schwer mit kontrollierten Studiendaten zu vergleichen. Auch spielt Erfahrung, Erwartungshaltung, Konsumumfeld und individuelle Psychologie eine große Rolle. Zudem kursieren im Internet und in sozialen Medien zahlreiche vereinfachte Darstellungen und Marketingaussagen, die ein rundes, aber unvollständiges Bild zeichnen.

Manche Fehlinformation entsteht jedoch auch aus einem Missverständnis wissenschaftlicher Ergebnisse: Einzelne Studien, in denen CBD bestimmte Effekte abschwächte, führten vorschnell zu der Annahme eines generellen Schutzes. Die Übersichtsarbeit von 2019 zeigt aber, dass diese Befunde nicht konsistent sind.[3]

Offene Fragen der Forschung

Auch wenn die Evidenz gegen einen verlässlichen Schutzeffekt spricht, bleiben wichtige Fragen offen:

Die Forschung steht hier noch am Anfang. Klar ist bisher nur: Wenn es einen Schutz gibt, dann eher unter sehr spezifischen Bedingungen – etwa hohen CBD-Dosen und rechtzeitigem Vorlauf. „Etwas CBD im Joint“ genügt wahrscheinlich nicht.

Ein Fazit ohne Illusionen

Der Reiz eines „ausbalancierten“ Cannabis ist groß: Ein Rausch, der entspannt, ohne zu überfordern; ein natürlicher Stoff, der gleichzeitig Genuss und Sicherheit verspricht. Die Vorstellung ist verständlich – sie entspricht dem Wunsch nach Kontrolle über einen psychoaktiven Zustand. Doch die bisherigen Studien liefern nur begrenzte Gründe für diesen Optimismus.

CBD ist ein medizinisch hochinteressanter Wirkstoff, dessen therapeutisches Potenzial intensiv erforscht wird. Als Schutzschild gegen THC im Freizeitkonsum lässt er sich nach heutiger Datenlage jedoch kaum bezeichnen. Wer Cannabis nutzt, sollte das wissen: Die Kombination aus THC und CBD ist nicht automatisch die sanftere Wahl.


FAQ

Für das „High“-Gefühl ist THC verantwortlich. Es wirkt direkt im Gehirn, verändert Wahrnehmung und Stimmung und kann je nach Menge für Entspannung, Euphorie, aber auch für Herzklopfen, Angst oder Gedächtnislücken sorgen. CBD macht dagegen nicht „stoned“. Es beeinflusst das Gehirn viel sanfter und löst keinen klassischen Rausch aus. Viele Menschen beschreiben CBD als eher beruhigend oder ausgleichend – ohne Benommenheit oder Kontrollverlust. Kurz gesagt: THC sorgt für den Cannabisrausch. CBD nicht.
THC wirkt psychoaktiv und macht in der Regel „high“. CBD nicht.
Der Körper baut THC vor allem über die Leber ab – und das braucht Zeit. Beschleunigen lässt sich der Prozess kaum. Was hilft, ist eher symptomlindernd: viel Wasser trinken, frische Luft und leichte Bewegung, ruhige Umgebung, bewusstes Atmen und leichte Kost. Kaffee, Pfefferkörner oder „Geheimtipps“ verkürzen den Rausch nicht. Der spürbare Effekt klingt meist nach ein paar Stunden ab, der vollständige Abbau kann – vor allem bei regelmäßigem Konsum – deutlich länger dauern.
Ein „optimales“ Verhältnis gibt es nicht, denn Studien zeigen unterschiedliche Ergebnisse, je nach Dosis, Konsumform und Zweck. Für den Freizeitgebrauch lässt sich daraus kein allgemeingültiger Schutzfaktor ableiten. Für medizinische Anwendungen hingegen wird das Verhältnis individuell gewählt, je nach Krankheitsbild, gewünschter Wirkung und Verträglichkeit. Häufig kommen ausgewogene Präparate wie 1:1 (CBD:THC) zum Einsatz, weil beide Wirkstoffe unterschiedliche Mechanismen im Körper ansprechen können. Entscheidend ist dabei immer die ärztliche Einschätzung: Nur medizinisches Fachpersonal kann beurteilen, welche Kombination – wenn überhaupt – sinnvoll ist, wie sie dosiert werden sollte und welche Risiken bestehen.


Quellen

[1] Johns Hopkins Medicine. (2023, February 13). CBD may increase the adverse effects of THC in edible cannabis products, study shows. https://www.hopkinsmedicine.org/news/newsroom/news-releases/2023/02/cbd-may-increase-the-adverse-effects-of-thc-in-edible-cannabis-products-study-shows

[2] Englund, A., Oliver, D., Chesney, E. et al. Does cannabidiol make cannabis safer? A randomised, double-blind, cross-over trial of cannabis with four different CBD:THC ratios. Neuropsychopharmacol. 48, 869–876 (2023).

[3] Freeman, A. M., Petrilli, K., Lees, R., Hindocha, C., Mokrysz, C., Curran, H. V., Saunders, R., & Freeman, T. P. (2019). How does cannabidiol (CBD) influence the acute effects of delta-9-tetrahydrocannabinol (THC) in humans? A systematic review. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 107, 696–712.

[4] Lawn W, Trinci K, Mokrysz C, Borissova A, Ofori S, Petrilli K, et al. The acute effects of cannabis with and without cannabidiol in adults and adolescents: A randomised, double-blind, placebo-controlled, crossover experiment. Addiction. 2023; 118(7): 1282–1294.

Medizinisches Cannabis vaporisieren

Wenn es um die Anwendung von medizinischem Cannabis geht, taucht schnell die Frage auf: Ist Verdampfen oder Rauchen besser? Aus therapeutischer Sicht spricht vieles dafür, Cannabis – insbesondere Cannabisblüten, aber auch bestimmte Cannabisextrakte – zu vaporisieren. Beim Verdampfen werden die Wirkstoffe erhitzt, ohne sie zu verbrennen. Das kann schonender für die Atemwege sein und eine besser steuerbare Dosierung ermöglichen.



Warum Vaporisieren statt Rauchen von Cannabis?

Viele kennen Cannabis vor allem aus dem Freizeitkonsum. Sprich: vom "Kiffen". Cannabisblüten oder Haschisch werden mit Tabak gemischt und als "Joint" geraucht. Für die medizinische Anwendung ist das allerdings unvorteilhaft.

Denn beim Verbrennen entstehen Schadstoffe, die die Atemwege reizen und langfristig die Lunge belasten können. Auch die Dosierung ist schwerer kontrollierbar, weil Temperatur und Verbrennungsprozesse stark schwanken.

Deshalb empfehlen Ärzt:innen in der Regel:

So lassen sich die gewünschten Wirkstoffe einatmen, ohne die gesundheitlichen Nachteile des Rauchens in Kauf zu nehmen.[1]

Wichtig zu wissen ist aber: Das Vaporisieren von Cannabis ist laut Studien zwar deutlich weniger belastend für die Atemwege als Rauchen, es bleibt aber eine Belastung.[1]

Vergleichsgrafik „Rauchen vs. Vaporisieren von Cannabis“. Links wird das Rauchen dargestellt: eine durchgestrichene Zigarette mit dem Hinweis „Erzeugt Schadstoffe und belastet Atemwege. Erschwert die Dosierung“. Rechts steht das Vaporisieren: ein Verdampfer-Symbol mit dem Hinweis „Erzeugt weniger Schadstoffe und belastet Atemwege weniger. Effizienter – weniger Cannabis kann benötigt werden“. In der Mitte befindet sich ein Kreis mit dem Schriftzug „VS“.

Wie funktioniert ein Cannabis-Vaporizer?

Das Verdampfen ist in der Medizin nichts Neues: Inhalative Therapien werden seit Jahrzehnten genutzt, etwa bei Atemwegserkrankungen oder in der Schmerztherapie. Entscheidend ist die richtige Temperatur, bei der der Wirkstoff vom festen oder flüssigen Zustand in Dampf übergeht.

Einfach erklärt: Bei Cannabis funktioniert ein Vaporizer so:

  1. Die zerkleinerten Cannabisblüten – oder bei speziellen Geräten passende Cannabisextrakte – kommen in die Heizkammer.
  2. Der Cannabis-Vaporizer (also ein Cannabis-Verdampfer) erhitzt sie auf eine kontrollierte Temperatur, meist zwischen 160 und 210 °C.
  3. Die Cannabinoide und Terpene werden als Dampf freigesetzt und können direkt eingeatmet werden.

Verschiedene Gerätetypen

Tisch-Vaporizer (stationär): Stationäre Vaporizer für Blüten oder Extrakte sind für den Gebrauch zu Hause konzipiert und bieten potenziell viel Leistung sowie eine präzise Temperatursteuerung. Sie benötigen in der Regel eine Steckdose und sind durch ihre Größe und Bauweise häufig eher unhandlich, sodass sie nicht für den mobilen Einsatz gedacht sind. Je nach Modell wird der Dampf in einen Ballon geleitet, über einen Schlauch inhaliert oder durch eine integrierte Wasserfiltration geführt.

Mobile Vaporizer (tragbar): Handliche Geräte mit Mundstück für den Alltag oder unterwegs. Dank ihrer leichten, akkubetriebenen und platzsparenden Bauweise können sie einfach transportiert und nahezu überall diskret verstaut werden.

Vaporizer für Extrakte: Einige Modelle sind dafür ausgelegt, Cannabis-Extrakte, Öle oder Konzentrate zu verdampfen. Eine Option für Patient:innen, deren Therapie nicht auf Blüten basiert oder die eine geruchsärmere Anwendung bevorzugen.

Verdampfung von Cannabis: Warum das Vorteile hat

Hier ein paar Vorteile des Cannabis-Verdampfens – abgesehen davon, dass es weniger belastend für die Atemwege sein kann:

Vaporisieren ist effizienter und kann Cannabis sparen

Beim Rauchen entsteht eine sehr hohe Hitze: 500–600 Grad Celsius. Ein großer Teil der empfindlichen Cannabinoide wird dabei schlicht zerstört. Weitere Wirkstoffe verschwinden ungenutzt im Nebenstrom-Rauch. Am Ende kommt nur ein kleiner Bruchteil dessen im Körper an, was ursprünglich in der Blüte steckte.

Beim Vaporisieren läuft das völlig anders: Es werden nur so viel Grad erzeugt, wie nötig ist, um Cannabinoide und Terpene zu lösen.

Das Ergebnis: Du brauchst weniger Cannabisblüten, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Das schont nicht nur die Lunge, sondern auch den Geldbeutel.[2]

Mehr Wirkstoff im Dampf: Was Studien zeigen

Für die medizinische Anwendung ist entscheidend, wie zuverlässig die Wirkstoffe aufgenommen werden. Das hat ein Forschungsteam der Johns Hopkins University School of Medicine untersucht:
Teilnehmende vaporisierten eine bestimmte Menge Cannabis – oder rauchten dieselbe Menge im Joint.

Das Ergebnis war eindeutig:

Für Patient:innen bedeutet das: Mit einem Vaporizer könnte die gewünschte Wirkung gezielter erreicht werden, bei geringeren Belastungen für den Körper.[2]

Patienten und ihre Erfahrungen mit Cannabis-Vaporizern

Viele Menschen, die Cannabis aus medizinischen Gründen nutzen, greifen inzwischen bewusst zum Vaporizer anstatt zum Joint. Eine US-Studie zeigt, dass dahinter vor allem praktische und gesundheitliche Überlegungen stehen. Besonders geschätzt wird, dass sich die Dosis beim “Vapen” sehr fein steuern lässt: Ein bis zwei Züge reichen manchen Patient:innen bereits, um akute Beschwerden wie Schmerzen, Übelkeit oder Verspannungen zu dämpfen.[3]

Auch die Handhabung spielt eine große Rolle. Tragbare Geräte sind unauffällig, erzeugen nur wenig Geruch und können problemlos unterwegs genutzt werden. Ein Vorteil, den viele im Alltag als entlastend beschreiben. Hinzu kommt, dass der Dampf von vielen Betroffenen als milder empfunden wird als Rauch; einige berichten sogar von weniger Husten oder gereizten Atemwegen, seit sie vom Rauchen auf das Verdampfen umgestiegen sind.[3]

Natürlich hat auch das Vapen Grenzen: Manche empfinden die Wirkung kleiner Vape Pens als weniger intensiv, andere finden bestimmte Geräte zu teuer oder technisch kompliziert. Insgesamt zeigt sich aber ein klares Bild: Für viele Patient:innen ist der Vaporizer eine schonendere, flexiblere und alltagstaugliche Methode, medizinisches Cannabis zu nutzen.[3]

Oder doch lieber orale Darreichungsformen?

Cannabis verdampfen ist nicht die einzige Möglichkeit der medizinischen Einnahme von Cannabis. Jede Inhalationsform hat gemeinsam, dass die Wirkung stark davon abhängt, wie tief und gleichmäßig jemand einatmet.

Viele fragen sich deshalb, ob man Cannabisblüten nicht auch einfach essen oder als Tee zubereiten kann. Beides ist zwar grundsätzlich möglich, medizinisch aber kaum empfehlenswert.

Cannabis-Tee ist aufwendig in der Zubereitung: Die Blüten müssen lange in kochendem Wasser ziehen, liefern aber trotzdem nur einen sehr kleinen Teil des enthaltenen THC. Edibles wie Cannabis-Kekse oder Brownies haben ein weiteres Problem: Die Dosis ist extrem schwer vorhersehbar. Selbst bei gleicher Menge können Wirkung und Dauer stark schwanken.

Deutlich kontrollierbarer sind standardisierte Cannabisprodukte für die orale Einnahme, zum Beispiel:

Diese Präparate wurden in Studien untersucht, lassen sich exakt dosieren und sind im medizinischen Alltag leichter anzuwenden.

Der Unterschied zur Inhalation ist vor allem der Zeitverlauf der Wirkung:

Fazit: Vaporisieren als schonendere und präzisere Option

Für viele Patient:innen bietet das Verdampfen von medizinischem Cannabis einen klaren therapeutischen Vorteil: Die Wirkstoffe können gezielt und effizient aufgenommen werden, ohne die gesundheitlichen Belastungen des Rauchens in Kauf zu nehmen. Dennoch gilt: Welche Darreichungsform am besten passt, sollte immer gemeinsam mit Ärzt:innen entschieden werden.


FAQ

Ein THC-Verdampfer – also ein Vaporizer für Cannabis – ist ein Gerät, das Cannabisblüten oder geeignete Extrakte erhitzt, ohne sie zu verbrennen. Dabei entstehen Dämpfe mit THC und anderen Wirkstoffen, die eingeatmet werden können.
Jeder handelsübliche Cannabis-Vaporizer kann grundsätzlich alle medizinischen Cannabisblüten verdampfen – egal welche Sorte. Für Cannabis-Extrakte oder Konzentrate braucht man allerdings ein Modell, das ausdrücklich dafür geeignet ist.
Ein Vaporizer erhitzt Cannabis so, dass die Wirkstoffe verdampfen, ohne dass etwas verbrannt wird. Dadurch können Cannabinoide und Terpene gleichmäßiger und kontrollierter freigesetzt werden. Einige Patient:innen berichten, dass die Wirkung beim Vaporisieren schneller einsetzt und sich präziser dosieren lässt als beim Rauchen.[3]
Für die meisten medizinischen Anwendungen liegt eine geeignete Temperatur zwischen etwa 160 und 210 °C. In diesem Bereich können Cannabinoide und Terpene verdampfen, ohne dass das Pflanzenmaterial verbrennt. Welche Temperatur am besten passt, hängt allerdings von Gerät, Sorte und persönlicher Verträglichkeit ab.
Ja, das Verdampfen von Cannabis gilt als schonendere Alternative zum Rauchen, weil dabei keine Verbrennung stattfindet und deutlich weniger Schadstoffe entstehen. Die Wirkstoffe lassen sich besser dosieren, und viele Patient:innen empfinden den Dampf als milder für Hals und Atemwege. Wichtig ist aber: Auch das Vaporisieren ist nicht völlig frei von Risiko. Auch hier können die Atemwege belastet werden.[1,3]
Eine pauschale Antwort gibt es hier nicht. Beide Wege haben mögliche Vorteile und passen je nach Person, Beschwerden und Alltag unterschiedlich gut. Vaporisieren kann den Wirkstoff schneller freisetzen, weil die Cannabinoide über die Lunge aufgenommen werden. Die Wirkung setzt dadurch oft rascher ein. Gleichzeitig bleibt auch das Verdampfen eine Form der Inhalation, was die Atemwege belasten könnte. Cannabisextrakte zur oralen Einnahme können langsamer, dafür potenziell gleichmäßiger und länger wirken. Die Dosierung ist meist besser kontrollierbar, weil standardisierte Präparate genutzt werden. Für einige Patient:innen kann das im Alltag stabiler sein. Für andere Patient:innen könnte der Wirkungseintritt zu lange dauern. Welche Form besser geeignet ist, hängt also vom individuellen Beschwerdebild, der gewünschten Wirkgeschwindigkeit, der Verträglichkeit und der ärztlichen Empfehlung ab. Eine allgemeingültige „beste“ Methode gibt es nicht. Entscheidend ist, was medizinisch sinnvoll und für die einzelne Person gut handhabbar ist.
Ja, das ist möglich. Aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Ein Vaporizer kann von der Krankenkasse erstattet werden, wenn deine Cannabistherapie grundsätzlich genehmigt ist und die Kasse die Kostenübernahme bestätigt hat. Dann kommt auch die Finanzierung eines medizinischen Vaporizers infrage.

Tipp: Frag am besten direkt bei deiner Krankenkasse nach. Die Bedingungen und Abläufe unterscheiden sich je nach Anbieter, und eine individuelle Rückfrage bringt am schnellsten Klarheit.


Quellen

[1] Rojas, D.E., McCartney, M.M., Borras, E. et al. Impacts of vaping and marijuana use on airway health as determined by exhaled breath condensate (EBC). Respir Res 26, 63 (2025).

[2] Johns Hopkins Medicine. (2018, December 4).Vaping cannabis produces stronger effects than smoking cannabis for infrequent users.

[3] Aston ER, Scott B, Farris SG. A qualitative analysis of cannabis vaporization among medical users. Exp Clin Psychopharmacol. 2019 Aug;27(4):301-308. doi: 10.1037/pha0000279. Epub 2019 May 23. PMID: 31120278; PMCID: PMC6737940.

Cannabis bei Rückenschmerzen: Was neue Studien zur Wirkung zeigen

Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen überhaupt. Viele Betroffene kämpfen jahrelang damit. Schmerzmittel wie Ibuprofen oder stärkere Opioide helfen manchmal nur begrenzt und bringen teils erhebliche Nebenwirkungen mit sich. Neue Studien aus dem Herbst 2025 nähren nun die Hoffnung, dass medizinisches Cannabis eine Alternative sein könnte. Sie zeigen: Die Wirkung ist da, aber nicht für alle gleich, und sie hat Bedingungen.



Was sind chronische Rückenschmerzen?

Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen überhaupt. Viele Beschwerden verschwinden nach einigen Tagen oder Wochen von selbst wieder – etwa nach einseitiger Belastung, Stress oder muskulären Verspannungen. Von chronischen Rückenschmerzen spricht man jedoch erst, wenn die Beschwerden länger als drei Monate anhalten oder immer wiederkehren. Dann verlieren sie oft ihren akuten Charakter und werden zu einer eigenen Erkrankung mit körperlichen, psychischen und sozialen Folgen.

In Deutschland sind nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts rund 16 Prozent der Erwachsenen betroffen. Das entspricht mehr als 12 Millionen Menschen. Frauen berichten etwas häufiger von chronischen Rückenschmerzen als Männer.[1]

Chronische Rückenschmerzen haben selten nur eine einzige Ursache. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen: Abnutzung an den Bandscheiben, muskuläre Verspannungen, Fehlhaltungen am Arbeitsplatz, Bewegungsmangel, Übergewicht, dauerhafte Belastung oder Stress. Auch die Psyche kann eine Rolle spielen: Wer sich wegen der Schmerzen weniger bewegt oder Angst vor weiteren Schmerzattacken hat, gerät leicht in einen Kreislauf aus Schonhaltung, Muskelabbau und verstärkten Beschwerden.

Die Schmerzbehandlung gilt daher als vielseitig. Neben Bewegung und Physiotherapie kommen je nach Ursache auch Entspannungsverfahren, psychologische Unterstützung und Medikamente zum Einsatz. Genau hier setzen aktuellen Studien an: Sie prüfen, ob Cannabinoide, wie THC und CBD eine sinnvolle Ergänzung in der Behandlung von chronischen Rückenschmerzen sein können, besonders dann, wenn herkömmliche Schmerzmittel nur eine begrenzte Wirksamkeit zeigen oder starke Nebenwirkungen haben.

Aktuelle Studienergebnisse: Kann Cannabis gegen Rückenschmerzen helfen?

Ob Cannabis wirklich gegen Rückenschmerzen hilft, wird seit Jahren erforscht – und oft kontrovers diskutiert. Die bisherigen Ergebnisse waren gemischt, doch zwei aktuelle Studien, veröffentlicht im September 2025, zeichnen nun ein klareres Bild. Sie zeigen: Cannabis könnte chronische Rückenschmerzen lindern, vor allem dann, wenn andere Medikamente kaum wirken oder schlecht vertragen werden.

Die Studien-Teilnehmenden berichteten über weniger Schmerzen, besseren Schlaf und geringeren Bedarf an Opioiden. Ganz ohne Einschränkungen sind die Befunde jedoch nicht: Die Wirkung ist individuell verschieden, und Cannabis ersetzt keine ganzheitliche Behandlung, sondern kann sie ergänzen.

Ein Blick auf die zwei neuen Studien zeigt, wo die Forschung aktuell steht:

Eine Langzeitstudie mit überraschend großen Effekten

Eine der beiden Studien ist ungewöhnlich: Forschende begleiteten 168 Patient:innen mit chronischen Rückenschmerzen über zehn Jahre – so lange wurde Cannabis bei Rückenschmerz bislang kaum untersucht. Die Teilnehmenden litten im Durchschnitt seit mehr als einem Jahr an starken Schmerzen, viele hatten Operationen hinter sich und nahmen Opioide.[2]

Das Ergebnis nach einem Jahrzehnt Cannabistherapie:

Cannabis-Nebenwirkungen wie Schwindel traten vor allem zu Beginn auf; nur wenige brachen die Behandlung deshalb ab.

Ein wichtiger Vorbehalt: Die Studie hatte keine Vergleichsgruppe ohne Cannabis. Man kann also nicht sicher sagen, wie groß der Anteil des tatsächlichen Wirkstoffeffekts ist und wie viel durch andere Faktoren erklärt werden könnte.[2]

Bertan Türemis, Senior Medical Science Liaison Manager bei der Sanity Group, ordnet die Bedeutung der Studie wie folgt ein: 

“Chronische Rückenschmerzen sind ein großes Problem. Viele Menschen nehmen dafür starke Schmerzmittel. Diese israelische Studie ist zwar keine randomisierte Placebo-kontrollierte Doppelblindstudie, sondern nur eine Observationsstudie, aber für mich ist sie besonders, weil es solche Langzeitdaten über 10 Jahre hinweg kaum gibt. Sie zeigt, dass Cannabis Rückenschmerzen und den Einsatz von Opioiden reduzieren kann.”

VER-01: Lindert ein neues Cannabis-Medikament Rückenschmerzen?

In einer großen, placebo­kontrollierten Studie testeten Forschende einen standardisierten Cannabis-Extrakt (VER-01) an 820 Personen. Alle litten an chronischen unteren Rückenschmerzen.[3]

Über zwölf Wochen hinweg sank der Schmerz bei den Cannabis-Behandelten stärker als in der Placebogruppe. Rund jede:r Zweite erreichte eine deutliche Verbesserung, also mindestens 30 Prozent weniger Schmerzen. Auch Schlaf und Beweglichkeit verbesserten sich häufiger als mit dem Placebo. Besonders profitierten Menschen, deren Rückenschmerz eine Nervenkomponente hatte – also wenn der Schmerz ausstrahlt, brennt oder sticht.

Die Kehrseite: Schwindel, Müdigkeit und Übelkeit kamen häufiger vor, vor allem zu Beginn der Behandlung. Schwerwiegende Nebenwirkungen waren jedoch selten. Hinweise auf Abhängigkeit oder Entzugserscheinungen fanden sich keine.[3]

Was bedeutet das für Menschen mit chronischen Schmerzen?

Beide Studien machen deutlich: Cannabis kann gegen chronische Rückenschmerzen helfen – aber nicht jedem und nicht immer gleich viel. Einige profitieren deutlich, andere spüren nur einen mäßigen Effekt.

Bertan Türemis betont:

"Wichtig zu verstehen ist: Cannabis ersetzt keine Bewegung oder andere Therapien und sollte erst in Betracht gezogen werden, wenn alle Standardverfahren ausgeschöpft sind. Doch für Menschen, die trotz verschiedener Therapieansätze unter chronischen Schmerzen leiden oder Opioide meiden möchten, kann es eine Option sein."

Wirkung von Cannabis bei Schmerzen: Welche Rolle spielt das Endocannabinoid-System?

Doch warum kann Cannabis überhaupt Schmerzen lindern – und worin unterscheidet es sich von klassischen Schmerzmitteln wie Opioiden? Die 10-Jahres-Langzeitstudie ordnet die Wirkung in einen biologischen Zusammenhang ein: das Endocannabinoid-System (ECS). Es handelt sich um ein körpereigenes Regulationssystem, das an der Steuerung von Schmerz, Stimmung, Schlaf, Entzündung und Stressreaktionen beteiligt ist.[2]

Zum ECS gehören Botenstoffe, die unser Körper selbst herstellt, sowie zwei zentrale Rezeptorarten:

Die Cannabispflanze enthält Wirkstoffe – allen voran THC und CBD –, die an diese Rezeptoren andocken können. THC wirkt vor allem über CB1 und kann so die Schmerzintensität reduzieren und die Weiterleitung von Schmerzsignalen im Nervensystem bremsen. CBD wird eine eher entzündungshemmende und ausgleichende Wirkung zugeschrieben, die CB2-aktiv ist, auch wenn CBD in der 10-Jahres-Studie keine zentrale Rolle spielte (dort wurde ein THC-dominantes Präparat eingesetzt).

Der entscheidende Unterschied zu Opioiden: Während Opioide an eigene Opioid-Rezeptoren binden und starke Nebenwirkungen wie Abhängigkeit, Atemdepression oder Verstopfung auslösen können, nutzt Cannabis ein anderes körpereigenes System. Das erklärt, warum manche Schmerz-Patient:innen Cannabis als verträglicher empfinden. Allerdings bedeutet das nicht, dass Cannabis ohne Risiko wäre – auch hier sind Nebenwirkungen möglich, etwa Benommenheit oder Schwindel.

Laut aktuellen Forschungsergebnissen ist das ECS daher ein Schlüsselfaktor, um zu verstehen, weshalb Cannabis bei chronischen Schmerzen helfen kann, die auf herkömmliche Mittel oft nur unzureichend ansprechen.[2]

Wie Cannabis Schmerzen lindern kann. Cannabis enthält die Wirkstoffe THC und CBD, die im Körper am Endocannabinoid-System wirken. THC beeinflusst vor allem CB1-Rezeptoren im Nervensystem, CBD eher CB2-Rezeptoren im Immunsystem. Beides kann zur Schmerzlinderung beitragen.

Cannabis-Präparat oder Cannabis-Blüten: Was sollten Patienten gegen Rückenschmerzen verwenden?

Die aktuellen Studien lassen erkennen, dass es nicht „das eine“ helfende Cannabis gibt, sondern verschiedene Formen, die sich in Wirkung, Dosierung und Verträglichkeit unterscheiden. Für Patient:innen mit chronischen Rückenschmerzen kann das eine wichtige Rolle spielen.

Der Vorteil von medizinischen Cannabis-Präparaten – etwa standardisierte Öle oder Extrakte wie VER-01: genaue Dosierung, gleichbleibende Zusammensetzung und bessere Steuerbarkeit. Besonders für Menschen, die mehrere Wirkstoffe einnehmen, könnte die Standardisierung ein Plus sein.

Cannabis-Blüten wurden in der 10-Jahres-Langzeitstudie verwendet, meist inhaliert oder als Edibles. Hier zeigte sich eine deutliche und anhaltende Schmerzlinderung sowie eine starke Reduktion des Opioidverbrauchs. Allerdings lässt sich die Dosierung schwerer kontrollieren. Wirkung und Verträglichkeit können stärker schwanken und nicht jede Person verträgt inhalierte Produkte gut.[2]

Zusammengefasst deuten aktuelle Studien auf Folgendes hin:

Welche Form geeignet ist, hängt vom individuellen Gesundheitszustand, Vorerfahrungen und der ärztlichen Einschätzung ab.

Der Stand der Dinge – und was noch fehlt

Die Erkenntnisse zu Cannabis bei Rückenbeschwerden sind ermutigend, aber sie lassen Fragen offen. Die große Wirkung der Zehnjahresstudie müsste in kontrollierten Studien bestätigt werden. Und noch ist unklar, welche Formen von Cannabis, welche Dosierungen und welche Patientengruppen am meisten profitieren.

Fest steht: Immer mehr Forschende versuchen, Licht in ein Feld zu bringen, das lange von Einzelberichten und Hoffnungen geprägt war. Die beiden neuen Studien sind ein wichtiger Schritt – hin zu einem nüchternen, evidenzbasierten Blick auf Cannabis als Schmerzmittel.


FAQ

Ja, Orthopäd:innen dürfen grundsätzlich medizinisches Cannabis verschreiben.
Eine 10-Jahres-Langzeitstudie liefert erstmals Hinweise darauf, dass medizinisches Cannabis auch Menschen mit Bandscheibenvorfall helfen kann.[2] In der Untersuchung hatten 83 Prozent der Teilnehmenden einen diagnostizierten Bandscheibenvorfall, viele von ihnen waren zuvor operiert worden oder hatten mehrere erfolglose Therapien hinter sich. Unter einer langfristigen Cannabisbehandlung gingen Schmerzen und körperliche Einschränkungen deutlich zurück, und ein Großteil der Betroffenen benötigte im Verlauf kaum noch Opioide. Die Studie zeigt jedoch nur, dass Cannabis die Symptome lindern kann. Sie zeigt nicht, dass es die Ursachen eines Bandscheibenvorfalls behebt. Fachleute sehen Cannabis daher eher als ergänzende Option, wenn herkömmliche Methoden wie Physiotherapie, Bewegung und Schmerzmittel nicht ausreichen oder schlecht vertragen werden.
CBD wird oft als natürliche Hilfe bei Rückenschmerzen angepriesen – wissenschaftlich ist das bislang so gut wie nicht belegt. Erste Ansätze sind zwar vielversprechend, doch es fehlt an soliden Daten, die zeigen, dass CBD allein wirklich hilft. Hier braucht es deutlich mehr Forschung.[4]


Quellen

[1] Robert Koch-Institut. (2021). Prävalenz von Rücken- und Nackenschmerzen in Deutschland: Ergebnisse der Krankheitslast-Studie BURDEN 2020 (Journal of Health Monitoring, S3/2021).

[2] Robinson, D., Khatib, M., Eissa, M., & Yassin, M. (2025). Long-term cannabis therapy for chronic low back pain: A 10-year prospective study. Integrative Medicine Reports, 4(1).

[3] Karst, M., Meissner, W., Sator, S. et al. Full-spectrum extract from Cannabis sativa DKJ127 for chronic low back pain: a phase 3 randomized placebo-controlled trial. Nat Med (2025).

[4] Bakewell, B. K., Sherman, M., Binsfeld, K., Ilyas, A. M., Stache, S. A., Sharma, S., Stolzenberg, D., & Greis, A. (2022). The use of cannabidiol in patients with low back pain caused by lumbar spinal stenosis: An observational study. Cureus, 14(9), e29196.

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